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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 30.12.2005

 

TOP-THEMA

Wien übernimmt EU-Ratsvorsitz

Zum zweiten Mal in seiner Geschichte übernimmt Österreich am 1. Januar für sechs Monate den EU-Vorsitz. Auf der Agenda stehen heikle Themen, unter anderem die Aufnahme von Bulgarien und Rumänien. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Financial Times - Großbritannien, taz - Deutschland, Die Presse - Österreich

Financial Times - Großbritannien

Mit vorsichtigem Optimismus blicken Donald Bandler und Peter Rashish vom internationalen Beratungsunternehmen Kissinger McLarty Associates, auf die österreichische Ratspräsidentschaft. "Weil Österreich eine geringe Arbeitslosigkeit, einen flexiblen Arbeitsmarkt und ein ansehnliches Wirtschaftswachstum mit sozialer Gleichheit verbindet - und trotzdem im Herzen Europas liegt - ist das Land gut geeignet, an die Bemühungen der britischen Präsidentschaft anzuschließen, die ins Stocken geratenen reformorientierte Lissabon-Strategie wiederzubeleben... Die österreichische EU-Präsidentschaft muss mit Risiken rechnen, vor allem daheim. 2006 wird ein neues Parlament gewählt, entweder im Frühjahr (während der Präsidentschaft) oder im frühen Herbst... Es ist der ideale Zeitpunkt, dass der aufgeklärte, kosmopolitische Geist Mozarts, dessen 250. Geburtstag nächstes Jahr in Wien gefeiert wird, die Richtung des Landes am EU-Ruder vorgeben wird." (30.12.2005)

taz - Deutschland

In Wien werde auch über die Zukunft des Balkans entschieden, schreibt Ralf Leonhard zum Beginn des österreichischen EU-Vorsitzes: "Es geht um nicht weniger als um den endgültigen Zerfall Serbiens - des alten Widersachers österreichischer Großmachtpolitik auf dem Balkan... Im Mai muss entschieden werden, ob Rumänien und Bulgarien schon 2007 oder erst 2008 beitreten können. Die besonders heiklen Entwicklungen allerdings liegen gar nicht unmittelbar in der Kompetenz der EU. So entscheidet Montenegro im ersten Halbjahr 2006 via Referendum über das Schicksal des Staatengebildes Serbien-Montenegro. Zwar in Wien, aber im Rahmen der Vereinten Nationen beginnen Ende Januar Gespräche über den endgültigen Status der serbischen Provinz Kosovo, die unter internationaler Verwaltung steht." (30.12.2005)

Die Presse - Österreich

Christian Ortner sieht die EU vor brisanten außenpolitischen Herausforderungen stehen: den Konflikt um Irans Nuklearprojekt. "Damit stellt sich für die EU - mit sehr, sehr viel Pech sogar schon unter der österreichischen Präsidentschaft, realistischerweise aber jedenfalls binnen einiger weniger Jahre - die Frage, für welches von zwei Risken sie sich entscheiden will: für das Risiko, einen mit Nuklearwaffen ausgestatteten islamofaschistischen Iran samt seiner Auslöschungsfantasien einfach zu akzeptieren; oder aber für das Risiko, im Zuge einer wenn überhaupt vernünftigerweise gemeinsamen militärischen Intervention Israels, der USA und Europas die nuklearen Fazilitäten Teherans auszuschalten zu versuchen." (30.12.2005)

POLITIK

Lidové noviny - Tschechien

Suche nach geeigneten Präsidentschaftskandidaten

Lubos Palata sieht Tschechien vor einem Dilemma: Die Wahl des nächsten Staatspräsidenten erscheint ihm wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, gebe es doch nur zwei Kandidaten, die ungeeigneter nicht sein könnten: der derzeitige Amtsinhaber Vaclav Klaus und sein langjähriger sozialdemokratischer Widerpart, Ex-Premier Milos Zeman. "Nichts gegen beide Herren, jeder hat seine Qualitäten", ironisiert der Kommentator. Klaus sei ein ausgemachter Nationalist und Antieuropäer, der in wichtigen Hauptstädten nicht willkommen sei. Mit Zeman, der dem Alkohol und derben Sprüchen zuneige, könnte es noch schlechter enden. Palata empfiehlt stattdessen die Rückkehr Vaclav Havels, denn er sei "der tschechische Politiker Nummer Eins geblieben". (29.12.2005)

Diario Sur - Spanien

Sorge über Einwanderung

Einer Umfrage zufolge meinen 60 Prozent der Spanier, dass es in ihrem Land zu viele Einwanderer gibt. Nach der Arbeitslosigkeit ist die Immigration die größte Sorge der Befragten. "Die starke Einwanderung, die Spanien in den letzten Jahren erlebt hat und die sich insgesamt positiv ausgewirkt hat, könnte einen Sättigungspunkt erreicht haben. Und jenseits dieses Punktes nimmt man gewisse negative Phänomene deutlicher wahr, wie die störenden Einflüsse auf Beschäftigung und Gehälter oder auch die mit der Integration der Ausländer verbundenen Probleme", vermutet die Zeitung und drängt angesichts dieser wachsenden Sorge auf einen politischen Konsens. "Die politische Verantwortung verlangt nach einer Einigung, die mit der kollektiven Forderung nach sozialer Stabilität verbunden ist." (30.12.2005)

Rzeczpospolita - Polen

Neuausrichtung des Instituts für Nationales Gedenken

Das polnische Institut des Nationalen Gedenkens (IPN) wird seine Ziele wahrscheinlich neu ausrichten, glaubt Andrzej Kaczyński, da gestern Janusz Kurtyka den bei der neuen konservativen Parlamentsmehrheit unbeliebten Begründer Leon Kieres abgelöst hat. "Unklar ist die Zukunft des IPN: Soll es wie bisher die Archive hüten und die Sammlungen zur Verfolgung von nationalsozialistischen und kommunistischen Verbrechen nutzen, oder, wie es die neue Regierung will, das politische Leben des Landes von ehemaligen Geheimdienstmitarbeitern säubern?" (30.12.2005)

Diena - Lettland

Ausblick 2006

Aivars Ozolins zerstreut Befürchtungen, Lettland könnte in nächster Zeit ein so "gemütliches Land wie Luxemburg" werden, und verweist auf die Eishockey-WM in Riga und den Dauerstreit um den Grenzvertrag mit Russland. "Im Oktober stehen Parlamentswahlen an, im November findet der NATO-Gipfel in Riga statt, außerdem geht der Streit um die EU-Fördergelder weiter – alles Dinge, die im politischen und alltäglichen Leben im kommenden Jahr für Dramatik sorgen. Außerdem sind wir katastrophal im Verzug, was die Umsetzung des Schengen-Abkommens betrifft. Bis zu den Wahlen wird sich herausstellen, ob wir es wie geplant bis 2007 schaffen, die Bedingungen zu erfüllen. Die Wirtschaft freilich entwickelt sich stürmisch weiter, und damit dürfte Lettland bald nicht mehr das ärmste EU-Land sein, auch wenn die Inflation auf einem hohen Niveau bleibt und wir noch mindestens ein Jahr auf den Beitritt zur Eurozone warten müssen." (30.12.2005)

To Vima Online - Griechenland

Affäre um geheime Entführungen

Die Tageszeitung glaubt, das Land durchlebe "einen regelrechten Spionage-Thriller internationalen Ausmaßes", seitdem eine örtliche Zeitung aufgedeckt hat, dass im Zuge der in London am 7. Juli verübten Attentate 28 Pakistaner von griechischen und britischen Geheimagenten entführt und verhört worden seien. "Warum schweigt sich die griechische Regierung darüber aus? Und warum leitet sie ein Ermittlungsverfahren ein? Um den Geheimdienst zu decken?", fragt die Zeitung. "Die Diskussion ist eröffnet und hallt auch im Ausland wider. Während die Opposition darauf besteht, über alle Einzelheiten in Kenntnis gesetzt zu werden, wehrt sich die kommunistische Partei gegen die europäischen Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung, die eine Verletzung der demokratischen Grundrechte und -freiheiten darstellen." (30.12.2005)

WIRTSCHAFT

Dagens Nyheter - Schweden

Die Rückkehr der New Economy

Der Börsencrash vor sechs Jahren schien die Skeptiker der New Economy zu bestätigen. Doch heute ist sie Realität, mit einem Potenzial, das sich dank des Internets nur erahnen lasse, wie das Stockholmer Blatt schreibt: "Heute passiert das meiste von dem, was die Börsengurus damals versprachen, aber nicht halten konnten. Es spielt keine Rolle, ob wir dies wollen oder nicht. Schadenfreude oder Jubelschreie sind überflüssig. Die neue Ökonomie ist hier. Nun geht es darum, ihr volles Potenzial auszunutzen, um neue Jobs zu schaffen, die Demokratie voranzutreiben, bessere Schulen, ein globales Netzwerk und eine vitalere Öffentlichkeit zu erreichen." (30.12.2005)

KULTUR

Libération - Frankreich

Geschichte der Pariser Straßenkunst

Urbane Kunst hat viele Facetten, erzählen Stéphanie Lemoine und Julien Terral im Interview mit Annick Rivoire. "Es schien uns absurd, Straßenkunst weiterhin von Graffiti zu unterscheiden", meinen die beiden Autoren des Buches 'In Situ, ein Panorama der Stadt-Kunst von 1975 bis heute'. "Wir haben versucht, zu zeigen, dass es nicht auf der einen Seite die respektlosen und schmutzigen Tags gibt und auf der anderen die kreativen und ästhetischen Wandbilder." Im Übrigen "war die Pariser Szene nicht sehr beliebt, im Gegensatz zu den ersten New Yorker Graffitis. Vielleicht gibt es heute mehr Sprayer aus den Vorstädten als am Anfang, doch die ersten Graffiti-Sprayer waren mit einigen Ausnahmen, die Söhne des Großbürgertums oder der Intelligenz." (30.12.2005)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Kinos in der Krise

Joachim Güntner und Marc Zitzmann bilanzieren das Filmjahr 2005, in dem französische und deutsche Kinos einen Besucherrückgang von dreizehn bis sechzehn Prozent verkraften mussten: "Von offizieller Seite wurde die Parole ausgegeben, Hollywood sei schuld, da 2005 die nötigen US-Blockbuster ausgeblieben seien. Auch das Älterwerden der deutschen Gesellschaft und die Veränderung der zentralen Zielgruppe (vor allem junge Männer bleiben den Filmtheatern fern) werden genannt. Das Probate solcher Erklärungen ist, dass sich die Kinobetreiber nicht an die eigene Nase fassen müssen. Nur gelegentlich wird das kleine Vermögen beanstandet, welches Besucher für das komplette, ohne Coke und Popcorn als unvollständig empfundene Filmerlebnis mittlerweile berappen müssen. Auch dass es die Branche nach dem ersten Höhenflug der Multiplexe versäumte, Neuerungen zu erarbeiten, gehört zu den eher raren Bekenntnissen." (30.12.2005)

The Daily Telegraph - Großbritannien

Hymnen auf den Pianisten Yevgeny Sudbin

Damian Thompson singt eine Lobeshymne auf den 25-jährigen Pianisten Yevgeny Sudbin, der als russischer Einwanderer in Südostengland lebt und bereits im Alter von zehn Jahren seinen ersten internationalen Klavierwettbewerb gewann. "Nach seinen beiden in diesem Jahre herausgegeben CDs prophezeien Kritiker, dass Sudbin, der Teile seiner Kindheit im Keller einer Flüchtlingsunterkunft verbrachte, einer der größten Pianisten dieses Jahrhunderts werden wird. 'In seiner aristokratischen Haltung kann er es sogar mit Arturo Benedetti Michelangeli aufnehmen', schrieb Julian Haylock im International Piano Magazine über Sudbins Debütalbum, einer Scarlatti-Einspielung beim schwedischen Label Bis. 'Sein Spiel ist atemberaubend, so spontan und lebendig, dass man gar nicht glauben kann, dass es in einem Studio aufgenommen wurde.'" (30.12.2005)

ABC - Spanien

Klage gegen Orhan Pamuk abgewiesen

Die gegen den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk erhobene Klage wegen "Beleidigung der Armee" wurde am Donnerstag von der türkischen Justiz abgewiesen. Pamuk hatte in einem Interview erklärt, dass die Armee eines der größten Hindernisse in der demokratischen Entwicklung eines Landes darstellen könne. "Diese Entscheidung gibt der Freiheit in der Türkei einen kleinen Auftrieb. Doch dieses Land hat noch viel zu tun, wenn es weiterhin der EU beitreten will. Es muss nicht zuletzt seinen Rechtsstaat an jene Regeln angleichen, die in den 25 Mitgliedstaaten maßgebend sind", meint die Tageszeitung. Gegen Orhan Pamuk läuft außerdem ein Verfahren wegen "Herabsetzung des Türkentums", wegen seiner Stellungnahmen zum armenischen Völkermord. Dieser Vorwurf soll am 7. Februar verhandelt werden. (30.12.2005)

Berliner Zeitung - Deutschland

Das Musikjahr 2005

"Noch nie verdienten die Plattenfirmen so wenig wie 2005. Noch nie gab es so viel gute Musik" bilanziert Jens Balzer mit Blick auf neue Platten von Franz Ferdinand, Rufus Wainwright, Adam Green, Devendra Banhart und Coco Rosie. Und er beobachtet neue Strategien der Musikindustrie: "Wie in den vergangenen Jahren suchten die großen Schallplattenfirmen ihr Heil sowohl in der Kriminalisierung der Kunden - allein in Deutschland wurden mehrere tausend Prozesse gegen 'illegale' File-Sharer angestrengt - wie auch in eigenen kriminellen Praktiken... Besonders toll trieben es dabei die Kollegen von SonyBMG. Einerseits versuchten sie den Einsatz ihrer Produkte im amerikanischen Radio mit einem fein ausgeklügelten Schmiergeldsystem zu unterstützen; andererseits verblüfften sie die Welt mit einem neuartigen Kopierschutzprogramm, das sich beim Abspielen einer SonyBMG-CD auf dem Computer tief in dessen Betriebssystem verwurzelt und fortan über das Internet persönliche Daten des CD-Käufers an die Plattenfirma übermittelt." (30.12.2005)

LOKALE FARBEN

Diário de Notícias - Portugal

Die Blogs halten Einzug in der Schule

"Die Blogosphäre ist für Lehrer ein geniales Hilfsmittel. Mit dieser Einstellung hat eine Gruppe begeisterter Lehrer den BLOPE-Preis ins Leben gerufen, der portugiesische und spanische Lern-Blogs auszeichnet", berichtet die Zeitung. Der Lehrer Vítor Relvas, einer der Initiatoren des Projekts, meint, dass "die Blogosphäre in der Schule immer mehr genutzt wird". Die Schüler ziehen es vor, für ein reelles Publikum zu schreiben als lediglich "für den Rotstift des Lehrers". Und die Zeitung stellt fest, dass das Interesse am Schreiben um ein Vielfaches zunimmt, wenn die Arbeiten online veröffentlicht werden. "Die Blogs können dem Lernen ein Stück Lebendigkeit zurückgeben", hofft Relvas. (30.12.2005)

Le Monde - Frankreich

Wandel der Familie

Seit einem Jahr erlaubt ein Gesetz den Eltern, ihrem Kind den Namen des Vaters, den der Mutter oder beide zu geben. Agnès Fine, Anthropologin an der Hochschule für Sozialwissenschaften (EHESS), erklärt im Interview, wie sich die Regeln der Namensweitergabe in Frankreich gewandelt haben. "Noch vor einem Jahrhundert konnten die Eltern weder über den Vornamen noch über den Nachnamen ihres Kindes bestimmen. Sie fügten sich der Tradition, indem sie automatisch den Namen des Vaters weitergaben und indem sie akzeptierten, dass der Vorname von den Paten ausgewählt wurde... Heute können die Eltern den Vornamen frei wählen, und, in gewissem Maße, den Nachnamen. Die Familie wird nicht mehr als ein Glied der Generationskette betrachtet, wo die Lebendigen den Toten im Stammbaum folgen. Stattdessen ist die Familie heute ein Ort der Gefühls- und Erziehungsbindungen zwischen Eltern und Kindern, wobei die Mutter eine wichtig Rolle spielt. Daher ist es wichtig, dass auch sie die Möglichkeit hat, ihren Namen weiterzugeben." (30.12.2005)

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