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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 01.08.2006

 

TOP-THEMA

Arbeitsmigration von Ost nach West

Junge qualifizierte Leute aus Osteuropa suchen ihr Glück auf dem Arbeitsmarkt Westeuropas. Und das "alte Europa" profitiert vom Angebot der Arbeitskraft aus dem Osten. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Le Soir - Belgien, Gazeta Wyborcza - Polen, The Irish Times - Irland

Le Soir - Belgien

Für Pascal Martin ist die Tatsache, dass Brüsseler Krankenhäuser rumänische Krankenschwestern einstellen, bezeichnend für die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. "Die westliche Welt ist frustriert und zerfressen von unbefriedigten Bedürfnissen. Es fehlt an Schlossern, Fliesenlegern und Ingenieuren... Die legale Immigration, lange ein Tabu, wird langsam ein Thema... Sie hält uns den Spiegel vor. Wir sehen eine Gesellschaft, die keine Kinder mehr hat und in materiellem Wohlstand und Gefühlsarmut altert. Es ist höchste Zeit für eine neue Familienpolitik, um die Alterspyramide umzukehren. So, wie in Schweden oder Frankreich, neuerdings auch in Deutschland. Eine andere Herausforderung ist diejenige des Wissens. Die einzige Chance für Westeuropa, im Supermarkt der Arbeitskräfte mithalten zu können, besteht zweifellos darin, immer einen Schritt voraus zu sein." (01.08.2006)

Gazeta Wyborcza - Polen

Der Soziolge Miroslaw Chalubinski und der Politologe Piotr Chalubinski sehen zwar, dass die Emigration polnischer Jugendlicher wirtschaftlich problematisch ist, betonen aber die positiven Aspekte: "Die Migration aus Polen ist für viele Menschen eine Chance, sich aus einer für ihre Entwicklung negativen, manchmal pathologischen Umgebung herauszureißen und ihrem Leben eine sinnvolle Richtung zu geben... Viele Polen gehen ins Ausland, weil sie die Wahl und die Freiheit haben und ihre Vorteile nutzen möchten. Für viele ist das Emigrationsabenteuer ein Versuch, Verantwortung für ihr Leben und ihre Entscheidungen zu übernehmen. Junge Polen lassen sich auch vom Entdeckergeist leiten, von dem Drang, sich weiterzubilden und ihre Berufsqualifikation zu verbessern... Emigration führt zu Kontakten zwischen Vertretern verschiedener Kulturen, zum Austausch von Erfahrungen und beschleunigt so die Entwicklung vieler Gesellschaften." (01.08.2006)

The Irish Times - Irland

"Seit der EU-Erweiterung 2004 haben bis zu zwei Millionen Polen ihr Land verlassen. Die beliebtesten Ziele sind bisher Großbritannien und Irland. Doch wer geht? Und warum? Werden sie zurückkehren'?", fragt Piotr Kaczynski, Politikwissenschaftler am polnischen Institut für öffentliche Angelegenheiten. "Die größte Gruppe der Migranten besteht aus jungen, dynamischen, talentierten und gebildeten Polen. Sie sollten eigentlich problemlos in Polen einen Job finden. Aber wenn sich im Ausland fünf bis zehn Mal soviel verdienen lässt, warum zu Hause arbeiten?" Doch Kaczynski glaubt, dass sich das in Zukunft ändert: "Eine geringere Arbeitslosenquote, höhere Gehälter und mehr EU-Geld für die polnische Wirtschaft (bis zu vier Prozent des BIPs) werden das Wirtschaftswachstum, das schon jetzt jedes Jahr mehr als fünf Prozent beträgt, weiter beschleunigen. Irgendwann wird Polen nicht nur zum Investieren, sondern auch zum Leben attraktiv sein." (01.08.2006)

REFLEXIONEN

Diario Sur - Spanien

Aurora Luque über das historische Gedächtnis

Die spanische Schriftstellerin Aurora Luque unterstützt die Gesetzesinitiative der spanischen Regierung, die Rechte der Opfer der Franco-Diktatur und des Bürgerkrieges (1936-1939) anzuerkennen und zu stärken. "Es ist verrückt (oder vielmehr eine bewusste Demenz), zu glauben, man versuche den Geist der Transition - des Übergangs von der Diktatur zur Demokratie nach dem Tod Francos 1975 - zu zerstören. Wenn man die anonymen Toten der Nachkriegszeit ehrt, dann wird das weder die Demokratie zerstören noch zu einer Verteufelung des Mitte-Rechts-Lagers führen oder es zum Schuldigen der Diktatur erklären (wie manche geschrieben haben)... Die Nachkriegszeit mit Hunger, Vergeltung, Unterdrückung, Gleichschaltung, der Zerstörung des intellektuellen Reichtums und der Vernichtung von Freiheiten war eine der schlimmsten Zeiten in der spanischen Geschichte. Man kann nur hoffen, dass unsere jungen Menschen nicht erst ausländische Dokumentarfilme schauen müssen, um das zu erfahren." (01.08.2006)

La Stampa - Italien

Enzo Bianchi über den paradoxen Mittelmeerraum

Der italienische Theologe Enzo Bianchi schreibt über die Gegensätze und Paradoxien des Mittelmeerraumes, der für menschliche Dramen und Kriege, aber auch für Ferienlaune und Sorglosigkeit stehe. "Das Mittelmeer, das Meer umgeben von Land, Mare Nostrum, das Meer, das eine Brücke zwischen den Ländern, Kulturen und unterschiedlichen Religionen sein könnte... Dieses Mittelmeer wimmelt von Ferien-Touristen, von der türkischen Küste bis zu den Küsten Spaniens, Marokkos, Ägyptens. Während die Urlauber, die Touristen in blindem Konsumrausch versinken, verdursten und verhungern arme Menschen, weil sie sich auf den Weg gemacht haben, einen Ort zu finden, der ihnen erlaubt, ein lebenswertes Leben zu führen. Der Mittelmeerraum ist im Libanon aber auch Zeuge eines grässlichen, ungerechten Krieges - wie alle unrechtmäßigen Kriege. Aber kann ein Krieg überhaupt rechtmäßig sein?" (01.08.2006)

Le Temps - Schweiz

Georg Kreis über den neuen Schweizer Patriotismus

Der Nationalstolz, den die Schweizer bei der Fußball-WM zur Schau getragen haben, wird nicht zu einem neuen Patriotismus führen, meint der Schweizer Historiker Georg Kreis im Interview mit Nicolas Dufour. "Diese Bewegung folgte dem Wunsch sich zu zeigen, sich zu bekennen. Die Worte, die Texte oder der Gesang waren nicht so wichtig, es zählte eher das Symbol... Ich glaube nicht wirklich an eine neue kraftvolle Bewegung. Während der WM war dieser gemeinschaftliche Ausdruck etwas zum Wohlfühlen, es war ein einfaches Spiel, das keine Folgen für das Privatleben der Menschen hatte. Das Privatleben wird immer mehr von persönlichen und privaten Werten bestimmt. Die Frage nach gemeinsamen Werten bleibt außen vor... Wahrer Patriotismus basiert auf einer Übereinkunft bezüglich bestimmter Werte." (31.07.2006)

POLITIK

Le Figaro - Frankreich

Die fehlende europäische Stimme

Der amerikanische Politologe Zbigniew Brzezinski, ehemals Sicherheitsberater von Jimmy Carter und heute am Center for Strategic and International Studies (CSIS), bedauert im Interview mit Guillemette Faure, dass die Stimme Europas zum Thema Libanon nicht hörbar ist. "Es ist traurig, aber Europa existiert nur als geographische und nicht als politische Einheit. Der britische Premierminister nimmt das Flugzeug nach Washington und bringt es dann doch nur zu einem Echo der Ansichten von Präsident Bush. Die übrigen Europäer sind unfähig, mit einer einzigen politischen Stimme zu sprechen, was nötig wäre, um den europäischen Einfluss zu stärken und zu einer echten Zusammenarbeit mit den USA zu kommen." (01.08.2006)

Berliner Zeitung - Deutschland

Warum die EU im Nahen Osten keine Rolle spielt

Auch beim heutigen EU-Sondergipfel zum Nahost-Konflikt wird es keine wirksame gemeinsame europäische Haltung geben, fürchtet Gerold Büchner. "Das Problem reicht tief zurück in die Anfänge der EU-Außenpolitik. Nach dem ersten Ölpreisschock vor über 30 Jahren definierte die Gemeinschaft Stabilität im Nahen Osten als gemeinsames Interesse, das abgestimmtes Handeln erfordere. Die Annäherung an die arabische Welt wurde ausbalanciert durch umfassende Unterstützung für Israel, fußend auf ethischer Verpflichtung auf Grund des Holocaust. Moral und Stabilitätsinteresse sind noch heute die Grundpfeiler der EU-Politik in Nahost - nur hilft das wenig, wenn sich erstens die Lage verändert und zweitens die eigene Rolle. Was sie will, weiß die EU, nicht aber, was sie dafür zu tun bereit ist. Nötig wäre eine umfassende Analyse der sich überlagernden Konflikte, Hegemoniegelüste, Risiken und Handlungsoptionen in der Region - aus europäischer Sicht. Dass die Union dazu bereit ist, dafür spricht leider wenig." (01.08.2006)

Tygodnik Powszechny - Polen

Polens EU-Politik

Der Brüssel-Korrespondent des staatlichen polnischen Fernsehsenders TVP, Marek Orzechowski, kritisiert, Polen nehme von der EU nur Geld, beteilige sich aber nicht an der Diskussion über die Zukunft der EU: "Aus Warschau fehlen Signale und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit... Wie der Prozess der europäischen Integration aussehen wird, ist offen, und Polen hat nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, die heutige und künftige Form der Union mitzugestalten. Polen erhält 50 bis 60 Prozent aller für die zehn neuen Mitgliedsländer bestimmten Mittel. Es würde schon reichen, wenn es im Gegenzug zehn Prozent seines intellektuellen Potenzials aufbrächte und sich dem Gespräch über Europa anschlösse." (31.07.2006)

The Independent - Großbritannien

Alkohol gefährlicher als LSD?

Das britische Unterhaus hat am 31. Juli einen Bericht veröffentlicht, in dem Drogen nach wissenschaftlichen Kriterien klassifiziert werden. Sie werden danach geordnet, welche gesundheitlichen Risiken sie tatsächlich bergen. Die Zeitung begrüßt den Bericht, der unter anderem ergab, dass LSD und Ecstasy – beide sind illegal und der Kategorie 'A' in Großbritanniens 'A-B-C'-Einteilung zugeordnet – die Gesundheit weniger schädigen als Alkohol und Tabak. "Junge Leute, die Drogen ausprobieren, überlegen nicht erst, ob Ecstasy in die Kategorie A, B oder C fällt. Meist orientieren sie sich daran, ob viele ihrer Freunde diese Droge nehmen. Wenn sie jedoch Zugang zu einer objektiven Tabelle hätten, die nur das Ausmaß der Schäden, die eine Substanz verursacht, auflistet, dann würden sie diese vielleicht mehr beachten... Dieser Bericht ist vor allem begrüßenswert, weil er das Thema Drogenmissbrauch entmystifiziert und der Naturwissenschaft zuordnet." (01.08.2006)

KULTUR

Woxx - Luxemburg

Das Sozialkino des Lucas Belvaux

Christiane Walerich bespricht den neuen Film des belgischen Regisseurs Lucas Belvaux "La raison du plus faible", der das Abrutschen einer Gruppe von Arbeitslosen in die Kriminalität beschreibt. "Patrick, Jean-Pierre, Robert und Marc treffen sich regelmäßig in einem Café in Lüttich. Der Film macht eine soziale Beobachtung: Was diese Männer verbindet, ist nicht nur das Kartenspiel, sondern auch, dass jeder von ihnen irgendwie gescheitert ist. Mehr oder weniger von ihrem monotonen Alltag oder vom Geldmangel angewidert, träumen die Männer von einem anderen Leben... Der finanzielle Aspekt wie auch der Wunsch nach einer Aufgabe verführt sie dazu, etwas darzustellen – aber auch ein Bedürfnis nach Würde. Mit ihren Verbrechen zeigen sie, dass sie die Welt beeinflussen wollen. Das Scheitern der Kartenspieler ist auch ein Spiegel einer Armutsgesellschaft, in der der Sozialstaat nur solange funktioniert, wie man Teil der Ökonomie ist." (01.08.2006)

Dagens Nyheter - Schweden

Kontroverse um schwedischen Literaturkanon

Die schwedische Partei Folkpartiet hat vorgeschlagen, einen verbindlichen Literaturkanon einzuführen und damit für eine landesweite Debatte gesorgt. Stefan Jonsson ist gegen den Vorschlag, da er meint, hier werde Literatur missbraucht, um ein falsches und beschränktes Bild von dem zu vermitteln, was schwedisch sei. "Es ist naiv zu glauben, man erhalte das Interesse an Literatur, indem man einen staatlichen Kanon verordnet. Eine solche Maßnahme wirkt erbärmlich, wenn man bedenkt, welche Wissenslücken und soziale Ungleichheiten in den Schulen herrschen. Im Vergleich zu wirksamen Maßnahmen – zum Beispiel einer Stärkung des Lehrerberufs, mehr Förderung für Schulen und Bibliotheken oder mehr Schulstunden für Schwedischunterricht – ist der Vorschlag eines schwedischen Literaturkanons rein symbolisch." (01.08.2006)

taz - Deutschland

Deutschland reformiert seine Rechtschreibung

Nach acht Jahren heftiger Diskussion tritt heute in Deutschland eine neue Rechtschreibreform in Kraft. Seit 1998 hat sich der "Rat für deutsche Rechtschreibung" bemüht, eine damals beschlossene Reform der deutschen Sprache zu überarbeiten und die Schreibweise zu vereinfachen. Allerdings sind die neuen Regeln oft nicht eindeutig. Sascha Tegtmeier spricht von einem "kreativen Schreibchaos": "Seit Jahren schreiben die meisten ohnehin, wie es ihnen gefällt. Nun kann man es endlich mit gutem Gewissen tun. Damit wird allein das zur Regel, was der Großteil der Bevölkerung an der Rechtschreibreform verstanden hat - und das ist wenig. In der Schreibanarchie, in der sich noch Goethe und Schiller austobten, sind wir damit zwar nicht angekommen. Aber die neu gewonnene Freiheit wird die Toleranz der Leser erhöhen, Schreibvarianten zu akzeptieren, die sie vorher noch nie gesehen haben. So könnte im Laufe der kommenden Jahrzehnte 'von unten' das erreicht werden, was die Rechtschreibreform nie erreicht hat: die Orthografie sinnvoller und einfacher zu gestalten." (01.08.2006)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Yves Saint-Laurents Höllenfahrten

Marc Zitzmann lässt die Karriere des französischen Modeschöpfers Yves Saint-Laurent Revue passieren, der heute seinen 70. Geburtstag feiert. "Vielleicht ist es kein Zufall, dass Saint-Laurent 1977 ein Parfum namens 'Opium' lanciert. Je finsterer die private Höllenfahrt des Couturiers, desto leuchtender seine Kreationen. Mit jeder Flasche Cristal Roederer werden die Farbkombinationen berauschender, mit jeder Pille, jeder Prise Kokain die Kompositionen betörender. Saint-Laurents Defilees ähneln immer mehr einem hochästhetischen und resolut realitätsfernen Abschiedsritual an die Welt von gestern... Saint-Laurent, der mit 30 Jahren aussah wie ein Jüngling, stilisiert sich mit 50 zum Greis. Er, der 1971 verkündet hatte, die Haute Couture sei eine 'alte Dame', die er zugunsten des Prêt-à-porters verlassen werde, hat die Konzeption der 'Rive Gauche'-Kollektionen längst Assistentinnen überantwortet. Er, den die Straße einst inspirierte, verteufelt sie nunmehr als den Laufsteg aller Scheußlichkeiten. Er, der einmal den Modediskurs der Zeit bestimmte, ist ein Objekt für Museumsretrospektiven geworden." (31.07.2006)

LOKALE FARBEN

Népszabadság - Ungarn

Eszter Babarczy über Korruption in Ungarn

Auch 16 Jahre nach der Wende misstrauen die Ungarn ihren staatlichen Institutionen, der Regierung und den Gesetzen. Da erscheint ihnen Korruption als probates Mittel, um eigene Interessen durchzusetzen, analysiert die Soziologin Eszter Babarczy, die sich an die 80er-Jahre erinnert fühlt: "Meinen ersten Kühlschrank ergatterte ich damals mit einem Kuss. Der Preis, den der Verkäufer nannte, schien mir gerecht... Wenn alle wissen, dass es langfristig sinnvoll ist, Spielregeln einzuhalten, dann passen sich früher oder später alle an, weil sie den Druck der anderen spüren. Wir brauchen zuerst Regeln, an deren Wirksamkeit alle glauben. Doch diese Regeln können nicht von der Regierung oder den verschiedenen Interessengruppen erfunden werden. Diese können den Bürgern nur klar machen, welche langfristigen Konsequenzen unser jetziges Verhalten hat. Erst dann können neue Regeln vorgeschlagen werden." (01.08.2006)

Delo - Slowenien

Sloweniens gute Beziehung zu Russland

Der Journalist Boris Cibej nimmt die Einweihung einer kleinen russischen Kapelle in Slowenien zum Anlass, über die Beziehungen des Landes zu Russland nachzudenken. "Nach dem Zerfall Jugoslawiens hat Slowenien bewiesen, dass man in Russland erfolgreich Geschäfte machen kann. Das Land hat in dieser Hinsicht nie Barrieren gespürt wie andere kleine europäische Staaten, die Moskau wegen ihrer Einstellung zu Tschetschenien ein Dorn im Auge sind. Vielleicht hat die slowenische Wirtschaft einfach Glück gehabt, dass ihre Politiker in Moskau keine Lippenbekenntnisse abgelegt haben, wie es andere Staatschefs der ehemaligen jugoslawischen Republiken getan haben." (01.08.2006)

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