Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 29.11.2006

 

TOP-THEMA

Ein neuer Gigant auf dem europäischen Energiemarkt

Das britische Energieunternehmen Scottish Power hat am 28. November ein Übernahmeangebot der spanischen Iberdrola akzeptiert. Sollte die EU-Kommission diese Fusion billigen, entstünde der drittgrößte Energieanbieter in Europa. Wohin führt die Liberalisierung der Energiemärkte? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Diario Sur - Spanien, The Herald - Großbritannien, La Tribune - Frankreich

Diario Sur - Spanien

"Die geografische Aufschlüsselung der Verkaufszahlen zeigt, dass das aus der Fusion entstehende Unternehmen über einen weit größeren Aktionsrahmen verfügt als der spanische Part. Es wird erheblichen Einfluss in der europäischen Sphäre haben", betont die Zeitung. "Das ist wichtig für die künftige Geschäftspolitik der Unternehmen. Denn selbst wenn es Brüssel nicht gelungen ist, einen gemeinsamen Energiemarkt auf die Beine zu stellen, muss man anerkennen, dass es versucht, soweit es in seiner Macht steht, seine Prinzipien der Realität anzupassen. Deshalb sollten eventuelle Fusionen innerhalb der EU freundlicher aufgenommen werden und weniger Restriktionen unterliegen - auf europäischer wie auf nationaler Ebene. Mit dieser Fusion wird Iberdrola... so groß, dass es zu einem Akteur auf dem Weltmarkt wird." (29.11.2006)

The Herald - Großbritannien

"Europas Energiemärkte müssen kommendes Jahr vollkommen liberalisiert sein. Ziel sind bessere Preise für Großkunden und Verbraucher", notiert die schottische Zeitung. "Doch europaweite Fusionen oder Fusionen innerhalb einzelner Staaten, die zur Entstehung von Versorgungsgiganten führen, könnten den gegenteiligen Effekt haben. Es wäre ein Rückschritt für die Verbraucher, wenn die Übernahme von Scottish Power wieder nur ein Beispiel für eine Expansion wäre, die letztendlich Marktkontrolle zum Ziel hat. Iberdrola hat Erfahrung im Umgang mit politischen Befindlichkeiten im Baskenland. Gestern hieß es tröstend, die Übernahme sei gut für die Angestellten und Kunden von Scottish Power. Das hatten wir schon mal. Die Geschichte lehrt, dass solche Versicherungen wenig zählen, wenn das erworbene Unternehmen wegen finanziellen Drucks von einem fernen Hauptquartier geopfert wird. Auf jeden Fall muss Iberdrola sicher stellen, dass dies mit Scottish Power nicht geschieht." (29.11.2006)

La Tribune - Frankreich

"Die Lehre aus der Fusion des spanischen Iberdrola mit dem britischen Scottish Power lautet, dass die Geschichte der Fusionen im europäischen Energiesektor noch nicht zu Ende ist", erklärt Pascal Aubert. "Wenn es stimmt, was die besten Fachleute prognostizieren, nämlich dass die Liberalisierung der Energiemärkte in der EU dazu führt, dass es in zehn Jahren nur noch drei oder vier Großunternehmen von kontinentaler oder internationaler Reichweite gibt, so weiß dennoch niemand, wer diese künftigen Giganten sind. Vor ein paar Wochen war noch überhaupt keine Rede von einer Kombination Scottish Power - Iberdrola... Es wird deutlich, wie die Annäherung von zwei mittleren Unternehmen - die niemand je in der Liga der Großen spielen sah - die Hierarchie der ganzen Sparte auf den Kopf stellen kann. Dieses Kegelspiel sollte allen konkurrierenden Energieproduzenten zu denken geben." (29.11.2006)

REFLEXIONEN

Libération - Frankreich

Souâd Belhaddad über die 'dunklen Stellen' der französischen Geschichte

Die franko-algerische Schriftstellerin Souâd Belhaddad kritisiert den "Relativismus" in der französischen Debatte über den Umgang mit der kolonialistischen Vergangenheit und dem Algerienkrieg. "Ein Politiker erklärte kürzlich in einer Fernsehsendung explizit: 'Hören wir auf, uns für unsere Vergangenheit zu entschuldigen, wenden wir uns der Zukunft zu'... Wer jetzt erklärt, er habe die Reue satt, hat der je bereut? Wann und beim wem hat er um Entschuldigung gebeten? Hat die Mehrheit der Franzosen die im Fernsehen geäußerten Worte des Bedauerns gehört, die der französische Botschafter in Algerien über das Massaker von Sétif im Jahr 1945 geäußert hat? ... Wir müssen die dunklen Stellen der französischen Geschichte beschreiben und benennen, wenn wir konstruktiv sein wollen und nicht einfach nur dagegen... Es ist Platz für alle im Gedächtnis Frankreichs. Unter der Voraussetzung, dass dies erwünscht ist. Und das Gedächtnis der anderen nicht als Gefahr für das eigene angesehen wird." (29.11.2006)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Uwe Justus Wenzel über Glaube und Vernunft

Der Feuilletonist Uwe Justus Wenzel denkt anlässlich des Papst-Besuches in der Türkei noch einmal über das Verhältnis von Glauben und Vernunft nach, das Benedikt XVI. in seiner umstrittenen Regensburger Vorlesung problematisiert hatte. "Ins Auge sticht aus einigem Abstand, dass Benedikt den Protestantismus derselben Verfehlung zeiht, die er - durch den Mund des byzantinischen Kaisers Manuel - den Anhängern Mohammeds vorhält: Religion und Vernunft auseinanderzureißen. Die Folge im einen, im islamischen Fall, so legt der Redetext nahe, sei das Schwert, mit dem der vermeintlich rechte Glaube verbreitet werde; im anderen Fall sei es der Subjektivismus des Gewissens, die 'Beliebigkeit' des individuellen Gottesverhältnisses, die dem Relativismus des modernen Lebens kaum noch etwas - jedenfalls keine 'gemeinschaftsbildende Kraft' mehr - entgegenzusetzen habe. Protestantismus und Islamismus als zwei Seiten derselben Medaille? Das wäre wohl eine Zuspitzung des Gedankens, aber es wäre noch derselbe Gedanke." (29.11.2006)

POLITIK

The Times - Großbritannien

EU-Entscheidung über Emissisonswerte

Laut James Cameron, dem stellvertretenden Vorsitzenden von Climate Change Capital, wird EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am 29. November die neuen Emissions-Höchstwerte bekanntgeben, die von 2008 bis 2012 in den EU-Ländern gelten sollen. "Die EU-Mitgliedstaaten haben sich auf mehreren Ebenen der Verantwortung entzogen und gegen eine grundlegende Reduzierung des Kohlendioxidausstosses gestritten. Manchmal haben sie heuchlerisch mehr Maßnahmen zum Klimaschutz verlangt und gleichzeitig Pläne unterbreitet, die zu keiner Reduzierung, aber zu mehr Profit der Industriekonzerne auf Kosten der Umwelt geführt hätten. Jetzt kennen wir die wahren Zahlen, wir wissen, wer uns letztes Jahr getäuscht hat. Es gibt einen rationalen Grund für die weltweite Reduzierung, die über die vorliegenden Pläne um etwa zehn bis zwanzig Prozent hinausgehen müsste... Aus dem Stern-Bericht haben wir gelernt, dass es unsere Wirtschaft nicht viel kostet zu tun, was wir tun müssen... Die Kosten des Nichthandelns sind dagegen enorm." (29.11.2006)

Der Standard - Österreich

Kein Herz für Europa

Beim letzten 'Eurobarometer', das die EU-Kommission halbjährlich als Meinungsumfrage zu EU-relevanten Themen in den einzelnen Ländern durchführen lässt, rangierte Österreich in Bezug auf eine Wertschätzung der EU ganz unten - nämlich auf Platz 25. Peter Filzmaier spottet: "Mehr Plätze gibt es nicht". Besorgt kommentiert er: "Nach dem Ballyhoo um die eigene Präsidentschaft ist das EU-Thema bei uns in der Versenkung verschwunden. Alle Parteien widmen sich längst mit Lust und Wonne den Niederungen der Innenpolitik. Als wäre die EU für eines ihrer Mitgliedsländer kein Teil derselben. Nach konservativen Rechnungen werden zwei Drittel der Gesetze in Brüssel entschieden. Doch die belgische Hauptstadt dient bloß dazu, als Reibebaum den Populismus zu maximieren. Dabei kann man etwa Alfred Gusenbauer und Wolfgang Schüssel viel vorwerfen, nicht jedoch Desinteresse an EU-ropa. Doch sogar in ihren Parteien gilt: Wer in Brüssel landet, wurde quasi ins Exil abgeschoben. 'They never come back!' Wenigstens nicht in nennenswerter Funktion." (29.11.2006)

Göteborgs-Posten - Schweden

Die Nato und die EU

Die Zeitung plädiert dafür, dass Schweden der Nato beitritt, falls sie sich zu einer internationalen Friedens- und Sicherheitsorganisation entwickelt, in der die USA nicht zu sehr dominieren. "Bis der Kurs der Nato feststeht, ist es jedoch wesentlich wichtiger, dass Schweden sich für eine vertiefte verteidigungs- und sicherheitspolitische Arbeit in der EU einsetzt, damit in der transatlantischen Allianz mehr Gleichberechtigung herrscht. Dazu sollte die Regierung deutlich machen, dass Schweden innerhalb der EU kein allianzfreies Land ist." (29.11.2006)

La Repubblica - Italien

Putin als Nato-Gipfel-Schreck

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte zwischenzeitlich verlauten lassen, er wolle informell beim Nato-Gipfel in Riga auftauchen. Anlass für Andrea Bonanni, über Putins Rolle als Party-Schreck nachzudenken. "Es ist ganz Putins Art, die Spaltungen innerhalb Europas und der Nato noch zu unterstreichen... Putin hat für große Aufregung gesorgt, als er sich selbst nach Riga einlud - wohin er seit Lettlands Unabhängigkeit keinen Fuß mehr gesetzt hat -, um an einem Geburtstagsabendessen für seinen Freund Chirac teilzunehmen. Doch angesichts der politischen Peinlichkeit und der diplomatischen Aufregung, musste Putin von seiner Idee wieder Abstand nehmen. Die Aktion des Kreml-Chefs, die nur mit Billigung Chiracs möglich war, wirft ein Licht auf die wachsende Uneinigkeit der Nato-Mitglieder." (29.11.2006)

24 heures - Schweiz

Papst nicht mehr gegen EU-Beitritt der Türkei

Die Türkeireise von Papst Benedikt XVI. könnte die Beziehungen zwischen der EU und der Türkei verbessern, meint Philippe Dumartheray. "Anfänglich hatte diese Papstreise ein rein religiöses Ziel: die Erneuerung der Bande zwischen den Katholiken und den Orthodoxen und der Versuch, den tausendjährigen Zwist zwischen diesen beiden Richtungen des Christentums zu überwinden... Doch ein Zusammenhang zwischen Religion und Politik ist schnell hergestellt. Im Fall Benedikt XVI. ist er ganz offensichtlich. Früher, als er noch Kardinal war, hat er aus seiner Abneigung gegenüber einer EU-Mitgliedschaft der Türkei nie einen Hehl gemacht. Nun aber hat der Papst am ersten Tag seiner Reise einen EU-Beitritt der Türkei befürwortet. Dieser Richtungswechsel muss sehr genau beobachtet werden, denn er könnte die europäischen Christdemokraten beeinflussen, vor allem die Deutschen, die einer türkischen EU-Mitgliedschaft eher ablehnend gegenüber stehen." (29.11.2006)

Canarias7 - Spanien

Korruption in Spanien

In Spanien hat es in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Korruptionsenthüllungen vor allem im Immobiliensektor gegeben. Abgeordnete aller politischer Parteien in verschiedenen Städten sind davon betroffen. Antonio Papell meint, diese Skandale trügen "zur Verbreitung der dekadenten Idee bei, dass es in einigen Bereichen möglich ist, vor aller Augen dreist zu klauen... Jeder kann korrupt werden. Es bedarf einer neuen Generation von Politikern, die bereit ist, sich dem Unmoralischen und der Käuflichkeit zu versagen. Einer Generation, die sich dagegen auflehnt, als Handlanger von Clans zu handeln, die ihre Autonomie beschneiden. Nur mit einem radikalen Schnitt kann die Politik ihre Wertschätzung wiedererlangen. Nur so können die Bürger ein Licht am Ende des Tunnels erkennen, das als Richtwert für das kollektive Gedächtnis dienen kann." (29.11.2006)

WIRTSCHAFT

Hufvudstadsbladet - Finnland

Finnen protestieren erfolgreich gegen höhere Strompreise

Das finnische Energieunternehmen Fortum hat nach heftigen Protesten der Bevölkerung eine Strompreiserhöhung zurückgenommen. Volkes Wille könne Berge versetzen, wenn er in Wallung gerate – sogar gegenüber einem börsennotierten Unternehmen, freut sich Johanna Westman. "Diese Kehrtwende ist eine Reaktion auf die massive Abwanderung der Kunden. Diese Vermutung wird dadurch bestätigt, dass auch die anderen Stromunternehmen auf Preiserhöhungen verzichten. Die wütenden Kunden haben die Versprechen Fortums nicht vergessen und das Unternehmen zum Nachgeben gezwungen. Soll der Strommarkt optimal funktionieren, müssen preisbewusste Verbraucher regelmäßig nach billigeren Alternativen suchen, auch wenn sie gerade nicht wütend sind." (29.11.2006)

KULTUR

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Der lettische Kultregisseur Alvis Hermanis

Renate Klett freut sich am Talent des lettischen Regisseurs Alvis Hermanis, dessen Inszenierung des Stückes "Ljod" nach einem Roman von Wladimir Sorokin sie beim Theaterfestival in Riga gesehen hat. "Die Leichtigkeit, mit der Hermanis den pathetischen Text in ein großes kindliches Spiel verwandelt, und wie er aus der Kraftmeierei viel Grazie, aus brünstigem Männerkitsch eine leichtfüßige Ironie herauskitzelt, das wirkt in Riga eleganter und komischer als in Frankfurt [wo er dasselbe Stück inszeniert hat]... Hermanis ist keiner, der die großen Gefühle scheut, aber er lässt sich von ihnen nie die Intelligenz vernebeln oder den Theaterinstinkt. Der Mann könnte das Telefonbuch inszenieren, und es wäre aufregender als fast alles sonst; und dass er immer wieder etwas Neues ausprobiert, ist auch rar in Zeiten des Markenstylings." (29.11.2006)

Wprost - Polen

Verleihung des Europäischen Filmpreises in Warschau

Am 2. Dezember wird in Warschau der Europäische Filmpreis verliehen. Piotr Gociek nimmt die europäische Konkurrenz zum amerikanischen Oscar auf die Schippe. "Die Großen der europäischen Filmwelt kommen nach Warschau, um zum wiederholten Mal dem Billigkram aus Hollywood Paroli zu bieten und wahre Kunst zu propagieren... Die polnische Filmwelt und die Medien verkünden unisono seit Jahren die Wiederauferstehung des polnischen Kinos. Es ist also höchste Zeit, dass auch die europäischen Nachbarn diese sich entwickelnde Macht wahrnehmen und schätzen lernen. Letztendlich kennen sie sich doch mit der Filmkunst aus - nicht wie die primitiven Amerikaner, die die universelle Schönheit von Andrzej Wajdas 'Pan Tadeusz' oder die inszenierte Großzügigkeit von Jerzy Kawalerowiczs 'Quo vadis' hartnäckig nicht sehen wollen." (27.11.2006)

SPORT

Dziennik Gazeta Prawna - Polen

Polen feiert Volleyballsieg gegen Russland

Polen hat am 28. November in der zweiten Runde der Volleyball-Weltmeisterschaft in Japan 3:2 gegen Russland gewonnen. Siege gegen die Sowjetunion waren schon in kommunistischen Zeiten etwas Großartiges, erinnert der Publizist Maciej Rybinski ironisch: "Die polnischen Volleyballer stärken uns geistig, indem sie gegen Russland gewinnen. Sportwettkämpfe gegen Russen, ob das Angehörige der Sowjetunion oder Russen selbst waren, hatten immer ein transzendentales Element. Wettkämpfe unter Beteiligung von Polen und Russen waren, um Clausewitz zu travestieren, eine Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Zu Zeiten der Volksrepublik war ein Sieg gegen die Sowjets gleichzeitig ein Triumph über die Ideologie. Heute, in Zeiten der Freiheit und Marktwirtschaft, bedeutet das einen Sieg gegen Gasprom." (29.11.2006)

LOKALE FARBEN

Omni.lt - Litauen

Litauens Probleme mit den Nachbarn

"Litauen ist zwar EU-Mitglied, aber physisch von der weiten Welt abgeschnitten", beklagt Saulius Spurga das schlechte Verhältnis zu Litauens Nachbarn. Zwar sprächen die Litauer eine dem Lettischen verwandte Sprache, seien aber historisch eher mit Polen verbunden. "Auf dem Landweg ist Litauen schwer zu erreichen - die Polen fördern das Autobahnprojekt 'Via Baltica' nicht gerade... Und auch über Lettland wissen wir erstaunlich wenig. Welcher Litauer weiß zum Beispiel, wer lettischer Premier ist oder wie die lettischen Parlamentswahlen ausgegangen sind? Bei uns werden nur absurde Meldungen über das Nachbarland verbreitet und der Streit über Milchpreise geschürt. Als brüderlich kann man unsere Beziehungen nicht bezeichnen." (29.11.2006)

Weitere Inhalte