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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 01.03.2007

 

TOP-THEMA

Gefährdet die Politik das Unternehmen Airbus?

Der Präsident des europäischen Luftfahrtkonzerns Airbus, Louis Gallois, hat am 28. Februar einen Sanierungsplan vorgelegt. 10.000 Arbeitsplätze sollen über einen Zeitraum von vier Jahren abgebaut werden, davon 4300 in Frankreich und 3700 in Deutschland. Die europäische Presse sieht die Zukunft des Unternehmens nur dann gesichert, wenn die deutsch-französische Doppelspitze des Mutterkonzerns EADS abgeschafft wird. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
The Economist - Großbritannien, Süddeutsche Zeitung - Deutschland, Le Temps - Schweiz, Le Figaro - Frankreich

The Economist - Großbritannien

Die Wochenzeitung denkt über die deutsch-französischen Beziehungen in der Airbus-Krise nach. "Die französische Regierung ist an EADS, dem Mutterkonzern von Airbus, beteiligt, zusammen mit staatseigenen Banken und Firmen. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen in Frankreich möchte dort niemand, dass Jobs abgebaut werden. Deutschland, das vor kurzem ein Bankenkonsortium überredete, einen Teil von EADS zu kaufen, das von DaimlerChrysler verkauft wurde, wollte ebenfalls seinen Einfluss sichern und seinen Anteil an Hightech-Arbeitsplätzen behalten... Während des zwei Jahre währenden Nahkampfs im Aufsichtsrat zwischen der französischen und der deutschen Fraktion hat Airbus drei Vorstandsvorsitzende verloren. Aus entspannungspolitischen Gründen hat EADS französische und deutsche Ko-Chefs und Ko-Aufsichtsratsvorsitzende (obwohl aus pragmatischen Gründen der französische Chef von EADS, Louis Gallois, die Verantwortung für Airbus übernahm). Trotzdem wird immer noch zu viel Kraft darauf verschwendet, dass die deutsche und die französische Beteiligung ein ausgewogenes Kräfteverhältnis ergeben." (01.03.2007)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Ulrich Schäfer findet es richtig, "dass Airbus jetzt handelt - und nicht erst in ein paar Jahren. Es ist richtig, dass die Firma sich inmitten eines beispiellosen Booms beim Flugzeugbau daran macht, ihre Strukturen zu verändern und die Kosten zu senken. Nur dann wird Airbus den unvermeidlichen Abschwung überstehen. Das Unternehmen muss noch aus einem zweiten Grund handeln: Das Desaster beim A380, dem größten Passagierflugzeug der Welt, hat gezeigt, dass die Arbeitsteilung bei Airbus nicht funktioniert, sondern nur die wechselseitige Schuldzuweisung... Verantwortlich für Airbus fühlen sich allerdings nicht nur die Manager, sondern mehr noch die Regierungen in Berlin und Paris, deren Vorgänger das Unternehmen gegründet haben. Weil sie in den vergangenen Wochen bei Airbus mächtig hineinregiert haben, bleibt das Sanierungsprogramm des Unternehmens auf halbem Weg stecken. So will Airbus die Maschinen aus der A320-Familie stärker in Hamburg montieren, aber ein bisschen immer noch in Frankreich... Am großen Kuddelmuddel bei Airbus wird sich also kaum etwas ändern." (01.03.2007)

Le Temps - Schweiz

Yves Petignat vertritt die Meinung, die Regierungen sollten sich künftig nicht mehr in das Management von Airbus einmischen. "Airbus ist angeschlagen wegen der unerwartet hohen Kosten des Langstreckenflugzeugs A350 und des Wechselkurses des Euro. Es ist geschwächt, weil es zu viele Produktionsstätten hat und weil ihm der Wirtschaftspatriotismus zusetzt. Wenn das Flugzeug dennoch ein technologischer und wirtschaftlicher Erfolg ist, dann verdankt es das vor allem dem guten Willen in der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Aber nun hat diese direkte Beteiligung der beiden Staaten das Unternehmen beinahe ruiniert... Die Politiker müssen sich aus dem Airbus-Unternehmen zurückziehen. Denn die Krise bezeichnet das Ende des Modells der deutsch-französischen Zusammenarbeit mit doppelter Führung. Die Wirtschaftsphilosophie der beiden Staaten ist grundlegend verschieden: interventionistisch die eine Seite, liberal die andere. Darum sollte man ein neues Partnerschaftsmodell auf europäischer Ebene entwickeln, das das deutsch-französische ablöst." (01.03.2007)

Le Figaro - Frankreich

Gaëtan de Capèle meint, dass es noch "eine wichtige Etappe zu bewältigen gilt: Der Aktienbesitz von EADS, dem Mutterkonzern des Flugzeugbauers, und sein Einflussbereich müssen vollständig offen gelegt werden. Auf dem Papier las sich die schöne Idee der Gründerväter verführerisch, ein wirklich europäisches Unternehmen zu schaffen, das auf einer strikten französisch-deutschen Parität gründete - in Wirklichkeit ist sie nichts als ein Köder. Weil Airbus zur Geisel nationaler Interessen wird, geht es mit dem Unternehmen bergab. Was als Addierung von Kompetenzen und Unternehmenskulturen gedacht war, hat sich in ein trauriges Theater der heimtückischen Angriffe und Tiefschläge verwandelt, es herrscht Misstrauen zwischen Franzosen und Deutschen... Es wird Zeit, die Sache zu Ende zu denken. Schwierige und überflüssige Aktionäre [wie Daimler-Chrysler und Lagardère] sollten verabschiedet werden, statt dessen sollte man sich um andere bemühen, die mit Bedacht in das investieren, was allem Anschein zum Trotz eine der schönsten europäischen Unternehmungen ist." (01.03.2007)

REFLEXIONEN

Frankfurter Rundschau - Deutschland

Ian Kershaw über die deutschen Opfer alliierter Bombardements

Stilisieren sich die Deutschen mit Filmen und Büchern, die an Flächenbombardement und Vertreibung erinnern, gerade zum neuen Opfervolk des Zweiten Weltkriegs? Deutsche Opfer gab es natürlich, ein Opfervolk waren die Deutschen aber nicht, sagt der britische Historiker Ian Kershaw im Gespräch mit Christian Schlüter. "Das Flächenbombardement war ein grausames, gegen die Zivilbevölkerung gerichtetes Kriegsmittel. Niemand würde das heute noch gutheißen. Gleichwohl hatte Deutschland die Möglichkeit, das zu verhindern: Bei einer frühzeitigen Kapitulation hätte es keine Bomben mehr gegeben. Die Opfer der Nationalsozialisten hatten keine Möglichkeit, ihr Leid zu beenden. Die Bombardierung unterscheidet sich daher grundlegend von den Verbrechen, die im deutschen Namen begangen wurden, übrigens nicht nur in Hinblick auf die Vernichtung der Juden, sondern auch in Hinblick auf die Zivilbevölkerung in den besetzten Gebieten, gerade im Osten. Die Verbrechen des NS-Regimes waren ideologisch bedingt, die Bombardierung war ein, wie ich noch einmal unterstreichen möchte, grausames Kriegsmittel." (01.03.2007)

Le Soir - Belgien

Philippe Vincke und Emmanuelle Danblon gegen Tariq Ramadan

Der Rektor der Freien Universität Brüssel (ULB) Philippe Vincke und seine Beraterin Emmanuelle Danblon erklären, warum sie den Islamspezialisten Tariq Ramadan nicht an ihrer Uni sprechen lassen wollen. Sie wollen "die Gemeinschaft darauf aufmerksam machen, dass bestimmte Positionen, die potenziell aufklärungsfeindlich sind, Zulauf haben, auch wenn sich die Teilnehmer der Debatte einer politisch korrekten Sprache bedienen. Keiner von uns würde es akzeptieren, wenn ein Führer der fremdenfeindlichen Rechtsextremen auf dem Campus erschiene. Wir haben die Pflicht, nicht mit zweierlei Maß zu messen. Seit einiger Zeit sind bestimmte Ansichten, Praktiken und Forderungen, die den politischen Laizismus und das Zusammenleben bedrohen, auf dem Campus gang und gäbe geworden... Muss man daran erinnern, dass Tariq Ramadan die Steinigung von Frauen nie klar verurteilt hat, auch wenn man ihn direkt dazu aufgefordert hat? Vielmehr werden seit einiger Zeit Unbehagen, Tabus und Ängste spürbar, sich auf bestimmte wissenschaftliche Theorien zu beziehen oder bestimmte historische Fakten ans Tageslicht zu bringen." (01.03.2007)

Newsweek Polska - Polen

Pawel Felgenhauer warnt vor neuem Wettrüsten

Die Ankündigung der USA, in Polen und Tschechien Teile eines Raketenabwehrsystems zu stationieren, hat zu russischen Drohungen geführt. Der Moskauer Militärexperte Pawel Felgenhauer warnt im Gespräch mit Michal Kacewicz vor einem neuen Wettrüsten und kritisiert zugleich die Politik der russischen Regierung: "Der nächste Schritt der USA wird sein, Raketen in Ostmitteleuropa zu stationieren... Die USA besitzen außerdem Tomahawk-Raketen, und Russland verfügt bisher über nichts Entsprechendes. Für Russland, das bei solchem Kräftemessen nie besonders erfolgreich gewesen ist, waren Verträge immer von Vorteil. Das verstehen aber die aktuellen Kreml-Machthaber nicht. Ein anderer Punkt ist, dass Putin mit seiner Angstmache kurz vor den Wahlen die Position des Militärs stärken will... Der größte Traum der russischen Generäle ist es, die ihrer Ansicht nach entwürdigenden Abrüstungsverträge aufzukündigen, die in den 1980er und 90er Jahren geschlossen wurden, als die Sowjetunion beziehungsweise Russland schwach war." (27.02.2007)

Dnevnik - Bulgarien

Witan Stefanow über Bulgariens kulturelle Isolation

Witan Stefanow, Philosoph an der Universität Sofia, beschreibt, wie Bulgarien in entscheidenden Punkten von außen beeinflusst wurde. "Konstantinopel ist ein historischer Ort, eine geografische und kulturelle Festung, eine Brücke und Grenze zwischen den Kontinenten, Kulturen und Epochen. Konstantinopel bedeutet für uns aber auch Fluch und Schicksal... Der Niedergang nationaler Ideale infolge der Balkankriege und des Ersten Weltkrieges führte dazu, dass sich die bulgarische Intelligenz der sozialistischen Ideologie zuwendete, die jedoch erneut von einem außerhalb liegenden Zentrum gesteuert wurde - von Moskau. Wieder kam es zu Nachahmung und Imitation, erneut erlebten zwei Generationen kulturelle und politische Isolation. Dann kam Dankbarkeit auf für die Ereignisse, die 1989 außerhalb Bulgariens stattfanden und das Ende des sozialistischen Mythos mit sich brachten... Wieder wurde ein neues Zentrum außerhalb errichtet, irgendwo im Westen... Bulgarien befindet sich heute an der Peripherie der europäischen Kultur." (01.03.2007)

POLITIK

La Repubblica - Italien

Prodi gewinnt Vertrauen des Senats

Nach einer einwöchigen Regierungskrise hat der italienische Ministerpräsident Romano Prodi am 28. Februar eine Vertrauensabstimmung für seine Regierung im Senat überstanden. Edmondo Berselli kommentiert, jetzt sei eine Veränderung des Wahlgesetzes dringend notwendig. "Der Beifall der gemäßigten Rechten nach der Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses im Senat war eine sehr große Erleichterung, er baut die Spannung ab, die in den vergangenen zwei Tagen ihren Höhepunkt erreicht hatte. Aber nach dieser Erleichterung melden sich der Realitätssinn, der gesunde Menschenverstand und die normale politische Intelligenz zurück, die davor warnen, mit einer so heterogenen Mehrheit zu regieren wie der, die gestern der Regierung Prodi das Vertrauen ausgesprochen hat... Das unmittelbare Risiko besteht darin, dass die Regierung wieder zusammenbricht. Als größtes Problem jedoch zeichnet sich die strukturelle Krise der italienischen Politik ab." (01.03.2007)

Polityka Online - Polen

Ein Buch über die Geheimdienstverstrickungen der polnischen Kirche

Auf das 600 Seiten starke Buch des Priesters Tadeusz Isakowicz-Zaleski "Die Priester angesichts des Geheimdienstes" hat Polen mit Spannung gewartet. Gestern ist es erschienen und dokumentiert, wie sich einerseits vier spätere Bischöfe auf eine Zusammenarbeit mit der polnischen Staatssicherheit einließen, wie sich anderseits aber auch zwei heutige Kardinäle trotz Repressalien einer Mitarbeit verweigerten. Adam Szostkiewicz misst dem Werk große Bedeutung bei: "Das Buch hat schon lange vor seiner Veröffentlichung großes Interesse geweckt - sowohl wegen des Themas als auch wegen des Autors. Viele Kommentatoren sind der Meinung, Pfarrer Zaleski sei der Vater der Lustration der Kirche und sein Buch ein Vorbild dafür, wie man über dieses Kapitel der Nachkriegsgeschichte der Kirche schreiben sollte. Für andere, darunter mancher Pfarrer oder Gläubige, kann die Veröffentlichung, obwohl unabwendbar, zur schmerzhaften, kontroversen Lektüre werden – einer Lektüre, die viele Zweifel weckt, sowohl was die Methode als auch die Schlussfolgerungen angeht. Für viele könnte das Buch nicht das Ende, sondern der Anfang der Probleme der Kirche mit ihrem Erscheinungsbild werden." (28.02.2007)

El País - Spanien

Polnische Entschädigungsforderungen an Polen

Juden und polnische Bürger anderer Konfessionen, die durch die Nazis im Zweiten Weltkrieg oder von den Kommunisten enteignet worden sind, haben sich zum ersten Mal zusammengetan, um Entschädigungen vom polnischen Staat einzuklagen", berichtet José Comas, nachdem sich am 28. Februar in Warschau Vertreter der Opfer mit Regierungsvertretern getroffen haben. "Das Problem der Entschädigung ist in Polen sehr komplex. Polen ist, neben Weißrussland, das einzige Land, das kein System für die Entschädigung der Opfer der Nazis oder der Kommunisten geschaffen hat... Dazu kommt, dass sich die Grenzen Polens nach dem Zweiten Weltkrieg um rund 200 Kilometer nach Westen verschoben haben. Angesichts der Entschädigungsforderungen der nach 1945 aus Pommern und Schlesien vertriebenen Deutschen ist der Konflikt kaum zu lösen." (01.03.2007)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Verlängerung des internationalen Mandats in Bosnien

Die Hohen Vertreter der Staatengemeinschaft (OHR) bleiben ein Jahr länger als geplant in Bosnien, da angesichts einer möglichen Abspaltung des Kosovo die Lage in der Region weiterhin als unsicher gilt. Gleichzeitig werden die Eufor-Truppen von 6000 auf 2500 Mann reduziert. Martin Woker beschäftigt sich mit der Frage, warum diese Entscheidung in Sarajewo so wenig Beachtung gefunden hat. "Die Bosnjaken und Kroaten... sehen generell in der Institution des OHR ein immer noch notwendiges Instrument, um das kriegsversehrte Land nach Vorgabe der Dayton-Verträge in einen funktionierenden Staat umzuwandeln. Den Nationalisten aller Couleur bietet die Institution des OHR aber zudem stets eine willkommene Ausrede, die Schuld am politischen Stillstand (und eigenen Unvermögen) den im Lande weilenden ausländischen Prokonsuln in die Schuhe zu schieben." (01.03.2007)

Cotidianul - Rumänien

Das politische Engagement der rumänischen Intellektuellen

Die intellektuelle Szene Rumäniens positioniert sich seit geraumer Zeit zum politischen Geschehen. Am Dienstag hatten die wichtigsten Intellektuellen des Landes sowie Nichtregierungsorganisationen zu einer Solidaritätskundgebung für die parteilose Justizministerin Monica Macovei, die entlassen werden soll, aufgerufen. Sever Voinescu war vor Ort: "Ich habe dort etwas gefunden, was viel wichtiger war als die Zahl der Menschen, die zum Treffen kamen. Ich habe dort eine Grundhaltung gefunden, von der ich dachte, dass wir sie verloren haben, und eine Würde, von der ich dachte, sie sei untergegangen: Ich fand Menschen, die verlangen, dass man sie respektiert. Klar, sie haben dort auch für Justizministerin Macovei demonstriert... und Unterschriften für eine Protestnote an den Senat gesammelt... Aber abseits dieses Geschehens gab es die würdevolle Demonstration eines Landes, das sich weigert, belogen zu werden. Ein Rumänien, das respektiert werden möchte." (01.03.2007)

WIRTSCHAFT

El Periódico de Catalunya - Spanien

Spanien will mit italienischer Hilfe Endesa retten

Die spanische Regierung, die gegen die Übernahme des spanischen Unternehmens Endesa durch das deutsche Energieunternehmen Eon ist, will dies nun mit Hilfe des italienischen Unternehmens Enel verhindern. "Finanzoperationen, die strategische Sektoren einer Volkswirtschaft betreffen, werden von den Regierungen immer sehr genau beobachtet. Kein Staat kann tatenlos zusehen, wenn ein führendes Unternehmen, hervorgegangen aus einem ehemaligen Monopolisten – weshalb es so groß werden konnte - ausländischem Kapital zum Opfer fällt. Italien, Frankreich, Deutschland und Portugal haben dasselbe getan... Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Investition von Enel in Endese den Beginn einer neuen Epoche in den spanisch-italienischen Beziehungen markiert. Beide Regierungen werden sich weniger kritisch zu bestimmten Operationen äußern. In diesem Zusammenhang steigt die Wahrscheinlichkeit, sofern Endesa in spanischer Hand bleibt, dass Telefónica bei Telecom Italia einsteigt und Abertis und Autostrade fusionieren." (01.03.2007)

KULTUR

The Guardian - Großbritannien

Olympia 2012 stiehlt der britischen Kultur die Show

Weil die Kosten für die Olympischen Spiele in Großbritannien 2012 sich vermutlich um das Vierfache erhöhen werden, sehe es nun für die Kultur schlecht aus, meint Nicolas Hynter, Leiter des National Theatre in London. Er fürchtet, "dass zehn Jahre künstlerischer Investitionen verschwendet sind, wenn man nur noch ein einziges großes Sportereignis fördert. Für die Kunst waren die zehn Jahre, die Gordon Brown Schatzmeister war, gut. Die Subventionen haben sich verdoppelt... Eine italienische Studie hat kürzlich ergeben, dass weit weniger Italiener ins Museum oder ins Theater gehen als die Menschen bei uns. Italien, der Geburtsort der Oper und die Wiege der Renaissance, hat seine Künste zeitweilig weit mehr subventioniert, als wir das je getan haben. Aber in Italien und im Rest Europas war Mäzenatentum historisch den Launen des jeweiligen Herrschers unterworfen und diente seinem Ruhm. Bei uns hingegen hat Mäzenatentum sich stets bemüht, einem größtmöglichen Publikum bestmögliche Kunst zugänglich zu machen. In Folge davon werden nirgendwo anders die Menschen so oft von dem wachgerüttelt, was die Künstler zu bieten haben." (28.02.2007)

LOKALE FARBEN

Diário de Notícias - Portugal

Der strukturelle Pessimismus der Portugiesen

Miguel Gaspar analysiert die Ergebnisse einer Studie, die besagt, dass Portugiesen zwar gern auf ihre Geschichte blicken, angesichts ihrer Zukunft aber große Zweifel haben. "Unser Selbstbild erinnert an ein Krankheitsbild. Wir scheinen manisch-depressiv zu sein: Entweder sind wir euphorisch oder deprimiert; aber wenn es Abend wird, bleibt immer nur die traurige Seite. Als ob es das Fest, weil es vergänglich ist, nicht verdiente, im Gedächtnis zu bleiben... Die Autoren der Studie sagen, dass allein die Tatsache, portugiesisch zu sein, mit Stolz verbunden ist - aber mit zögerlichem Stolz. Die Portugiesen sind sehr stolz auf ihre Vergangenheit, aber nicht auf die Gegenwart. In der Geschichte gab es Vasco da Gama und Luis de Camões... Was die Gegenwart betrifft, so die Forscher, gibt es, was das Funktionieren von Demokratie und Wirtschaft betrifft, keinerlei Anlass für Stolz. Wenn dem so ist, dann kann man sagen, dass die Portugiesen sehr klar sehen. Können wir eines Tages unseren strukturellen Pessimismus überwinden?" (01.03.2007)

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