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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 04.05.2007

 

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Beginnt in Frankreich eine neue Ära?

Beginnt in Frankreich eine neue Ära?

 

Am 6. Mai wählen die Franzosen entweder Ségolène Royal oder Nicolas Sarkozy zum Präsidenten der Republik. Egal wer die Wahl gewinnt - die europäische Presse ist sich einig, dass die Zeit des Wahlkampfs bereits eine Wende im politischen Leben Frankreichs markiert. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Corriere della Sera - Italien, taz - Deutschland, Le Soir - Belgien, Wprost Online - Polen, Le Monde - Frankreich

Corriere della Sera - Italien

Massimo Nava zieht eine Bilanz des französischen Wahlkampfs. "Die neue Französische Revolution hat begonnen: Sarkozy hat die französische Rechte von ihren Komplexen befreit, er hat die Wähler der Front National Le Pens zurückgeholt. Er könnte der Tony Blair der europäischen Rechten werden. Er hat eine überalterte und elitäre Führungsklasse aufs Abstellgleis geschickt. Ségolène hat die extreme Linke auf ein Minimum reduziert und die Linke von ihren Anachronismen und ihrem Parteiapparat befreit. Sie hat in rekordverdächtiger Zeit eine weibliche Version von Bad Godesberg geschaffen. Sie könnte die Mehrheit der Zentristen verführen, sie hat Energie und Träume entfesselt - wie die vom Mai 1968, die Sarkozy ablehnt... Sarkozy ist der große Favorit, aber die Dynamik des 'Alles ist besser als er' funktioniert auf ganzer Linie. Ségolène weiß: Wenn Politik Leidenschaft ist, ist alles möglich." (04.05.2007)

taz - Deutschland

Dorothea Hahn weist darauf hin, dass die Generation der 1968er in Frankreich nie an die Macht gekommen ist. "Die beiden KandidatInnen, die am Sonntag antreten, gingen im Frühling 1968 noch in die Schule. Doch sie markieren nicht nur wegen ihres Alters eine Kehrtwende, sondern auch wegen ihrer zur Schau getragenen politischen Werte. Beide schicken sich an, das Erbe ihrer Altvorderen über Bord zu werfen. Sowohl die Sozialdemokratin Ségolène Royal als auch der Rechte Nicolas Sarkozy treten für die Restauration von staatlichen, schulischen und familiären Werten und Autoritäten ein. Sie sprechen von einer Erneuerung der Moral. Von der Wiederherstellung der elterlichen Autorität. Und - im Fall der Sozialdemokratin Royal - sogar von der Einbeziehung von Militärs in die Umerziehung von straffällig gewordenen Jugendlichen. Der Wahlkampf der letzten Monate und das Duell am Mittwoch markieren die Abkehr von den libertären Prinzipien von 68, die jahrzehntelang Frankreich geprägt haben. Sie markieren eine politische Bewegung nach rechts. Eine Abkehr von den ewigen Jugendlichen des Mai 68." (04.05.2007)

Le Soir - Belgien

Für Edwy Plenel trägt Ségolène Royal in jedem Fall den Sieg davon: "Vielleicht wird sie am Abend des 6. Mai nicht die Präsidentin der französischen Republik sein. Aber sie hat bewiesen, dass sie es sein könnte, dass sie das dafür notwendige Format und die Kompetenz, den Charakter und die Würde, die Bodenständigkeit und den Weitblick besitzt... Um sich durchzusetzen, muss man stark und stolz sein, aber es stört die anderen, wenn man sich diese Freiheit nimmt. Egal wie die Wahlen am Sonntag ausgehen, Ségolène Royal hat sich diese Freiheit genommen. Anders als ihre Kritiker behaupten, hat sie sich nicht von den Ihren losgesagt, ihre Prinzipien aufgegeben oder ihr Fähnchen nach dem Winde gehängt. Ihre Reaktionen, ihre Schlagfertigkeit und ihre Wut belegen es: Sie ist ganz unsentimental links." (04.05.2007)

Wprost Online - Polen

Agaton Kozinski sieht keinen klaren Sieger des französischen Wahlkampfes: "Schon lange haben Wahlen nicht mehr so viele Emotionen hervorgerufen wie jetzt. Am deutlichsten zeigt sich dies an der Wahlbeteiligung im ersten Wahlgang, die bei 84 Prozent lag. Die hohe Wahlbeteiligung zeigt, dass die Bürger von einem neuen Präsidenten etwas Ungewöhnliches, eine neue Qualität erwarten. Wenn es ihm gelingt, bauen ihm die Franzosen einen neuen Arc de Triomphe. Aber wenn er versagt, können wir eine Revolte vom Ausmaß der Eroberung der Bastille erwarten." (03.05.2007)

Le Monde - Frankreich

Thomas Ferenczi ist der Meinung, dass die beiden Kontrahenten zwar kaum über die EU selbst gesprochen, wohl aber häufig Bezug genommen haben "auf ihre europäischen Partner, deren politische Projekte sie teilweise in ihrer Umsetzung rühmten oder als beispielhafte Modelle hinstellten. Es scheint, als hätte die Union die französischen Politiker dazu gebracht, über den Tellerrand ihres Landes hinauszuschauen und gegebenenfalls auch die Lösungen ihrer Nachbarländer in Betracht zu ziehen. Wir sind noch weit entfernt von jener europäischen Öffentlichkeit, von der die Verfechter eines vereinten Europas träumen. Andererseits bestehen mittlerweile feste Beziehungen, die von gegenseitiger Kenntnis und Aufmerksamkeit zeugen. Jeder [der Kandidaten] hat verstanden, dass die Erfahrungen der anderen auch nützlich sein können." (04.05.2007)

REFLEXIONEN

Prospect - Großbritannien

Julian Gough über das ernste Handwerk der Komik

"Die Griechen haben verstanden, dass die Komödie (die Sicht der Götter auf das Leben) der Tragödie (dem bloß Menschlichen) überlegen ist", schreibt der britische Schriftsteller Julian Gough. "Viele der besten Romane - und vor allem die, die ich am meisten liebe - stehen eher in der griechischen Tradition des Komischen als des Tragischen: von Rabelais, Cervantes, Swift, Voltaire bis hin zu Joseph Heller's Catch-22... Dennoch hat die westliche Kultur seit dem Mittelalter das Tragische über- und das Komische unterschätzt. Wir denken, die Tragödie ist bedeutend und die Komödie nebensächlich. Brilliante Komödien gewinnen niemals den Oskar für den besten Film. Der Booker Prize tendiert zum Tragischen... Der Fehler liegt in unserer Kultur - aber die Schriftsteller haben ihn verinnerlicht, sie beschränken und zensieren sich selbst. Wenn das Thema groß, schwierig und ernst ist, neigen Autoren dazu zu glauben, nun müsste auch die Handlung im tragischen Modus gehalten sein. Als Amis sich in seinem unbedeutenden Roman 'Time's Arrow' [Pfeil der Zeit] mit dem Holocaust beschäftigte, unterließ er die Witze, schraubte die Energie herunter und kam dafür zum einzigen Mal auf die Shortlist des Booker Prize." (01.05.2007)

Sega - Bulgarien

Wladimir Stefanow über die Türkei als Schaufenster des weltlichen Islam

Der bulgarische Wissenschaftler Wladimir Stefanow kommentiert die jüngsten politischen Ereignisse in der Türkei: "Der regierende türkische Premier unterschätzt einen wichtigen, spezifischen Moment in der Geschichte des kemalistischen Modells. Dieses ist geschaffen worden, um vom Osten imitiert zu werden, schöpft jedoch zugleich seine Kraft aus dem Westen. Es ist fraglich, ob und wann die Türkei Mitglied der Europäischen Union werden wird, aber mit Sicherheit bleibt sie ein 'Schaufenster des weltlichen Islam' und damit ein Paradigma, das von vielen Menschen in der islamischen Welt nachgeahmt wird. Erdogan scheint nicht darüber nachzudenken, welche Auswirkungen es auf die vielen Filialen der 'Muslimbrüder' in der islamischen Welt hat, wenn auch das Oberhaupt des türkischen Staates seiner Partei angehört. Das postkemalistische Spiel muss von jedem Staatsoberhaupt mit einer gewissen Konsequenz gespielt werden, denn wer unüberlegt handelt, verschwindet rasch von der politischen Bühne." (04.05.2007)

POLITIK

Sme - Slowakei

Konfuse slowakische Außenpolitik

Der slowakische Premier Robert Fico reist heute nach Moskau, um Wladimir Putin in seiner Kritik am geplanten US-Raketenschutzschild beizuspringen. Sein Außenminister Jan Kubis hingegen möchte seine russischen Partner davon überzeugen, dass das Projekt notwendig ist. Fico, so der Minister, bringe nur seine Privatmeinung zum Ausdruck. Marian Lesko ist fassungslos über diese Unentschiedenheit: "In Staaten, die eine klar definierte Außenpolitik haben, darf es nicht passieren, dass der Chef der Diplomatie und der Chef der Regierung über eine grundsätzliche Frage der internationalen Politik völlig unterschiedliche Standpunkte vertreten. Die Versuche, den Standpunkt des Premiers als dessen 'persönliche Meinung' oder als 'Meinung eines Parteivorsitzenden' zu bagatellisieren, sind peinlich und untragbar. Die Meinung Ficos als Chef einer Partei, die in einem 16-köpfigen Kabinett elf Minister stellt, kann nie und nimmer eine 'persönliche' sein." (04.05.2007)

Die Presse - Österreich

Österreich senkt Wahlalter auf 16

In Österreich hat die schwarz-rote Koalition eine Wahlrechtsreform beschlossen, die unter anderem das aktive Wahlalter auf 16 und das passive Wahlalter auf 18 Jahre senkt. Damit ist Österreich Vorreiter in Europa - überall anderswo muss man zum Wählen mindestens 18 Jahre alt sein. Herbert Vytiska findet die Reform richtig, weist aber noch auf einen weiteren Aspekt hin: "Die Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre sollte ein Anstoß sein, um auch darüber zu diskutieren, ob nicht die Generation der über 60-Jährigen im Parlament unterrepräsentiert, die der über 67-Jährigen erst gar nicht mehr vertreten ist – sondern sich durch die Kinder und Enkelkinder vertreten lassen muss. Die unter 18-Jährigen sind heute reifer als früher, die über 60-Jährigen aber nicht verkalkter als früher. Ganz im Gegenteil. Auch sie, vielleicht gerade sie könnten mit ihrer Erfahrung, mit ihrem Wissen einen Beitrag zur politischen Kultur, zur Weiterentwicklung der Gesellschaft, zu notwendigen Reformen (mit Augenmaß) leisten." (04.05.2007)

New Statesman - Großbritannien

Tony Blairs Amtszeit geht zu Ende

"Nach dem anfänglichen Fanfarenstoß, der die Ankündigung seines Rücktritts begleitet hatte, scheint Tony Blair nun ganz leise abtreten zu wollen", bemerkt Martin Bright, Redakteur der Zeitung, der das Ende der zehn-jährigen Regierungszeit Blairs eine Sonderausgabe wert ist. "Man hat Blair davor gewarnt,... würdelos à la Thatcher weiterzumachen. Es gilt als unwahrscheinlich, dass er beim Labour-Parteitag auftritt - er könnte seinem Nachfolger die Schau stehlen. Möglicherweise wird er sein Abgeordnetenmandat aufgeben, für das er seit 1983 in Sedgefield antritt... Er wird sich in die Arbeit der Blair Foudantion stürzen, seiner neu geschaffenen Organisation, die einer besseren Verständigung zwischen den Religionen dienen und - mit der üblichen Überheblichkeit - Konflikte in aller Welt lösen soll. Ob sein Abgang Gutes oder Schlechtes bewirkt - er wird eine Leerstelle im öffentlichen Leben Großbritanniens hinterlassen: ein großes, von und auf Blair zugeschnittenes Loch." (07.05.2007)

Magyar Hírlap - Ungarn

Grab des Kommunistenführers János Kádár geschändet

Die Grabstätte des ungarischen Kommunistenführers János Kádár auf dem Budapester Zentralfriedhof ist geschändet worden. Die Täter, die in der rechtsextremen Szene vermutet werden, entwendeten seine sterblichen Überreste und beschmierten die Wände der Ruhestätte. Die Zeitung kommentiert: "Es war einer der schockierendsten Momente der Wende, als bekannt wurde, dass Imre Nagy [Anführer der ungarischen Revolution von 1956] gefesselt und mit dem Gesicht nach unten verscharrt wurde... Haben wir seit 1989 wirklich nichts gelernt? János Kádár, der die ungarische Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägt hat, ist eine umstrittene Persönlichkeit. Die Geschichtsschreibung wird sich mit seiner Amtszeit als Ministerpräsident (1957-1989) noch lange beschäftigen. Viele sind noch heute empört, wie Kádár die Macht nach der Revolution von 1956 an sich riss und sie dann durch eine zunächst harte, dann aufgelockerte und zur allgemeinen Verdummung führende Diktatur konsolidierte. Doch trotz Kádárs Schandtaten ist die Schändung seines Grabes völlig inakzeptabel." (03.05.2007)

La Voix du Luxembourg - Luxemburg

Vergangenheitsbewältigung in Estland

Die Versetzung des russischen Kriegsdenkmals aus dem Zentrum von Tallinn auf einen Soldatenfriedhof am Stadtrand hat in den letzten Tagen zu Demonstrationen und heftigen diplomatischen Spannungen zwischen Estland und Russland geführt. Für die einen symbolisiert die Bronzestatue das Ende der Naziherrschaft, für die anderen den Anfang der Besetzung durch die Sowjetunion. Laurent Moyse hebt hervor, "es ist nicht überraschend, dass die Gespenster der Vergangenheit in den zentralen und östlichen Teilen des europäischen Kontinents sukzessive wieder erscheinen. Weiter im Westen hat man sich schon seit längerer Zeit mit den schmerzhaften Episoden der Geschichte beschäftigt... Die nationale Versöhnung war immer eine schmerzhafte Zerreißprobe in den Ländern, die stark traumatisiert waren. Seit 60 Jahren lebt Europa im Frieden, aber in vielen Bereichen ist seine Erinnerung trotz allem die eines bei lebendigem Leib Gehäuteten." (04.05.2007)

MEDIEN

La Libre Belgique - Belgien

Belgische Zeitungen wieder bei Google News

Auch die belgischen Zeitungen sind nun wieder mit der Suchmaschine Google durchsuchbar. Google hatte keine Treffer aus belgischen Zeitungen mehr angezeigt, weil das Unternehmen einen von den belgischen Zeitungsunternehmern angestrengten Urheberrechtsprozess verloren hatte. Haben die Belgier ganz alleine den kalifornischen Giganten in die Knie gezwungen? Mathieu van Overstraeten bezweifelt das: "Google hat gemerkt, dass sich der Wind dreht. In den letzten Monaten ist das Unternehmen in der Frage der Urheberrechte von größeren Fischen als den belgischen Verlegern angegriffen worden... Google scheint das Ausmaß dieses Problems endlich begriffen zu haben. Um eine Neuauflage des Prozesses zu vermeiden, hat das Unternehmen eine Software entwickelt, die Videopiraterie auf seiner Video-Tauschbörse YouTube blockieren soll. In der Tat sollte der Respekt vor Urheberrechten für ein Unternehmen, das sich 'Don't be evil!', 'Tue nichts Böses!' zum Motto gewählt hat, das Mindeste sein." (04.05.2007)

KULTUR

La Vanguardia - Spanien

Barcelona zeigt eine Ausstellung über "Grenzen"

Justo Barranco hat sich die neueste Ausstellung mit dem Titel "Grenzen" im Zentrum für zeitgenössische Kunst in Barcelona angeschaut. "Die Welt ist geschrumpft. Dank neuartiger Technologien reduziert sich ihre Oberfläche und die Zeit ist schneller geworden. Es gibt mehr zwischenmenschlichen Kontakt und mehr wirtschaftlichen Handel als je zuvor. Trotzdem gibt es 226.000 Kilometer Grenze auf der Welt. Und auch wenn das 20. Jahrhundert als das in Erinnerung bleibt, in dem die grenzauflösende Europäische Union entstanden ist, sind zugleich die höchsten Mauern überhaupt errichtet worden... Die Ausstellung 'Grenzen' geht anhand von Fotografien diesen willkürlich auf der Karte gezeichneten Linien nach, um die herum viele Menschen leben, die es oft rein zufällig auf die eine oder andere Seite verschlagen hat. Grenzen sind für die einen etwas, das es zu überwinden gilt; andere sorgen sich vielmehr um ihre Befestigung, weil sie vor Immigranten oder Feinden schützen sollen." (04.05.2007)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Schweiz hebt Buchpreisbindung auf

Die Zeitung kommentiert, dass die Buchpreisbindung im deutschsprachigen Teil der Schweiz aufgehoben worden ist, die es in der französischsprachigen Schweiz ohnehin nicht gab - und wünscht diesen Schritt auch für Deutschland. "Die Eidgenossen haben sich stets schwergetan mit der Abschaffung von Kartellen. Der Entschluss, Verlagen, Autoren und Buchhändlern nicht weiter auf den Leim der 'Kulturförderung' zu gehen, ist daher umso bemerkenswerter. Die Preise in der Deutschschweiz werden kurzfristig kaum unter das deutsche Niveau sinken, dazu ist das Land zu sehr eine Hochpreisinsel. Aber die Entscheidung unterstreicht, in welch hohem Maße die Buchpreisbindung zum Fossil geworden ist. Im Übrigen unterlaufen die Händler in Deutschland bereits selbst das starre Preisgefüge, wo immer es geht. Man braucht sich nur durch die Tische mit 'modernem Antiquariat' zu wühlen. Auch am Buchmarkt bringt das Gesetz von Angebot und Nachfrage den notwendigen Ausgleich für die Beteiligten... Im französischsprachigen Landesteil gibt es keine Preisbindung. Dennoch ist die Zahl der Buchtitel gleich groß und die Buchhandlungsdichte sogar noch höher als in der geschützten Deutschschweiz." (04.05.2007)

LOKALE FARBEN

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Madeiras populistischer Landesvater

Portugal-Korrespondent Thomas Fischer porträtiert die portugiesische Insel Madeira, auf der sich derzeit der seit fast 30 Jahren regierende Populist Alberto João Jardim mit guten Erfolgsaussichten zur Wiederwahl stellt. "Von der politischen Langlebigkeit her ist Jardim auf den Fersen von Portugals Ministerpräsidenten Salazar, der 36 Jahre lang, von 1932 bis 1968, eine faschistoide Diktatur anführte. Auch der demokratisch legitimierte Jardim hat autoritäre Allüren. Sprichwörtlich sind im übrigen Portugal ein 'demokratisches Defizit' auf Madeira und Jardims Ausfälle gegen seine Gegner. Er unterteilte Freunde und Feinde etwa in 'Madeirenses' und 'Cubanos'. Ähnlich wie in Deutschland einst der bayrische Landesfürst Strauss ist er für seine Region mit gut einer Viertelmillion Einwohnern aber auch fast eine Vaterfigur. Wie früher Strauss liest er seinen Widersachern oft zur Karnevalszeit die Leviten - allerdings nicht erst am Aschermittwoch, sondern mitten im närrischen Treiben und verkleidet. Sein Publikum bleibt ihm den Beifall nie schuldig, so sehr sich manche Gegner auch an den Kopf fassen." (04.05.2007)

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