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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 25.05.2007

 

TOP-THEMA

Doping-Skandal im deutschen Radsport

Doping-Skandal im deutschen Radsport

 

Deutschland erlebt einen riesigen Doping-Skandal im Radsport. Zuerst gestanden die Ex-Radprofis Bert Dietz, Christian Henn, Udo Bölts und die Ärzte des Telekom-Teams, Lothar Heinrich und Andreas Schmid, gedopt zu haben. Gestern folgten die Geständnisse von Erik Zabel und Rolf Aldag. Nur wenige europäische Zeitungen hinterfragen, welche Konsequenzen dieser Skandal für den Rad- und Leistungssport haben wird. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Die Welt - Deutschland, Le Soir - Belgien, Die Presse - Österreich

Die Welt - Deutschland

"Geradezu umzingelt von öffentlich-rechtlichen und anderen, steuerfinanzierten Kontroll- und Förderungsinstanzen hat sich seit Mitte der Neunzigerjahre ein Wanderzirkus von Rennrad fahrenden Drogenkonsumenten im Geschäft halten können", kommentiert Ulrich Clauß empört. "Da ist an vorderster Stelle der Offenbarungseid einer öffentlich finanzierten Sportmedizin zu nennen, in die sich über lange Jahre Strukturen organisierter Kriminalität einnisten konnten... Des Weiteren stellt sich die Frage nach der Rolle eines – vormals staatlichen – heute halbstaatlichen Telekommunikationskonzerns, der ebenfalls über Jahre diesen Drogenzirkus mitfinanziert hat... Als dritter Komplex sind die öffentlich-rechtlichen 'Medienpartner' zu nennen.... Das Zusammenwirken öffentlicher Einrichtungen zum Zwecke der drogengestützten Leistungssteigerung im Sport nennt man Staatsdoping. So war es zum Beispiel im Falle der DDR. Wie soll man das nennen, was sich in den letzten zehn Jahren im deutschen Profi-Radsport abgespielt hat?" (25.05.2007)

Le Soir - Belgien

"Ist der Traum für immer aus?", fragt Stéphane Thirion. "Die Reihe von Geständnissen der ehemaligen Rennfahrer der deutschen Telekom-Mannschaft zwingt dazu, alles anzuzweifeln: die Heldentaten der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft. Es lässt einen vor Entsetzen erstarren, wenn einer, der so geradlinig, vorbildlich und unbescholten in seiner Disziplin und in seiner Beständigkeit war wie Erik Zabel, zehn Jahre später gesteht, seine Venen für Epo geöffnet zu haben - auch wenn es nur für ein paar Tage war... Man muss über das Ausmaß nachdenken: Ist der heutige Radsport sauber und kann er ab heute noch glaubwürdig sein, wo doch im Hauptfeld immer noch Leute sind, die in einer offenbar schwierigen Zeit mäßige oder große Verantwortung hatten, ehemalige Helden, Betreuer, Ärzte und Sponsoren? Gestehen ist gut, ordentlich aufräumen ist besser. Schluss damit machen ist noch sicherer." (25.05.2007)

Die Presse - Österreich

Auch "Österreich ist ein Wiederholungstäter – im Doping", schreibt Markku Datler und berichtet über die erstaunten Reaktionen in Österreich auf die nun vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angeordnete Geldstrafe, weil Österreich seinen Dopingfällen im Skisport nicht nachgeht. Es geht auch anders, stellt Datler fest: "Finnland überzeugt nicht nur in Pisa-Studien, sondern lieferte auch das beste Lehrbeispiel, wie man rigoros einen Dopingfall 'ausradiert'. Nach dem Skandal bei der Heim-WM 2001 – das komplette Herren-Langlaufteam war gedopt – wurden alle Beteiligten gefeuert und verschwanden nicht nur auf staatliches Geheiß hin von der Bildfläche. Heute spricht kaum noch einer davon, und der Sport hat sich erholt. Deutschlands Radstars legen gerade der Reihe nach Geständnisse und Beichten ab, sie ernten dafür Respekt und Anerkennung. Nicht, weil sie gelogen und betrogen haben, sondern endlich reinen Tisch machen. Druck, Beweislast und Selbstzweifel sind zu groß geworden – jede Glaubhaftigkeit ist zudem längst dahin. Österreich hinkt auch in dieser Studie hinten nach." (25.05.2007)

REFLEXIONEN

Le Temps - Schweiz

Gérard Delaloye über die "Ademokraten" Osteuropas

Der Historiker Gérard Delaloye analysiert die Entwicklung der ehemals kommunistischen Länder Osteuropas. "Wir haben noch nicht verstanden, dass der Fall der Polizeidiktaturen und ihr rasches Ersetzen durch so genannte Übergangsregierungen nur dazu führen konnten, dass eine neue Führungsklasse entstand... Diese neuen Führer haben sich mit der Unterstützung von unzähligen westlichen Beratern im letzten Jahrzehnt daran gemacht, die ruinierte Wirtschaft wieder aufzubauen und selbst erheblich davon zu profitieren. Doch der wirtschaftliche Erfolg hatte kein politisches Echo. Die Regierungen der osteuropäischen Länder, egal ob Nato- und EU-Mitglied oder nicht, sind noch nicht schnell genug bei ihrer Entwicklung zu einer zufrieden stellenden Demokratie. Vielleicht kann ein Neologismus helfen, dieses Phänomen zu beschreiben: Die postkommunistischen Eliten sind zu einem überwiegenden Teil 'Ademokraten' - mit einem verneinenden 'a' wie amoralisch oder atheistisch." (24.05.2007)

El País - Spanien

Josep Ramoneda über das Erbe von 1968

Der spanische Schriftsteller Josep Ramoneda beschäftigt sich mit dem Erbe des Mai 1968, einem Thema, das bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich eine große Rolle gespielt hat. "Nicolas Sarkozy hat im Wahlkampf die Beerdigung von 1968 angekündigt, aber seit er Präsident ist, hat er sich nicht um das Begräbnis gekümmert... Sarkozy hat zwei Fehler begangen. Der erste ist typisch für die Franzosen: Man erinnert sich nicht daran, dass es 1968 auch außerhalb von Frankreich Aufruhr gab. Der zweite ist typisch für die Rechte: Sie versteht nicht, dass der Kapitalismus aufgrund seiner Fähigkeit zum Wandel (ein Grund für seine Überlegenheit gegenüber dem Kommunismus) und die liberale Rechte die Hauptprofiteure von 68 waren... Warum spielt sich Sarkozy also als Totengräber von 68 auf? ... Wenn man bedenkt, dass Sarkozy sich im kulturellen Umfeld der Rechten bewegt, dann ist es für ihn leicht in der Mythologie der Linken die Zielscheibe für seinen moralischen Bruch zu suchen. Diese Funktion hatte der Mai 68 in Sarkozys Rede." (25.05.2007)

POLITIK

The Independent - Großbritannien

Ein neues deutsch-französisches Duo

Adrian Hamilton denkt darüber nach, was die Idee eines Mini-Vertrags für die EU bedeutet. "Es hat etwas Unanständiges, wie hastig und zielstrebig das Duo Angela Merkel und Nicolas Sarkozy den Mini-Vertrag zusammenschnürt... Man fragt sich, ob die letzten Schachzüge in Brüssel und Berlin wirklich ein Schritt vorwärts in eine neue Zukunft für die Union bedeuten oder einen Schritt zurück in die alte Welt der Absprachen hinter verschlossen Türen und rücksichtsloser Machtspiele der großen Länder auf Kosten der kleineren... Die Erweiterung macht es außerdem nötig, anders an Probleme heranzugehen und gemeinsame Lösungen zu finden. Aber das scheint genau das, was Deutschland und Frankreich durch die Wiederbelebung der alten Vormachtstellung des inneren Kerns verhindern wollen. Das Problem am Mini-Vertrag ist, dass er nicht ohne eine große Wählerschaft verabschiedet werden sollte, wenn er Bedeutung haben soll. Wenn er aber keine Bedeutung hat, brauchen wir ihn nicht." (24.05.2007)

Cotidianul - Rumänien

Ein Lustrationsgesetz für Rumänien?

Der rumänische Staatschef Traian Basescu will am Montag bei einem Treffen mit allen Parlamentsparteien über ein Lustrationsgesetz beraten. Danach sollen rumänische Persönlichkeiten - nach polnischem Vorbild - auf eine mögliche Geheimdienstzusammenarbeit während der kommunistischen Diktatur durchleuchtet werden. Ein solches Gesetz wird sich aber nach Meinung von Mirela Corlatan nur schwer durchsetzen lassen: "Wichtiger als die Lustration wäre im Augenblick die Änderung der Gesetzgebung zur Öffnung dieser Archive. Wenn das geschieht, wird die Lustration von selbst stattfinden. Doch ist schwer zu glauben, dass Traian Basescu, der noch im Januar erklärt hat, dass eine Lustration nur ein Jahr nach der Wende sinnvoll gewesen wäre, nun wirklich konsequent seinen Vorschlag für ein Lustrationsgesetz durchsetzt, wie er es in der Euphorie des Post-Referendums versprochen hat. Sollten aber die Forscher Zugang zu den Archiven bekommen, stünde eine Auffrischung der politischen Klasse für zukünftige Wahlen bevor." (25.05.2007)

Przekrój - Polen

Wojciech Mazowiecki über Polens neue Bürgerbewegung

Der Journalist Wojciech Mazowiecki freut sich, dass sich in Polen gegen die konservativ-populistische Regierung eine neue Bürgerbewegung formiert. "Letzte Woche haben wir einige Initiativen erlebt, die der Wille verbindet, in Polen eine Bürgergesellschaft zu schaffen und sich der aktuell regierenden Gruppe zu widersetzen... Es bleibt jedoch völlig ungewiss, ob die Intellektuelleneliten, die den Regierenden einen offenen Krieg erklären, in der Lage sein werden, eine bedeutende Bewegung aufzubauen. Paradoxerweise will die größte Oppositionspartei [die rechtsliberale Bürgerplattform PO] mit der entstehenden Bürgeropposition – der wahrscheinlich stärksten und lautesten seit 1989 – nicht viel zu tun haben... Im Gegenteil: Sie überlässt die politische Sphäre kampflos der Linken und [dem ehemaligen Staatspräsidenten] Aleksander Kwasniewski." (25.05.2007)

taz - Deutschland

Der G8-Gipfel als Showtermin?

Seit Wochen dreht sich in Deutschland alles um den bevorstehenden G8-Gipfel vom 6. bis 8. Juni in Heiligendamm, allerdings nur unter dem innenpolitischen Aspekt der Protestaktionen und der massiven Sicherheitsvorkehrungen, schreibt Lukas Wallraff: "Von den Gipfel-Themen ist kaum noch die Rede." Wallraff kritisiert die Regierungserklärung, die Bundeskanzlerin Angela Merkel am 24. Mai im deutschen Bundestag zum bevorstehenden G8-Gipfel abgegeben hat: "Die Kanzlerin, die sich sonst gerne liberal gibt, verzichtete darauf, die Sicherheitsfanatiker zu bremsen. Aber nicht nur deshalb war Merkels Rede ein ungewollter Demo-Aufruf. Sie bestätigte alle, die den G-8-Gipfel für einen Showtermin halten, bei dem nichts herauskommt außer Spesen. Fortschritte beim Klimaschutz? Laut Merkel unwahrscheinlich. Maßnahmen gegen rücksichtslose Hedgefonds? Ebenso aussichtslos. Merkel klang dermaßen pessimistisch, dass man sich kaum noch gewundert hätte, wenn sie angekündigt hätte, den Gipfel abzublasen." (25.05.2007)

Kathimerini - Griechenland

Griechenland besorgt über die Türkei

"Das Attentat im Zentrum Ankaras vom 23. Mai beunruhigt die Griechen, die die Entwicklung der Ereignisse aufmerksam verfolgen - so wie es alle guten Nachbarn tun", erklärt die griechische Zeitung. "Erfahrene Diplomaten glauben, dass die Lage jetzt sehr angespannt ist und dass gewisse türkische Machthaber versuchen werden, die gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu stören. Athen hat allen Grund zur Sorge, denn die Türkei hat eine lange Tradition, ihre internen Krisen nach außen zu tragen. Die Konsequenzen konnte man auf Zypern spüren oder in der Ägäis. Die griechische Regierung hat entschieden, den jetzigen türkischen Premierminister Recep Tayipp Erdogan zu unterstützen. Nicht etwa, weil er es geschafft hat, die türkische Außenpolitik grundlegend zu verändern, sondern weil er derzeit für eine europafreundliche Politik steht." (24.05.2007)

WIRTSCHAFT

NRC Handelsblad - Niederlande

Handytelefonate in der EU werden billiger

Das Europaparlament hat am 23. Mai eine Verordnung gebilligt, die die Mobilfunkanbieter dazu zwingt, die Roamingtarife für Anrufe im Ausland zu senken. Die niederländische Zeitung kommentiert: "Diese Entscheidung ist zum Wohle Europas und zum Wohle der Konsumenten. Doch scheint diese Marktregulierung noch einem anderen Zweck zu dienen: der europäischen Propaganda. Um die Begrenzung der Tarife im Ausland zu kompensieren, werden die Betreiber im Zweifel ihre Tarife für Inlandsgespräche anheben. Überall gibt es überzogene Preise. Man sollte erwarten können, dass die Konsumenten ihre Anruftarife kennen. Einem freien Markt ist besser gedient, wenn der Konsument kritisch ist, als wenn die öffentliche Hand regulierend eingreift." (25.05.2007)

MEDIEN

Dala-Demokraten - Schweden

Reporter bespritzt Regierungschef Reinfeldt

Bei einer Filmpremiere in Stockholm in dieser Woche hat ein Reporter Regierungschef Fredrik Reinfeldt mit einer als Mikrofon getarnten Wasserpistole bespritzt. Der Vorfall führte in Schweden zu Empörung und der Forderung, Politiker stärker von den Medien abzuschirmen. Für Göran Greider ist der Vorfall auch ein Zeichen für den Verfall des Medienklimas: "Eine Gesellschaft, in der mit den Machthabenden kein Scherz getrieben wird, ist gruselig, sie zeugt von Stillstand. Doch wenn gierige Produktionsfirmen nur nach hohen Zuschauerzahlen jagen,… ist dies ebenfalls ein Beleg für eine Gesellschaft, die mental stillsteht. Es ist darüber hinaus Ausdruck jener Medienwelt, in der Politiker nur auf drei Arten vorkommen: als Kuchen backende Heinzelmännchen, als in Skandale verwickelte Bonzen oder als Opfer im Erniedrigungs-TV." (24.05.2007)

KULTUR

Cyprus Mail - Zypern

Neugestaltung des Elephteria-Platzes

Savvas Levtchitch, Professor für Ingenierwesen und Bautechnik, kritisiert die geplante Neugestaltung des Elephteria-Platzes in der zyprischen Hauptstadt Nikosia. "Der Entwurf sieht aus, als käme er von einem anderen Planeten und würde nun einem historischen Platz übergestülpt, der auf die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen wird. Es ist unverständlich, warum die berühmte Architektin Zaha Hadid... Nikosia verächtlich die kalte Schulter gezeigt hat. Sie hat sich den Platz gar nicht angeschaut und ihr Entwurf basiert auf dem Satellitenbild von Google Earth. Das ist arrogant und provozierend und zeigt, dass sie mit den Bedingungen vor Ort gar nicht in Berührung kommen wollte. So ein revolutionäres Projekt kann man nicht im Zentrum einer alten Stadt mit einer sehr ausgeprägten Charakteristik bauen... Ungeachtet dessen, ob der Entwurf nun umgesetzt wird oder nicht, müssen die stadtplanerischen Regeln von Grund auf geändert werden. Die vorhandenen sind ein Desaster." (25.05.2007)

Delfi - Litauen

Kulturhauptstadt Vilnius: Ausländerfeindlich und homophob?

2009 wird Vilnius europäische Kulturhauptstadt – für Andrius Bielskis ein Anlass zur Freude für die Litauer und insbesondere für die Bewohner der Hauptstadt. Aber gleichzeitig erwecke Vilnius nicht eben den Eindruck, kultiviert und offen gegenüber Fremden zu sein. "Vilnius präsentiert sich nicht nur provinziell, sondern auch als xenophober Krähwinkel, in dem man sich nicht sonderlich um Aktionen der EU-Kommission zur Gleichberechtigung schert... Dabei geht es auch um die Rechte von Homosexuellen, die in Litauen diskriminiert werden. Es herrscht geradezu ein homophobes Klima. Die Hysterie zeigt sich auch daran, dass die Medien als Reaktion auf die Vorwürfe viel zu wenig betont haben, dass es um die Ablehnung jeder Form von Diskriminierung geht, sowohl aufgrund der Rasse, des Geschlechts als auch der Religion." (25.05.2007)

Gazeta Wyborcza - Polen

Polens erstes Internet-Filmstudio

Anfang Juni wird der international erfolgreiche Kameramann Slawomir Idziak in Polen das erste virtuelle Filmstudio eröffnen. Sein Vorbild ist das englische Internetportal Stray Cinema. Marta Strzelecka beschreibt Idziaks Konzept: "Film Spring Open Virtual Studio (www.filmspringopen.eu ist erst ab 1. Juni online) wird eine Weiterentwicklung der Workshops sein, die er seit drei Jahren durchführt. Daran nehmen Kameraleute, Regisseure, Schauspieler und Drehbuchautoren aus mehreren europäischen Ländern teil. Bevor sie sich am Filmset treffen, arbeiten sie gemeinsam im Internet am Drehbuch. Als oberstes Prinzip gilt, dass es während der Arbeit keinen Regisseur-Diktator gibt. Jeder soll das Recht haben, etwas zu kritisieren und sogar komplette Änderungen vorzuschlagen. Die Rollen werden erst am Set entschieden." (25.05.2007)

LOKALE FARBEN

The Times - Großbritannien

Londons Bäume in Lebensgefahr

"Ein von der Londoner Verwaltung vorgelegter Bericht warnt davor, dass den sieben Millionen Bäumen der Hauptstadt ein 'Kettensägen-Massaker' droht. Bereits 40.000 ausgewachsene Bäume wurden in London in den vergangenen fünf Jahren von den Stadträten abgesägt", klagt Ben Macintyre. "Unsere Einstellung zu den Bäumen der Stadt ist seltsam zwiespältig. Wir behaupten sie zu lieben, bekommen es aber kaum mit, wenn sie verschwinden, weil wir den Stadtrat bitten, er möge sie gnadenlos abhacken, weil sie in unseren Alltag eindringen oder - noch schlimmer - weil sie die Immobilienpreise beeinflussen. William Blake sagte ganz richtig: 'Der Baum, der den einen die Freudentränen in die Augen treibt, ist für andere nur ein grünes Ding, das im Weg steht.' Wir sind beides zugleich: Baum-Freunde und Baum-Quäler. Stadtbäumen wird oft zu Unrecht vorgeworfen, sie begünstigten Erdabsenkung; die Tauben in ihren Ästen beschmutzten unsere Autos; ihre Blätter erzeugten Matsch und verstopften die Kanäle. Wir fürchten, ihre abgestorbenen Äste könnten uns auf den Kopf fallen und ihr Laub könnte die Videoüberwachungskameras verdunkeln, die uns doch heute überall hin folgen müssen." (25.05.2007)

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