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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 04.07.2007

 

TOP-THEMA

Wie begegnet Europa dem Terrorismus?

Wie begegnet Europa dem Terrorismus?

 

Nach den verhinderten Terror-Anschlägen in Großbritannien diskutieren die Medien, welche Mittel adäquat sind, um dem Terrorismus entgegenzutreten. Während die Briten Gelassenheit demonstrieren, plädieren andere für strengere Kontrollen und Überwachung. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
The Guardian - Großbritannien, Le Soir - Belgien, Berlingske - Dänemark, Svenska Dagbladet - Schweden

The Guardian - Großbritannien

Simon Jenkins findet es falsch, den Terrorismus zu dramatisieren. "Die Sicherheit in Großbritannien wird von diesen Bomben nicht im Entferntesten bedroht. 'Sie untergraben den britischen Lebensstil und bedrohen die westliche Kultur', hat Blair immer gern behauptet. Das tun sie nicht. Sie töten Menschen und beschädigen Eigentum... Terrorismus funktioniert nur durch die Furcht, zu der das Aufsehen und der Ruf nach Rache wesentlich beitragen. Der Terrorist braucht ein Megaphon für sein Anliegen, er will 'Verständnis' für sein Leiden, Märtyrertum für sich selbst und seine Mitstreiter. Er will lieber... den Status des politischen Kreuzfahrers als den eines gewöhnlichen Kriminellen. Jede Äußerung der Regierung, der Justiz und der Presse gestehen ihm heute aber diesen Status zu." (04.07.2007)

Le Soir - Belgien

Alain Lallemand stellt fest, dass es eine "neue Generation von Terroristen gibt, die keine paramilitärische Ausbildung durchlaufen hat... Die 'Zellen', die laut Bin Laden und Al-Zawahiri die Attentate von New York und Nairobi vorbereitet haben, sind de facto ein überholtes Modell... Prävention wird deshalb schwierig. Es gibt keine erkennbaren Grundmuster und großen Netzwerke mehr. Um potenzielle Terroristen ausfindig zu machen, muss man sich auf den Moment konzentrieren, in dem ein Einzelner den Übergang von ideologisch radikalem Denken – denn denken, selbst Schlechtes denken, ist glücklicherweise kein Verbrechen – zu einem konkreten Projekt und dann (übrigens nach jüngsten Ermittlungen sehr schnell) zur Planung von Straftaten vollzieht. In Bezug auf die individuellen Freiheiten bewegen wir uns da auf äußerst sensiblem Gebiet: Es gibt kaum Überwachungsmechanismen, die dazu geeignet wären, diesen Übergang von persönlicher Überzeugung zur allgemeinen terroristischen Betätigung ohne 'Freiheitsberaubung' dingfest zu machen." (04.07.2007)

Berlingske - Dänemark

Die Überwachung von Bürgern sei nicht falsch, meint die Zeitung, das hätten die jüngsten Anschlagsversuche gezeigt. "Die aktuellen Terrorermittlungen in Großbritannien zeigen, dass nicht jede Form der Überwachung automatisch von Übel ist. Der massive Einsatz von Videokameras an öffentlichen Orten in London ist ein phantastisches Hilfsmittel für die Untersuchungen. Mit ihnen kann man die Zeit zurückspulen und bestenfalls den verborgenen Feind ans Licht zerren. Und das, ohne dass der Durchschnittsbürger belästigt wird." (03.07.2007)

Svenska Dagbladet - Schweden

Die schwedische Zeitung meint, es sei an der Zeit, mit einer Reihe von Mythen über den Terrorismus aufzuräumen. Ein Mythos sei, dass Armut und Unterdrückung die Hauptursachen für den Terror seien. Nun zeige sich, dass die Drahtzieher in Großbritannien gut ausgebildete Ärzte waren. Ein weiterer Mythos bestehe darin, dass "der Islam nichts mit dem Terrorismus zu tun hat. Bevor die Beschuldigten im britischen Gesundheitswesen angestellt wurden, hatten sie nur eines gemeinsam: Sie sind streng gläubige Muslime, die verhaftete Frau trug eine Burka... Dies bedeutet nicht, dass alle Muslime Terroristen oder Sympathisanten sind. Aber es zeigt, dass es innerhalb des Islam ein enormes Problem gibt." (04.07.2007)

REFLEXIONEN

România Liberă - Rumänien

Matei Visniec über das Europa der Toten

Der in Frankreich lebende rumänische Schriftsteller Matei Visniec kommentiert das polnische Argument beim Streit um die Stimmgewichtung innerhalb der EU, das Land könnte heute mehr Einwohner zählen, wenn es nicht die vielen Kriegstoten zu beklagen hätte: "Die Idee, dass die Toten beim Bau Europas ein Wörtchen mitzureden haben, scheint mir äußerst interessant. Ebenso ist es spannend, dass wir versuchen, die Sichtweise der Toten einzunehmen. Schließlich ist die EU in erster Linie eine Reaktion auf die Kriege zwischen den Kulturen, die über 2000 Jahre lang Europa beherrschten. Wenn wir nach einem Fundament für die EU suchen, dann nicht in einem Dokument, sondern in den übereinander liegenden Schichten der Toten. Wo immer man gräbt in Europa, man findet Gebeine, auch unzählige Gemeinschaftsgräber... Die Toten haben eine Botschaft, die nur schwer zu uns durchdringt: Seid weniger egoistisch, nationalistisch, weniger hochmütig, weniger taub für die Leiden der anderen, seid vielmehr entzückt, dass Ihr am Leben seid!" (04.07.2007)

Financial Times - Großbritannien

Stefan Wagstyl über das verspätete Ende des Zweiten Weltkriegs

Stefan Wagstyl kritisiert, dass die Polen bei den EU-Verhandlungen die Toten des Zweiten Weltkriegs als Argument angeführt haben, versucht aber, diese Taktik zu verstehen. "Der Krieg war im Westen 1945 zu Ende. Viele Osteuropäer glauben, dass er für sie bis zur Abschaffung des Kommunismus 1989 noch nicht zu Ende war... Deshalb ist es für viele Osteuropäer zu früh, den Krieg mit demselben Abstand zu betrachten wie die Westeuropäer. Es ist nicht erstaunlich, dass die sehr emotionale Sprache, die manche Osteuropäer benutzen, wenn sie über den Krieg reden, die Westeuropäer an vergangene Zeiten erinnert. Die Osteuropäer müssen selbst eine distanziertere Sichtweise des Krieges entwickeln. Aber die Westeuropäer können dabei helfen, indem sie sich bemühen, den Krieg in Osteuropa besser zu verstehen... Nichts davon rechtfertigt jedoch die absurde Hypothese der Kaczynskis. Doch hinter ihrem bizarren Einfall verbirgt sich die oft schmerzhafte Tatsache, dass die Vergangenheit im Osten der Gegenwart viel näher ist als im Westen." (04.07.2007)

POLITIK

Diena - Lettland

Lettland fürchtet portugiesische Naivität

Sanita Jemberga betont, neben vielen anderen Themen müsse sich die portugiesische EU-Ratspräsidentschaft auch um die Verbesserung des Verhältnisses zu Russland kümmern. Allerdings macht sie sich nicht viel Hoffnung auf Erfolg: "Portugals Premier schwärmt für Tolstoj und Dostojewski. Er hat bereits verkündet, er wolle keinen strikten Standpunkt gegenüber Moskau einnehmen. Er teilt nicht die Ansicht, auf Russland müsse Druck ausgeübt werden. Die Erfahrung der EU zeigt: Je weiter südlich ein Staat liegt, desto weniger Vorstellung hat er von Russland und desto romantischer ist seine Einstellung... Lettlands Diplomaten werden nach dem alten Sprichwort handeln müssen: Schütz mich vor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde ich selbst fertig." (04.07.2007)

Mladá fronta Dnes - Tschechien

Putins Trümpfe gegenüber Bush

Beim Treffen von US-Präsident George W. Bush mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in den USA hat in Bezug auf den Raketenabwehrschild vor allem Putin gepunktet, meint Jan Zizka. "Der russische Präsident machte in Kennebunkport den Vorschlag, das Radar in Südrussland zu errichten und die Daten mit den USA auszutauschen. Darüber solle der Nato-Russland-Rat entscheiden. Bush blieb erneut nichts übrig, als die Initiative Putins zu würdigen und zu versprechen, man werde sich ernsthaft mit diesem Vorschlag befassen... Putin hat noch einen Vorteil gegenüber Bush. Er kann sicher sein, dass sein Standpunkt auch über seine Ära hinaus der Standpunkt Russlands sein wird. Für Bush hingegen ist noch nicht einmal klar, ob sich der Raketenschutzschild in Mitteleuropa überhaupt durchsetzen lässt. Der Kongress hat ihm die Mittel für das Radar in Tschechien jedenfalls noch nicht bewilligt." (04.07.2007)

La Repubblica - Italien

Ein Plädoyer für die europäische Grundrechtecharta

Für Stefano Rodotà zeigt die im Jahr 2000 formulierte Grundrechtecharta, dass "ökonomisches Denken nicht ausreicht, um der EU eine Legitimation zu verleihen. Im Gegenteil, die EU-Verfassung muss die Förderung der Menschenrechte zum Inhalt haben. Dass die Polen und Briten die Aufnahme dieser Charta in den EU-Grundlagenvertrag zu verhindern versuchen, zeigt, auf welchem Gebiet sich die zentrale Diskussion über die Zukunft Europas abspielt. Die Charta, die immerhin die erste Erklärung der Menschenrechte des dritten Jahrtausends ist, stellt eine Herausforderung für die Konservativen dar. Sie könnte so etwas wie der Mutterboden der Demokratie sein... Auch wenn sie noch nicht überall angewandt wird, ist die Charta seit ihrer Entstehung 2001 ein obligatorisches Bezugsmoment bei der europäischen Gesetzgebung." (04.07.2007)

Libération - Frankreich

Der französische Premier als Vizepräsident

Der neue französische Premierminister François Fillon hat am Dienstag vor der Nationalversammlung die Grundzüge seiner zukünftigen Politik skizziert. Alain Duhamel fragt, welche Rolle der Politiker spielen wird, der im Schatten von Präsident Nicolas Sarkozy steht: "In erster Linie ist er der engste politische Berater des Präsidenten, sein ständiger Ansprechpartner, der Koordinator zwischen den Ministern, der Vertreter des Staatschefs in allen Bereichen, die ihm dieser anvertraut bis hin zur Außenpolitik. Er wird quasi Vizepräsident, ist aber viel einflussreicher als der amerikanische Vizepräsident, der eher eine Statistenrolle spielt... Sein Amt ließe sich abschaffen, indem man ihn offiziell zum Vizepräsidenten ernennt. Doch das hieße, sich eines Spielraums berauben, der in unserem Land, das für seine hitzigen Anwandlungen und Stimmungsschwankungen berühmt ist, durchaus nützlich ist." (04.07.2007)

WIRTSCHAFT

Népszabadság - Ungarn

Nabucco und Blue Stream

In Ungarn wird darüber debattiert, ob die russlandfreundliche Außen- und Energiepolitik der ungarischen Regierung richtig ist. Scharfe Kritik übt die Oppositionspartei Fidesz, die für mehr Abstand von Russland plädiert und die europäische Nabucco-Pipeline unterstützt. Der Wirtschaftswissenschaftler Miklós Rosta schlägt vor: "Nabucco sollte nicht nur Erdgas aus dem Südkaukasus und aus dem Iran liefern, sondern auch Erdgas aus der [russischen Pipeline] Blue Stream übernehmen... Eine Mischkonstruktion könnte den Widerstand Russlands überwinden und die im Moment völlig offene Frage beantworten, welches Erdgas Nabucco liefern soll. Der Hauptvorbehalt der EU-Kommission gegen Blue Stream ist, dass Energieabhängigkeit der EU von Russland unerwünscht ist. Aber ist Nabucco ein Garant für Unabhängigkeit? Kein Zweifel: Zentralasien liegt nach wie vor im Einflussbereich Russlands." (03.07.2007)

MEDIEN

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Revolte in Frankreichs Medien

Frankreichs Journalisten werden trotz Sarkozys "Nähe zu den Pressezaren" immer mutiger, berichtet Jürg Altwegg. "Dass die Boulevardzeitung 'Aujourd'hui' ein Dossier über Sarkozy und die Medien erstellte, das aus dem Redaktionssystem verschwand, haben die anderen schnell gemeldet. Zwischen den Zeitungen wurde ein Informationssystem eingerichtet, das per E-Mail problemlos funktioniert. Jeder Vorfall gelangt an die Öffentlichkeit... Die Zeitungen profilieren sich gegen die Ansprüche der politischen Macht und müssen sich gegen das 'freie' Internet behaupten. Der Druck, den Sarkozy ausübt, macht das Internet zur echten Informationsquelle. Millionen verfolgen im Internet die kleinen und großen Zensurgeschichten. Die Vorstädte sind ruhig, die Demos auf den Straßen ausgeblieben. Die Revolte rumort in den Medien." (04.07.2007)

KULTUR

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Spaniens Museumsboom

Klaus Englert berichtet über die Entwicklung der spanischen Museumslandschaft, die mehr durch architektonische Attraktionen glänzt als durch inhaltliche Schwerpunkte. "Das Musac in León, das Picasso-Museum in Málaga und viele andere spanische Kunstzentren sind Ausdruck jenes Booms, der seit den neunziger Jahren zu Museumsneugründungen führte, sei es in der Hauptstadt oder in einem Dörfchen wie Malpartida de Cáceres in der tiefen Extremadura. Dabei hoffen alle auf den 'Bilbao-Effekt'. Selbst Kritiker müssen zugestehen, dass das Musac die kulturelle Attraktivität Leóns ebenso nachhaltig verändert hat wie Frank Gehrys Guggenheim-Museum jene der einst grauen Industriestadt am Nervión, die zu einer bei Kulturtouristen beliebten Destination geworden ist. Mit Blick auf Bilbao kritisiert Macba-Direktor Borja-Villel: 'Schnell einigt man sich auf einen internationalen Stararchitekten, der eine glitzernde Museumshülle errichtet. Doch allzu oft weiß später keiner, wie das neue Programm aussehen soll.'" (04.07.2007)

La Vanguardia - Spanien

Julio González-Ausstellung in Paris

Oscar Caballero freut sich über eine Ausstellung mit Werken des katalanischen Bildhauers Julio González (1876-1942) im Pariser Centre Pompidou. Einen Großteil seines Lebens verbrachte Gonzáles in Frankreich. "Er und Brancusi waren Pioniere der Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts. Er hat das Arbeiten mit Metall zu einem Kunsthandwerk gemacht. Die Grenzen zwischen Kubismus und Surrealismus oder zwischen dem Figürlichen und dem Abstrakten waren ihm gleichgültig. Julio González kam aus Barcelona, er war Zeichner, Maler und Bildhauer und hatte Einfluss auf die ganz großen Künstler ... Die Ausstellung zeigt verschiedene Beispiele seines Talents, von der Juwelierskunst bis hin zu Zeichnungen, die an seinem Lebensende entstanden sind: 1942 war Bildhauerei nicht möglich, weil die Materialien fehlten. Daneben gibt es Zeichnungen von seiner Tochter Roberta González, einer talentierten, aber unbekannten Malerin, Dokumente und Gemälde, Skulpturen in Bronze und Eisen. Man sieht den 'Tête en profondeur' von 1930, das erste Kunstwerk des 20. Jahrhunderts, das in Frankreich zum 'nationalen Kulturgut' gerechnet wurde." (04.07.2007)

SPORT

Le Temps - Schweiz

Freude über Schweizer Segel-Sieg

Isabelle Musy freut sich über den gestrigen Sieg des schweizerischen Segelteams Alinghi beim Amerika-Cup. "Die Heldentat der Alinghi war eine kollektive Tat. Das zeigen die Fernsehzuschauerzahlen. Das ganze Land hat sich mit einer Gemeinsamkeit, wie man sie selten erlebt, für dieses Schiff und seine Schweizer Mannschaft in jeder Hinsicht begeistert.. . [Teamchef] Ernesto Bertarelli hat gestern Abend gesagt: 'Alinghi steht für die Schweiz'. Ein Staat, der bestimmt ist von seiner geringen Größe, vom mangelndem Zugang zum Meer, vom Mangel an natürlichen Ressourcen, muss über sich selbst hinauswachsen. Will er Erfolg haben, braucht er die Fähigkeit, groß zu denken, braucht kreative Genies und Innovationsgeist. Er braucht die Fähigkeit, an das Unmögliche zu glauben." (04.07.2007)

BRÜSSELER SPITZEN

Die Presse - Österreich

EU macht Aasgeier heimatlos

Normalerweise leben Aasgeier rund um das Mittelmeer, sowie in Afrika und Vorderasien. Jetzt hat es etwa hundert Aasgeier aus Spanien in die Niederlande und nach Belgien verschlagen. Grund sei eine EU-Vorschrift, berichtet Helmut Hetzel: "Denn die spanischen Bauern setzen jetzt EU-Vorschriften um, wonach beispielsweise tote Schafe nicht mehr auf dem Weideland zurückgelassen werden dürfen... Aus Mangel an Essbarem seien die Geier nun anderswo auf der Suche nach Nahrung – behaupten zumindest die niederländischen Vogelschützer. Fraglich ist allerdings, ob die Riesenvögel auf ihrem Trip nach Norden mehr Erfolg haben werden. Möglicherweise müssen sie nämlich den Hungertod sterben, weil sie auch in den nördlichen Breiten kein Aas finden können... Die 200 Kilogramm Schweinefleisch, die flämische Vogelschützer als Snack auf einigen Wiesen ausgelegt haben, fanden jedenfalls keinen Anklang." (04.07.2007)

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