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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 01.08.2007

 

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Die britische Armee übergibt an die nordirische Polizei

Die britische Armee übergibt an die nordirische Polizei

 

Der nordirische Friedensprozess geht voran: Nach 38 Jahren beendet die britische Armee offiziell ihren Militäreinsatz. Für die Sicherheit Nordirlands ist nun die Polizei verantwortlich. Dennoch bleiben 5 000 Soldaten in der Provinz stationiert. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Belfast Telegraph - Großbritannien, Die Welt - Deutschland, El Periódico de Catalunya - Spanien, Népszabadság - Ungarn

Belfast Telegraph - Großbritannien

Die nordirische Tageszeitung glaubt, dass es die Armee in Nordirland auch in Zukunft schwer haben wird. "Die Armeegegner und Unterstützer der Widerstandsorganisationen werden sich vereinzelte Vorfälle ungerechtfertigter Vergeltungsmaßnahmen - wie den Bloody Sunday - herauspicken, um die Armee zu kritisieren. Sie hat schreckliche Fehler gemacht – schließlich war ihr Feind brutal und schwer greifbar -, dennoch sorgte sie für Stabilität, während die Politiker langsam den Versöhnungsprozess angingen... Die Fragen und Untersuchungen, wer wen und wie getötet hat, werden noch Jahre andauern. Armee und Polizei werden Rechenschaft darüber abgeben müssen, wie der Geheimdienstkrieg geführt und letztlich gewonnen wurde. Es gab unschöne Deals im Laufe dieser lang währenden Schlacht, aber sie gehören zu jedem Konflikt dazu. Die Verluste der Armee bei Warrenpoint, Ballygawley und Deal sollten wir nicht vergessen." (31.07.2007)

Die Welt - Deutschland

Peter Herkenhoff erinnert daran, dass die Entscheidung der Londoner Regierung, Soldaten zur Lösung der "Troubles" einzusetzen, ursprünglich eine Notlösung war: "Mehr als 300 000 Soldaten verrichteten in den vergangenen 38 Jahren den gefährlichen Dienst an der Heimatfront. Dabei zeichnete sich frühzeitig ab, dass ein demokratisches Land wie Britannien einen solchen Konflikt nicht mit militärischen Mitteln gewinnen kann. Für die Guerilla-Attacken der IRA war die Armee nie ausgebildet worden. Der Blutzoll, den die Streitkräfte in den folgenden Jahrzehnten zahlen mussten, war enorm. Immerhin 763 Soldaten ließen bei Anschlägen und Gefechten mit den republikanisch-katholischen Brüdern ihr Leben. Nun, da die Truppen, bis auf eine Garnison, die sich für Auslandseinsätze bereithalten, aus dem Straßenbild verschwunden sind, muss die Polizei beweisen, dass sie die Sicherheit in Nordirland auch dann garantieren kann, wenn Splittergruppen versuchen sollten, den Frieden zu torpedieren." (01.08.2007)

El Periódico de Catalunya - Spanien

Die Zeitung analysiert die Entwicklung in Nordirland mit Blick auf die Situation im Baskenland. "Wenn es [in Nordirland] gelungen ist, die Spannungen zu beseitigen, dann liegt das zum großen Teil daran, dass politische Verantwortung und die Idee eines nationalen Pakts über das Sektierertum der Konfliktparteien obsiegt haben. Sie waren stärker als die historischen Rechtfertigungen derjenigen, die 1969 die Soldaten aus den Kasernen geholt haben, um die Krise einzudämmen. Kurz darauf folgten die Erlasse, die grundlose Festnahmen erlaubten. Diese Gesetze haben Nordirland in eine Hölle verwandelt, in der 763 Soldaten und mehr als 300 Polizisten ihr Leben verloren. Das alles hat den Friedensprozess enorm erschwert. Wer in Irland eine Inspirationsquelle sucht, um die Gemüter im Baskenland zu beruhigen, sollte sich dessen bewusst sein." (01.08.2007)

Népszabadság - Ungarn

Gábor Miklós überlegt: "Man kann unmöglich über den Konflikt in Nordirland nachdenken, ohne sich in Erinnerung zu rufen, was im Irak, im ehemaligen Jugoslawien und im Libanon passiert. Die weitverbreite Ansicht, nur die Völker des Orients lebten im Bann der Religionen und verwickelten einander in immer neue Religionskriege, ist nicht länger haltbar. Auf den zivilisierten britischen Inseln wird ein solcher Konflikt gerade erst beendet, auf dem Balkan glimmt immer noch die Glut des Krieges unter der Asche. Auch Nordirland muss noch lange im Schatten des Religionskriegs leben. Die vor einiger Zeit vereitelten Anschläge [in London und Glasgow] waren von einer ähnlichen Ideologie und vom Hass motiviert, wie die jener Terroristen, die sich früher in den Kneipen von Ulster trafen. Aber der Unterschied ist besorgniserregend: Die damaligen katholischen 'Soldaten' der IRA und ihre Gegner haben lokale Interessen vertreten... Die Mörder von heute agieren als lokale Zelle eines globalen Terrornetzwerks." (01.08.2007)

REFLEXIONEN

Le Temps - Schweiz

Roger Köppel über aufgeklärten Barbecue-Patriotismus

Anlässlich des Schweizer Nationalfeiertags am heutigen 1. August spricht der Chefredakteur der Wochenzeitung Weltwoche, Roger Köppel, mit Anne Fournier und Ron Hochuli über die Besonderheiten des Schweizer Patriotismus. "Unser Nationalfeiertag... besteht vor allem aus einem Lampionumzug, einem kleinen Feuerwerk und Bratwürsten. Das ist bezeichnend für unser Verhältnis zum Staat. Der 1. August ist eine Volksangelegenheit, die aus kleinen privaten, anarchistischen Festen besteht, die die Verschiedenartigkeit der Schweiz widerspiegeln... Es gibt in der Schweiz einen, ich würde sagen, konstitutionellen Patriotismus, der für mich die aufgeklärteste Form des Patriotismus ist. Er impliziert weder eine nostalgische Verklärung der Vergangenheit noch Nationalismus. Er steht für ein nüchternes und rationales Zugehörigkeitsempfinden, das im Barbecue-Patriotismus seinen Ausdruck findet." (31.07.2007)

El País - Spanien

Rosa Montero über das Vertauschen von Nationalhymnen

Die spanische Autorin Rosa Montero amüsiert sich über den Schnitzer, der kürzlich dem zukünftigen belgischen Premierminister Yves Leterme unterlaufen ist. Statt der belgischen Nationalhymne stimmte er die französische Marseillaise an. "Als ich von dieser Geschichte erfuhr, war ich platt... Ich dachte mir: Dieser Mann ist mein Held. Man stelle sich ein Land vor, das von allem billigen Patriotismus frei ist - frei von dieser nationalistischen Inbrunst, die im Lauf der Jahrhunderte so viel Blutvergießen hervorgebracht hat. Eine Welt, in der die Tatsache, in einer bestimmten Gegend dieser Welt geboren zu sein, nicht wie ein persönliches Verdienst erscheint... Wenn doch unsere Politiker auch einmal die Hymnen verwechseln würden. Die Kastilier würden [die baskische Hymne] 'Eusko Gudariak' singen, die Basken summten die spanische Hymne [die ohne Text ist], die Andalusier schmetterten die [offizielle katalanische] Hymne 'Els Segadors' und die Katalanen wiederum 'Asturias, patria querida' [die Hymne des Fürstentums Asturiens]. Ich bin sicher, es ginge uns allen viel besser." (31.07.2007)

POLITIK

Gazeta Wyborcza - Polen

Autobahn ins Nirgendwo

Die Europäische Kommission hat vor dem Europäischen Gerichtshof einen Antrag auf den sofortigen Stopp der Arbeiten an der Umgehungsstraße für das nordostpolnische Augustow gestellt – jenem Abschnitt der "Via Baltica", die mitten durch das europäische Naturschutzgebiet "Rospuda" führen soll. Dennoch hat der polnische Ministerpräsident Jarosław Kaczyński nun die Fortsetzung des Baus außerhalb der Schutzzone angekündigt. Adam Wajrak kritisiert diese Entscheidung: "Sicher sagt der Premier dies, um die Situation in Augustow zu beruhigen. Er hat auch ein deutliches Signal an die Europäische Kommission und an den Gerichtshof gesandt, dass die polnische Regierung ihren Willen durchsetzen will. Der Premier glaubt an den Sieg, aber was wird, wenn die Regierung – was wahrscheinlich ist – verliert? Für Augustow bleibt dann eine Straße ins Nichts und eine sechs Kilometer lange Lücke in der Mitte. Dann muss alles von vorne begonnen und weitere Millionen werden ausgegeben. Und Polen wird als das Land gelten, das einen Weg ins Nirgendwo gewählt hat." (01.08.2007)

Politiken - Dänemark

Dänische Truppen aus Irak abgezogen

Seit heute ist der vierjährige Einsatz dänischer Truppen im Irak beendet, bei dem sechs dänische Soldaten getötet wurden. Innenpolitisch war dieser Einsatz stark umstritten, doch unterstützen laut einer Gallup-Umfrage 57 Prozent der Bevölkerung weitere Auslandseinsätze. Die Zeitung plädiert ebenfalls dafür, dass das Land sich auch weiterhin militärisch engagiert, aber nur unter UN-Mandat. "Ausgangspunkt muss sein, die Vereinten Nationen weiter zu unterstützen, damit die Friedenseinsätze unabhängig von den USA und der EU werden. Wir brauchen eine starke Uno, die der Lösung problematischer Fragen Legitimität verleihen kann. Bis dahin ist die Welt abhängig davon, ob die USA zusammen mit ihren Alliierten bereit stehen und sie imstande sind zu handeln. Die Lehre nach unserem Rückzug aus dem Irak ist, dass dänisches Militärengagement an internationalen Brennpunkten weiterhin gebraucht wird." (01.08.2007)

Cyprus Mail - Zypern

Frühstart in den zyprischen Wahlkampf

Zypern wählt seinen neuen Präsidenten im Frühjahr 2008. Der Wahlkampf hat bereits begonnen - zu früh, meint die Zeitung. "Im Februar 2008 werden es die meisten Leute satt haben, das Gezanke der Politiker zu hören, die sich gegenseitig wegen Kleinigkeiten beschuldigen. Sie würden dadurch jedes Interesse verlieren, dass sie vielleicht an den Wahlen hatten... Nach sieben Monaten der Belanglosigkeiten und des Blödsinns ist es unwahrscheinlich, dass irgendein Wähler dann noch weiß, wofür die einzelnen Kandidaten eigentlich stehen. Da es im Moment wenig zu streiten gibt, haben die Unterstützer der unterschiedlichen Kandidaten in endlosen öffentlichen Debatten über absurde Themen diskutiert. In den letzten Wochen haben wir schon von ausländischen Verschwörungen zur Absetzung des Präsidenten erfahren, ein Kandidat wurde zensiert, weil er die Wähler seines Kontrahenten ansprach und es gab Behauptungen, es könne nur einen Kandidaten geben, der die Zypernfrage lösen kann." (31.07.2007)

MEDIEN

Magyar Hírlap - Ungarn

Verborgene Zensur in Osteuropa

In den osteuropäischen Ländern gibt es zwar keine Zensur mehr, aber die Mentalität lebe in den Köpfen weiter. Die Pressefreiheit sei immer noch nicht vollständig realisiert, schreibt die Zeitung im Leitartikel. "Die Zensurbehörde wurde zwar längst aufgelöst, aber Zensur existiert immer noch: Sie hat die Seelen der Menschen infiziert und spukt in den Köpfen weiter. Die Strukturen, durch die die Zensur damals funktionierte, wirken nun wirtschaftlich oder politisch motiviert jenseits der Institutionen weiter... Vor einigen Wochen wurde 400 Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Ungarischen Rundfunks zum Teil aus 'politischen, ideellen' Gründen gekündigt: auch eine Form von Zensur. Das Phänomen ist leider nicht nur in unserem Land, sondern in der ganzen Region zu beobachten. Die Zensur kann in allen Ländern des ehemaligen Ostblocks in verborgener Form weiterleben, weil es immer noch genug Menschen mit Untertanengeist gibt, die sich ihr unterwerfen." (01.08.2007)

KULTUR

La Repubblica - Italien

Michelangelo Antonionis Erzählungen in Bildern

Am 30. Juli 2007 starb in Rom der Regisseur Michelangelo Antonioni, der zusammen mit Fellini und Visconti das italienische Kino berühmt machte. Irene Bignardi schreibt: "Antonionis sollten wir gedenken, indem wir ihn nicht etwa in die Genie-Schublade einordnen, sondern die leidenschaftliche, angeregte und manchmal heftige Debatte weiterführen, an der er teilhatte. Wir sollten blinde Bewunderung vermeiden und gleichzeitig anerkennen, dass seine Kreativität, seine psychologische Präzision und die Atmosphäre seiner Filme uns unsagbar tief geprägt haben... Seine Größe bestand darin, dass uns sein Blick Geschichten erzählte - besser als es Worte können... In den letzten Jahren, in denen er in das Schweigen seiner Krankheit eingesperrt war, blieb sein Blick das einzige Mittel für ihn etwas mitzuteilen." (01.08.2007)

The Observer - Großbritannien

Ein Dschihad-Musical in Edinburgh

Vanessa Thorpe berichtet über ein Dschihad-Musical (Jihad: The Musical), das beim Edinburgh Fringe-Festival am heutigen Mittwoch Premiere haben soll. In dem Stück gibt es ein Lied, das 'I want to be like Osama' (Ich möchte wie Osama sein) heißt. In einer weiteren Musicalnummer singen Burka und Maschinengewehr tragende Frauen 'I only see your eyes' (Ich sehe nur deine Augen). "Die Show dürfte für Aufruhr sorgen, auch wenn das Musical-Team behauptet, ihnen sei daran überhaupt nicht gelegen. Ihr sängerischer und tänzerischer Rundumschlag durch die Welt des islamistischen Terrorismus sei bloß ein Versuch, der Angst und bedrohlichen Atmosphäre entgegenzuwirken... [Das Musical] zeigt das wachsende Interesse von Kabarettisten und Künstlern, sich mit dem provokativen Thema des fundamentalistischen Islam auseinanderzusetzen. Die Bemühungen der Regierung, die Anstiftung zu religiösem Hass zu verhindern, haben eher dazu geführt, die Aufmerksamkeit von Autoren und Standup-Comedians auf sich zu ziehen." (29.07.2007)

La Voix du Luxembourg - Luxemburg

Museum der luxemburgischen Identität

Laurent Moyse begrüßt die Einrichtung eines Festungsmuseums in Fort Thüngen im Nordosten der Stadt Luxemburg. Die Festung habe dazu beigetragen, "das Schicksal der Nation zu besiegeln, indem es in der Zeit des Herzogtums Luxemburg erlaubte, ein Gravitationszentrum zu halten, obwohl noch lange nicht klar war, dass es später unabhängig werden würde. Die Museumsmacher haben das Festungsmuseum der Geschichte des Forts und der nationalen Identität gewidmet und sind so bei der Präsentation von Geschichte und Gegenwart einen neuen Weg gegangen. Luxemburg war oft ein Spielball eroberungsfreudiger Mächte - erst hinter den Mauern der Burg konnte man sich verschanzen, sie nach und nach zu einer Stadt ausbauen und schließlich zur Hauptstadt eines Staates. Angesichts seiner ungewissen Zukunft im Herzen Europas, das oft zum Schlachtfeld wurde, hing das Schicksal dieses Landes von seiner Verteidigungsstrategie ab." (01.08.2007)

Frankfurter Rundschau - Deutschland

Caricatura religiöser Befindlichkeiten

Joachim F. Tornau besuchte die Caricatura in Kassel, eine Bestandsaufnahme der deutschsprachigen "komischen Kunst", der Karikatur: "Mit mehr als 650 Werken von 80 Cartoonisten fällt die Caricatura so üppig aus wie noch nie", schreibt Tornau und sieht in in der Bilderschau auch eine "Aufnahme angekratzter Befindlichkeiten. Der blutig eskalierte Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen, die Morddrohungen gegen den Berliner Zeichner Klaus Stuttmann, der die iranische Nationalelf zu Selbstmordattentätern stilisierte, um den geforderten Bundeswehreinsatz bei der Fußball-WM zu verspotten: All das hat Spuren hinterlassen in der Welt der komischen Kunst... Der Kritik an angeheiztem Volkszorn und Zensurverlangen ist darum sogar eine eigene Abteilung gewidmet, in der erstmals in Deutschland auch sämtliche zwölf umstrittenen dänischen Mohammed-Cartoons zu sehen sind - die, wie sich zeigt, überwiegend harmlos bis langweilig sind. Was man... von der Kasseler Ausstellung sonst wahrlich nicht behaupten kann." (01.08.2007)

LOKALE FARBEN

Gândul - Rumänien

Antonescu-Kult in Rumänien

Trotz eines offiziellen Verbots gibt es in Rumänien Orte, die an den rumänischen Diktator Ion Antonescu (1882-1946) erinnern. Unter der Herrschaft des Militärdiktators, der mit Nazi-Deutschland paktierte, wurden Anfang der 1940er Jahre Hunderttausende rumänische Juden getötet. Robert Balan schreibt: "Nach der Wende war in Rumänien vielfach der Wunsch zu hören, Marschall Ion Antonescu solle rehabilitiert werden. In den 90er Jahren tauchten in zahlreichen Städten Büsten Antonescus auf, der die Deportation der Juden aus der Region Bessarabien und der Bukowina zu verantworten hat. Im Jahr 2002 gab es landesweit insgesamt rund 25 Straßen, die seinen Namen trugen. In der Stadt Targu Mures führt zum Holocaust-Denkmal sogar ein 'Ion Antonescu'-Boulevard. Der rechtsextreme Corneliu Vadim Tudor ließ noch 2001 eine Büste im Hof einer Kirche in Bukarest aufstellen.... Obgleich seit dem Jahr 2002 ein Gesetz gilt, ... 'wonach Gedenktafeln für Personen, die Verbrechen an der Menschlichkeit verantworten', verboten sind." (31.07.2007)

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