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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 26.09.2007

 

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Ahmadinedschad in New York

Ahmadinedschad in New York

 

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat in New York in der Columbia University und vor der Uno gesprochen. Europäische Kommentatoren fragen, ob es richtig war, einem Israel-Gegner und Holocaust-Leugner dieses Forum zu geben. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
La Vanguardia - Spanien, Die Welt - Deutschland, Der Standard - Österreich

La Vanguardia - Spanien

Für die spanische Zeitung ist klar, dass die Einladung eines "'engstirnigen und grausamen Diktators', wie es der Rektor der Columbia Universität formulierte, überrascht und polarisiert... Es war vorhersehbar, dass der iranische Führer... die Gelegenheit nutzen würde, um Zynismus zu verbreiten, und dass er Fragen ausweichen würde. Trotzdem wäre es ein Fortschritt, wenn alle Studenten der Welt sich mit den Staatsoberhäuptern der Welt direkt unterhalten könnten, selbst mit den widerlichsten, um ihnen zuzuhören und dann, so weit möglich, über ihre Argumente zu diskutieren. Es ist immer besser, wenn man miteinander redet. Am Rande der moralischen und religiösen Ausführungen, die Ahmadineschads Publikum über sich ergehen lassen musste, wurde nichts über den Atomstreit gesagt." (26.09.2007)

Die Welt - Deutschland

Der Historiker Michael Wolffsohn findet es falsch, dass Ahmadinedschad in New York öffentlich auftreten durfte: "Dem potenziellen Massenmörder, der seinen Massenmord sogar vorher ankündigt, wird viel Toleranz entgegengebracht. Nicht der iranische Präsident Ahmadinedschad aber ist das Problem, wir sind es, genauer: wir als Teil der internationalen Gemeinschaft, die sich alles von jedem bieten lässt - auch die Forderung, andere Staaten auszulöschen und den millionenmörderischen Holocaust zu leugnen... Die deutsche und europäische Politik muss sich vom Irr- und Wirrglauben lösen, die UN repräsentierten das Weltgewissen. Konkret: Aktionen im globalen Zusammenhang sollten auf westlich-demokratischen Wertvorstelllungen basieren, nicht auf UN-Kompromissen, denen der Iran, der Sudan, Simbabwe und andere Schurkenstaaten zustimmen. Wir müssen uns auf unsere Werte besinnen, die letztlich universal sind." (26.09.2007)

Der Standard - Österreich

Julia Raabe beschreibt, wie Ahmadinedschad die internationale Bühne genutzt hat. "Er hat auf Israel eingehauen ('auf Rassismus gegründet'), an der renommierten Columbia-Universität absurdes Zeug erzählt ('im Iran gibt es keine Homosexuellen') und öffentlich mit dem Gedanken gespielt, am Ground Zero einen Kranz niederzulegen - ausgerechnet er, der Präsident des 'vermutlich größten Sponsors des Staatsterrorismus' (O-Ton Condoleezza Rice). Und die Show ist noch nicht vorbei - so lange nicht, wie Ahmadinedschad noch in den USA weilt. Aber schon jetzt hat der iranische Präsident seine Rolle für Washington bestens erfüllt. Er hat sich so präsentiert, wie die Administration ihn sieht. Und da er auch der einzige Vertreter des iranischen Regimes ist, der eine solche Aufmerksamkeit in der internationalen Öffentlichkeit genießt..., besteht auch keine Gefahr, in Zukunft ein differenzierteres Bild der Lage im Iran zeichnen zu müssen." (26.09.2007)

REFLEXIONEN

The Guardian - Großbritannien

Priyamvada Gopal über die Instrumentalisierung der Frauenfrage

Die an der Universität Cambridge tätige Literaturdozentin Priyamvada Gopal widerspricht der Auffassung, die Gleichberechtigung von Frauen sei eine ausschließlich westliche Errungenschaft. "Frauen aus nicht-westlichen Kulturen haben Unterdrückung schon lange in Frage gestellt... In Indien haben Frauen Selbstbewusstsein von Hindu-Dichterinnen wie Tarabai Shinde gelernt, die 1882 eine beißende Kritik der männlichen Doppelmoral schrieb. Im frühen 20. Jahrhundert kritisierten muslimische Schriftstellerinnen eine ganze Reihe von Ungerechtigkeiten wie das Eingeschlossensein, den Mangel an Wahlmöglichkeiten bei der Familienplanung und das Analphabetentum... Wenn die Gleichberechtigung der Frau als fundamentaler Unterschied zwischen 'uns' und 'ihnen' gesehen wird, ist das sehr ärgerlich. Nicht nur, weil das von Gesellschaften, die selbst mit geschlechtsspezifischer, ethnischer und sozialer Ungerechtigkeit zu kämpfen haben, schlicht scheinheilig ist. Zudem gibt es eine lange, bedrückende Geschichte, die Unterdrückung von Frauen zu instrumentalisieren, um die Herabwürdigung von Kulturen und koloniale Besetzungen zu rechtfertigen." (26.09.2007)

Le Soir - Belgien

Régis Debray über die zentrifugalen Kräfte Europas

Der französische Philosoph Régis Debray spricht im Interview mit William Bourton und Baudouin Loss über den belgischen Separatismus, der seiner Auffassung nach zeigt, vor welchen Herausforderungen Europa steht. "Grundsätzlich begünstigt der europäische Integrationsprozess die Regionalisierung und fördert sogar das Wiedererstarken des Separatismus. In diesem Sinne kann man Europa ebenso als teilenden wie als einigenden Faktor bezeichnen... Die Gründer Europas haben Europa als zentripetale Einheit begriffen. Nun stellt sich heraus, dass es zentrifugal ist, wobei die Extreme an Macht gewinnen. Am Ende werden wir wieder ein Europa der Regionen haben, als befänden wir uns im 16. Jahrhundert. Geschichte vollzieht sich nicht kreisförmig, sondern schreitet spiralförmig voran: Sie stößt immer wieder an die gleichen Punkte... Eins ist sicher: Ein atomisiertes Europa ist der stärkeren fremden Macht [den USA] unterlegen." (26.09.2007)

POLITIK

Dnevnik - Bulgarien

Lehrerstreik in Bulgarien

Seit Montag streiken die bulgarischen Lehrer. Sie wollen damit eine Verdoppelung des bisherigen Durchschnittsgehalts von 170 Euro im Monat erreichen. Die Regierung will aber zuerst eine Bildungsreform durchführen und dann die Gehälter erhöhen. Bojko Pentschew kommentiert: "Jeden Tag wird in den Medien die klassische Frage debattiert: Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Braucht es zuerst höhere Einkommen für die Lehrer oder eine Reform des Bildungssystems? Sollte man die Angelegenheiten nicht lieber getrennt regeln? Die entwürdigend niedrigen Gehälter der Lehrer führen dazu, dass sich immer weniger Menschen für diesen Beruf entscheiden. Das lässt sich auch nicht durch Anreize wie neue Computer ändern... Niemand streikt für eine Reform des Bildungssystems. Die Leute wollen mehr Geld und sie haben Recht. Immerhin leben sie in einem EU-Land mit europäischen Preisen." (26.09.2007)

Postimees - Estland

Kontrollverlust durch Schengen?

2008 wird Estland voraussichtlich Teil des Schengenraums. Die Zeitung denkt über die Vor- und Nachteile nach: "Der freie Personenverkehr gehört zu den Grundpfeilern der EU. Die Einführung der neuen Regeln bedeutet, dass wir die Beschränkungen loswerden, an die wir uns nach der Unabhängigkeit erst haben gewöhnen müssen, wie beispielsweise Passkontrollen an der Grenze zu Lettland... Es gibt aber auch einige Fragezeichen: Die Vorschriften sehen vor, dass es nur ein einziges Schengen-Visum gibt. Estland hat dann keine Kontrolle mehr darüber, wer ins Land kommen darf und wer nicht. Beispielsweise könnte auch auf der portugiesischen Botschaft ein Visum beantragt werden, das zur Einreise nach Estland berechtigt. Es stellt sich die Frage, ob beispielsweise die Anhänger der kremltreuen Jugendorganisation 'Naschi' auf diese Weise nach Estland kommen werden." (26.09.2007)

To Ethnos - Griechenland

FYROM oder Mazedonien?

Michalis Ignatiou meint, die UN-Vollversammlung vom 25. September sei für Griechenland ein nie da gewesenes Fiasko gewesen. "Die griechische Delegation hat, voller Stolz auf ihren Sieg bei den Parlamentswahlen vom 16. September, ihren Antrittsbesuch in den USA gemacht. Sie ist prompt in die Falle getappt, die ihr die Delegierten der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien (FYROM) gestellt hatten. Zum ersten Mal ergab sich auf internationaler Bühne das Problem der Benennung dieses Landes als 'Republik Mazedonien'. Der Vorsitzende der UN-Vollversammlung, der niemand anderes ist als der ehemalige Außenminister in Skopje, Sertzan Kemir, wählte diese Bezeichnung, als er den mazedonischen Präsidenten auf die Bühne bat. Die Griechen sind zutiefst verletzt, denn sie meinen, sie hätten das historische Recht an dieser Bezeichnung und sie sei hellenistischen Ursprungs." (26.09.2007)

El Correo - Spanien

Abschaffung der Monarchie in Spanien?

Separatisten in Spanien haben kürzlich mehrfach symbolisch die spanische Krone angegriffen. Der im Baskenland geborene Schriftsteller Juan Bas findet, es sei an der Zeit, die spanischen Institutionen in Frage zu stellen. "Warum ich für eine dritte Republik in Spanien bin und gegen einen König als Staatschef? Aus einem schwerwiegenden, demokratischen Grund, der in Einklang mit der Moderne des 21. Jahrhunderts steht: weil der Staatschef einer Republik der Präsident ist. Er wird gewählt und erbt nicht durch seine Geburt die Macht. Das steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass wir alle gleich geboren werden... Die Monarchie gehört einer altmodischen Welt an, einer mittelalterlichen Ästhetik, einer Welt, die es - mit einigen Ausnahmen - nicht mehr gibt ." (26.09.2007)

WIRTSCHAFT

Jyllands-Posten - Dänemark

Dänischer Protest gegen Monsterwindräder

Wie auch in anderen europäischen Ländern gibt es in Dänemark Proteste gegen die Aufstellung von Windrädern zur Stromerzeugung. Energie- und Transportminister Jakob Axel Nielsen will nun Menschen, die in der Nähe von Windrädern wohnen, ein Recht auf Entschädigung einräumen. Die Zeitung kommentiert: "Erfreulich ist, dass der Minister eingesteht, dass das Wohnen neben einem Windrad Unannehmlichkeiten bringt. Entschädigung darf aber nicht dazu führen, den Landschaftsterror zu legitimieren - denn nichts anderes sind Windräder und vor allem die künftigen überdimensionierten Windräder... Die Akzeptanz der Bürger erreicht man nur, wenn man die Monsterwindräder dort platziert, wo sie hingehören – weit draußen in der Nordsee, wo sie niemanden stören." (26.09.2007)

MEDIEN

La Repubblica - Italien

Italienische Werbekampagne gegen Magersucht

Der italienische Fotograf Oliviero Toscani hat im Auftrag einer Modefirma eine Plakatkampagne gegen Magersucht konzipiert. Sein Plakat, das den nackten und ausgemergelten Körper einer jungen Frau zeigt, hat in Italien eine Debatte über diese Krankheit ausgelöst. Cinzia Sasso erinnert daran, dass "jährlich 5000 neue Fälle bekannt werden. Anfällig sind Mädchen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren, die unter Leistungsdruck stehen. Es ist eine Krankheit, die zu unserer reichen, hoch entwickelten, westlichen Welt gehört und nur hier vorkommt, sagen die Experten... Wer meint, dass unsere Miss Italia zu mager ist und dieses Jahr nicht noch einmal über den Laufsteg schreiten sollte, mag Recht haben. Ebenso diejenigen in Frankreich, die das Foto Toscanis zu provozierend fanden und von der Veröffentlichung abrieten: Egal welche Absicht dahinter steht, aber eine kranke Frau zeigt sich nicht auf diese Weise." (26.09.2007)

Lietuvos Rytas - Litauen

Litauens Presse sieht Emigranten als Verräter

In den vergangenen Jahren haben viele Litauer ihr Land verlassen, um im Ausland zu arbeiten. Lange wurde dieses Thema totgeschwiegen, nun kommt es langsam in den litauischen Medien an, stellt Monika Bonckute fest, allerdings meist negativ. "Wer Litauen zu anderen Zwecken verlässt als für Urlaubsreisen, wird als Verräter betrachtet. Emigranten werden in der Regel nicht als Individuen gesehen, sondern als einheitliche Masse, die ihre Liebe zum Vaterland nicht hinreichend unter Beweis stellt. Als sei das Leben in Litauen etwas Heiliges." (26.09.2007)

KULTUR

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

"Auf der anderen Seite" von Fatih Akin

Bert Rebhandl bespricht den neuen Film des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin "Auf der anderen Seite", der in Deutschland und der Türkei spielt. "Die Devise 'kurz und schmerzlos', mit der Fatih Akin in das deutsche Kino gestürmt ist, ist nicht länger das Maß, aber auch der exaltierte Schmerz aus 'Gegen die Wand' lässt sich nicht prolongieren. 'Auf der anderen Seite' erzählt von dem, was sich erzählen lässt, wenn der Schmerz in das Leben integriert werden muss. Hanna Schygulla in der Rolle der Susanne Staub macht das vor. Sie fährt ihrer Tochter nach Istanbul hinterher, einem Verlust auf der Spur, den sie in Deutschland vielleicht schon hätte bemerken können, auf den sie in der Türkei nun aber dramatisch gestoßen wird... Diese Szenen machen besonders deutlich, was sich zwischen 'Gegen die Wand' und 'Auf der anderen Seite' verändert hat...: Fatih Akin findet in seinem neuen Film einen Weg, die Erfahrungen des Fremdseins so zu erzählen, dass sie nicht mehr in erster Linie kulturell bestimmt sind." (26.09.2007)

Lidové noviny - Tschechien

Tschechische Schüler lernen kein Deutsch mehr

"Junge Tschechen hören auf, sich für Deutsch zu interessieren," beobachtet Jana Machalkova. "Die Kinder an den Schulen wollen vor allem Englisch lernen. Als zweite Fremdsprache wählen sie vorzugsweise Spanisch oder Russisch, nicht Deutsch. Die sinkende Popularität der deutschen Sprache macht sich nun auch in den Hochschulen bemerkbar. Der Germanistik-Dekan der Universität Brno (Brünn), Jaroslav Kovar, meint: 'In ein paar Jahren werden wir nicht einmal mehr Aufnahmeprüfungen brauchen. Wir können dann froh sein, wenn sich überhaupt noch jemand meldet, der Deutsch studieren möchte.' Sollte der Trend weiter anhalten, könnte die Germanistik an den Hochschulen völlig verschwinden, so wie es in Italien und den Niederlanden bereits geschehen ist." (26.09.2007)

LOKALE FARBEN

The Independent - Großbritannien

Ein originalverpacktes Stück Concorde

"Liebhaber der Concorde und Sammler teurer Kuriositäten werden dieses Wochenende in Toulouse erwartet, denn hier findet die größte Auktion von Teilen des ausgemusterten Ultraschall-Flugzeugs statt", berichtet John Lichfield. "Mehr als 1000 Teile der Concorde aus dem Magazin des Flugzeugbauers EADS (früher: Aerospatiale) sind ab Freitag im Angebot. Wenn Sie ein wirklich ansprechendes Stück für den Eingangsbereich suchen, könnten Sie über ein Concorde-Fahrwerk nachdenken, eine Tonne schwer (rechte Seite, ohne Räder) für 3000 Euro... Das britisch-französische Unternehmen hat sich wirtschaftlich nie vom Absturz einer Air-France-Concorde in der Nähe von Paris im Jahr 2000 erholt. Doch das Flugzeug ist immer noch populär. Alle 13 Maschinen, die 2003 in den Ruhestand geschickt wurden, fanden in Museen oder Flughäfen ein neues Zuhause... Viele der 835 Teile, inklusive der Klobrillen, sollen noch 'originalverpackt' sein." (26.09.2007)

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