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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 01.10.2007

 

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Dominique Strauss-Kahn wird Chef des IWF

Dominique Strauss-Kahn wird Chef des IWF

 

Der Franzose Dominique Strauss-Kahn ist am 28. September zum neuen Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) gewählt worden. Ist er der Aufgabe, den IWF angesichts neuer Wirtschaftsmächte wie China, Indien und Brasilien zu reformieren, gewachsen? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Le Nouvel Observateur - Frankreich, The Economist - Großbritannien, La Libre Belgique - Belgien, La Liberté - Schweiz

Le Nouvel Observateur - Frankreich

Sarah Halifa-Legrand und Claude Askolovich machen sich über die Aufgaben des neuen IWF-Chefs Gedanken: "Es kommt auf ihn zu, alle Empfänger davon zu überzeugen, dass sie ein gemeinsames Interesse an einem finanziellen und währungspolitischen Gleichgewicht in der Welt haben: sowohl die von den Schwellenländern bedrohten westlichen Länder als auch die von den Industrieländern bedrängten Schwellenländer, sowohl die ins Abseits geratenen Dritte-Welt-Länder als auch das Raubbau betreibende China oder die verschuldeten Vereinigten Staaten. Es ist viel Arbeit, eine Institution wiederzubeleben, die ihren angestammten Platz verloren hat und von der Welt unverstanden und ungeliebt ist. Zugleich muss Strauss-Kahn aber auch – und das ist das Paradoxe am IWF – eine interne Krise meistern: Der IWF ist von den in Geldnöte geratenen Regierungen wenig in Anspruch genommen worden und muss seiner Überschüsse Herr werden." (01.10.2007)

The Economist - Großbritannien

Die Wochenzeitung fragt in ihrer Online-Ausgabe, welche Relevanz der IWF noch hat. "In den reichen Ländern spielt er schon lange keine bedeutende Rolle mehr. Bei der Krise der Finanzmärkte vor zehn Jahren wirkte er jedoch zentral als Finanzfeuerwehr mit. Heute setzen die sich schnell entwickelnden Volkswirtschaften auf ausländische Devisenreserven, die Rolle des IWF nimmt dramatisch ab... Da der IWF für die an Bedeutung gewinnenden Wirtschaften nicht mehr so wichtig ist, klammern sich viele Reformer an das Konzept der 'Überwachung' als wegweisender Methode. Sie meinen, dass die Welt, selbst wenn immer weniger Länder eine Finanzfeuerwehr brauchen, weiterhin einen Schiedsrichter für die Wirtschaft braucht, einen objektiven Analysten von Problemen und Richter des Fair Play. Doch es ist sehr schwer, diese Rolle auszufüllen. Denn die reichen Länder ignorieren traditionellerweise die Analysen des IWF, wenn sie ihnen nicht passen. Es ist unwahrscheinlich, dass die sich Schwellenländern sich mehr für seine Lektionen interessieren." (29.10.2007)

La Libre Belgique - Belgien

In den vergangenen Jahren habe der IWF, ähnlich wie die Weltbank, eine tiefe Legitimitätskrise durchlebt, meint Vincent Slits. Grund seien der abnehmende Einfluss und das schlechte Management. "Strauss-Kahn muss den IWF modernisieren, ihm im 21. Jahrhundert eine Rolle geben und seine Aufgaben gemäß der derzeitigen Entwicklung neu definieren. Er muss die Amerikaner dazu bringen, grundlegende Reformen des IWF zu akzeptieren. Die Amerikaner haben die Kandidatur von Strauss-Kahn unterstützt, doch er darf deswegen nicht in ihrer Schuld stehen. Das ist keine leichte Aufgabe, da Onkel Sam über die ultimative Waffe verfügt, um jede Veränderung zu verhindern: das Vetorecht. Die aktuelle Finanzkrise und der endlose Fall des Dollar oder des chinesischen Yuan könnten den IWF wieder ins Zentrum der Debatten und des Handelns rücken. Wird Strauss-Kahn der Meister des Wandels und der offenen Worte? Das wird sich bald zeigen." (01.10.2007)

La Liberté - Schweiz

Christian Campiche fragt, ob Dominique Strauss-Kahn der letzte Europäer an der Spitze des IWF sein wird. "Zahlreiche Beobachter haben daran keinen Zweifel. Sie hoffen, dass der ehemalige französische Wirtschaftsminister neuen Wind in die Organisation bringen wird, um diese von innen zu reformieren. Sollte ihm das gelingen, dann wäre Strauss-Kahn so etwas wie ein trojanisches Pferd der Dritte-Welt-Länder, die darauf setzen, dass in einigen Jahren einer der ihren über die Entschuldung wachen wird. Die Gelegenheit für die Weiterentwicklung einer Instanz, deren Hauptgeldgeber die reichen Länder sind, war noch nie so günstig. Strauss-Kahn ist ein Salonsozialist, der alle kompromittierenden Situationen unbeschadet überstanden hat und über gute Beziehungen vom Nahen Osten über Afrika bis nach Washington verfügt. Die sich verändernde geopolitische Konstellation, in der die Schwellenländer ein Machtfaktor geworden sind, dürfte ihm bei seiner Aufgabe hilfreich sein." (29.09.2007)

REFLEXIONEN

La Repubblica - Italien

Joaquin Navarro-Valls über die Krise der Demokratie

Der ehemalige Sprecher von Papst Johannes Paul II, Joaquin Navarro-Valls, sieht die europäischen Demokratien in der Krise. "Zwischen den Politikern und den Bürgern gibt es eine unüberwindliche Distanz. Der Bruch zwischen dem politischen Leben und dem eigentlichen Leben der Menschen begünstigt Demagogie und Defaitismus. Das Problem beginnt fast immer mit einem Verlust von Hoffnung, der alles - bis hin zur Politik - in einen pessimistischen Strudel reißt... Die Demokratie existiert nur dank des Engagements der Bürger in den Institutionen. Deshalb müssen die Institutionen dafür sorgen, dass die Bürger eine aktive Rolle spielen... Wenn diese Beteiligung nicht zustande kommt, funktioniert die Demokratie nicht mehr richtig, sie gerät in die Krise." (01.10.2007)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Philip Jenkins über die Rechristianisierung Europas

Weder wird der Islam Europa dominieren noch das Christentum aussterben, prophezeit der amerikanische Religionshistoriker Philip Jenkins. "In ganz Europa, Afrika und Asien haben Christen lebendige neue Kirchengemeinden und Gemeinschaften gegründet: Nigerianische Pastoren und Evangelikale sind da nur ein Beispiel. An einem typischen Tag in London ist die Hälfte der Kirchgänger entweder afrikanischer oder karibischer Herkunft. Vier von Großbritanniens zehn größten Megakirchen werden von Afrikanern geleitet. Andere Einwanderungs-Nationen schreiben ebenfalls neue christliche Erfolgsgeschichten. So haben zum Beispiel afrikanische Christen die Präsenz der Protestanten in Frankreich enorm gestärkt. Eine besondere Rolle spielten dabei Kongolesen. Im Großraum Paris gibt es beispielsweise über 250 protestantische Kirchen mit schwarzafrikanischem Einschlag." (01.10.2007)

POLITIK

Rzeczpospolita - Polen

Julia Timoschenkos Erfolg in der Ukraine

Bei vorgezogenen Parlamentswahlen in der Ukraine ist der Wahlblock von Oppositionsführerin Julia Timoschenko laut Hochrechnungen mit rund 33 Prozent stärkste politische Kraft geworden, dicht gefolgt von der pro-russisch orientierten Partei der Regionen von Ministerpräsident Wiktor Janukowitsch mit 29 Prozent. Maxim Stricha vom Kiewer Institut für offene Politik schreibt über Julia Timoschenko: "Sie weiß, was die Menschen wollen, und hat versprochen, ihre Wünsche zu erfüllen. Ihr nehmen die Menschen diese Versprechungen am ehesten ab. Dabei ist das für unser Land äußerst gefährlich. Denn wenn ihre Pläne und Wahlslogans umgesetzt werden - wie zum Beispiel die Auszahlung von Entschädigungen für die nach dem Zerfall der Sowjetunion verloren gegangenen Bankersparnisse der Ukrainer -, könnte das unsere Wirtschaft ruinieren. Sollte Julia Timoschenko Premierministerin werden, muss sich Präsident Wiktor Juschtschenko auf die Rolle eines untergeordneten Beamten beschränken. Tut er das nicht, erwarten die Ukrainer vorgezogene Präsidentschaftswahlen." (01.10.2007)

Postimees - Estland

Trügerische Stabilität in der postsowjetischen Politik

Igor Taro interpretiert das gute Abschneiden der Partei der Regionen von Ministerpräsident Wiktor Janukowitsch bei den ukrainischen Wahlen als trügerischen Wunsch nach Stabilität: "Dieser Wunsch prägt auch die Gesellschaft vieler GUS-Staaten, in denen Wahlen eine rein formelle Funktion haben, zum Beispiel in Weißrussland, Kasachstan oder Russland. In all diesen Ländern herrscht seit 1990 dieselbe Machtelite. Deren vorrangiges Ziel ist aber nicht mehr Wohlstand für die Bevölkerung. Die Menschen im postsowjetischen Raum sollten begreifen, dass sie Wirtschaftswachstum nicht der vermeintlichen Stabilität zu verdanken haben, sondern im Gegenteil: Ausgerechnet in der Zeit, in der sich die politische Krise in der Ukraine zuspitzte, hat sich die Wirtschaft prächtig entwickelt." (01.10.2007)

El País - Spanien

Ein Referendum im Baskenland?

Juan José Ibarretxe, der Präsident des Baskenlandes, hat für 2008 ein baskisches Referendum angekündigt. Die spanische Zeitung findet das zweifelhaft: "Ibarretxe will in einem Jahr ein Referendum abhalten, aber er weiß noch nicht, zu welchem Thema. Es könnte vielleicht darum gehen, einen politischen Kompromiss zu ratifizieren [zum Status des Baskenlandes] oder auch darum, die Situation zu entzerren, falls ein solcher Kompromiss nicht gefunden wird... Ibarretxe will um jeden Preis ein Referendum, ungeachtet aller Risiken, auf die Josu Juan Imaz, der Chef seiner nationalistischen Baskenpartei, schon hingewiesen hat. Statt die Dinge voranzubringen, könnte ein Referendum die Bevölkerung spalten, so wie schon jetzt die Parteien gespalten sind. Diese illegale Initiative [die spanischen Regionen dürfen keine Referenden ausrufen] wird eine Konfrontation mit den staatlichen Institutionen heraufbeschwören, die außer der Eta niemandem nutzt." (29.09.2007)

WIRTSCHAFT

Expressen - Schweden

Flugsteuer statt Passagiersteuer

Vorstöße der EU zu einer Umweltbesteuerung des Flugverkehrs werden seit Jahren von den USA blockiert - unter Verweis auf den 1944 geschlossenen Chicago-Vertrag, der den internationalen Flugverkehr von der Kerosinsteuer ausnimmt. Die Zeitung kommentiert: "In der Hoffnung, dass sich die USA eines Tages besinnen und mehr Vernunft an den Tag legen werden, haben einige Länder Passagiersteuern eingeführt. Das ist keineswegs eine optimale Lösung: Ein Flugzeug stößt ja nicht weniger Kohlendioxid aus, nur weil es weniger Passagiere befördert. Die Flugsteuer muss so gestaltet werden, dass sie die Flugunternehmen dazu nötigt, umweltfreundlichere Brennstoffe zu entwickeln... [Bis es soweit ist], müssen wir einfach weniger fliegen." (01.10.2007)

MEDIEN

The Guardian - Großbritannien

Britisches Verbrauchermagazin wird 50

Die Zeitung stimmt ein Loblied auf das britische Verbraucher- und Ratgebermagazin 'Which?' an, das fünfzig Jahre alt wird. Dessen Gründer Michael Young "bemerkte, dass Käufer, die aus einer ständig wachsenden Produktpalette wählen sollten und nur die Werbung als Leitfaden hatten, unparteiische Hilfe brauchten. 'Which?' weigerte sich, Werbung auf seine Seiten zu nehmen, es gab nur Produktanalysen. Das erste Heft widerlegte die Behauptung, teure Aspirinprodukte seien besser, und seither hat es immer wieder Produkte getestet - indem Reifen völlig abgefahren oder Handys in Bergwerken auf Empfang getestet wurden. Young verstand, dass die Verbraucher der 1950er Jahre, auch wenn sie Geld ausgaben, Wert darauf legten, dass ihre Klagen und Nöte gegenüber der mächtigen Industrie Beachtung fanden. 'Which?' hat dazu beigetragen, dass Kinderspielzeug ohne bleihaltige Farbe produziert wird und Autos mit Sicherheitsgurten ausgestattet werden." (01.10.2007)

SPORT

taz - Deutschland

Deutsche Fußballfrauen verteidigen WM-Titel

Deutschland ist Weltmeister im Frauenfußball. Die deutsche Mannschaft besiegte im Finale in Shanghai Brasilien mit 2:0. Markus Völker hofft, dass der Frauenfußball nun mehr professionelle Förderung erhält: "Der DFB hat sich ja lange Zeit schwergetan, den Kick der Frauen zu fördern, jetzt aber will er sogar die Weltmeisterschaft 2011 nach Deutschland holen... Doch der Frauenfußball ist in Deutschland noch nicht da, wo er sein sollte. Die Spielerinnen sind weit davon entfernt, vom Fußball leben zu können. Meist sind sie reine Amateure, nur die wenigsten wie Birgit Prinz, Nia Künzer oder Steffi Jones haben sich erfolgreich vermarkten können. Es ist nun an den Bundesligavereinen, für professionelle Strukturen zu sorgen, auf Sponsorensuche zu gehen und dem Sport auf die Sprünge zu helfen. Bisher war es so, dass Frauenfußball nur alle vier Jahre zum Ereignis wurde." (01.10.2007)

KULTUR

Polityka - Polen

Die Subjektivität der polnischen Gegenwartskultur

Die polnische Gegenwartskultur entwickelt sich rasant, stellt Piotr Sarzyński fest. "Viele Kritiker meinen, das sei keine Bewegung mehr, sondern ein regelrechtes Beben. Die 90er Jahre standen hierzulande im Zeichen der so genannten kritischen Kunst. Sie war ernst, stellte grundlegende Fragen nach dem Körperlichen und der kulturellen Identifikation. Das neue Jahrhundert steht im Zeichen einer Kunst, die nicht so ernst ist, die mit der Popkultur flirtet, sich für Lebensstile interessiert, für die Möglichkeiten (und Grenzen) des Konsums. Vor allem aber speist sie sich aus den persönlichen Erlebnissen des Künstlers, seinen Problemen, seinen Widersprüchen, seinem Stress oder seinem Glück. Die Kunst schaut sich die Wirklichkeit genau an, sie lacht sie aus oder registriert sie ruhig, aber sie setzt sich nicht mit ihr auseinander. Die Kunst ist auf subjektive Anschauung eingestellt und nicht auf objektive Erzählung." (26.09.2007)

Woxx - Luxemburg

Stagniert die Konzeptkunst?

Kulturkritiker Luc Caregari kann sich nicht für eine Ausstellung mit Werken des österreichischen Aktionskünstlers Hermann Nitsch begeistern, die seit dem 22. September in der Galerie Beaumont in Luxemburg gezeigt wird. Er hält es für eine Schwäche Nitschs, dass er "sich nie verändert hat... Nitsch hat sich als eindeutig identifizierbares Markenzeichen behauptet. Jeder Amateurkünstler kennt Fotos von seinen Aktionen und positioniert sich, je nach Geschmack, dafür oder dagegen. Man kommt kaum an ihm vorbei. Der Vorteil eines solchen Ansatzes besteht darin, dass einen niemand kopieren kann; ein Nachteil ist, dass man seinem Konzept verhaftet bleibt. Nitsch ist nicht der einzige Künstler, der auf diese Weise verfährt - man denke nur an Sophie Calle, Christo und seine Frau Jeanne-Claude oder Daniel Buren. Alle haben ein eigenes Markenzeichen, das sie schamlos ausbeuten. Mehr noch: die ständige Wiederholung der kreativen Geste verschafft ihnen Befriedigung und immer neue Anerkennung." (28.09.2007)

BRÜSSELER SPITZEN

Dnevnik - Slowenien

Fördert die EU Separatismus?

Dejan Kovac nimmt die Konflikte zwischen der flämischen und wallonischen Bevölkerung in Belgien zum Anlass, um über die europäische Regionalförderung nachzudenken. Er beobachtet, wie an verschiedenen Orten Separatisten auftauchen, die die unterschiedlichen Volksgruppen nicht mehr in einem Land vereinigt sehen wollen: "Es geht darum, die eigene Identität, Kultur und Sprache zu schützen, die wirtschaftliche Grundlage für globale Märkte zu schaffen und die Immigration zu verkraften. Die sanfte Trennung der Tschechen und Slowaken wird sich in Belgien nicht fortsetzen. Zu den alten, mit Waffen streitenden Bekannten aus Irland, von der iberischen Halbinsel und Korsika gesellen sich neue Separatisten aus der Lombardei, Katalonien und Schottland hinzu ... In einigen Regionen ist der Schutz regionaler Besonderheiten, der Kultur und Sprache bestimmter Gruppen Anlass zur Sorge. Wenn die EU weiterhin egoistischen Separatismus anheizt, könnte Belgien zerfallen." (01.10.2007)

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