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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 09.10.2007

 

TOP-THEMA

Einigkeit in der Eurozone?

Einigkeit in der Eurozone?

 

Die Finanzminister der Eurozone haben bei einem Arbeitstreffen in Luxemburg über die Folgen des starken Eurokurs beraten. Beim Treffen der sieben führenden Industriestaaten (G7) in Washington wollen sie eine gemeinsame Position vertreten. Aber hat die Eurogruppe überhaupt Einfluss auf die internationalen Märkte? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Cinco Días - Spanien, Le Nouvel Observateur - Frankreich, Berliner Zeitung - Deutschland

Cinco Días - Spanien

Die Wirtschaftszeitung äußert sich skeptisch über den Handlungsspielraum der Länder in der Eurozone. "Es wird den 13 Länder allein wohl kaum gelingen, die internationalen Märkte in den Griff zu kriegen, um einen den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Wirtschaft entsprechenden Kurs zu erreichen... Der Anstieg des Eurokurses ist eine Folge von Faktoren, die außerhalb der Verantwortung und Kontrolle Brüssels liegen, wie zum Beispiel die Verschuldung der Vereinigten Staaten oder die ebenso unverantwortliche wie egoistische Weigerung Chinas und Japans, ihre Währung zu erhöhen. Diese Probleme müssen in einer konzertierten Aktion international zur Sprache gebracht werden. Die nächste Gelegenheit dazu bietet das G7-Treffen in der nächsten Woche. Europa – und mit ihm die ganze Eurozone – muss mit einer klaren Botschaft und Ansage in dieses Treffen gehen, damit die wichtigsten Währungen der Welt wieder ins Gleichgewicht kommen." (09.10.2007)

Le Nouvel Observateur - Frankreich

Die Direktorin des Forschungszentrums CEPII, Agnès Bénassy-Quéré, spricht mit William Moray über die Folgen des starken Eurokurs. "Benzin, das wir mit Dollar bezahlen, würde mehr kosten, wenn der Euro schwächer wäre. Im Umkehrschluss ist das größte Problem bei einem starken Euro der Wettbewerbsnachteil für unsere Unternehmen, was die Preise beim Export betrifft. Nun hat Frankreich ein großes Außenhandelsdefizit, weshalb unsere Politiker Druck ausüben, damit der Euro wieder schwächer wird... Wenn die Länder der Eurogruppe sich einigen und mit einer Stimme sprechen könnten, hätte das auch Einfluss auf unsere Partner. Aber ich glaube nicht, dass das allein ausreichend wäre. Es scheint mir vor allem schwierig, Tokio davon zu überzeugen, den Yen aufzuwerten. Das gilt umso mehr, weil Japan kein Interesse daran hat und die Inflation dort sehr niedrig ist." (09.10.2007)

Berliner Zeitung - Deutschland

Klaus Georg Koch weist darauf hin, dass es "den Eurokurs" gar nicht gibt, da der Wechselkurs des Dollars nur einen Teil des Handels mit dem Ausland bestimme. "Will man genauer einschätzen, was der Eurokurs für die Exporte der Eurozone bedeutet, wird man zunächst den gewichteten Durchschnitt der Wechselkurse mit den Handelspartnern betrachten. Und da gibt es doch einige Überraschungen. Einige Währungen wie der US-Dollar, der japanische Yen, der südafrikanische Rand haben, aus unterschiedlichen Gründen, an Wert verloren. Leichte Wertverluste erleiden auch der russische Rubel oder der Schweizer Franken. Andere Währungen aber sind in den letzten Jahren gegenüber dem Euro konstant geblieben, wie die schwedische Krone, die dänische Krone und der australische Dollar. Wieder andere haben leicht an Wert gewonnen, die norwegische, die tschechische und die slowakische Krone etwa. Auch die Währung der Türkei ist im Steigen begriffen. Von einer durchgängigen Aufwertung des Euro wird man also nicht sprechen wollen." (09.10.2007)

REFLEXIONEN

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Joseph Hanimann über Populismus in der Schweiz

Anlässlich des Wahkampfs in der Schweiz überlegt Joseph Hanimann, was den Populismus der Schweizerischen Volkspartei (SVP) und ihres Spitzenkandidaten Christoph Blocher von dem anderer Länder unterscheidet: "Wirkt der Populismus anderswo in Europa verhockt, auffahrend, ressentimentgeschüttelt, vulgär, so tritt er bei den Anhängern von Christoph Blocher und seiner SVP mit einem kühlen Sach- und Menschenverstand auf, der verblüfft und der ihn besonders unheimlich macht... Anders als Le Pens Front National in Frankreich, als die norditalienischen oder flämischen Regionalisten, als die polnischen Nationalisten, als Haiders Liberal-Patrioten und die sonstigen europäischen Fundamentalvarianten gegen die Globalisierung braucht die SVP-Ideologie keine kernigen Sätze, pointierten Provokationen und sakralisierten Prinzipien, sondern klingt irgendwie immer ein paar Töne zu leise. Das macht sie weit herum hörbar, weiter als ihre Schwesterparteien, und veranlasst auch die Gegner zu moderaten Antworten im Namen der höheren Vernunft." (09.10.2007)

Irish Independent - Irland

Johann Hari enthüllt die Wahrheit über Che Guevara

Anlässlich des 40. Todestags von Che Guevara denkt Johann Hari über dessen Erbe nach. Für ihn ist der Guerillakämpfer ein zweifelhaftes Revolutionssymbol: "Der Mythos von Che Guevara ist verführerisch und abgefahren. Es ist die Geschichte eines argentinischen Sohnes aus gutem Hause, der von der Armut so schockiert war, dass er ein Robin Hood wurde und Seite an Seite mit den Armen kämpfte, bis er schlußendlich von der CIA ermordet wurde. Aber in Wirklichkeit war Che Guevara ganz anders: Die Fakten zeigen, dass er totalitär dachte und eine messianische Ader hatte. Er wollte eine maoistische Diktatur für die ganze Welt... Aber keiner dieser Fakten wird ernsthaft von Historikern diskutiert, sie werden einfach von den Verteidigern Ches überfahren, die an romantischen Gemeinplätzen festhalten, nach denen er für 'Ehrlichkeit' und 'Revolution' steht. Aber Che Guevara ist kein frei verfügbares Symbol der Rebellion. Er war eine reale Person, die ein reales Terrorsystem unterstützte, das Millionen realer Menschen umbrachte." (09.10.2007)

POLITIK

Der Standard - Österreich

Asylrecht in Österreich

Österreich diskutiert den Fall der 15-jährigen Kosovarin Arigona Zogaj, die - um nicht abgeschoben zu werden - untergetaucht ist. Die Familie Zogaj lebte seit fünf Jahren gut integriert in Frankenburg. Alexandra Föderl-Schmidt kritisiert das österreichische Asyl- und Bleiberecht, das im Unterschied zu anderen europäischen Ländern keine Möglichkeit zur Legalisierung illegaler Flüchtlinge vorsieht: "Auch Österreich sollte sich eingestehen, dass es ein Einwanderungsland ist und Menschen hierher zum Arbeiten und zum Leben kommen. Wer sich integriert hat und integriert ist, soll hier leben dürfen, egal, aus welchen Gründen sie oder er gekommen ist. Österreich kann sich eine Amnestie für die rund 3000 Betroffenen, die in Familien hier leben und von Abschiebung bedroht sind, leisten. Damit wird kein System ausgehebelt, diese Anzahl bringt weder den Rechtsstaat noch den Innenminister ins Wanken." (09.10.2007)

Postimees - Estland

Populismus gefährdet den EU-Reformvertrag

Martin Kala befürchtet, der wachsende Populismus in einigen europäischen Mitgliedsländern könnte die Verabschiedung des EU-Reformvertrags in diesem Herbst verhindern. "Populistische Politiker vermitteln den Eindruck, Europa sei nur ein elitärer Klub. Nationalistische Phrasen, protektionistische Maßnahmen und allgemeines Misstrauen nehmen zu. In einigen Mitgliedstaaten wird immer häufiger die Botschaft vermittelt, eigene Interessen und die 'wahren Sorgen des Volkes' müssten mehr in den Vordergrund gerückt werden. Was für Signale haben etwa die polnischen Führer sonst in der letzten Zeit an Brüssel gesendet? Nur die, dass sich ihr Volk vor allem um die Zukunft Polens sorgt, nicht um die Europas." (09.10.2007)

Gândul - Rumänien

Rumänen in Rom

Zwei Drittel der seit Beginn des Jahres in Rom verhafteten Kriminellen sind rumänische Staatsbürger. Der Bürgermeister Roms hat nun den Rumänen in seiner Stadt den Kampf angesagt. Das italienische Parlament diskutiert über die Wiedereinführung der Visa-Pflicht. Bogdan Chirieac ist empört: "Die Obsession einiger italienischer Politiker und der Presse, Rumänen mit Kriminellen gleichzusetzen, entspricht in keiner Weise dem Geist und den Werten der EU. Derzeit leben ein bis zwei Millionen Rumänen in Italien - die Mehrheit davon arbeitet schwer, um sich und ihre Familie zu ernähren. Die Zeitungen auf der Halbinsel sind voll von Berichten über rumänische Zigeuner, die entsetzliche Verbrechen begehen sollen... Aber das Problem ist nicht durch Verurteilungen und Massenausweisungen nach Staatszugehörigkeit zu lösen... Seit am 1.1.2002 die Visumspflicht für rumänische Staatsbüger abgeschafft wurde, sind die rumänischen Roma zu einem gesamteuropäischen Problem geworden." (09.10.2007)

The Times - Großbritannien

Medizin-Nobelpreis an Gentechniker

Der Medizin-Nobelpreis geht in diesem Jahr an drei Genforscher - unter ihnen der Brite Martin Evans. Die Zeitung hebt das Verdienst Evans für den medizinischen Fortschritt hervor, weist aber gleichzeitig auf das ethische Dilemma der Gentechnik hin. "Praktisch gesehen haben Martins Forschungen die Maus, deren DNA zu großen Teilen mit der des Menschen übereinstimmt, als Tiermodell für die Genforschung am Menschen etabliert. Sie bedeuteten zudem einen großen Fortschritt in unserem Verständnis von Krankheit und Zellentwicklung. Es ist kaum überraschend, dass Evans nicht nur an der Spitze der Forschung stand, sondern auch bei Fragen der Ethik ganz vorne mitdiskutierte. Er hat uns dazu gezwungen, nicht nur über Stammzellen als Bausteine des menschlichen Lebens nachzudenken, sondern auch über Labortiere als Mittel, das menschliche Leben zu verbessern." (09.10.2007)

El País - Spanien

Führungsriege der Batasuna verhaftet

In Spanien sind am 4. Oktober 23 mutmaßliche Mitglieder der verbotenen Partei Batasuna festgenommen worden, dem politischen Arm der separatistischen Terrororganisation Eta. "Warum fanden die Verhaftungen erst jetzt statt?", fragt die Zeitung. "Man hätte die Führungsriege dieser Partei auch schon bei früheren heimlichen Treffen verhaften können. Richter Garzón hat höchstpersönlich gesagt, nun werde schon seit einem Jahr ermittelt... Aber die drei Jahre ohne tödliche Anschläge verführten zu dem Glauben, Batasuna könnte die Führer der Eta davon überzeugen, Frieden zu schließen... Wir haben später erlebt, dass dem nicht so war, aber es besaß eine gewisse Logik, solange der Waffenstillstand in Kraft war. Und zu dieser Logik gehörte, Gesetze etwas flexibler zu handhaben... Es ist aber etwas anderes, wenn sich die Führer der Batasuna treffen, um die von der Eta angekündigte neue Phase der Gewalt gutzuheißen." (09.10.2007)

Kultura - Bulgarien

Demokratisierung durch die Schule

In Bulgarien streiken die Lehrer: für bessere Gehälter und bessere Schulen. Rumen Petrow kommt zu dem Schluss, dass die Schulen, so wie sie jetzt sind, einer Veränderung der Gesellschaft entgegenstehen: "Der Grund dafür ist die falsche Architektur der zwischenmenschlichen Beziehungen, die nur das totalitäre Paradigma bedient. Die Schule hat keine moderne Vision. Sie nimmt keinen Einfluss auf die Gesellschaft. Es mangelt ihr außerdem an Möglichkeiten zur Selbstverwaltung sowie an Fachkräften und Lehrmethoden, die auf den Prinzipien Mitwirkung, Toleranz und Förderung beruhen sollten." (09.10.2007)

MEDIEN

La Stampa - Italien

Romano Prodi und die Meinungsfreiheit

Der bekannte Fernsehmoderator Michele Santoro vergleicht in einem Interview mit Riccardo Barenghi den italienischen Regierungschef Romano Prodi mit seinem Amtsvorgänger, dem Medienzar Silvio Berlusconi. "In Bezug auf die Medien sind sie sich gleich. Der einzige Unterschied zwischen Prodi und Berlusconi besteht darin, dass Berlusconi damals das Aus für meine Sendung erwirkt hat... Jetzt kann ich meine Sendung wieder machen und nun erweist sich Prodi als intoleranter Gegner der freien Meinung... Er hat sich über meine Sendung aufgeregt, die er als unprofessionell bezeichnet hat, obwohl er sie zugegebenermaßen nicht gesehen hatte. Für einen Regierungschef finde ich das schon heftig... Unser demokratisches System ist durch und durch marode. Alle Politiker – egal ob linke oder rechte – verstehen nicht, dass freie Meinungsäußerung ein Gegengewicht zur politischen Macht ist." (09.10.2007)

KULTUR

Le Monde - Frankreich

Umstrittenes Konzept der Frankophonie

"Ist das frankophone Theater ein Ghetto oder ein Freiraum, der dank finanzieller Unterstützung Künstlern die Chance bietet, unter vorteilhaften Bedingungen zu arbeiten? Soeben sind die 24. Tage der Francophonies in Limoges zu Ende gegangen, und diese Frage steht beim Festival seit seiner Gründung im Jahr 1984 nach wie vor im Zentrum der Debatten", stellt Fabienne Darge fest. Sie zitiert den libanesischen Theaterschriftsteller Wajdi Mouawad, der in Québec lebt, sowie Koffi Kwahulé von der Elfenbeinküste: "Die Literatur des französischen Sprachraums ist ein unerträgliches Ghetto, sagen sie. In der Zeit, in der wir uns an die Theaterdirektoren gerichtet haben, schickten diese uns ans TILF (Internationales Theater der französischen Sprache, heute Le Tarmac de la Defense) oder an Limoges... Stets unterscheidet man zwischen französischen Autoren und Autoren aus dem französischsprachigen Raum." (09.10.2007)

Le Jeudi - Luxemburg

Vielsprachige luxemburgische Identität

Josée Zeimes hat das grenzüberschreitende Festival Total Théâtre besucht, das mit dem Stück "Now here & nowhere" eröffnet wurde. Die Figuren im Stück reden deutsch, französisch, englisch und luxemburgisch. "In einer wichtigen Szene unterhalten sich zwei Frauen: Die eine redet französisch, die andere deutsch - ohne dass sie die Sprache der anderen verstehen, verstehen sie einander durch die ausgedrückten Gefühle. Die Sprache dient nicht nur dazu, mit Worten zu kommunizieren, sondern sie lebt durch die ausgelösten Gefühle... Dennoch stößt die Sprache an Grenzen. Sie ist einer der Faktoren der Identitätsbildung. Am Ende finden sich die Figuren aber nicht, sondern drehen sich unendlich im Kreis, sie bleiben sich und den anderen fremd. Das außergewöhnliche Stück beschäftigt sich mit der luxemburgischen Identität angesichts der Vielsprachigkeit." (04.10.2007)

LOKALE FARBEN

Evenimentul Zilei - Rumänien

Vegetiere nicht, pflanze!

100 Freiwillige haben in der vergangenen Woche in den rumänischen Bergen 10.000 Setzlinge gepflanzt. Dragos Bucurenci begrüßt den Kampf gegen den Kahlschlag: "Das Holzgeschäft in Rumänien liegt in den Händen von Romsilva, dem größten Holzhandel, der gleichzeitig aber auch Verwalter des Waldbestandes ist - ein massiver Interessenskonflikt. Normalerweise müsste es eine staatliche Forstverwaltung geben, die darüber wacht, dass der Wald in gesundem Maße abgeholzt wird, sowie Unternehmen, die unter Aufsicht dieser Behörde arbeiten. Solche Kontrollstellen sind für die als Naturschutzgebiete ausgewiesenen Wälder bereits vorgesehen - aber leider völlig ineffizient... Wir alle tragen Schuld, indem wir nicht handeln. Wir sollten jedes Mal, wenn wir picknicken fahren, einen Setzling mitnehmen und pflanzen, dann hätten wir in Zukunft gute Luft. Wenn wir weiter darauf warten, dass der Staat etwas tut, wird die grüne Lunge immer mehr beschädigt, und unsere Lungen mit ihr." (09.10.2007)

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