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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 15.10.2007

 

TOP-THEMA

Polen im Wahlkampf

Polen im Wahlkampf

 

Endphase im polnischen Wahlkampf: Rund eine Woche vor den vorgezogenen Parlamentswahlen haben sich Oppositionschef Donald Tusk (PO) und Ministerpräsident Jarosław Kaczyński (PiS) ein TV-Duell geliefert. Tusk war laut Umfragen der klare Gewinner. Ob das auch Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung und den Ausgang der Wahlen hat, ist aber ungewiss. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Newsweek Polska - Polen, Neue Zürcher Zeitung - Schweiz, Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland, Mladá fronta Dnes - Tschechien

Newsweek Polska - Polen

Chefredakteur Michał Kobosko kommentiert das TV-Duell zwischen Donald Tusk und Jarosław Kaczyński: "Der zur Niederlage vorverurteilte PO-Chef hat sich selbst übertroffen und den geborenen Gewinner Jarosław Kaczyński überholt. Die Anhänger von Tusk sprachen von Knockout, die Anhänger des Premiers verbargen ihre Gefühle hinter dem Wort Remis... Doch auf die oft gestellte Frage, warum die meisten polnischen Wahlberechtigten nicht zur Wahl gehen, gibt es keine Antwort. Ein bekannter Politologe sagte kürzlich, er denke deshalb über einen Berufswechsel nach. Mit den Polen stimmt etwas nicht. In Europa liegt die Wahlbeteiligung nicht nur in den so genannten alten Demokratien, sondern auch in den neuen Mitgliedsländern bei 70 bis 80 Prozent. Wir sind an 30 Prozentpunkte weniger gewöhnt. Dass die weniger Gebildeten seltener zur Wahl gehen, ist verständlich und erklärbar. Aber auch ein Großteil der Jugend stimmt nicht ab." (15.10.2007)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Ulrich Schmid ist der Meinung, Oppositionsführer Donald Tusk habe beim Fernsehduell besser abgeschnitten als Jarosław Kaczyński: "Tusk wirkte frischer und vor allem besser vorbereitet, während Kaczyński einen streckenweise zerstreuten Eindruck machte und keine überzeugenden Argumente fand, um die boomende Wirtschaft als sein Verdienst darzustellen... Das Heer der politischen Beobachter, auch konservative, wertete die Debatte vom Freitag mehrheitlich als einen Erfolg Tusks. Das Publikum schien diese Ansicht zu teilen und ließ die PO just jenen Rückstand aufholen, den sie sich in den letzten Tagen eingehandelt hatte. Am Samstag sprachen sich rund 30 Prozent der Befragten für die PO aus; die PiS folgte mit knappem Abstand. Lange schien die neue Liebe allerdings nicht zu halten. Bereits am Sonntag wies die PiS laut dem Institut PGB wieder einen Sechspunktevorsprung auf." (15.10.2007)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

"Dieses Jahr ist alles anders", schreibt Konrad Schuller über die Wahlkampagne der PO von Donald Tusk: "Tusk hat früh begonnen, klarer als gewöhnlich Stellung zu beziehen. In Interviews bezeichnet er sich ohne Zögern als 'prodeutsch' (was seine Berater vor zwei Jahren noch für selbstmörderisch hielten), und seinen Liberalismus hat er in der Debatte vom Freitag offensiv mit dem Argument verteidigt, die millionenfache Auswanderung nach Irland und England beweise, wie viele Polen ihre Zukunft lieber in einer freiheitlichen, weltoffenen Umgebung aufbauten als im angeblich 'solidarischen' Polen der Zwillinge. Strategisch am wichtigsten aber ist, dass Tusk anders als 2005 klar versprochen hat, nach der Wahl niemals mit einer Partei zusammenzuarbeiten, die unter der Führung der Brüder Kaczyński steht." (15.10.2007)

Mladá fronta Dnes - Tschechien

Der Chefredakteur der polnischen Gazeta Wyborcza, Adam Michnik, kritisiert die derzeitige polnische Führung unter den Brüdern Kaczyński. Im Interview mit Magdalena Sodomková nimmt er den ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel in Schutz, der Polen empfohlen hatte, zu den anstehenden Wahlen internationale Beobachter einzuladen: "Diese polnischen Analphabeten sind weder in der Lage zu lesen noch zu hören, was Havel gesagt hat... Was die Kaczyńskis angeht: Ihre Außenpolitik kompromittiert unser Land. Einst genoss Polen Autorität, heute ist es isoliert. Allein wie die Kaczyńskis mit den Deutschen umgehen... als wäre Angela Merkel die jüngere Schwester Adolf Hitlers. Ich sage nicht, dass wir unsere Interessen nicht durchsetzen sollten. Aber nicht mit diesen Worten. Ich kenne diese Art zu sprechen. So haben Serben und Kroaten miteinander geredet, als auf dem Balkan Krieg ausbrach." (15.10.2007)

REFLEXIONEN

El País - Spanien

Eduardo Mendoza über Biotechnologie und Spiel

Der spanische Schriftsteller Eduardo Mendoza stellt fest, dass die Biotechnologie – anders als die Informatik - schon immer eine schlechte Presse hatte. "Informatik ist zwar eine Technologie von unerschöpflicher Komplexität, doch ihre konstante Entwicklung wird durch die Spielanwendungen, die die Industrie ohne Unterlass veröffentlicht, rasant beschleunigt. Die Biotechnologie hingegen bleibt in den Laboren eingeschlossen, sie hat dem begierigen Konsumenten nichts anzubieten als Sorgen und Dilemmata. Sie wird von immer weniger enthusiastischen öffentlichen und privaten Investoren unterstützt. Die Wissenschaftler wissen das und suchen nach spielerischen und häuslichen Anwendung... Und irgendwann werden sie etwas finden... Einige heben hervor, dass die intellektuellen Fähigkeiten, die uns von den Tieren unterscheiden, nicht aus einem Bedürfnis herrühren, sondern aus dem Spiel." (15.10.2007)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Johan Schloemann über die Rückgabe von Kunstwerken

Griechenland fordert von England immer wieder Kunstschätze zurück. Johan Schloemann überlegt, was passieren würde, wenn alle, teilweise bereits in der Antike geraubte Kunst, in das jeweilige Ursprungsland zurückgebracht werden müsste: "Die Monumente des Altertums, die früher von Land zu Land gingen, sind am neuen Ort selbst Teil der Geschichte geworden. Dasselbe gilt auch für die berühmten Skulpturen vom Parthenon-Tempel der Akropolis in Athen, die seit 1816 im British Museum in London zu sehen sind... Gewiss: Dass ein englischer Lord einen Großteil der Parthenon-Kunstwerke aus Athen mitnahm, war damals unter osmanischer Herrschaft wohl formal rechtmäßig, aber dennoch eine Barbarei. Eine Barbarei, die heute illegal wäre, denn jedes Land hütet mit Recht seine archäologischen Schätze. Die Geschichte jedoch lässt sich deswegen nicht zurückdrehen wie eine Uhr: Dann müssten auch alle anderen Museen leer geräumt werden, in denen die Kunst der Menschheit verteilt ist." (15.10.2007)

POLITIK

The Economist - Großbritannien

Europas Angst vor Schengen

Die Wochenzeitung geht den Ängsten nach, die die Erweiterung des Schengenraumes auslöst. "Es gibt kaum etwas, das dem europäischen Traum mehr widerspricht als das Niederreißen von Brücken zum Nachbarn. Aber genau das hat Slowenien an seiner Grenze zu Kroatien getan. Das war Teil der Vorbereitung der Osterweiterung des Schengenraumes um neun neue Mitglieder bis Ende des Jahres. Das Schengener Abkommen wurde 1985 von fünf Ländern unterzeichnet und 1997 in das Gesetz der Europäischen Union integriert. Es soll interne Grenzkontrollen obsolet machen. Dazu bedarf es gemeinsamer Visavergabe, umfangreicherer Zusammenarbeit der Polizei und vor allem einer strengen Kontrolle der gemeinsamen Außengrenzen. Weil diese aber die einzige Verteidigungslinie gegenüber Einwanderung und Schmuggel sind, führen die Schengenerweiterungen zu Schauergeschichten über die Durchlässigkeit der neuen Grenzen." (11.10.2007)

Eesti Päevaleht - Estland

Verstehen die Bürger die EU?

Die estnische Zeitung kritisiert mit Blick auf den EU-Gipfel in Lissabon, bei dem ein neuer EU-Vertrag verabschiedet werden soll, die Bürgerferne der EU. "Wie viele Menschen in Estland wissen, wie der neue Grundlagenvertrag heißen soll? Welche Neuerungen gibt es, was hat Estland beigetragen, inwieweit nützt uns der Vertrag? Verfolgt man die aktuelle Debatte, so ist das Wissen gering. Aber anders als in Großbritannien glaubt die estnische Regierung, die Bevölkerung sei an dieser Entfremdung selbst schuld... Der Reformvertrag ist aber auf jeden Fall notwendig, um der EU mit nunmehr 27 Mitgliedern neues Leben einzuhauchen. Das gilt nicht nur für die Energie-, Klima- oder Wirtschaftspolitik, sondern für die gesamte Zukunft der Union. Für die Bürger kleiner Länder ist es gut, in einem stabilen Europa zu leben." (15.10.2007)

Le Monde - Frankreich

Deutschland reformiert die Reform

"Just in dem Moment, wo Frankreich sich für Reformen entscheidet, scheint Deutschland sich vom Reformkurs abzuwenden", schreibt Eric Le Boucher. "Das Reformwerk Agenda 2010, das 2003 von Gerhard Schröder erfunden wurde, wird Schritt für Schritt zerlegt, von der SPD wie von der CDU. Es gibt eine gemeinsame Bewegung hin zu einer Uralt-Linken, die auf bloße Umverteilung ausgerichtet ist. In Deutschland ist die Zeit der 'Reform der Reformen' angebrochen, damit ihre Rücknahme. Die nächsten Wahlen finden zwar erst in zwei Jahren statt, doch schon jetzt versuchen es beide Koalitionspartner mit sozialen Geschenken. Reformen sind immer schmerzhaft und deshalb politisch kostspielig. Den ohnehin zögerlichen Nicolas Sarkozy muss man daran nicht erinnern, denn er ergreift stets die Flucht, wenn etwas unpopulär erscheint." (13.10.2007)

La Stampa - Italien

Veltronis Wahl als Zeichen gegen die Antipolitik

Walter Veltroni, der Bürgermeister von Rom, ist am 14. Oktober in einer Art "Volksabstimmung" zum Chef der neuen Demokratischen Partei (PD) Italiens gewählt worden. Drei Millionen Wähler haben sich daran beteiligt. Federico Geremicca meint, nun müsse man das Phänomen der Antipolitik relativieren. "Zu diesen drei Millionen Wählern kommen die fünf Millionen hinzu, die sich vor einer Woche am Referendum über das Renten- und Sozialsystem beteiligt haben und die halbe Million bei der Parteiveranstaltung der Alleanza Nazionale am Samstag. All diese Menschen haben ein starkes Zeichen gegen die Antipolitik gesetzt, die sich bei ehemaligen Ministern und Führern breit macht... Trotz aller Skandale und überzogener Ausgaben gibt es ein politisches Italien, das nicht vorhat, aufzugeben." (15.10.2007)

De Volkskrant - Niederlande

Die USA gefährden die Beziehungen der EU zur Türkei

Der außenpolitische Ausschuss des amerikanischen Kongresses hat eine Resolution zum Völkermord an den Armeniern verabschiedet. Die wütenden Reaktionen darauf in der Türkei zeigten, wie verletzlich die türkische Regierung ist, meint die Tageszeitung. "Die Resolution ist nicht einmal vom Plenum des Repräsentantenhauses ratifiziert worden und die Bush-Regierung hat angekündigt, das werde so schnell nicht geschehen. Doch der amerikanische Kongress legt eine Unkenntnis der Türkei an den Tag, die auch die Beziehung der EU zur Türkei belastet und deren Beitritt überflüssigerweise in Frage stellen könnte. Übertriebene Sensibilität darf aber für den Westen kein Grund sein, über das zu schweigen, was von den meisten Historikern als Genozid bezeichnet wird. Vor allem aber sollte sich die Türkei nicht wieder ärgern und die historische Aufarbeitung, der sie sich ohnehin stellen muss, nicht bremsen." (15.10.2007)

KULTUR

Právo - Tschechien

Europas Chance in der Wissenschaft

Michal Mocek kommentiert die Vergabe der Nobelpreise 2007: "Zwei von drei [naturwissenschaftlichen] Nobelpreisen gingen an Europäer. Das ist eine Ermunterung für die europäische Wissenschaft, die stets unter einem Mangel an Geld und Spitzenkräften gelitten hat und sich überdies durch doppelte Forschungen in verschiedenen Ländern selbst schwächte. Ein Beispiel, wie man mit diesen Nachteilen umgehen kann, lieferten die Physiker: der Franzose Albert Fert und der Deutsche Peter Grünberg. Zunächst forschte jeder für sich, später fanden sie zur Zusammenarbeit. Europa braucht diese Herangehensweise, denn es steht nicht nur unter dem Druck der USA, auch in Asien wächst eine neue Generation von Wissenschaftlern heran, die in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren die Weltspitze bestimmen könnte. Die diesjährige Verleihung der Nobelpreise hat gezeigt, dass Europa eine Chance hat. Es muss sie nur nutzen." (15.10.2007)

New Statesman - Großbritannien

"Kunst und Sexualität" in London

Joan Smith bespricht die Ausstellung "Verführt: Kunst und Sexualität von der Antike bis in die Gegenwart", die derzeit in London stattfindet. "Die Präsenz so vieler explizit sexueller Bilder in einer einzigen Ausstellung führt zu faszinierenden Fragen darüber, wie Sexualität gezeigt werden kann. Die offensichtlichste Frage ist, ob es eine vernünftige und haltbare Trennung zwischen Pornographie und Kunst gibt... Gewöhnlich tut man Pornographie ab - ein verpöntes Wort, dessen griechische Wurzel porneia sich auf Prostitution bezog -, weil man sie für rein kommerziell hält. Doch selbst die beste Kunst hat normalerweise zumindest mit einem kommerziellen Akt zu tun... Nicht Geld ist der springende Punkt, sondern Macht und ihr Missbrauch. Interessanterweise haben die Kuratoren der Ausstellung sich auf diese sinnvollere Unterscheidung eingelassen, ohne aber zu verstehen, dass das ihren Versuch überflüssig macht, Pornographie und Kunst zu unterschiedlichen Kategorien zu erklären." (11.10.2007)

ABC - Spanien

Alain Delons schlechter Kunst-Geschmack

Der französische Schauspieler Alain Delon verkauft heute einen Teil seiner Kunstsammlung bei einer Pariser Auktion. Juan Pedor Quiñonero ist überrascht, wie "mittelmäßig" Delons Geschmack ist. "Visconti war ein außergewöhnlich aufmerksamer Sammler. Der US-amerikanische Regisseur Billy Wilder schwamm zwar nicht im Geld, aber er liebte die Impressionisten und kaufte deshalb mehrere Monets. Clint Eastwood leistete sich einen Picasso... Catherine Deneuve besaß mehrere Rothkos. Alain Delon hingegen verkauft unter anderem Werke von Manessier, Hartung, Nicolas de Staël, Pierre Soulages, Alechinsky, Riopelle, Dubuffet, Zao Wou-Ki und Vieira da Silva... Im Paris der 1960er, 70er und 80er Jahre war es unter den neuen Reichen gang und gäbe, Werke dieser Künstlern zu kaufen: Sie galten als 'modern', dabei war ihre 'Moderne' längst vorbei." (15.10.2007)

Sega - Bulgarien

Der Lehrerstreik entscheidet Bulgariens Zukunft

Seit drei Wochen streiken die bulgarischen Lehrer. Für Ivaylo Ditschev geht es dabei um grundsätzliche Fragen: "Von der Lösung dieses Konflikts hängt ab, ob wir ein Land der Kellner und Kammermädchen werden, das von einer starken Armee beschützt wird, ein Steuerparadies für europäisches Kapital verdächtigen Ursprungs - oder ein europäisches Land mit einer gebildeten Bevölkerung und einem gut entwickeltem öffentlichen Sektor. Das Dilemma liegt in dem Konflikt zwischen kurfristigem Nutzen (Senkung der Steuern, Sozialdumping) und langfristigen Investitionen in die Zukunft (Bildung, Ordnung, Infrastruktur)... Der Vorwurf, der Protest habe sich politisiert, zwingt zur Gegenfrage, was Politik anderes ist als der Streit darüber, wofür öffentliches Geld ausgegeben werden soll: für Steuergeschenke an die Reichen und Militärtechnik oder für Bildung." (15.10.2007)

BRÜSSELER SPITZEN

Tribune de Genève - Schweiz

Euro oder Ewro?

Bulgarien möchte durchsetzen, dass die Währung Euro auch "Ewro" - in kyrillischen Buchstaben - geschrieben werden darf. Etienne Dumont findet das amüsant. "Ein recht niedliche Affäre sorgt für einen Konflikt zwischen Bulgarien und dem Rest der EU. Bulgarien besteht beinhart auf dem Ewro anstelle des Euro. Schließlich sagen die Bulgaren auch Ewropa statt Europa. All das wäre kaum mehr als Folklore, wenn diese ungewöhnliche Schreibweise nicht verhindern könnte, dass das kleine Montenegro künftig Mitglied im Klub wird. Es könnte sein, dass Bulgarien am heutigen Montag deshalb seine Unterschrift unter ein Abkommen zur Stabilisierung und Annäherung zwischen den neuen Staaten und der EU verweigert." (15.10.2007)

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