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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 16.10.2007

 

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Veltroni wird Chef der italienischen Demokraten

Veltroni wird Chef der italienischen Demokraten

 

Der Bürgermeister von Rom, Walter Veltroni, ist am Sonntag mit großer Mehrheit zum Chef der neuen italienischen Demokratischen Partei (PD) gewählt worden. Auf den 52-jährigen werden nun große Hoffnungen gesetzt: Er soll als Mitglied der Regierungskoalition dazu beitragen, das politische System zu reformieren. Kann das gelingen? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
La Repubblica - Italien, Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland, Hufvudstadsbladet - Finnland, La Vanguardia - Spanien

La Repubblica - Italien

Filippo Ceccarelli analysiert das Verhältnis zwischen Premierminister Romano Prodi und Walter Veltroni. Die Freunde seien seit Sonntag Konkurrenten, schreibt er. "In der Politik wie im Leben ist Kohabitation weder die ruhigste noch die bequemste Lösung. In einer Zeit nach den Ideologien, in der die Personalisierung des politischen Lebens von großer Bedeutung ist, fühlen wir uns berechtigt zu fragen: Wer ist Prodi für Veltroni? Vielleicht der Vater? Nein. Der große Bruder? Auch nicht. Es handelt sich vielmehr um eine Beziehung zwischen Onkel und Neffen, in der es sowohl Zuneigung als auch Tiefschläge gibt... So ist und bleibt Prodi ein Gesprächspartner, Verbündeter und Komplize, vor allem aber ein Konkurrent, ein Gegner und sogar ein Feind, Groll vergeht eben nicht." (16.10.2007)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Mit einem Drittel der Wählerschaft könnten die "Demokraten" die stärkste Partei werden und ein solides Fundament für eine Linksregierung bilden, rechnet Heinz-Joachim Fischer vor, doch bleibe der Vorwurf des "Malgoverne", der schlechten Regierung bestehen. "Gelassen zurücklehnen kann sich Prodi ... nicht. Denn es braut sich im Lande eine wachsende Ungeduld mit der Politik zusammen. Seit 1997, als Prodi den Eintritt in die Europäische Währungsunion erzwang und halb geschenkt bekam, haben die italienischen Eliten in Politik und Wirtschaft wenig Vorzeigbares zustande gebracht. Keine Reform, kaum Ansätze dazu in der Politik - weder unter Berlusconi noch unter Prodi... Die Unzufriedenheit mit den Führenden schlägt sich bei Meinungsumfragen in verheerenden Noten für die Regierung Prodi, für die Politiker insgesamt, aber auch für die wirtschaftlichen Machtgruppen nieder." (16.10.2007)

Hufvudstadsbladet - Finnland

Björn Mansson meint, Walter Veltroni habe gute Chancen, Premierminister zu werden. "Die neue Demokratische Partei hat ihrem Namen alle Ehre gemacht, als am Sonntag über drei Millionen Wähler zu den Urnen gingen, um einen Vorsitzenden und die Abgeordneten für den Parteitag zu wählen... Die neue Partei will eine Konsolidierung der Mitte-Links-Kräfte und ein Gegengewicht zu Berlusconis 'Forza Italia' und zur Nationalen Allianz bilden. Eine Konsolidierung ist genau das, was die Gegner Berlusconis benötigen und was der gesamten Parteienlandschaft Italiens gut täte...Veltroni hat sogar schon vor 2011 die Chance, Premier zu werden, falls Prodi vorzeitig zurücktritt und es ihm gelingt, die zerbrechliche Koalition mit ihrer knappen Mehrheit zusammenzuhalten." (16.10.2007)

La Vanguardia - Spanien

Lluís Foix erläutert, die neue Demokratische Partei PD sehe sich selbst als ein Zusammenschluss von Mitte-Links-Kräften, die sich eher an der Mitte orientierten als an den Extremen. "Veltroni schlug eine neue Vorgehensweise vor, die an die der US-amerikanischen Demokraten erinnert. Eine grenzübergreifende Partei, ein Zusammenschluss unterschiedlicher Glaubensrichtungen und Positionen, die das Ziel hat, zunächst eine große Wählerschaft hinter sich zu bringen und sich erst dann um ihre Mitglieder kümmert. Diese Amerikanisierung der europäischen Politik wird immer mehr eine Tatsache." (16.10.2007)

REFLEXIONEN

Corriere della Sera - Italien

Orhan Pamuk gegen engagierte Literatur

In einem Gespräch mit dem Direktor der New Yorker Public Library, Paul Holdengräber, erklärt der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk: "Sich in den Dienst einer Sache zu stellen, zerstört die Schönheit der Literatur. Die meiste Zeit habe ich wohlmeinende Autoren erlebt, die ihr Talent durch Politik zerstörten... Die Kraft des Romans liegt darin, dass sich ein Autor einer Figur, die er schafft, mit solcher Intensität verschreibt, dass er kein moralisches Urteil über sie sprechen kann. Die Kunst des Romans gründet auf der Fähigkeit des Menschen, sich mit dem Anderen zu identifizieren, mit dem er keine gemeinsamen Interessen hat... Eine Geschichte funktioniert dann, wenn es dem Schriftsteller gelingt, sich mit Charakteren zu identifizieren. Das bedeutet, sich in den anderen hineinzuversetzen und nicht ihn zu verurteilen." (16.10.2007)

Hospodářské noviny - Tschechien

Martin Ehl über den Populismus der neuen Linken

Martin Ehl fragt, wo die einst einflussreiche und starke Linke in Europa geblieben ist. "In Deutschland bietet der Blick auf die Linkspartei, deren Erstarken die Strategen der SPD fürchten, einen Teil der Antwort. Populisten walzen die klassische Linke nieder und tragen zur Polarisierung der politischen Kräfte bei. Die sterbende klassische Linke kommt mit ihren Programmen dagegen nicht an. New Labour unter Tony Blair war eine Ausnahme, aber Mitteleuropa ist mit dem traditionsreichen und stabilen Großbritannien nicht zu vergleichen. In der Slowakei wählte Robert Fico den kürzesten Weg zum Populismus und hängte seinem Parteinamen einfach das Etikett sozialdemokratisch an. Die polnischen Postkommunisten hätten vor zwei Jahren ihre Wahlniederlage fast nicht überlebt. Jetzt setzen sie auf den populären Kwasniewski. Ein Programm zählt wenig, es zählt der Kopf." (16.10.2007)

POLITIK

The Independent - Großbritannien

Was wäre Russland ohne Putin?

Russlands Präsident Wladimir Putin ist auf dem Weg nach Teheran und die russische Nachrichtenagentur Interfax spricht von Attentatsplänen auf Putin im Iran. Mary Dejevsky kommentiert: "Ein beträchtlicher Teil der westlichen Öffentlichkeit sieht Putin als böse Kraft in Russland und der Welt. Diese Leute würden nicht so weit gehen, für Putins Abgang zu sorgen, aber falls es irgendwie geschähe, dann wären sie nicht besonders betrübt. Vielmehr würden sie eine leuchtende Zukunft heraufbeschwören und meinen, Russland ohne Putin wäre ein einziger Tanz, würde sich schnell von einer Demokratie, in der alles erlaubt ist, wegbewegen, und sich den 'universellen Werten' verschreiben. So würde es die Welt glückselig anstrahlen. Solche Gedanken mögen nett sein, aber es sind Wahnvorstellungen... Wer versucht ist, auch nur flüchtig zu glauben, Russland ohne Putin wäre entweder sicherer oder besser, der sollte besser aufpassen, was er sich wünscht." (16.10.2007)

Rzeczpospolita - Polen

Polens Furcht vor einem deutsch-russischen Bündnis

Jerzy Haszczyński kommentiert das Treffen der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Wiesbaden: "Die deutsch-russischen Beziehungen unterscheiden sich unter Merkel nicht wesentlich von denen zu Schröders Zeiten - zumindest in den aus polnischer Sicht wichtigsten Bereichen Wirtschaftspolitik und Energiesicherheit. Die Kontakte zwischen den Staatschefs unterscheiden sich allerdings in ihrer Form und Atmosphäre. Es gibt keinen privaten Hausbesuche mehr, keine Schlittenfahrten und Beteuerungen, Putin sei ein lupenreiner Demokrat... Wenn es aber um Interessen und die große internationale Politik geht, sieht das Bündnis Berlin-Moskau wieder gefährlich aus. Ein Bündnis von Giganten, die nicht vorhaben, sich über die kleineren Nachbarn den Kopf zu zerbrechen." (16.10.2007)

Dagens Nyheter - Schweden

Die Schweden werden EU-freundlicher

Die Schweden zählten bislang zu den EU-kritischsten Europäern. Knapp dreizehn Jahre nach dem EU-Beitritt des Landes verzeichnet die Forschungsgruppe für Gesellschafts- und Informationsstudien nun eine Trendwende: Die Mehrheit der Schweden ist mit der Mitgliedschaft zufrieden. Die Zeitung fordert, das zu nutzen: "Diese neuen Voraussetzungen dürften der großen Mehrheit EU-freundlicher Politiker erlauben, offensiver zu agieren... Doch die Regierung, die gelobt hat, Schweden werde zum Kern der Europäer gehören, ist eigentümlich zurückhaltend." Es müsse auch auf eine Einführung des Euro hingearbeitet werden. "Nun, da die EU-Mitgliedschaft endlich an Dramatik verliert, ist es auch angezeigt, den Gift-Stempel von der Währungszusammenarbeit zu entfernen... Die Strategie, den Widerstand der Wähler gegen den Euro passiv auszusitzen, ist zum Scheitern verurteilt." (16.10.2007)

Pravda - Slowakei

Kritik an slowakischer Geschichtspolitik

Im slowakischen Parlament häufen sich Anträge, einstige politische Größen des Landes per Beschlussfassung zu "Vätern der Nation" zu erklären. Das betrifft unter anderem den klerikal-nationalistischen Führer vom Anfang des 20. Jahrhunderts, Andrej Hlinka, aber auch den kommunistischen Parteichef aus der Zeit des Prager Frühlings 1968, Alexander Dubček. Márius Kopcsay findet das Verfahren zweifelhaft. "Man kann historische Ereignisse oder Persönlichkeiten nicht vom heutigen Standpunkt aus politisch bewerten - und schon gar nicht durch eine Abstimmung im Parlament. Es ist doch klar, dass Amateur-Historiker kaum mehr Licht in die Vergangenheit bringen... Die Abgeordneten führen unsinnige Kaffeehausdebatten auf Kosten der Steuerzahler." (16.10.2007)

WIRTSCHAFT

Le Monde - Frankreich

Auslieferung des ersten Aibus A380

Gestern ist der erste Airbus A380 an Singapore Airlines ausgeliefert worden. Die Tageszeitung sieht das als wichtige Wegmarke für EADS und Airbus. "Leider wurde dieses Ereignis von dem Verdacht gegen die EADS- und Airbus-Führungskräfte überschattet. Sie sind Gegenstand einer juristischen Untersuchung, die herausfinden soll, ob der Verkauf ihrer Aktien im Frühjahr 2006 Insiderhandel war, denn zu diesem Zeitpunkt stand das Unternehmen vor Schwierigkeiten." Die Zeitung betont die Verantwortung der Privataktionäre und nicht des französischen Staates, der ebenfalls am Luftfahrtunternehmen beteiligt ist. "Der Fall EADS ist keine Staatsaffäre, sondern eine der Führungsriege: Was hier zur Debatte steht, ist das Verantwortungsgefühl von Führungskräften, die mit dem betraut sind, was von einem der schönsten europäischen Industrieerfolge übrig geblieben ist." (15.10.2007)

SPORT

taz - Deutschland

Euro 2008 in Österreich ohne Österreich?

Die österreichische Fußballnationalmannschaft solle auf eine Teilnahme bei der Europameisterschaft im eigenen Land verzichten, meinen die Initiatoren der Aktion "Österreich zeigt Rückgrat". Martin Langeder findet das angesichts der derzeitigen Leistung der Mannschaft nachvollziehbar: "Die Sensation liegt in greifbarer Nähe: Verliert die österreichische Fußballnationalmannschaft morgen ihr Freundschaftsspiel gegen die Elfenbeinküste, dann wäre der Rekord von zehn sieglosen Spielen in Serie perfekt. Und das acht Monate vor Beginn der Heim-Europameisterschaft, bei der Österreich als Veranstalter glücklicherweise automatisch qualifiziert ist. Nur aus eigener Kraft könnten die österreichischen Kicker bei der 'Euro 2008' in der Kabine sitzen bleiben. In diesem Jahr haben sie überhaupt noch keinen Sieg erspielt. In der Fifa-Weltrangliste rangiert Österreich derzeit auf Platz 85 und damit hinter Ländern wie dem Kongo, Bosnien-Herzegowina und Guinea." (16.10.2007)

KULTUR

International Herald Tribune - Frankreich

Ein schwedischer Dokumentarfilm über Dschihadisten

Ivar Ekman bespricht den schwedischen Dokumentarfilm "Aching Heart" von Oscar Hedin, der am 19. Oktober in die Kinos kommt. Der Film stelle die Frage, warum "junge Männer, die in skandinavischer Sicherheit groß geworden sind, ihr Leben für Allah opfern wollen... Er zeichnet kein ausschließlich düsteres Bild. Hedin gibt den Dschihadisten Gesichter und Stimmen. Er sagt, er glaube, dass Schweden und viele andere Länder in Westeuropa, die ähnliche Probleme haben, so viel effektiver mit der Bedrohung umgehen könnten, die die Militanten darstellen... All diese 'braven Jungs' haben Geschichten, mit denen die Zuschauer etwas anfangen können, Geschichten, die ein Schlüssel zu einem Verständnis sein könnten, warum sich der Islam im Westen radikalisiert... Hedin findet in der Geschichte dieser Männer etwas, das zerbrochen ist: einen autoritären Vater, Drogen, Scheidung. Und die Sehnsucht nach einer verdrehten Art von Wiedergutmachung." (16.10.2007)

Observator Cultural - Rumänien

Die Tagebücher von Mihail Sebastian

Am Donnerstag wäre der rumänische Schriftsteller jüdischer Herkunft Mihail Sebastian 100 Jahre alt geworden. Sein spanischer Übersetzer Joaquín Garrigos vergleicht dessen "Tagebücher 1935 – 1944" mit denen Victor Klemperers. "Dieses Buch muss man zitieren, es ist ein Essay und eine Geschichte zugleich. Es ist eine tiefgreifende Analyse... der rumänischen Gesellschaft angesichts des Desasters des Zweiten Weltkriegs... Den Hintergrund bildet dabei die nationale Tragödie, die Schritt für Schritt das ganze Buch erfasst... Mihail Sebastian leidet als Jude in seinen Beziehungen zu seinen Freunden und Landsleuten an der Grausamkeit ihrer zwar unbewussten, aber dennoch offensichtlichen Sympathie für den Faschismus... Die Tagebücher sind das ausgereifteste Porträt dieser Zeit, dass es je gab." (16.10.2007)

Ta Nea - Griechenland

Athen im El-Greco-Fieber

Der Kunstkritiker Mairi Adamopoulou freut sich über eine Hommage an den Maler El Greco. "Anlässlich der Premiere eines Films von Jannis Smaragdis über das Leben El Grecos bewegt sich ganz Athen im Rhythmus des kretischen Malers, der eigentlich Domenikos Theotokopoulos hieß. Im U-Bahnhof am Syntagma-Platz im Zentrum der Hauptstadt hat man eine 500 Jahre zurückliegende Zeit aufgebaut. Dort taucht man ab in die Welt des griechischen Malers des 16. Jahrhunderts mit seinen Leinwänden, Farben und Pinselabdrücken, die nach Kreta, Venedig und Toledo duften. Kostüme und Requisiten dieser riesigen britisch-griechischen Koproduktion sind in der U-Bahn ausgestellt. Neben Tausenden von Kleidern, Schürzen und Mänteln findet man dort auch fleckige Staffeleien mit Spuren von Farbe und Pinsel, die auf hölzernen Tischen und Stühlen herumliegen... Das ergibt ein einzigartiges Bild, das den Geruch von El Grecos Atelier ausströmt... Eine interessante Ausstellung, die die Aufmerksamkeit aller auf sich zieht, die sich am U-Bahn-Eingang drängeln." (16.10.2007)

LOKALE FARBEN

The Guardian - Großbritannien

Ist Frischmilch klimafeindlich?

Britische Milch ist einfach die Beste, findet die Tageszeitung. "Auch wenn die Milchbauern des Landes viel zu kämpfen hatten, angefangen von der Maul - und Klauenseuche und Quotenkontrollen bis hin zu aggressiven Supermärkten und niedrigen Milchpreisen, hat Großbritannien sich einen Vorrat an bezahlbarer Frischmilch bewahrt - unverdorben durch die geschmacksvernichtende Hitzebehandlung, die im Ausland verbreitet ist... Wer hier einkaufen geht, wird, wenn er die Wahl hat, wissen, was das Beste ist. Es gibt allerdings eine Ausnahme: Beamte des Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, von denen gesagt wird, sie träumten von einer 'Milch Roadmap' und die dazu aufrufen, auf H-Milch umzusteigen. Dem liegt die Idee zugrunde, man könne so die Energie für die Kühlung sparen und damit die CO2-Emissionen reduzieren. Warum aber nur Milch davon betroffen sein soll und nicht etwa andere Kühlgetränke wie Wasser oder Coca-Cola, ist nicht ganz klar." (16.10.2007)

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