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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 28.12.2007

 

TOP-THEMA

Der Kosovo als Europas Herausforderung 2008

Der Kosovo als Europas Herausforderung 2008

 

Das serbische Parlament hat den Anspruch Serbiens auf den Kosovo bekräftigt und die Perspektive eines EU-Beitritts in Frage gestellt. Slowenien, das als erstes Land von Jugoslawien unabhängig wurde und im Januar die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, kommt 2008 eine besondere Mittlerrolle im Kosovo-Konflikt zu. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Delo - Slowenien, Der Standard - Österreich, Le Monde - Frankreich

Delo - Slowenien

Der slowenische Journalist Peter Potocnik schreibt über den künftigen Status des Kosovo: "Nun hat Belgrad entschieden, dass eine internationale Entscheidung akzeptabel wäre, wenn der Kosovo integrierter Bestandteil des serbischen Territoriums bliebe. Klar, dass so eine 'Annäherung' Serbiens an die EU selbst den Ultraradikalen recht ist... [Staatspräsident Boris] Tadic hat zwar gesagt, Serbien könne, wenn es zu einem Krieg oder internationaler Isolation komme, weder den Kosovo behalten noch seinen Bürgern wirtschaftlichen Fortschritt bringen; doch er hat hinzugefügt, das serbische Militär sei bereit, die serbischen Einwohner im Kosovo zu schützen... Wer noch gehofft hatte, Serbien sehe seine Zukunft innerhalb Europas, hat deutlich gezeigt bekommen, was die serbische Politik heute unter proeuropäisch versteht. Alles andere ist eine Illusion, so wie es die fruchtlosen Verhandlungen zwischen Belgrad und Pristina über den Status auch waren." (28.12.2007)

Der Standard - Österreich

"Die Politik der EU gegenüber Serbien offenbart sich nicht nur als inkonsequent und unglaubwürdig, sondern auch als fahrlässig", kritisiert Adelheid Wölfl. "Weil die Kosovo-Frage offenbar mit der EU-Mitgliedschaft verknüpft wird. Jahrelang hieß es in Brüssel, dass es ohne Auslieferung von Mladić kein EU-Abkommen geben wird." Die serbische Regierung hat kürzlich zugegeben, dass sich der vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesuchte Kriegsverbrecher Ratko Mladić in Belgrad aufhält. "Es mangelt an Klarheit. Auch gegenüber dem serbischen Wähler. Ein Staat, der mutmaßliche Kriegsverbrecher schützt, hat die europäischen Werte nicht verstanden. Das hat auch Kroatien im Fall des angeklagten Ex-Generals Ante Gotovina erfahren müssen... Die Kosovo-Frage ist eine andere. Es ist nachvollziehbar, dass Serbien sich nicht für die Unabhängigkeit aussprechen wird. Und das ist weder notwendig, noch kann man es verlangen. Serbien muss nur damit leben können, dass es die anderen tun." (27.12.2007)

Le Monde - Frankreich

Slowenien wird sich als EU-Ratsvorsitzender für eine Vermittlung zwischen den Völkern einsetzen, hofft Thomas Ferenczi. "Slowenien liegt an der Grenze zwischen Österreich, Italien und dem Balkan. Deshalb eignet es sich gut als Bindeglied zwischen den Völkern. Schon im Jahr 2007 hat es Treffen organisiert, die eine Brücke zwischen Konfliktgruppen und konkurrierenden Religionen bauen sollten. Dafür wird Slowenien weiter kämpfen, indem es Ideen und Kulturen innerhalb und außerhalb der EU miteinander konfrontiert. Natürlich wird der Kosovo für Slowenien Priorität haben. Doch das eigentliche Ziel geht darüber hinaus: Es geht um ein besseres Verständnis zwischen dem Westen und dem Islam." (28.12.2007)

REFLEXIONEN

Le Soir - Belgien

Jean-François Kahn über menschenlosen Kapitalismus

In einem Interview mit William Bourton spricht der französische Publizist Jean-François Kahn über die Veränderung des Kapitalismus im 21. Jahrhundert. "Wir erleben eine Umwälzung, die mit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert vergleichbar ist. Im klassischen Kapitalismus, selbst wenn man ihn von seiner schlechtesten Seite betrachtet, was Ausbeutung des Menschen durch den Menschen bedeutete, gab es immerhin den Menschen – als Ausgebeuteten oder als Ausbeuter. Das Besondere der aktuellen Wirtschaftsform ist, dass der Mensch verschwindet, als Ausbeuter oder Ausgebeuteter. Nehmen wir zum Beispiel ein Unternehmen, das von einem Rentenfonds gekauft wird: Die Arbeiter dieses Unternehmens wissen nicht, wer der Besitzer ist, und die Eigentümer wissen nicht, was sie besitzen." (28.12.2007)

Libération - Frankreich

Laurent Dispot verteidigt die deutsche Sprache

Laurent Dispot von der philosophischen Zeitschrift La Règle du jeu (Spielregel) ärgert sich über eine Äußerung des französischen Außenministers Bernard Kouchner, der das Wort "Realpolitik", das auch im Französischen verwendet wird, als "brutales germanisches Wort" bezeichnet hatte. "Das Deutsche ist die ursprüngliche Sprache der Psychoanalyse und des Zionismus. 'Brutal germanisch' ist ein Anschlag auf das Vermächtnis Theodor Herzls und die unendlichen Verdienste Sigmund Freuds – als Jude und Germanischstämmiger - , was beides unlösbar miteinander verbunden ist, da er den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt erhalten hat... 'Ich will nicht, dass meine Kinder die Sprache der Nazis lernen', propagieren Eltern, die sich für politisch korrekt halten; der Staat, Europa, die Stiftung für das Gedenken an die Shoah, sie alle müssten ihnen ihren Irrtum erklären: es handelt sich um die Sprache der europäischen Juden, nicht die ihrer Vernichtung." (25.12.2007)

POLITIK

The Irish Times - Irland

Benazir Bhutto wurde ermordet

Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto ist am 27. Dezember ermordet worden. Richard Whelan vom Internationalen Institut für Strategische Studien fragt, welche Folgen das für den Westen hat. "Viele Anschläge von al Qaida in Großbritannien sind von Pakistan aus koordiniert worden. Al Qaida unterhält dort mehrere Trainingscamps für Briten pakistanischer Herkunft, die Terroranschläge vorbereiten wollen. Auch wenn diese Anschläge bislang nicht sehr erfolgreich waren, zeigen sie, dass al Qaida immer noch existiert, widerstandsfähig und imstande ist, den Westen anzugreifen... In Pakistan selbst hat sich extremistisches religiöses Gedankengut ausgebreitet, die Zahl der Terroranschläge in den vergangenen drei Jahren ist gestiegen... Der Mord an Bhutto ist tragischerweise leicht zu verstehen. Denn Bhutto war die einzige der drei ernstzunehmenden Kandidaten in Pakistan, die eine echte säkulare Alternative darstellte. " (28.12.2007)

Dagbladet Information - Dänemark

Erpressungsversuche gegenüber Afrika?

Die EU ringt derzeit mit den Staaten Afrikas, der Karibik und des Pazifiks (AKP) um ein neues Handelsabkommen, da die WTO das geltende Handelssystem ab 2008 für illegal erklärt hat. Die dänische Tageszeitung kritisiert, dass die EU den ehemaligen Kolonialländern Druck macht, auf einen Teil ihrer Zolleinkünfte zu verzichten: "Wenn wir eine echte Partnerschaft wollen, brauchen wir Zeit, Übergangslösungen und Flexibilität gegenüber den schwachen Ökonomien. Wenn die EU und die dänische Regierung - die das ja in ihr Regierungsprogramm geschrieben hat – etwas gegen die Armut in Afrika unternehmen wollen, dann nützt es nichts, mit der einen Hand Entwicklungshilfe zu leisten und mit der anderen die Handelsschraube anzuziehen. Es ist scheinheilig, mehr Hilfe zu versprechen und gleichzeitig zu versuchen, im handelspolitischen Wettstreit um Afrika und dessen Ressourcen am Ball zu bleiben. China und die USA bieten Afrika auf mehreren Gebieten bessere Handelsbedingungen als Europa." (27.12.2007)

Evenimentul Zilei - Rumänien

Rumänischer Staatschef will Hitler-Stalin-Pakt verurteilen

Der rumänische Präsident Traian Basescu hat angekündigt, in einer Rede vor dem rumänischen Parlament den Hitler-Stalin-Pakt als Verbrechen zu verurteilen. In einer geheimen Note des Paktes hatte Deutschland 1939 Russlands Anspruch auf Bessarabien akzeptiert. Heute gehört dieses Gebiet teilweise zur Republik Moldau und teilweise zur Ukraine. Mit der Verurteilung würde Basescu die heutige Grenze zur Republik Moldau in Frage stellen. Florin Bichir bezeichnet das Vorhaben Basescus als "historisch, denn kein rumänischer Staatschef hatte bislang den Mut, diese geschichtliche Ungeheuerlichkeit zu verurteilen... Hinter dem aktuellen Engagement Basescus könnte ein größerer Plan stehen: die Wiedergewinnung Bessarabiens. Bislang hat niemand etwas Greifbares für die Menschen in Bessarabien getan - abgesehen vom ehemaligen Patriarchen Teoctist, der 1992 die Metropolie Bessarabien ins Leben gerufen hat, sowie Patriarch Daniel, der ohne Furcht vor dem russischen Koloss drei Erzbistümer in der Republik Moldau neu gründete. Für diesen Mut verdient Basescu Respekt!" (27.12.2007)

WIRTSCHAFT

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Streit um Mindestlöhne in Deutschland

In Deutschland wird nach der Einführung eines Mindestlohns für Briefzusteller heftig über Mindestlöhne für weitere Branchen gestritten. Der Wirtschaftswissenschaftler Hans-Werner Sinn hält das für den falschen Ansatz: "In Frankreich hat der Mindestlohn, den 15 Prozent der Arbeitnehmer beziehen, die Jugendlichen in die Arbeitslosigkeit getrieben; damit ist er mittelbar verantwortlich für die gewalttätigen Ausschreitungen der letzten Jahre... Das Jahr 2007 wird als Zeitenwende in die deutsche Geschichte eingehen, denn in diesem Jahr hat sich Deutschland von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet, wie sie von Ludwig Erhard geprägt wurde. Bislang galt in Deutschland das ordnungspolitische Credo, dass eine Marktwirtschaft freie Preise braucht, weil Preise ihr zentrales Lenkungsinstrument sind. Maßnahmen zur Korrektur der Einkommensverteilung sind möglich und nötig, dürfen sich aber nur fiskalischer Instrumente bedienen. Dieses Credo gilt nicht mehr." (28.12.2007)

Financial Times - Großbritannien

Wie man Geschenke los werden kann

Der Computer-Kolumnist Paul Taylor überlegt, wozu unerfreuliche Weihnachtsgeschenke gut sein können. "Das Pseudoverb 'weiterverschenken' und das davon abgeleitete Substantiv 'Weiterverschenker' kam erstmals in einer Episode namens 'Der Markenmacher' der Sitcom Seinfeld auf, die 1995 ausgestrahlt wurde. Doch die Tradition, unerwünschte Geschenke wie die schreckliche Strickjacke von Tante Betty oder die Neo-Punk-CD einer Gruppe, von der man noch nie was gehört hat, neu einzuwickeln, ist sicher älter als Seinfeld. Im Zeitalter der Wiederverwertung scheint das Weiterverschenken neu in Mode zu kommen... Die Auktionsseite Ebay bietet eine risikolose Möglichkeit, unerwünschte Geschenke oder veraltete Gadgets loszuwerden. Warum nicht die psychedelische Krawatte, geschenkt von einem 'Freund', verkaufen und dann mit dem Geld etwas kaufen, was wirklich gefällt? Man denke an den alten Spruch: 'Des einen Leid ist des anderen Freud'." (28.12.2007)

KULTUR

Postimees - Estland

Estland trauert um Jaan Kross

Der estnische Schriftsteller Jaan Kross ist tot. Kross, Jahrgang 1920, verbrachte acht Jahre im russischen Gulag und wurde anschließend der bekannteste Schriftsteller Estlands. Zu seinen Werken zählt der Roman "Der Verrückte des Zaren". Ganz Estland trauere, schreibt die Zeitung: "Jaan Kross war Estlands großer Geist. Er war auf erstaunlich vielen Gebieten bewandert: von der Geschichte und Kunstgeschichte über Literatur und Philosophie bis hin zur Psychologie. Das alles kam seinem schriftstellerischen Schaffen zu Gute. Mit feiner Selbstironie beschrieb Kross, wie seine Lebensplanung über den Haufen geworfen wurde - ursprünglich hatte er Jura studiert. Durch sein persönliches Schicksal wurde Kross zum Symbol einer ganzen Generation: politische Gefangenschaft und vollkommener Neuanfang in der Mitte des Lebens. Dem Stalinismus hat Jaan Kross sich nie gebeugt." (28.12.2007)

Cotidianul - Rumänien

Filme machen Rumänien international kompatibel

Die jungen rumänischen Filmemacher sind das Beste, was Rumänien im Jahr 2007 passiert ist, meint Traian Ungureanu: "Der Erfolg von Cristian Mungiu mit seinem Film '4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage' ist typisch für eine Generation, die  hoffnungsvoll und geduldig war: Cristian Mungiu, Christi Puiu, Cristian Nemescu, Radu Muntean, Nae Caranfil und Corneliu Porumboiu sind von Anfang an ohne den Staat ausgekommen. Sie wurden von den Filmbehörden abgewiesen, aber die Zeit hat ihnen Recht gegeben. Die Goldene Palme von Cannes signalisiert klar, dass die Übergangszeit zu Ende geht. Wir kochen nicht mehr nur unser eigenes Süppchen. Die Europäer (und bald auch die Amerikaner), die den Film ausgezeichnet haben und das weiterhin tun werden, haben begonnen, uns zu verstehen. Wir sind kompatibel geworden." (28.12.2007)

MEDIEN

The Times - Großbritannien

Britisches Weinachtsfernsehen als Erziehungsmaßnahme

Mick Hume beschwert sich über das Weihnachtsprogramm im britischen Fernsehen. "Das war nicht einfach nur Retro-tainment, sondern sentimentale Propaganda. Offenbar befürchten die Programmmacher, die modernen Massen säßen in einer Löwengrube und man müsse ihnen daher was von den guten alten Zeiten erzählen. Nicht nur, dass sie uns das ganze Jahr lang belehren, wie wir uns benehmen sollen, nein, jetzt wollen diese Scheinheiligen uns auch noch beibringen, wie man mit Familie und Freunden Weihnachten zu genießen hat. Das Fernsehen zu Weihnachten ist Reeducation zu dem Thema, wie wunderbar und einigend früher das Familienfernsehen an Weihnachten war... Bei all den langweiligen Comedies gab es ein wenig Linderung, als die Königin uns in der Weihnachtsansprache ohne jeden Anflug von Ironie ermahnte, an diejenigen zu denken, die von der normalen Gesellschaft 'abgeschnitten' seien. Ihren unbewegten Gesichtsausdruck hat sie vermutlich 50 Jahre lang trainiert." (28.12.2007)

LOKALE FARBEN

Hospodářské noviny - Tschechien

Skifahren auf der Prager Burg

Am Sonntag wird die Prager Burg, der Sitz des tschechischen Präsidenten, zum Austragungsort für ein Ski-Langlauf-Rennen im Rahmen der Tour de Ski. Organisatorin für Prag ist die mehrfache tschechische Olympiasiegerin im Skilanglauf, Kateřina Neumanová, Präsident Václav Klaus hat die Schirmherrschaft übernommen. Tomáš Němeček hat kein Verständnis für diese Aktion: "Der Spaß des Schneeherankarrens kostet die Kleinigkeit von 10 bis 15 Millionen Kronen [400.000 bis 575.000 Euro]. Von Neumanová kann man Maß und Geschmack vielleicht nicht erwarten, vom Präsidenten schon. Noch dazu von einem Präsidenten, der einst kapitalistische Werte wie Sparsamkeit pries und pedantisch das Licht löscht, wenn er seine Räume auf der Burg verlässt… Freilich sagt man vor Präsidentschaftswahlen [im Februar kommenden Jahres] nicht so einfach eine Aktion ab, bei der Kameras, Wettkämpfer, jubelnde Menschen und Kateřina Neumanová zugegen sind." (28.12.2007)

La Repubblica - Italien

Italien setzt auf Scheitern als Chance

Francesco Merlo macht sich Gedanken über das kommende Jahr: "Was sollen wir Italien 2008 wünschen? Was kann man den Schulen, den Eisenbahnen, dem Gesundheitssystem, den Verlagen, dem Rundfunk oder den Unternehmern schon wünschen, die Mut fordern, der ihnen selbst fehlt?... Oder unserem erbärmlichen Kino, der Literatur, dem selten dämlichen Chanson?... Die einzige Hoffnung besteht darin, dass 2008 das Jahr sein könnte, in dem die Depression ihren Höhepunkt erreicht und so in Italien wieder tolle Kunstwerke, herausragende Literatur und so weiter entstehen.... Das ist mein Traum für 2008: Die große Depression könnte Italiens Talent wecken, Schwäche in Stärke zu verwandeln. Es wäre eine letzte Chance, damit wir 2009 vielleicht wieder Leben, Charme und Kraft versprühen können." (28.12.2007)

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