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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 18.01.2008

 

TOP-THEMA

Nokia schließt Werk in Deutschland

Nokia schließt Werk in Deutschland

 

Der finnische Mobiltelefonhersteller Nokia hat angekündigt, sein Werk in Bochum zu schließen. Die Arbeitsplätze sollen nach Rumänien und Ungarn verlagert werden. Dieser Schritt sorgt für Kritik, zumal der Konzern für die Ansiedlung in Nordrhein-Westfalen 88 Millionen Euro Subventionen erhalten hatte. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz, taz - Deutschland, Hufvudstadsbladet - Finnland

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Peter Rasonyi kritisiert den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, Jürgen Rüttgers, der Nokia als "Subventions-Heuschrecke" bezeichnet hatte. "Strategische Standortentscheidungen sind stets betriebswirtschaftlicher Natur und von den Unternehmen zu fällen. Die Politik kann mit Steuern, Infrastruktur, Regulierungen und Bildungsanstrengungen die Rahmenbedingungen so attraktiv wie möglich gestalten. Entscheidet sich ein Unternehmen trotzdem für einen anderen Standort, ist das ebenso legitim wie notwendig für eine effiziente, wettbewerbsfähige Wirtschaft... Der Fall ist vielmehr ein weiterer Beleg für den Unsinn staatlicher Subventionen. Wenn die Standortbedingungen strukturell ungünstig sind, kann in einem Wettbewerbsumfeld der Niedergang höchstens verzögert werden. Die Entstehung neuer Strukturen wird dadurch aufgehalten, letztlich auch zum Nachteil der später auf der Straße stehenden Mitarbeiter." (18.01.2008)

taz - Deutschland

Auch wenn die Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Bochum ins rumänische Cluj für die Betroffenen schmerzhaft sei, dürfe man sich nicht von der EU-Förderpolitik verabschieden, findet Daniela Weingärtner: "Soll die EU sich also von dem Ziel verabschieden, das Lebensniveau in allen Mitgliedstaaten anzugleichen? Die Folge wäre, dass die Löhne und Arbeitsbedingungen in Rumänien auf Dauer miserabel bleiben. Das wäre fatal für die gesamte EU - nicht nur aus moralischer, sondern auch aus sozialer Perspektive. Denn in einem Binnenmarkt zieht es die Unternehmen immer dorthin, wo die niedrigsten Löhne gezahlt werden und die Nebenkosten besonders gering sind. Es muss also im Interesse deutscher Gewerkschaften und deutscher Politiker liegen, dass Osteuropa möglichst rasch aufholt - auch durch europäische Förderprogramme. Dass Standortverlagerungen nicht subventioniert werden dürfen, versteht sich dabei von selbst. Die Förderregeln schließen das ohnehin aus." (17.01.2008)

Hufvudstadsbladet - Finnland

Die Werksschließung in Bochum habe Folgen für den gesamten Konzern, warnt Björn Sundell. "Solche Entscheidungen sind im Hinblick auf die Stimmung in großen internationalen Konzernen problematisch. Wenn gewinnbringende Einheiten geschlossen werden, darunter auch, wie im Fall von Nokia, hoch automatisierte Werke in Zeiten der Hochkonjunktur, fragen sich die Mitarbeiter, ob es sich überhaupt noch lohnt, hart zu arbeiten und Opfer zu bringen, wenn das am Ende doch nicht genug ist. Die Konzerne sollten sich solche Schritte reiflich überlegen, unabhängig von allen Lohnkalkulationen. Unsicherheit steigert nicht gerade die Motivation an anderen Standorten, und Furcht erhöht nicht die Loyalität: Denn keiner weiß, wer als Nächster dran ist." (18.01.2008)

REFLEXIONEN

Le Nouvel Observateur - Frankreich

Abdelwahab Meddeb über den Koran als Menschenwerk

Der französisch-tunesische Schriftsteller Abdelwahab Meddeb schlägt im Interview mit Gilles Anquetil eine Rückkehr zu den Thesen der rationalistischen Theologen des 9. Jahrhunderts, der Mutaziliten, vor. "Sie haben argumentiert, der Koran sei 'geschaffen' - anders als die Wortgläubigen, die predigen, der Koran sei 'nicht geschaffen'. Aber durch was wurde der Koran 'geschaffen', wenn nicht durch den Glauben und durch von Gott inspirierte Worte, übersetzt in menschliche Sprache? Diese Vermittlung durch den Menschen impliziert die Notwendigkeit, den Text im Kontext seiner Entstehung zu betrachten und in Beziehung zu der Zeit seiner Offenbarung zu setzen, die anthropologisch überholt ist. Der Sinn des Textes wird also relativiert. Was mit der Bibel seit Ende des 17. Jahrhunderts geschehen ist, beginnt nun beim Koran. Es gibt viele muslimische Wissenschaftler oder Wissenschaftler muslimischer Herkunft, die sich daran beteiligen. Wir müssen dafür sorgen, dass ihre Ergebnisse möglichst vielen Menschen zugänglich gemacht werden." (17.01.2008)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Johan Schloemann über den intoleranten Wahrheitsbegriff des Papstes

Johan Schloemann analysiert die Rede, die Papst Benedikt XVI an der Sapienza-Universtität halten wollte. Nach Protesten hatte die Universität den Papst ausgeladen. Die Rede wurde zwar nicht gehalten, aber online veröffentlicht. Schloemann kommt zu dem Schluss: "Der rhetorische Trick dieses Papstes ist es, den Wahrheitsbegriff mit Formeln wie 'Mut zur Wahrheit' gegenüber dem wissenschaftlichen Fragen der Moderne und der liberalen Gesellschaft ohne Differenzierung zu gebrauchen. Er tut wider besseres Wissen so, als seien 'Wahrheit' im Sinne der Offenbarung und 'Wahrheit' im Sinne der für Falsifikationen offenen kritischen Vernunft dasselbe. Das ist begrifflich frech... Die wegen 'Intoleranz' verhinderte akademische Rede des Papstes verkündet, gefällig verschleiert, ihrerseits einen im Kern intoleranten Wahrheitsbegriff. Dieser ist nicht etwa allein in der christlichen Offenbarung begründet - jede der großen Religionen muss ja ihrer Natur nach eine 'intolerante' Wahrheit behaupten -, sondern eben auch in dem Lehramt, das der Papst beansprucht." (18.01.2008)

POLITIK

El País - Spanien

Die Eta steht der baskischen Unabhängigkeit entgegen

Die nationalistische baskische Linke fordert in regelmäßigen Abständen ein Referendum über die Selbstbestimmung des Baskenlandes. Der Politologe Cesáreo Aguilera meint: "Solange es die baskische Separatistenorganisation Eta gibt, ist eine solche Volksbefragung unmöglich. Ein Referendum setzt voraus, dass diese Organisation zerschlagen wird. Anschließend muss eine ausreichend lange Zeit verstreichen, damit sich alle politischen Strömungen trauen, öffentlich ihre Meinung zu äußern. Für die Anhänger eines vereinten Spaniens ist eine Eta, die mit 'geringer Intensität' agiert, das kleinere Übel. Denn solange die bewaffnete Gruppe aktiv ist, kann man unmöglich über Selbstbestimmung verhandeln. Es ist interessant, dass die Wähler der nationalistischen Linken nicht merken, dass die Existenz der Eta den Gegnern eines Referendums die besten Argumente liefert, um das Prinzip der Selbstbestimmung nicht auf demokratischem Wege auszufechten." (18.01.2008)

The Guardian - Großbritannien

Kulturdiplomatie im russisch-britischen Konflikt

Der British Council stellt die Arbeit in seinen Büros in St. Petersburg und Jekaterinburg ein, nachdem ihre Mitarbeiter wiederholt eingeschüchtert worden waren. "Wenn man ein Beispiel für den Bankrott der konventionellen Diplomatie (auf beiden Seiten) braucht: Hier ist es", schreibt Simon Jenkins. "Der British Council sollte überall - außer in den politisch sensibelsten Ländern - die führende diplomatische Abteilung sein und mit dementsprechend viel Personal ausgestattet werden. Politik, Verteidigung und Handel sollten untergeordnete Aktivitäten sein. Im Zeitalter der 'Soft Power' fahren westliche Demokratien besser, wenn sie Werte wie Redefreiheit durch den Austausch von Menschen und Ideen verbreiten, statt große Reden über den Krieg gegen den Terror zu schwingen. Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Das verlangt eine Diplomatie des zwischenmenschlichen und kulturellen Austauschs." (18.01.2008)

Le Monde - Frankreich

Sarkozys Pläne für die französische EU-Ratspräsidentschaft

Frankreich wird nach Slowenien im zweiten Halbjahr des Jahres 2008 die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Präsident Nicolas Sarkozy hat bereits angekündigt, dass er eine gemeinsame Einwanderungs-, Verteidigungs-, Energie- und Umweltpolitik für Europa durchsetzen will. Thomas Ferenczi zeigt sich skeptisch: "Es zeugt von einer gewissen Vermessenheit zu meinen, dass man in sechs Monaten Ratspräsidentschaft die EU mit gemeinsamen Richtlinien ausstatten kann, an denen sie seit Jahren mühsam bastelt... Der Staat, der die Präsidentschaft inne hat, ist nicht so mächtig. Sein Handlungsspielraum ist zum einen begrenzt durch die Vorbereitung der Dossiers, die man präsentieren will, und zum anderen durch die Haltung der anderen Staaten... Die besten Präsidentschaften, erklärte ein hoher Funktionär der Kommission, seien diejenigen, die sich jeder Vorankündigung enthalten. Das aber ist sicher nicht Sarkozys Stil." (18.01.2008)

Evenimentul Zilei - Rumänien

Mircea Cartarescu ruft zum Kampf gegen Korruption auf

Der Posten des rumänischen Justizministers ist immer noch nicht besetzt. Der Schriftsteller Mircea Cartarescu fordert die erneute Berufung der ehemaligen Justizministerin Monica Macovei und ruft zum Kampf gegen die Korruption auf: "Die rumänische Gesellschaft verlangt vehement, dass es keine Spektakel mehr gibt, sondern Gerechtigkeit. Sie wünscht, dass in Rumänien endlich Korruptionsprozesse beginnen. Aber ohne eine entschlossene und starke Justiz werden wir das niederträchtige System weiter nähren, das... uns die Kräfte aussaugt. Das System wird im Wesentlichen seit Jahren von einer Allianz zwischen der früheren Nomenklatura und der Securitate getragen. Diese Leute sind vor allem in der Großrumänienpartei, in der Konservativen Partei, bei den Sozialdemokraten (PSD) und unter den neuen liberalen Oligarchen aktiv und sind auf dubiosem Wege reich geworden. Die 322 Abgeordneten, die das rumänische Parlament heute dominieren und lähmen, sind der Inbegriff von Korruption." (18.01.2008)

WIRTSCHAFT

The Daily Telegraph - Großbritannien

Gute Zähne nur für Reiche

"In Großbritannien kann man sich mit frittierten Mars-Riegeln vollstopfen, 20 Bier pro Nacht in sich hineinschütten, Heroin spritzen, 60 Zigarretten pro Tag rauchen oder sein Geschlecht ändern. Das National Healthcare System (NHS) ist verpflichtet, einen zu behandeln... Aber wenn man schlechte Zähne hat, kann man das vergessen", schreibt Alice Thomson. "Es ist nahezu unmöglich, noch einen NHS-Zahnarzt zu finden. Wenn man es doch schafft, sich auf die lange Liste zu quetschen, muss man am Ende trotzdem 80 Prozent der Behandlungskosten übernehmen... Großbritannien ist, was die Zähne angeht, zweigeteilt. Wer die Kosten nicht zahlen kann, hat schlechtere Zähne als je zuvor. Mit schlechten Zähnen ist es schwerer, Arbeit zu bekommen oder einen Partner zu finden... Gesunde Zähne waren einmal das Zeichen der modernen Gesellschaft. Nun haben wir dank unserer Ernährungsgewohnheiten und der Dritte-Welt-Zahnbehandlung Zähne wie im 19. Jahrhundert. Großbritannien muss seine Zähne wieder besser pflegen, sonst haben wir bald drittklassige Gebisse." (18.01.2008)

POLITIK

La Voix du Luxembourg - Luxemburg

Großmufti eröffnet Jahr des interkulturellen Dialogs

Der Großmufti von Syrien, Ahmad Badr Hassoun, ist zum Auftakt des Europäischen Jahrs des interkulturellen Dialogs (EJID) vor dem Europäischen Parlament aufgetreten. Thierry Labro kommentiert: "Dieser Auftritt hat zu Kritik an EP-Präsident Hans-Gert Pöttering geführt. Das mit zehn Millionen Euro ausgestattete EJID wendet sich an die Europäer. Und auch wenn die sehr gemäßigte Rede des Großmuftis über die Einzigartigkeit der Zivilisation... gut ankam, haben wir bei seinem Auftritt in Straßburg nichts über seine Religionsgemeinschaft in Erfahrung bringen können. Er ist ganz und gar keine Bezugsperson für die jungen Menschen, an die sich das EJID wendet. Sein Erscheinen war offensichtlich politisch motiviert. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem es Diskussionen über Syriens Einmischungsversuche im Libanon oder im iranischen Atomstreit gibt." (18.01.2008)

KULTUR

Revista 22 - Rumänien

Die Angst des Theaters vor dem Film

Im Theater passiere derzeit wenig Neues, findet der rumänische Regisseur Andrei Serban, der an zahlreichen Bühnen in Westeuropa und den USA inszeniert hat. "Wenn wir uns anschauen, was in der Filmwelt geschieht, zum Beispiel die Wiedergeburt des rumänischen Films durch eine junge Generation, die einige starke Dinge äußert, die recht unbehaglich sind, dann ist das Theater im Vergleich dazu in einer Phase der Stagnation. Am Anfang des Jahrhunderts hat es seinen Platz noch nicht gefunden. Wir Theatermacher haben Angst, eine Art Semi-Verzweiflung, der Film könne uns überholen. Wir versuchen, den Film zu kopieren, Mittel des Films im Theater einzusetzen... Doch der Versuch der Modernisierung durch Elemente der Multimedia-Technik schwächt die Theaterkunst." (18.01.2008)

LOKALE FARBEN

Neatkarīgā - Lettland

Sinnvolles Schlangestehen vor Lettlands Schulen

In Lettland gab es bei der Anmeldung für das neue Schuljahr in diesem Jahr lange Schlangen, besonders bei den begehrten Schulen. Juris Paiders sieht darin ein gutes Zeichen: "Ob man einen Platz in einer Schule bekommt, hängt nicht mehr von Geldumschlägen ab, sondern vom Schlangestehen. Wenn wir eine Gesellschaft ohne Korruption wollen, dann müssen Menschen, die solche Geldgeschenke annehmen, verhaftet werden - auch wenn sich daraus Unbequemlichkeiten wie das Schlangestehen ergeben. Schlangestehen ist nicht sinnlos, sondern ein Zeichen dafür, dass sich das Ausmaß der Korruption verringert hat. Wie kann man diese Schlangen bekämpfen? Man müsste zum alten System zurückkehren, in dem die Aufnahme von Kindern auf Eliteschulen vom Ausmaß der 'Dankbarkeitsbezeugung' der Eltern abhing." (17.01.2008)

Le Temps - Schweiz

Warum ist die Toblerone dreieckig?

"In diesem Jahr feiert man in der Schweiz und dem Rest der Welt den 100. Geburtstag der Berner Schokolade im charakteristischen Dreiecksformat", schreibt Benjamin Luis über die Toblerone. "Keiner weiß genau, warum sie dreieckig ist... Es gibt viele Gerüchte. Um 1900 war der spitzbübische Theodor Tobler oft in Geschäftsangelegenheiten in Paris. Eines Abends hatte er beim Finale im Folies Bergère eine Offenbarung: Eine tanzende Pyramide. Wenig später erschien aus Marketing-Gründen das Matterhorn in der Toblerone-Werbung... Im Laufe der Jahre wurde die Toblerone so beliebt, dass sie auf den Verkaufslisten ganz oben stand - noch vor Alkohol und Tabak. Warum? 'Fragen Sie einen chinesischen Touristen, welches Souvenir er mit nach Hause bringt, er wird Toblerone antworten', erklärt die Edith Zweifel, Sprecherin von Schweiz-Tourismus." (18.01.2008)

Postimees - Estland

Karmin macht Tartu zur Hauptstadt der Skulpturen

Der estnische Bildhauer Mati Karmin hat mit einer neuen Statue für Aufmerksamkeit gesorgt: vor die Markthallen von Tartu hat er ein Bronzeschwein gestellt. Raimu Hanson schreibt: "Die estnische Hauptstadt der Skulpturen ist eindeutig Tartu. Haben Tallinn, Pärnu, Narva oder irgendeine andere Stadt ein Bronzeschwein vor ihrer Markthalle? Nein... Das Schwein hat so einen verschmitzten Gesichtsausdruck, dass man darin leisen Spott darüber erkennen kann, dass Tallinn angeblich die intelligenteste Stadt der Welt ist. Ist es nicht auch ein Zeichen, wenn die eine estnische Stadt ihre Bronzestatuen demontiert, während die andere neue aufstellt?" (18.01.2008)

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