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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 21.02.2008

 

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Jugendkrawalle in Dänemark

Jugendkrawalle in Dänemark

 

In Dänemark ist eine Debatte über die Ursachen der Jugendkrawalle der vergangenen Woche entflammt. Stellen die Dänen ihr Toleranzmodell und ihre Integrationspolitik in Frage? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Neue Zürcher Zeitung - Schweiz, Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland, Sydsvenskan - Schweden

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Dänemark hat eine neue Unterschicht bekommen, stellt der dänische Schriftsteller Jens Christian Grøndahl fest. Er analysiert die Einstellung seiner Landsleute zu Immigranten und sozialen Problemen: "Gegenüber den gering gebildeten, traditionell denkenden Ghettobewohnern nahöstlicher oder nordafrikanischer Herkunft verheddert sich der Wohlfahrtsdäne zwischen seinem Unbehagen, das er empfindet, weil er die Wiederkehr der Klassengesellschaft konstatiert, und seinem Bedürfnis, jemandem sein Mitgefühl zu zeigen und dessen enge Verhältnisse durch sozialpolitische Initiativen zu verbessern... Die entgegenkommende und flagellantisch sich selbst überprüfende Haltung im Wohlfahrtsstaat ist dermaßen in Fleisch und Blut übergegangen, dass man sogar Brandstifter und Attentäter als Opfer sieht. In diesem Punkt ist die misslungene Integration verblüffend erfolgreich, es gibt nämlich eine vielsagende Übereinstimmung des gesellschaftlich-moralischen Willens zur Empathie und der überempfindlichen Rhetorik bei Brandstiftern bzw. rechtgläubigen Muslimen." (21.02.2008)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Siegfried Thielbeer meint, man dürfe in der Debatte über die Ursachen der Gewalt in Dänemark die Schuld nicht der dänischen Gesellschaft geben, die angeblich nicht genug für die Integration von Ausländern tue. "Dänemarks Image als großzügig-liberales Land, einst genährt durch sexuelle Libertinage und langjährige Tolerierung des Haschisch-Freistaates 'Christiania', hat seit Amtsantritt der bürgerlichen Regierung und der Verschärfung der Asylpolitik einen Knacks erhalten, der in diesem Umfang auch wieder nicht gerechtfertigt erscheint. Dänemark hat parallel zu der Beschränkung der Einwanderung eine mustergültige Integrationspolitik betrieben." (21.02.2008)

Sydsvenskan - Schweden

Die Jugendkrawalle in Kopenhagen haben in Schweden eine Diskussion ausgelöst, ob dort Ähnliches passieren könnte. "Krawall zwischen Jugendlichen und der Polizei gibt es schon jetzt in Schweden regelmäßig, wie in den meisten anderen europäischen Ländern auch. Jede zweite Woche brennt eine Schule. Gewalt und Feuer flammen dort auf, wo die Voraussetzungen dafür gegeben sind", schreibt die Zeitung. "Die Unruhen sind nicht Schuld der Gesellschaft, aber sie stellen unzweifelhaft ein gesellschaftliches Problem dar, das sich nicht allein durch Polizeieinsätze lösen lässt... In Dänemark stehen laut Berlingske Tidende 10.000 bis 12.000 Jugendliche im Begriff, aus der Gesellschaft herauszufallen. In Schweden sind es entschieden mehr – es werden Zahlen um die 50.000 genannt." (21.02.2008)

REFLEXIONEN

Télérama - Frankreich

Yves Pagès über die neue Rolle der Arbeit

Der französische Schriftsteller und Verleger Yves Pagès denkt im Interview mit Martine Laval über die Zukunft der Arbeit in der modernen Gesellschaft nach. "Wir müssen fragen, wie sich die Arbeit verändert. Meine Generation erlebt eine verrückte Revolution und hat keine Kategorien, um sie zu durchdenken. Der klassische Arbeitnehmer, die ständige Vollzeitbeschäftigung sind abgeschafft. Muss man dem nachtrauern? Ich tue das nicht. Aber wer in prekären Verhältnissen lebt, sollte Rechte haben. Studenten, die teilzeit arbeiten, sind Arbeiter, die nirgendwo vorkommen. Sie sind voll in den Arbeitsmarkt integriert, aber nicht anerkannt. Politiker und Gewerkschafter tun nichts, verstehen das nicht oder wollen es nicht. Die Leiharbeiter, das Prekariat, sind nicht die Feinde der Arbeiterklasse. Sie sind die heutige Arbeiterklasse." (20.02.2008)

Die Zeit - Deutschland

Marc Brost und Uwe Jean Heuser über die Steuerflucht der Reichen

Die Geldelite ziehe sich aus der Gesellschaft zurück und lebe in einer Art Paralleluniversum, schreiben Marc Brost und Uwe Jean Heuser. Für die Reichen seien hohe Steuern ein "räuberischer Eingriff des Staates". "Es geht um mehr als nur um ein paar Steuerkriminelle, die jetzt auffliegen. Etwas ist kaputtgegangen in diesem Land... Da lösen sich nicht bloß ein paar Handvoll Manager von der Gesellschaft. Der Steuerskandal betrifft Familienunternehmer und andere Vermögende. Auch ihre Villen wurden größer, auch der Startvorteil ihrer Kinder in der Gesellschaft wuchs und ist inzwischen so groß wie selten zuvor. Klein ist nur ihr Wille sich einzuordnen. Und den Staat zu finanzieren. Der deutsche Klassenkampf ist ein Klassenkampf von oben." (21.02.2008)

Le Temps - Schweiz

Yves Petignat über Steuerbetrug in Deutschland

Yves Petignat kommentiert den aktuellen Steuerskandal in Deutschland: "Bisher hat die Steuerflucht einiger Promis wie Boris Becker oder der Vater von Steffi Grafs nur die Boulevard-Zeitungen beschäftigt. Aber die Affäre um die Liechtensteiner Bank LTG, die wie ein Bombe eingeschlagen hat und durch die Tausende von Namen enthüllt wurden, darunter der des Chefs der Deutschen Post AG sowie einiger anderer hoher Funktionäre aus Klein- und Mittelbetrieben, sorgt für Unruhe. Die Machenschaften der Wirtschaftselite erschüttern nachhaltig das Vertrauen der Bürger in das deutsche Modell der sozialen Marktwirtschaft und lassen die politisch Verantwortlichen schlecht aussehen... Daher auch die aktuellen Rufe in Deutschland nach Strafen, die Steuerbetrug auch gesellschaftlich sanktionieren: nach Gefängnisstrafen, wie für Taschendiebe." (21.02.2008)

POLITIK

The Independent - Großbritannien

Strengere Einwanderungspolitik in Großbritannien

In Großbritannien gibt es Vorschläge, die Visa-Gebühren zu erhöhen und Ausländern die volle Staatsbürgerschaft erst dann zu geben, wenn sie in einer zwölfmonatigen Probezeit nachgewiesen haben, dass sie in ihrer Gemeinde integriert sind. So steht es in einem Grünbuch, das die britische Innenministerin Jacqui Smith vorgestellt hat. Die Zeitung kritisiert die Vorschläge: "Immerhin betrifft das alles nicht die Migranten aus der EU, die den Großteil derer ausmachen, die nach Großbritannien kommen. Solche Beschränkungen wären wegen der Freizügigkeit in der EU illegal... Die Minister reagieren auf die Hysterie, es gebe eine 'Ghettoisierung' von Einwanderergemeinschaften. Auf diese Weise bestärkt man die gefährliche, von fremdenfeindlichen Medien geschürte Stimmung, Einwanderer als Problem für unsere Gesellschaft zu sehen... Das Gegenteil ist der Fall. Einwanderer tragen zu unserer Wirtschaft bei. Es wird oft behauptet, Migranten belasteten die Sozialsysteme. Aber noch häufiger werden wir daran erinnert, dass eingewanderte Ärzte und Krankenschwestern das nationale Gesundheitssystem NHS am Laufen halten." (21.02.2008)

La Voix du Luxembourg - Luxemburg

Luxemburg erlaubt aktive Sterbehilfe

Das luxemburgische Parlament hat mit knapper Mehrheit ein Gesetz angenommen, das Euthanasie erlaubt. Mediziner, die auf Verlangen ihrer Patienten deren Leben ein Ende setzen, werden nicht mehr strafrechtlich verfolgt. Laurent Moyse geht davon aus, dass diese Frage "die Menschen trotzdem weiter umtreiben wird. Das ist völlig normal, schließlich handelt es sich um ein äußerst heikles Thema, das einen vor Fragen stellt, die an das Wesen der menschlichen Existenz rühren... Anzunehmen, dass die Diskussion zu Ende ist, wie es manche Akteure oder Kommentatoren nach der Abstimmung begeistert getan haben, ist voreilig. Sie unterschätzen die soziale Dimension dieser Frage... Das Recht auf 'Selbstbestimmung', auf das die Befürworter der Euthanasie pochen, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen, macht die Entscheidung des Patienten, seiner Angehörigen und des medizinischen Personals nicht leichter." (21.02.2008)

Cyprus Mail - Zypern

Zyprer nehmen die Uno für selbstverständlich

Die zyprische Zeitung hat Pläne der Uno enthüllt, ihr Zivilpolizeikontingent im Falle einer Wiederwahl von Präsident Tassos Papadopoulos aus Zypern zurückzuziehen. Papadopoulos war jedoch in der ersten Runde der zyprischen Präsidentschaftswahlen ausgeschieden. Die Tageszeitung warnt nun davor, die UN-Aktivitäten als allzu selbstverständlich hinzunehmen. Die Zyprer "sind der Überzeugung, die Uno habe eine moralische Verpflichtung, an einer Lösung des Zypernproblems zu arbeiten, egal ob es in den beiden Gemeinschaften einen politischen Willen zur Schlichtung gibt. Überflüssig zu sagen, dass der Uno oft genug auf beiden Seiten der politischen Trennlinie Hindernisse in den Weg gelegt wurden, wenn es darum ging, Bewegung in den Konflikt zu bringen. Sollte die Blockade andauern, würde sich niemand darüber aufregen, da jeder damit rechnet, dass die Uno früher oder später mit einem neuen Plan aufwartet. Selbst die Politiker, die es eigentlich besser wissen sollten, vermuten lächerlicherweise, dass die UN-Funktionäre in New York nichts Besseres zu tun haben, als neue Ideen auszuhecken, wie sie die beiden Seiten des Zypernkonfliktes an den Verhandlungstisch bringen." (20.02.2008)

La Stampa - Italien

Die kalabrische Mafia funktioniert wie al Qaida

Die Anti-Mafia-Kommission des italienischen Parlaments hat ihren Jahresbericht vorgestellt. Darin heißt es, die kalabrische Ndrangheta sei wie al Qaida organisiert und zu einer "globalen Wirtschaftsmacht" geworden, die sich durch die Veruntreuung europäischer Gelder, Drogenhandel und mafiöse Steuern finanziert. Guido Ruotolo analysiert: "Bestimmte Passagen des Berichts, der einstimmig angenommen wurde, sind ein deutliches Signal für die Politiker im Wahlkampf... Es ist eine Aufforderung an alle, die Listen [für die nächsten Parlamentswahlen] aufstellen wollen, genau hinzusehen, welche Kandidaten sie ins Rennen schicken. Der Bericht lässt wenig Raum für Optimismus: 237 Seiten mit mehr Fragen als Antworten. Ein Sittengemälde des moralischen Niedergangs Kalabriens." (21.02.2008)

WIRTSCHAFT

Kapital - Bulgarien

Die Briten verlassen Bulgarien

Immobilien in Bulgarien galten für viele Briten bislang aufgrund der relativ niedrigen Preise und des günstigen Klimas als gute Geldanlage. Nun nimmt das Interesse an bulgarischen Immobilien ab. Jana Bodurova erklärt: "Neben den Immobilienangeboten stehen in den britischen Medien immer öfter Geschichten über getäuschte Käufer, denen ein Ausblick aufs Gebirge versprochen wurde, die aber nach dem Erwerb den Balkon der gegenüberliegenden Wohnung in so unmittelbarer Nähe haben, dass sie den Nachbarn die Hand schütteln können... Die weltweite Krise der Immobilien-und Finanzmärkte und der Bauboom in Bulgarien haben dazu geführt, dass die Käufer falsche Erwartungen hatten. Ein Weiterverkauf wird immer schwieriger. Viele der Käufer machten Verluste, weil sie für Instandhaltung, Gebühren und Steuer aufkommen müssen." (20.02.2008)

La Vanguardia - Spanien

Barcelona rückt näher an Madrid

Nach Jahren der Verzögerung und des Streits ist am 20. Februar der erste Hochgeschwindigkeitszug (AVE) zwischen Madrid und Barcelona gefahren. Die Zeitung bezeichnet diese neue Verbindung über eine Strecke von 621 Kilometern, die der Zug in guten zwei Stunden schafft, als sehr wichtig. So rückten die "beiden großen Wirtschafts- und Kulturmetropolen Spaniens näher zusammen.... Die neue Eisenbahnverbindung des 21. Jahrhunderts wird zweifellos sehr positive wirtschaftliche, soziale, touristische und kulturelle Folgen für die beiden Hauptstädte und ganz Spanien haben. AVE-Verbindungen sollen auch zwischen Barcelona, Lérida und Tarragona entstehen sowie nach Gerona. Die zeitliche Verkürzung der Strecke bedeutet auch eine Veränderung der Landkarte Kataloniens. Wirtschaft, Handel und die Demographie werden einen neuen Aufschwung erleben." (21.02.2008)

KULTUR

Sme - Slowakei

Slowakische (Alltags-)Geschichte im 20. Jahrhundert

Im Slowakischen Nationalmuseum ist eine groß angelegte Ausstellung über die Entwicklung des Landes im 20. Jahrhundert eröffnet worden. Der Historiker Dušan Kováč, der an der Konzeption beteiligt war, erklärt im Interview mit Jana Kadlecová: "Im 20. Jahrhundert hat die Slowakei zwei totalitäre Regime durchlebt, zwei Weltkriege und den Kalten Krieg. Unsere Geschichte war dadurch dramatisch und kontrovers. Wir wollten uns aber nicht nur mit den politischen Aspekten befassen... Bestimmte Alltagsgegenstände haben ja alle möglichen politischen Veränderungen überstanden. Ein Bügeleisen verändert nicht dadurch sein Aussehen, dass der Zweite Weltkrieg ausbricht. Am kompliziertesten war es, die neueste Geschichte darzustellen... Wenn wir Computer aufgestellt hätten und unsere ganze virtuelle Internet-Welt, wäre das für die Besucher nicht sonderlich attraktiv. Es ist leider so, dass sich die jüngste Geschichte für die museale Umsetzung schwer eignet." (21.02.2008)

New Statesman - Großbritannien

Popmusiker auf dem Weg in die Politik

Paul Evans schreibt über das politische Engagement von Musikern: Es gibt "eine kleine Gruppe von Musikern, die ihre Überzeugungen kenntnisreich und leidenschaftlich äußern können. Andere glauben fälschlicherweise, ihr Ruhm qualifiziere sie ausreichend, um sich über tagesaktuelle Ereignisse auszulassen... Nur sehr selten findet man erfolgreiche Musiker, die das dekadente und schnelllebige Popgeschäft ganz aufgeben und in die Welt langweiliger Treffen mit Bürgeriniativen eintauchen. Dave Rowntree, der Drummer von Blur, hat zu Verwunderung Anlass gegeben, als er vergangenes Jahr für Labour bei den Kommunalwahlen in der Marylebone High Street antrat. 'Billy Bragg hat gezeigt, dass man politisch und gleichzeitig ein erfolgreicher Musiker sein kann', argumentierte er. Während Musiker wie Bono sich mit Themen in Verbindung bringen, die ihrem Ego gut tuen, hat sich Rowntree aus Protest gegen die Schließung eines Altenheims in Westminster zur Kandidatur entschieden." (18.02.2008)

Dziennik Gazeta Prawna - Polen

Polen fehlt ein Museum für Gegenwartskunst

Während die polnische Gegenwartskunst im Westen große Erfolge feiere, gebe es in Polen nicht mal ein Museum für Gegenwartskunst, beklagt Adam Szymczyk im Gespräch mit Cezary Polak. Der Direktor der Basler Kunsthalle kuratiert in diesem Jahr die 5. berlin biennale für zeitgenössische kunst. "Wir können es uns nicht leisten, solch ein Museum nicht zu haben. Es ist unerhört und unzulässig, dass in einem großen europäischen Land kein Museum existiert, das die Arbeiten von Gegenwartskünstlern sammelt und dem Publikum einen Kontakt mit der Gegenwartskunst auf Weltniveau ermöglicht… Polnische Maler malen, Bildhauer schaffen Kunstwerke, Installationskünstler Installationen – und was passiert mit ihren Werken? Vor unseren Augen zerstreut sich die Kunst. Es gibt bei uns keine Institution, die eine systematische Sammelungspolitik betreiben würde. (20.02.2008)

LOKALE FARBEN

Atgimimas - Litauen

Wer hat die beste Bierkultur?

Litauen ist eine Biernation. Dem kann Egdunas Racius zustimmen. Nicht jedoch der Aussage, Litauen sei ein Land der guten Biere: "Ich muss klarstellen, dass ich kein Lobbyist von Bierbrauern oder -händlern bin, auch kein großer Experte, aber dafür ein Bier-Enthusiast. Litauen hat zwar eine gewaltige Bierindustrie, aber diese produziert keine gute Qualität... Immer wieder vergleiche ich unsere Lage mit der unserer nördlichen Nachbarn. Lettland und Estland können sich gewiss auch nicht damit brüsten, sonderlich berühmte Biernationen zu sein, doch die Bierkultur ist dort deutlich weiter entwickelt als bei uns. In Riga und in Tallinn findet man nicht nur zahlreiche Bars, in denen gezapft wird, sondern selbst die Einkaufszentren bieten eine enorme Vielfalt an Biersorten." (21.02.2008)

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