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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 26.03.2008

 

TOP-THEMA

Eine neue französisch-britische Freundschaft?

Eine neue französisch-britische Freundschaft?

 

Bei seinem Staatsbesuch in London am 26. und 27. März möchte der französische Präsident Nicolas Sarkozy ein neues "freundschaftliches Bündnis" mit Großbritannien schließen. Was bedeutet die verbesserte Zusammenarbeit zwischen den beiden Staaten für die EU? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
La Croix - Frankreich, Financial Times - Großbritannien, Der Tagesspiegel - Deutschland

La Croix - Frankreich

"Auf den ersten Blick scheint das heutige Treffen problematisch: Der extrovertierte Nicolas Sarkozy steht dem ernsten Gordon Brown gegenüber", findet Guillaume Goubert. "Aber schon jetzt gibt es eine paradoxe Komplimentarität zwischen dem ziemlich interventionistischen Konservativen und dem eher liberalen Linken. Wenn sie es schaffen, ihre Qualitäten zusammenzubringen, können sie bei vielen Themen Fortschritte erreichen, zum Beispiel bei der europäischen Verteidigung. Der Kontinent kann seine Sicherheit ohne ein klares Abkommen zwischen diesen beiden Ländern nicht verteidigen. London hält an seinen 'besonderen Beziehungen' zu den USA fest, Paris pflegt sein Image des rebellischen Verbündeten. Genau zwischen beiden Position verläuft der Weg auf militärischen Gebiet für ein reifes Europa: Weder Abhängigkeit noch Konfrontation im Verhältnis zu den USA." (26.03.2008)

Financial Times - Großbritannien

Dominique Moïsi vom französischen Institut für Internationale Beziehungen IFRI und David Manning, ehemaliger britischer Botschafter in den USA warnen vor den Gefahren eines Gipfels. "Leichtfertige Versprechen geraten schnell in Vergessenheit. Projekte bleiben rein rhetorisch und werden nicht Wirklichkeit. Wir hoffen, dass der französisch-britische Gipfel diese Woche anders wird und dass sofort mit einer Arbeit begonnen wird, die nicht nur für Großbritannien und Frankreich gut ist, sondern auch für Europa und die transatlantischen Beziehungen... Brown und Sarkozy sind von den französisch-britischen Differenzen in Bezug auf Irak unbelastet. Beide sind Agnostiker, was Europa betrifft. Schließlich führen beide Politiker Länder, die bei außenpolitischen Herausforderungen - von Afghanistan bis zum Balkan - Seite an Seite stehen und nun einen gemeinsamen Weg für den Umgang mit China und dem Russland Wladimir Putins und Dmitri Medwedews finden müssen." (26.03.2008)

Der Tagesspiegel - Deutschland

Der Besuch von Sarkozy in London diene vor allem der "Vergangenheitsbewältigung" und sei keine Konkurrenz zu den deutsch-französischen Beziehungen, meint die Tageszeitung. "Wie schon bei seinem Besuch in den USA im vergangenen November sucht Sarkozy auch in London einen politischen Neubeginn mit einem Partner, mit dem Frankreich während des Irakkriegs über Kreuz lag. Doch damit tut sich noch nicht unbedingt eine neue Ära in den europapolitischen Beziehungen zwischen Sarkozy und dem britischen Regierungschef Gordon Brown auf. Es stimmt schon, dass Kanzlerin Merkel und Sarkozy den Wert der deutsch-französischen Beziehungen nüchterner einschätzen als ihre Vorgänger. Zuletzt zeigte sich dies beim Streit über die Mittelmeerunion. Doch dies ändert nichts daran: Bis auf absehbare Zeit wird Großbritannien weiteren Versuchen zu einer europäischen Einigung stets skeptischer gegenüberstehen als Berlin oder Paris." (26.03.2008)

REFLEXIONEN

Libération - Frankreich

Olivier Esteves über die Geschichte des Boykotts

"In letzter Zeit ist kein Tag vergangen, ohne dass von Boykott die Rede war. Es ging um die Olympischen Spiele in Peking, aber auch um die Buchmesse zum 60. Jahrestag der Gründung Israels", schreibt der französische Historiker Olivier Esteves. "Boykott war immer eine Waffe der Schwachen gegen die Starken - mit einigen Ausnahmen, wie der Nazi-Boykott jüdischer Geschäfte. Er war die Waffe des Volkes, das sich gegenüber einer als übermächtig und ungerecht empfundenen Macht, sei sie politisch (Regierung) oder wirtschaftlich (internationale Konzerne), nur auf seine bloße Anzahl verlassen konnte. Offiziell entstand der Boykott 1880 in Irland, das damals noch unter britischem Joch lebte. Historisch ist Boykott mit den großen antikolonialen Kämpfen verbunden... Egal ob er ökonomisch (wie der Boykott von Textilien aus Großbritannien unter Ghandi), sozial oder politisch war, diese Art der Verbotserklärung basiert auf der Dynamik der großen Zahl." (26.03.2008)

Dilema Veche - Rumänien

Andrei Plesu über den Umgang mit belasteten Biografien

"Hat jemand, der vor 1989 kein oppositionelles Zeichen gegen die Diktatur gesetzt hat, heute das Recht, großspurig, radikal und kühn in der Öffentlichkeit aufzutreten - etwas, das er vorher nicht gemacht hat?", fragt der rumänische Philosoph Andrei Plesu. "Ich würde das bejahen... Frühere Feigheit verurteilt einen nicht dazu, weiterhin feige zu sein… Wegen eines unpolitisches Lebens oder scheinheiligen Lügen in der Vergangenheit hat man dennoch das Recht, heute zu einem richtigen Bürger, mit intensiv angeeigneter politischer Gesinnung und dezidierten Positionen, zu werden. … Bis hierhin sind die Dinge relativ klar, doch es bleibt manches ungeklärt: Weshalb tauchen peinliche Episoden aus der Biografie des einen oder anderen immer dann auf, wenn die betreffende Person politisch unbequem wird? Ist das tatsächlich eine Klärung der Vergangenheit oder einfach nur ein banaler Vergeltungsschlag?" (26.03.2008)

POLITIK

Corriere della Sera - Italien

Alitalia-Übernahme wird zum Wahlkampfthema

Das Übernahmeangebot von Air France-KLM für den italienischen Luftfahrtkonzern Alitalia ist innerhalb weniger Tage zu einem zentralen Wahlkampfthema in Italien geworden, bemerkt Massimo Franco. "Für lange Zeit haben die Mitte-Rechts-Parteien die Alitalia-Affäre aufgeblasen, um die x-te Niederlage der Prodi-Regierung zu präsentieren. Sie wollten einen in die Ecke getriebenen Walter Veltroni zeigen, der wegen seines Versprechens, sich von Prodi zu unterscheiden, in Verlegenheit geraten ist... Diese noch offenen Machenschaften sind ein Segen für die Partei Berlusconis, der Veltroni unbedingt in den Dunstkreis von Prodi drängen will, um so die Distanzierung, die der ehemalige Bürgermeister von Rom seit dem Beginn des Wahlkampfs versucht, zu verwischen." (26.03.2008)

Der Standard - Österreich

Große Koalition in Österreich rauft sich zusammen

Der österreichische Kanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und der Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) haben sich am Dienstag auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm verständigt. Damit sind ein Auseinanderbrechen der Großen Koalition und Neuwahlen abgewendet. Michael Völker begrüßt den für beide Seiten nicht einfachen Kompromiss: "Ja, die SPÖ ist umgefallen. Aber immerhin in die richtige Richtung. Sie hat etwas erreicht. Für Gusenbauer ist das ein Erfolg, er hat seinen Kopf gerettet... Und ja, die ÖVP hat sich durchgesetzt, aber sie hat auch etwas gegeben: Einer Vermögenszuwachssteuer zuzustimmen, ist für die Schwarzen ein großer Schritt... Kaum zu glauben, aber die große Koalition bewegt sich doch. Sehr behäbig und mit lautem Knirschen. Immerhin lässt sich jetzt sagen: Heuer wird nicht mehr gewählt." (26.03.2008)

The Irish Times - Irland

John McCain als Gefahr für Europa?

Der Politikwissenschaftler Anatol Lieven von der Universität Cambridge warnt vor einem Sieg von John McCain bei den US-Präsidentschaftswahlen. "Europa sollte darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn John McCain amerikanischer Präsident wird... Im Laufe der letzten Jahre haben sich die USA in potenzielle Krisengebiete in verschiedenen Teilen der Erde eingemischt. Die Republikaner stehen nun kurz davor, einen genuinen Brandstifter als denjenigen vorzuschlagen, der mit diesen Krisenherden umgeht... McCain hat zwar bei seinem jüngsten Besuch in London versprochen, mehr auf seine europäischen Verbündeten zu hören, doch diese Äußerungen muss man mit äußerster Vorsicht genießen. Es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass er die amerikanische Außenpolitik in wichtigen Fragen auf europäischen Vorschlag hin ändern wird... McCain ist für einen Angriff auf den Iran, um den Bau von Atomwaffen zu verhindern. Letztes Jahr wurde er dabei gefilmt, wie er 'Bomben, Bomben auf den Iran' zu der Melodie von 'Barbara Ann' von den Beach Boys sang... Außerdem leidet McCain unter einer Aversion gegen Russland, die stärker ist als in den USA allgemein üblich." (26.03.2008)

Cotidianul - Rumänien

Deutsche Nato-Gegner in Rumänien abgewiesen

Im Vorfeld des Nato-Gipfels im April in Bukarest ist eine Gruppe von sechs jungen Deutschen an der Grenze zu Rumänien festgehalten und wieder zurückgeschickt worden. Bei ihnen war Material für Protestaktionen gefunden worden. Alin Fumurescu kommentiert: "Wenn die Staatschefs nach Bukarest kommen, um über das Schicksal der Nato zu entscheiden, wird der Flugverkehr umgeleitet, die Kanaldeckel der Stadt werden zugeschweißt und 'verdächtige' Personen festgehalten. Über die sechs jungen Deutschen sagte ein Polizist: 'Wir haben bei ihnen Anti-Nato-, Anti-Globalisierungs- und Anti-Gewalt-Material gefunden.' Gott sei Dank, sollte man sagen, stattdessen heißt es: 'Wieso macht ihr Anarchisten mit euren Anti-Globalisierungsdemos unsere Feierlichkeiten kaputt?'... Nicht, dass ich mich selbst auf die Straße stellen und protestieren würde, aber als Durchschnittsbürger erschreckt mich der Gedanke, dass man nicht protestieren gehen darf und einem dieses Recht genommen wird - im Namen einer totalitären Demokratie." (26.03.2008)

The Herald - Großbritannien

Dezentralisierung in Großbritannien

Die Regionalregierungen in Großbritannien sind nach einem Mehrheitsreferendum in Wales und Schottland im September 1997 entstanden. 1999 wurden das schottische Parlament, die Nationalversammlung in Wales und die Nordirische Versammlung eingerichtet. Die schottische Zeitung schreibt: "Dezentralisierung ist eher ein Prozess als ein Ereignis. Wenn wir das akzeptieren, dann ist es unerlässlich, diesen Prozess immer wieder neu zu bewerten und Veränderungen bei der Institutionalisierung vorzunehmen. Der zehnte Jahrestag ist der richtige Moment, um die Dezentralisierung im Zusammenhang mit der Beziehung zwischen den einzelnen Verfassungsorganen des Vereinigten Königreichs neu zu bewerten. Das sollte als fester Bestandteil einer größeren Verfassungsdebatte gesehen werden, die gestern von Jack Straw angestoßen wurde." (26.03.2008)

MEDIEN

Die Welt - Deutschland

TV-Boykott der Olympischen Spiele?

Ulrich Clauß kommentiert die Ankündigung eines französischen TV-Sportchefs, im Falle von zensierten Bildern oder Berichten nicht über die Olympischen Spiele in Peking zu berichten: "In der Frage des Medienboykotts als Waffe gegen chinesischen Autoritarismus steckt für die Machthaber in China mindestens so viel Sprengstoff wie in dem Streit über einen Totalboykott durch einzelne Ländermannschaften. Denn an der globalen Medienpräsenz des olympischen Spektakels hängt dessen gesamte Finanzierung... Gern würde man von deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ähnlich klare Worte hören. Möglicherweise koordiniert man sich ja sogar international. Abgestimmtes Vorgehen ist beim Einkauf der Übertragungsrechte ja auch üblich. Die deutschen Öffentlich-Rechtlichen sollten aus ihrem langen Zaudern im Umgang mit den Pharma-Festspielen beim Radsport gelernt haben und klare Konditionen formulieren." (26.03.2008)

KULTUR

Le Temps - Schweiz

Der Sound der Schweiz

Thierry Jobin bespricht den Dokumentarfilm "Heimatklänge" von Stefan Schwietert, der sich mit traditionellen schweizerischen Gesangsarten, unter anderem dem Juchzer, befasst. Der Film kommt jetzt in die Schweizer Kinos. "Die ersten Einstellungen mit Juchzern vor Bergpanoramen lassen das Schlimmste fürchten. 'Heimatkläge' beginnt wie eine x-te Filmversion von Schweizertum... Aber nur einen Augenblick. Denn gerade dann, wenn der Zuschauer den Kinositz hochklappen lassen will, wird er wie ein Pfannkuchen gewendet. Selbst die Skeptischen, Widerstrebenden, die bei Jodlern die Krise bekommen und die es bei Flaggen schaudert, werden vom Wunder 'Heimatklänge' hingerissen sein... Was ist der Sound der Schweiz? Was ist der Sound unseres Lebens? Mit diesen Fragen, die sich der Normalsterbliche abgesehen von Nachbarschaftsstreitigkeiten selten stellt, experimentiert Stefan Schwietert. Er klebt Bilder auf die Musik und findet so zu seinem eigenen Ausdruck. Und das ergibt Sinn." (26.03.2008)

Népszabadság - Ungarn

Woche der polnisch-ungarischen Freundschaft

Derzeit findet in Ungarn die Woche der polnisch-ungarischen Freundschaft statt: Anlass für Veranstaltungen und das Gedenken an eine bewegte gemeinsame Geschichte mit Königen, Heiligen und Revolutionären. Gábor Miklós fragt, wie es um die tatsächliche Freundschaft zwischen Polen und Ungarn bestellt ist. "Heute können wir einander ohne Passkontrollen besuchen, aber tun wir das? Schicken wir unsere Kinder ins Ferienlager im anderen Land? Kennen wir die Bücher, Filme und intellektuellen Debatten Polens? Die finden dort nämlich auch heute statt: über Gesellschaft, Religion oder Mitteleuropa. Die politische Teilung der polnischen Gesellschaft ist zwar tief und Provinzialismus ein durchaus bekanntes Phänomen, aber dennoch ist die intellektuelle Atmosphäre spannend. Ich befürchte, dass man heute hier wie dort weniger Verständnis für den anderen hat als früher. Und wenn von Freundschaft gesprochen wird, werden alte, für heutige Generationen schwer verständliche Geschichten ausgegraben. Schade eigentlich." (26.03.2008)

LOKALE FARBEN

Postimees - Estland

Duzen wie in Schweden?

Vor vierzig Jahren führte Schweden die "Du-Reform" durch, nun ist in Estland eine Debatte entbrannt, ob das allgemeine Duzen wie in Schweden offizielle Praxis werden soll. Ignar Fjuk ist dafür: "Wir fühlten uns während der singenden Revolution sehr verbunden, als wir Schulter an Schulter beieinander standen. Damals waren wir eine große, glückliche Familie, in der sich alle Mitglieder duzen konnten. Und ich fühle ein gewisses Unbehagen, wenn im freundlichen, verständnisvollen Umgang ein amtliches Sie dominiert, das Distanz markiert. Unabhängig von Alter, Geschlecht und Status sehe ich lieber jemandem ins Auge und frage ihn direkt: 'Wie geht es dir? Womit kann ich dir dienen?' Siezen mag ich nicht." (26.03.2008)

Pražský deník - Tschechien

Stirbt das traditionelle tschechische Bier?

Der niederländische Brauereikonzern Heineken hat mehrere Brauereien in Nordböhmen gekauft und wird damit zum drittgrößten Anbieter im traditionellen Bierland Tschechien. Ivan Hoffman kommentiert: "Kauft Heineken diese Brauereien, um sie zu schließen? Beginnt das Unternehmen sein eigenes Bier in Tschechien zu brauen? Oder klebt es auf das tschechische Bier nur seine eigenen Etiketten?... So lange die Leute ihren regionalen Marken vertrauen, werden sie diese auch bekommen. Auch wenn sich unter der Mehrheit dieser Marken bereits ein Eurobier versteckt, das ökonomischer und schneller reift als das gewohnte tschechische. Nicht Heineken, sondern der tschechische Biertrinker entscheidet am Ende darüber, ob das tschechische Bier aus den kleinen Brauereien, das noch in traditioneller Weise gebraut wird, überlebt." (26.03.2008)

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