Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 04.04.2008

 

TOP-THEMA

Die Nato wird größer

Die Nato wird größer

 

Beim Nato-Gipfel in Bukarest haben sich die Staats- und Regierungschefs auf den Beitritt Kroatiens und Albaniens zum Militärbündnis geeinigt. Der Beitritt Mazedoniens als dritter Balkanstaat scheiterte am Widerstand Griechenlands. Für die Ukraine und Georgien hingegen ist die Mitgliedschaft in der Allianz vorerst in weite Ferne gerückt. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Der Standard - Österreich, Postimees - Estland, Neue Zürcher Zeitung - Schweiz, The Daily Telegraph - Großbritannien, Hospodářské noviny - Tschechien

Der Standard - Österreich

Markus Bernath lobt, dass es Angela Merkel und Nicolas Sarkozy gelungen ist, den Beitritt der Ukraine und Georgiens - gegen den Willen Amerikas - in unbestimmte Zukunft zu verschieben. "Der nun zutage getretene deutsch-französische Bund im Bündnis ist das eigentliche Ereignis von Bukarest. Angela Merkel und Nicolas Sarkozy haben das Ende der Ära Bush und des jüngsten Kapitels amerikanischen Unilateralismus besiegelt, noch bevor der republikanische Präsident das Weiße Haus verlassen hat. Die Europäer sind nicht dabei, das Kommando in der Allianz zu übernehmen, die mit dem anstehenden Beitritt Kroatiens und Albaniens nun bald 28 Mitglieder zählen wird, doch die Gewichte erscheinen heute austarierter als noch vor ein paar Monaten. Denn Angela Merkel kann auch auf andere Gleichgesinnte in der Nato zählen - auf alte Mitgliedsstaaten wie Italien, Spanien oder Portugal, die der Kurs der amerikanischen Außenpolitik in den vergangenen sieben Jahren zunehmend von Washington entfremdet hat." (04.04.2008)

Postimees - Estland

Die estnische Zeitung zeigt sich enttäuscht, dass die Ukraine und Georgien nicht in den Aktionsplan MAP der NATO aufgenommen worden sind. Estland hatte sich vehement für einen Beitritt dieser Länder eingesetzt. "Das ist auch ein Rückschlag für die estnische Außenpolitik, die darauf hingearbeitet hat, diesen beiden Ländern so rasch wie möglich eine Beitrittsperspektive zu verschaffen. Die estnische Außenpolitik steht damit vor einer Reihe schwieriger Fragen: War es richtig, allein auf die USA zu setzen, und wie soll dem Widerstand aus Deutschland und Frankreich begegnet werden? Oder wartet man einfach ab, bis die Allianz Georgien und der Ukraine ihre Chance gewährt?" (04.04.2008)

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

"Wäre es nicht an Athen, dem kleinen Nachbarn im Norden noch einen Schritt weiter entgegenzukommen?", fragt Cyrill Stieger anlässlich des Vetos Griechenlands gegen einen Beitritt Mazedoniens wegen des Namensstreits. "Griechenland ist ein stabiler Staat, seit langem Mitglied in der EU und in der Nato. Anders die junge Republik Mazedonien mit ihrer grossen albanischen Minderheit und dem neuen Nachbarstaat Kosovo, von dem niemand weiss, wie er sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Mazedonien stand 2001 am Rande eines Bürgerkriegs. Mit seinem Veto hat Griechenland nicht nur Mazedonien geschadet, für das die Einladung in die Nato als eine Art Garantie für die nach wie vor gefährdete staatliche Existenz von grösster Bedeutung gewesen wäre. Mit seiner starren Haltung schneidet sich Athen auch ins eigene Fleisch, denn die Aufnahme Mazedoniens in die Nato wäre ein wichtiger Schritt zur weiteren Stabilisierung des Balkans. Davon würde auch Griechenland profitieren." (04.04.2008)

The Daily Telegraph - Großbritannien

"Die Taliban werden sich schon die Hände reiben. Die nächsten ernsthaften Kämpfe in Afghanistan stehen unmittelbar bevor und unter den westlichen Ländern deutet sich keine Lösung für die tiefe Spaltung an, die alle Versuche des Wiederaufbaus des Landes stark behindert hat", schreibt Con Coughlin. "George Bush hatte seine überzeugenden Argumente für eine Erweiterung der Allianz in Süd- und Osteuropa kaum genannt, da hatten sich bereits die anderen Mitgliedsstaaten zusammengerottet, um seine Bestrebungen zu vereiteln. Die amerikanische Position ist ganz einfach. Die Nato hat den Kalten Krieg gewonnen und deshalb sollte sich die Nato an ihrer Kriegsbeute erfreuen... Die Bedenken der Deutschen, Franzosen und Griechen angesichts einer Nato-Erweiterung würden an Stärke gewinnen, wenn sie ihr Gewicht dort in die Waagschale werfen würden, wo es wirklich zählt: bei dem Versuch, die Taliban zu besiegen... Die Nato hat den Kalten Krieg gewonnen, aber wenn es in diesem Tempo weitergeht, wird es noch lange dauern, bis sie einen Sieg in Afghanistan verkünden kann." (04.04.2008)

Hospodářské noviny - Tschechien

Martin Ehl freut sich, dass die Nato sich nun hinter das Projekt der Raketenabwehr in Polen und Tschechien stellt und Moskau zur Aufgabe seines Widerstands dagegen aufgefordert hat. "In Westeuropa gibt es ein größeres Bedürfnis, sich gegenüber den Vereinigten Staaten abzugrenzen. Der Osten des Alten Kontinents sieht hingegen in der Verbundenheit mit Washington die Garantie gegen russisches Expansionsbestreben, ob es nun in Gestalt von Soldaten auf Panzern oder als Außenhändler von Gasprom daher kommt. Unter diesen Umständen die Unterstützung der Allianz für den Raketenschutzschild zu bekommen – mit der auch die tschechischen Grünen und die Sozialdemokraten zufrieden sein können – kommt einem kleinen Wunder gleich." (04.04.2008)

REFLEXIONEN

Le Temps - Schweiz

Marie-Helène Miauton über die Olympischen Spiele als Medienritual

Marie-Hélène Miauton, Direktorin eines Schweizer Meinungsforschungsinstituts, glaubt nicht an die Boykottdrohungen für die Olympischen Spiele in Peking. "Das Hochamt der Olympischen Spiele hat seine festen Abläufe, echte Medienrituale, die Punkt für Punkt eingehalten werden müssen... Immer wenn das Ereignis unmittelbar bevorsteht, tauchen kritische Kommentare auf. Im aktuellen Fall sind es Themen wie die Umweltverschmutzung, - was ohnehin gerade in Mode ist - die Zerstörung historischer Stadtviertel und natürlich politische Vorbehalte. Diese Aufwallungen im Vorfeld haben die Karthasis zum Ziel. Führen sie doch dazu, dass diese störenden Fragen während der heiligen Zeit der Spiele ausbleiben. Dann werden nur noch Rekorde auf den Titelseiten der Zeitungen vermeldet. Und sind die Klänge der Abschlussfeier erst einmal verklungen und die Medaillenbilanz für jede Nation errechnet, tauchen die Fragen nach dem Geld wieder auf... Wir müssen uns nicht verrückt machen, wir liegen genau in der Zeit: Weder die Eröffnungszeremonie noch die Olympischen Spiele selber werden boykottiert werden." (04.04.2008)

Le Monde - Frankreich

Caroline Fourest über die Vielfalt des türkischen Islam

Das türkische Verfassungsgericht hat ein Verbotsverfahren gegen die Regierungspartei AKP eröffnet. Die islamisch-konservative Partei sei jedoch nicht in der Lage, einen islamischen Staat zu schaffen, meint Caroline Fourest, Exlamexpertin und Herausgeberin des Magazins Prochoix: "Der Unterschied zwischen dem türkischen und dem arabischen Islamismus besteht in der Vielfältigkeit der türkischen Gesellschaft und selbst des türkischen Islams. Die religiöse Praxis in der Türkei ist kein monolithischer sunnitischer Block, sondern es wimmelt von sufischen, schiitischen, christlichen und sogar freimauerischen Einflüssen... Hoffen wir, dass die Kemalisten am Ende verstehen, dass diese kulturellen und intellektuellen Kräfte ein viel wirksameres Gegenmittel gegen den Fundamentalismus darstellen als ihre autoritären und antidemokratischen Methoden. Aber wir sollten auch nicht so naiv sein, zu glauben, dass die türkischen Islamisten in der Regierung auch dann ungefährlich und gemäßigt wären, wenn es diese vielen Gegenkräfte nicht gäbe." (04.04.2008)

POLITIK

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Türkische Innenpolitik und die Zypernfrage

Das innenpolitische Zerwürfnis in der Türkei könnte auch die Aussöhnung auf Zypern gefährden, meint die Zeitung und erinnert daran, dass noch immer 40.000 türkische Soldaten im Norden der Insel stationiert sind. "Nur wenn sie abziehen, haben die beiden Volksgruppen auf Zypern eine Chance auf eine gemeinsame Zukunft. Die türkische Armee und die mit ihr verbündeten nationalistischen Kräfte aber haben sich in Ankara in einen Machtkampf mit der Regierung verstrickt. Deshalb wird das Militär auf Zypern keinesfalls zurückweichen, auch weil die meisten Generäle gar nicht daran denken, der Europäischen Union entgegenzukommen. Für die Zyprer ist es tragisch, dass die Türkei gerade jetzt mit ihren inneren Kämpfen beschäftigt ist - während auf der Insel erstmals auf beiden Seiten Politiker das Sagen haben, die wirklich die Teilung überwinden wollen. Wer sie stärken möchte, der sollte den türkischen Zyprern die Tür in die EU weit offen halten." (04.04.2008)

Lietuvos Rytas - Litauen

Ist Vilnius kein "Jerusalem des Nordens" mehr?

Kristina Sabaliauskaite ist empört, dass die litauische katholische Kirche nicht stärker gegen antisemitische Parolen und Skinhead-Aufmärsche in Vilnius protestiert. "Vilnius war immer ein Vorbild an Toleranz, eine Stadt, in der niemand wegen seiner Nationalität oder seiner Religion diskriminiert wurde. Jahrhundertelang gaben die katholischen Bischöfe von Vilnius der Stadt den Namen 'Jerusalem des Nordens', nicht nur wegen der großen jüdischen Gemeinde, sondern auch wegen des Zusammenlebens vieler Religionsgemeinschaften. Sie ließen keine Verfolgungen zu. Kann man das auch von den heutigen Kirchenoberen behaupten, die zwar versuchen, Einfluss auf das Leben der litauischen Gesellschaft zu nehmen, bis in die Bereiche wie Familienplanung und Abtreibung, gleichzeitig aber schweigen, wenn Skinheads an der Kathedrale vorbeimarschieren?" (04.04.2008)

WIRTSCHAFT

Hufvudstadsbladet - Finnland

Island und die Bankenkrise

Ausgerechnet Island leidet von den europäischen Staaten derzeit am meisten unter der Bankenkrise. Das liegt unter anderem daran, dass die größten Geldinstitute Islands Beteiligungen mit Fremdkapital erworben haben und nun stark von der Kreditkrise betroffen sind. Damit könnten Turbulenzen für alle nördlichen Länder ins Haus stehen, warnt Björn Sundell: "Die Frage ist, was passiert, wenn das isländische Bankensystem mitsamt seinen Verzweigungen im übrigen Norden ins Wanken gerät oder gar kollabiert. In den letzten Monaten haben wir erlebt, wie Zentralbanken rund um die Welt gemeinsame Maßnahmen ergriffen haben, um die Folgen der Turbulenzen auf dem Kreditmarkt aufzufangen. Ein Land in der Krise hat die Hilfe der Umwelt verdient. Wenn Island gezwungen ist, wie Premier Geir Haarde andeutet, gegen Spekulanten vorzugehen, ist sogar akute Hilfe angesagt. Aber diese Hilfe darf nicht dazu führen, dass die Risiken, die die Isländer selbst eingegangen sind, auf die übrigen nordischen Länder übertragen werden." (04.04.2008)

El País - Spanien

Die Mafia in Spanien

In Spanien hat sich durch die Öffnung des Marktes die Mafia eingenistet, beklagt der Soziologe Ignacio Sotelo: "Jennifer Sands von der Universität Leeds hat die politischen und sozialen Faktoren analysiert, die zur Ansiedlung und Entwicklung der Mafia in Spanien beigetragen haben. Sie hat herausgefunden, dass es in Spanien viel leichter als in anderen wirtschaftlich vergleichbaren Ländern ist, Geld zu waschen... Mafiageld, das durch Drogenhandel eingenommen wird, trägt erheblich zu dem ökonomischen Wachstum bei, an dem wir uns erfreuen. Aber das ist ein Tabuthema. Politik und Gesellschaft haben sich darauf verständigt, nicht darüber zu sprechen. Ich weiß nicht, ob es sich tatsächlich um die Kehrseite Spaniens handelt, doch es ist das Schlimmste zu befürchten, wenn wir nicht mit sinnvollen Maßnahmen dagegen vorgehen, solange noch Zeit dafür ist." (04.04.2008)

KULTUR

Libération - Frankreich

Arabische Künstler auf der "Artparis"

Der Kunsthistoriker Brahim Alaoui hat die Ausstellung "Traversées" kuratiert, die zur Zeit auf der Pariser Messe für zeitgenössische Kunst "Artparis" gezeigt wird. Im Interview mit Henri-François Debailleux erklärt er die derzeitige Begeisterung für Künstler aus dem Maghreb oder dem Nahen Osten. "Nach dem 11. September hat man entdeckt, dass diese Künstler und Intellektuellen Misständen Ausdruck verleihen, die auf dieser Welt schon seit Jahrzehnten bestehen. Sie kämpfen gegen Tabus und alle Arten von Fanatismus... Zudem sprechen diese Künstler nicht ausschließlich von ihren Problemen, sondern fordern ihr Recht ein, zur Welt dazuzugehören. Sie sind nicht mehr die Botschafter ihres Herkunftsortes, ihrer Region, ihres Landes. Sicher, sie versuchen Dinge ausdrücken, die bei ihnen aktuell sind, aber genauso im Rest der Welt." (03.04.2008)

El Mundo - Spanien

Alessandro Baricco über "barbarische" Entwicklungen

In Spanien kommt gerade das neueste Buch des italienischen Autors Alessandro Baricco auf den Markt, eine Aufsatzsammlung mit dem Titel "Die Barbaren". Im Gespräch mit Francisco Chacon erläutert Baricco seine Beobachtungen über Veränderungen in Gesellschaft und Kultur: "Man sieht es an den Studenten, die nicht mehr studieren, an all den Büchern, die nicht mehr gelesen werden, und all den Museen, die nicht mehr besucht werden. Wir wissen nicht, wohin uns diese Veränderungen führen. Es ist die Aufgabe von uns Intellektuellen, sich damit zu beschäftigen... Google ist ein typisch 'barbarisches' Modell. Man surft im Internet, ohne jemals in die Tiefe zu gehen. Trotzdem surfen wir alle, ebenso oberflächlich wie effektiv... Das Internet hat ähnlich revolutionäre Auswirkungen wie damals die Erfindung des Buchdrucks. Man befürchtete das Ende der mündlichen Kultur... Diese Erfindung hat schließlich zu einer enormen Umwälzung geführt, die aber eine große Bereicherung war. Genauso ermöglicht Google heute jedermann den Zugang zu Kultur." (04.04.2008)

LOKALE FARBEN

Klassa - Bulgarien

Bulgarien braucht eine richtige Autobahn

Ein Autobahnring soll alle Schwarzmeeranrainer verbinden. Das Projekt ist Bestandteil der seit den 1990er Jahren existierenden "Schwarzmeer-Wirtschaftskooperation". Die bulgarische Tageszeitung kommentiert böse: "So ein Megaprojekt ist wunderbar. Es übersteigt bei weitem den Begriff Autobahnring, da es Südosteuropa mit der Kaspischen Region und Zentralasien verbinden soll. Der wunde Punkt ist nur, dass es in Bulgarien immer noch keine Autobahn gibt, die an den Ring angeschlossen werden könnte. Bulgarien ist der einzige EU-Staat, der über keine einzige fertig gebaute Autobahn verfügt, und die Regierenden wissen das ganz genau. Das scheint sie nicht davon abzuhalten, uns weiterhin an neuen Projekten zu beteiligen. Von der über unser Territorium geplanten 103 km langen Schwarzmeer-Strecke Varna-Burgas sind nur 10 km vorhanden. Deshalb wäre es für die Regierung angebracht, bis zum Ende ihres Mandats wenigstens eine Autobahn fertig zu bauen, statt neue Megaprojekte zu verkünden." (03.04.2008)

The Guardian - Großbritannien

Bier und die Entwicklung der britischen Gesellschaft

"Andere große Brauerei-Nationen feiern den Beitrag, den das Bier zu ihrer Entwicklung als zivilisierte Gesellschaften geleistet hat, indem sie ihm Museen widmen... Großbritannien hingegen wird sein einziges Brauerei-Museum von Bedeutung verlieren, denn das Coors-Besucherzentrum in Burton-on-Trent schließt", beklagt der Bierkritiker Roger Potz. "Vor 20 Jahren fing es als Bass Museum an. Aber Bass verkaufte seine Brauereien im Jahre 2000 an Coors, ein riesiges amerikanisches Bier-Unternehmen... Die kleine Stadt Burton lebte von ihren Brauereien und deren Arbeiterheerscharen. Die Bierbrauer entwickelten sogar private Eisenbahnen, die sie ans nationale Schienennetz anschlossen. Als 1860 in London die St. Pancras Station gebaut wurde, plante man Kellergewölbe ein, in denen die großen Holzfässer mit Ale aus Burton lagerten. Diese ganze Geschichte wird im Burton Museum brillant gezeigt. Außerdem wird gezeigt, in welcher Form Bier und Brauen treibende Kraft in der britischen Gesellschaft waren. Dieses Museum und die darin enthaltene Geschichte sollten nicht dem Rotstift von Coors zum Opfer fallen." (04.04.2008)

Weitere Inhalte