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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 07.04.2008

 

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Abschied in Sotschi

Abschied in Sotschi

 

Der amerikanische Präsident George W. Bush und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin sind zu einem letzten Treffen als Staatschefs in Sotschi an der russischen Schwarzmeerküste zusammengekommen. Im Anschluss an den Nato-Gipfel in Bukarest sollten zentrale Streitpunkte in den Beziehungen beider Länder geklärt werden. Der Ton war demonstrativ freundschaftlich - über den Raketenschild in Osteuropa wurde allerdings keine Einigung erzielt. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Le Figaro - Frankreich, Gazeta Wyborcza - Polen, Delo - Slowenien, Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Le Figaro - Frankreich

Fabrice Nodé-Langlois kommentiert den Vorschlag Bushs, mit Putin als "gleichberechtigtem Partner" bei der Raketenabwehr zusammenzuarbeiten: "Man kann sich beim jetzigen Stand der internationalen Beziehungen und der europäischen Verteidigung nur schwer das Funktionieren einer Waffe vorstellen, die gleichzeitig in Moskau, Washington und Brüssel gezündet werden muss. Ebenfalls schwer vorstellbar ist, dass das amerikanische Verteidigungsministerium auf den Raketenabwehrschirm verzichtet, weil die Russen dagegen sind, während ihn die Nato befürwortet. Trotzdem haben Bush und Putin versucht, ihr 28. Treffen unter das Motto Zukunft und Zusammenarbeit zu stellen. Sie haben ihre - zumindest scheinbar – gute und direkte persönliche Beziehung in den Vordergrund gestellt, um eine eher mittelmäßige, um nicht zu sagen katastrophale Bilanz zu kaschieren." (07.04.2008)

Gazeta Wyborcza - Polen

George Bush sei Wladimir Putin in Sotschi beim Raketenschild weit entgegengekommen, indem er eine gleichberechtigte Einbindung Russlands in das Projekt zugesagt habe, meint Marcin Wojciechowski. Er warnt vor einer zu nachgiebigen Russlandpolitik des Westens. "Obwohl Russland immer noch zu schwach, arm und technologisch rückständig ist, um mit den USA oder Westeuropa Schritt zu halten oder ihre Entscheidungen tatsächlich zu blockieren, so versucht es doch, Einfluss auf diese Länder auszuüben. Russland erzwingt immer wirksamer, dass man seine Stimme nicht ignoriert... Russland ist bereit zu einem Bündnis mit dem Westen, aber zu einem hohen Preis. Länder wie Polen sollten darauf achten, dass er nicht zu hoch ist und die Souveränität der anderen nicht einschränkt." (07.04.2008)

Delo - Slowenien

Die Moskau-Korrespondentin Polina Frehlih lässt das Verhältnis Bush-Putin Revue passieren: "Etliche Male wurden hochtrabende Worte über die Freundschaft gewechselt. Das begann schon beim ersten Treffen in Brdo bei Kranj 2001, als Bush mit der Aussage, er habe Putin in die Augen geschaut und seine Seele gesehen, Geschichte schrieb. Trotz zeitweiliger Spitzzüngigkeiten, wie Putins Vergleich von Bush mit Hitler, hat sich ihr Verhältnis vertieft. Bald trafen sich die Präsidenten auf fast freundschaftlicher Ebene und ohne Krawatte. Vermutlich gerade wegen dieser zwischenmenschlichen Ebene in den russisch-amerikanischen Beziehungen ist das Ganze nicht in einen neuen Kalten Krieg übergegangen. Das reicht bereits dafür, dass die beiden in die Geschichte eingehen werden." (07.04.2008)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Das letzte Treffen der beiden Präsidenten sei vor allem von einer "sentimentalen Stimmung" geprägt gewesen, findet Sonja Zekri. "Nichts von dem, was die beiden Präsidenten in Sotschi präsentierten, ist unumkehrbar... Dass ein paar schöne Stunden am Schwarzen Meer und ein exquisites Abendessen nicht ausreichen würden, um den monatelangen Streit um den US-Raketenschild in Osteuropa endgültig auszuräumen, hatte sich schon vorher angedeutet... Amerika hat Russland in den vergangenen Jahren weitgehend links liegen gelassen. Das war fahrlässig. Russland hat sich in eine Krawallrhetorik hineingesteigert, die selbst berechtigte Anliegen übertönt hat. Das war riskant. Die Signale aus Sotschi lassen ein gewisses Erschrecken über diese Entwicklung erkennen, sie zeigen aber auch, wie schwer es inzwischen geworden ist, das Ruder herumzureißen." (07.04.2008)

REFLEXIONEN

Le Soir - Belgien

Dominique Bourg über Umweltgerechtigkeit

Der französische Philosoph Dominique Bourg spricht im Interview mit Christophe Schoune über Umweltschutz und Gerechtigkeit. "So zu tun, als könne der technische Fortschritt uns retten, ist ein Scherz. Ich habe diese Illusion satt, dass wir durch Wachstum oder technische Weiterentwicklungen, so wichtig sie auch sein mögen, davonkommen könnten. Das ist falsch. Wenn wir die jetzige Situation angehen und dramatische Entwicklungen von der Mitte des Jahrhunderts an vermeiden wollen, muss der Rohstoffstrom - inklusive Energie - abnehmen... Wenn das wirklich auf substanzielle Weise geschehen soll, etwa in Form von Entmaterialisierung oder Wirtschaftskreisläufen... ist die Frage der Gerechtigkeit zentral. Fortschritte im Umweltbereich müssen durch eine Umverteilung des Reichtums geschehen und so für alle erreichbar werden, sonst gehen sie zu Lasten der immer gleichen Länder und funktionieren nicht. Das könnte auf einen weltweiten Zusammenbruch hinauslaufen. Ohne Umweltgerechtigkeit wird es das Chaos." (07.04.2008)

taz - Deutschland

Ralf Dahrendorf relativiert 1968

Der Soziologe Ralf Dahrendorf versucht in einem Gespräch mit Susanne Lang und Jan Feddersen die deutsche Studentenrevolte von 1968 zu entmythologisieren: "Ich bin fest davon überzeugt, dass die eigentlichen Reformen vor 1968 mit dem Beginn der Brandt-Scheel-Regierung geschehen sind, '68 war im Grunde ein Schlusspunkt, nicht der Anfang. Nehmen Sie die große Bildungsdiskussion - die Reform des Bildungsbürgerrechts wurde 1963/64 umgesetzt. Und [Willi] Brandts Regierungserklärung, ja, die war unglaublich, toll. Aber wenn man sie sich genauer ansieht, beinhaltet sie keine Vorschläge für Veränderungen mehr... Jedenfalls sehe ich '68 eher als Schlusspunkt einer Reformbewegung, nicht als Beginn des Aufbruchs." (05.04.2008)

Le Temps - Schweiz

Juliet Fall über die Schweiz und die italienische Müllkrise

Der Schweizer Kanton Genf hatte sich vor kurzem geweigert, den Müll aus der Krisenregion Neapel zu entsorgen. Die kanadisch-schweizerische Geografin Juliet Fall analysiert diesen Fall: "Offenbar konnten wir gerade eben noch das Eintreffen eines ganzen Müllgebirges abwenden... Zwischen falschen Erklärungen und echten Diskussionen wurden die Gerüchte über den neapolitanischen Müll vor allem durch die fremdländische Herkunft dieser Abfälle genährt. Diese Gerüchte waren deshalb so erfolgreich, weil sie nicht nur symbolisch auf die Nation als Körper anspielten, sondern auch unserer Angst vor Globalisierung Ausdruck verliehen, die wir immer weniger im Griff haben... Dieses Angstszenario, das ständige Verweisen auf den gefährlichen Müll aus dem Ausland, trägt direkt zur Bildung der nationalen Identität bei: Indem man den Anderen als gefährlich und aufdringlich darstellt, definiert man sich selbst. Beschreibt man also den neapolitanischen Müll als direkte Bedrohung für das Schweizer Territorium und seine Bevölkerung, dann zeigen die verschiedenen Positionen in dieser Diskussion, wer wir sind - und wer die Anderen." (07.04.2008)

POLITIK

Evenimentul Zilei - Rumänien

Annäherung zwischen Rumänien und Russland

Der Besuch von Russlands Präsident Putin anlässlich des Nato-Gipfels war der erste Besuch eines russischen Staatschefs in Rumänien seit 1990. Florian Bichier sieht darin einen Neuanfang: "Die pathologische Angst vor den Russen kommt durch unsere Außenpolitik und zu Recht aus der Geschichte. Es ist schwer, die 50 Jahre Kommunismus einfach wegzuwischen. Der Beitritt Rumäniens in die Nato war eine Revanche. Trotzdem gibt es eine Menge Menschen, die auf gute Beziehungen zu Russland hoffen... Jetzt zeichnet sich ein Weg für einen Dialog zwischen Russland und Rumänien ab, deren Beziehungen seit 2005 alles andere als freundschaftlich waren. Putins Einladung an Basescu, Moskau zu besuchen, ist mehr als eine protokollarische Geste." (07.04.2008)

Tribune de Genève - Schweiz

Die schwierige Integration der Roma in Rumänien

Am 8. April wird der Internationale Tag der Sinti und Roma begangen. Aus diesem Anlass beschäftigt sich Emmanuel Drevon mit der Situation der Roma in Rumänien, dem europäischen Land mit den meisten Roma: "Die Regierung ist sich der Situation und des internationalen Drucks bewusst. Sie spart nicht an Mitteln und Initiativen, um die Integration eines Volkes zu ermöglichen, das lange Zeit als nomadisch galt, aber heute größtenteils sesshaft geworden ist. Doch trotz dieses guten Willens ist die Situation der Roma noch lange nicht geregelt... Paradoxerweise bemüht sich dieses Land einerseits sehr um die Roma, während andererseits manche Rumänen hinter vorgehaltener Hand meinen, diese Integration sei nur Augenwischerei, Zeit- und Geldverlust und geschähe sogar gegen den Willen der Roma. Trotzdem freuen sich alle über den EU-Beitritt. Der Romafrage sollte noch mehr Beachtung geschenkt werden. Rumänien ist sich bewusst, dass es mit dieser schwierigen Aufgabe alleine da steht." (05.04.2008)

Jyllands-Posten - Dänemark

AKP-Verbotsverfahren als Gefahr für den EU-Beitrittsprozess

Das Verbotsverfahren gegen die türkische Regierungspartei AKP beim türkischen Verfassungsgericht und ein politisches Betätigungsverbot für 71 AKP-Politiker, darunter Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, könnten den EU-Beitritt der Türkei erschweren, schreibt die Zeitung: "Die EU braucht die Türkei als Brückenkopf zur islamischen Welt. Aber solange die Türkei das kulturelle und politische Ungleichgewicht, das einige europäische Länder und nationalistische türkische Politiker als Argument gegen eine EU-Mitgliedschaft anführen, selbst verstärkt, ist es schwierig, sie als das geeinte Land zu betrachten, das die EU benötigt. Das Problem wird nicht eben geringer, wenn immer weniger Türken an die Vorteile einer EU-Mitgliedschaft glauben. Die Türkei ist dabei, ihre zahlreichen Anstrengungen, ein akzeptiertes Mitglied der europäischen Gemeinschaft zu werden, selbst zu unterminieren." (07.04.2008)

KULTUR

Svenska Dagbladet - Schweden

Demokratievermittlung in Dänemark

2006 legte die dänische Regierung einen offiziellen Kulturkanon vor, 2008 präsentierte sie einen Demokratiekanon, um in Schulen, Bildungseinrichtungen oder in den Medien Kenntnisse über die Prinzipien von Freiheit und Demokratie in Dänemark zu vertiefen. Die schwedische Zeitung kommentiert: "Nachdem er die erste Runde im Kulturkampf gegen ideologische Gegner am linken Rand gewonnen hat, wendet sich der [dänische] Regierungschef in der zweiten Runde gegen religiöse Fundamentalisten mit politischem Anspruch. Er hat eingesehen, dass es immer noch starke Kräfte gibt, die den Sieg der liberalen Demokratie nicht als Endpunkt der Geschichte betrachten. Nicht alle lieben persönliche und politische Freiheit. Aber ist es wirklich Aufgabe des Staates, einen Demokratiekanon herauszugeben? Die Antwort lautet: Der Krieg der Ideen zwischen Totalitarismus und Liberalismus kann nicht mit militärischen Mitteln gewonnen werden." (07.04.2008)

El País - Spanien

Über den Kunstzirkus

Der Kunstkritiker Angel González geht in seinem gerade in Spanien erscheinenden Buch ("Malen, ohne die geringste Ahnung zu haben") hart mit der zeitgenössischen Kunstproduktion ins Gericht. In einem Interview mit Fietta Jarque beklagt er den "gigantischen Kunstzirkus". "An dieser Farce sollten wir nicht teilnehmen. Wir sollten lieber die zeitgenössischen Museen oder allgemein die Museen bestreiken. Sie haben mit Kunst nichts mehr zu tun, sie sind Teil der Bilderindustrie geworden. Es ist bedauerlich, dass die Kunst, die das Dasein der Menschen eigentlich angenehmer machen soll, für soviel Obsessionen, Sorgen und Wahn sorgt. Und dann müssen wir erleben, wie uns diese Künstler langweilen... Wo können wir noch einen netten Augenblick erleben? Ich sage meine Studenten immer: 'Solange es noch Diskotheken gibt, ist nicht alles verloren.'" (05.04.2008)

Libération - Frankreich

Die "Satanischen Verse" auf der Bühne

Nathalie Versieux hat sich die erste Theateradaption der "Satanischen Verse" Salman Rushdies am Hans-Otto-Theater in Potsdam angeschaut. "Die Polizei agierte diskret und die wütenden Demonstrationen religiöser Fanatiker, die die Veranstalter befürchtet hatten, blieben aus. Die meisten muslimischen Organisationen in Deutschland hatten zur Mäßigung aufgerufen. Aber auch auf der Bühne passierte wenig - trotz all des Gestikulierens, Herumgeschreies und der Ton- und Lichteffekte, die der Regisseur Uwe-Eric Laufenberg offenbar bevorzugt... Laufenbergs Inszenierung hat an vielen Stellen eher etwas von einer schlechten Farce und wird sicher nicht in die deutsche Theatergeschichte eingehen... Die Kritiken reklamierten vor allem die Abwesenheit des interkulturellen Dialogs, den das Theater angekündigt hatte. Das Wichtigste an dem Stück ist, dass es dieses nun gibt." (05.04.2008)

SPORT

The Daily Telegraph - Großbritannien

Hindernislauf des olympischen Feuers

Der Fackellauf mit dem olympischen Feuer durch London wurde von Protesten und Handgreiflichkeiten begleitet. Jim White verteidigt die Sportler, die sich auf einmal inmitten eines geopolitischen Konflikts befinden. "Wenn man nach dem Ärger geht, dem gestern Ausdruck verliehen wurde, dann scheint es, als wären Sportler die einzigen, die mit China Umgang haben... Warum fragt niemand bei den Banken nach, die Filialen in Schanghai eröffnen...? Wie kommt es, dass heute allein dem Sport ein Gewissen abverlangt wird?... Dass die Olympischen Spiele in China stattfinden, trägt mehr dazu bei, auf die Menschenrechtsdefizite des Landes aufmerksam zu machen als jedes andere Ereignis in diesem Jahrzehnt. Ohne die beschämenden und chaotischen Szenen gestern aus London hätten wohl nur wenige über Tibet nachgedacht und die schlechte Situation in dieser Region hätte sicher nicht zu den Top-Nachrichten des Tages gezählt. Als die Fackel sich ihren Weg durch die fahnenschwenkende und parolenskandierende Menge bahnte, hat sie gezeigt, was sie am besten kann: in die dunkelsten Ecken leuchten." (07.04.2008)

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