Navigation

 

Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 10.06.2008

 

TOP-THEMA

Frankreich vor der Ratspräsidentschaft

Frankreich vor der Ratspräsidentschaft

 

In wenigen Wochen übernimmt Frankreich die europäische Ratspräsidentschaft. Ein kritischer Zeitpunkt: Der EU-Reformvertrag - und damit die Zukunft der Europäischen Union - scheint durch Referenden und Gerichtsverfahren in verschiedenen Mitgliedsstaaten gefährdet. Was erwartet Europa von Frankreich? » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
NRC Handelsblad - Niederlande, Le Figaro - Frankreich, Süddeutsche Zeitung - Deutschland, Hospodářské noviny - Tschechien

NRC Handelsblad - Niederlande

Im Hinblick auf die EU-Ratspräsidentschaft Frankreichs, die am 1. Juli beginnt, widmet sich die Abendzeitung NRC Handelsblad dem ehrgeizigen Charakter des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy: "Sarkozy will ein Führer von europäischem Format sein. Die EU-Ratspräsidentschaft muss dafür die Krönung sein. In Europa wird schon seit Monaten argwöhnisch und erwartungsvoll auf einen Vorsitzenden mit so viel Ehrgeiz geschaut. ... Um die Kritiker zu beruhigen, gibt sich Frankreich die Haltung eines klassischen Vorsitzenden, der verspricht, bescheiden aufzutreten, so viel wie möglich zuzuhören und neutral und ausgewogen zu sein. Eine klassische Prioritätenliste wurde erstellt. ... Aber Sarkozy hat sich seither als Einzelgänger erwiesen. Er gilt als Außenseiter, der das hohe Wort führen will. ... Ohne Schaden lief das alles nicht ab." (10.06.2008)

Le Figaro - Frankreich

Die ehemalige Vorsitzende des EU-Parlaments Simone Veil beschreibt in der Tageszeitung Le Figaro ihren Enthusiasmus für die bevorstehende französische EU-Ratspräsidentschaft: "Ich blicke optimistisch nach Europa. ... In einer unsicheren Welt ist es ein außergewöhnlicher Ort von Stabilität und echtem Wohlstand. ... Diese Präsidentschaft wird neue Perspektiven für das europäische Haus einbringen, das heißt neue Möglichkeiten, um mit Respekt unseren Identitäten gegenüber gemeinsam zu handeln. Wir sollten neue Aktionsfelder auf europäischer Ebene nicht fürchten. Durch sie werden wir stärker." (09.06.2008)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die Süddeutsche Zeitung betont die Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen im Rahmen der EU-Präsidentschaft Frankreichs. "Sarkozy hat keine leichte Aufgabe vor sich. Aber so wie Frankreich sein Gewicht vor einem Jahr hinter die deutschen Anstrengungen geworfen hat, so wird Berlin nun Paris unterstützen. ... Bei allem Streit zwischen den beiden Ländern können sich beide keine schwache EU leisten. Sie dürfen auch nicht darauf warten, dass andere die Gemeinschaft vorantreiben. Von den Größeren pflegt London europapolitisch seine Außenseiterrolle. Madrid und Rom sind durch innenpolitische Probleme geschwächt. Und Polen ist noch lange nicht so weit. ... Frankreich und Deutschland haben eine besondere Führungsverantwortung für die EU. Nicht nur weil sie die europäische Einigung initiiert haben und wirtschaftlich mächtig sind, sondern auch weil eine so große Gemeinschaft eines kräftigen Schwungrads bedarf." (09.06.2008)

Hospodářské noviny - Tschechien

Die Wirtschaftszeitung Hospodarske Noviny sieht die deutsch-französischen Beziehungen im Zusammenhang mit der französischen Ratspräsidentschaft eher skeptisch: "Obwohl beide Länder traditionelle europäische Verbündete sind, sind ihre Beziehungen nicht gänzlich harmonisch. Merkel versprach der französischen Präsidentschaft zwar volle Unterstützung, doch im Hintergrund bleiben gewisse Spannungen. ... Merkel sabotiert einige von Sarkozys Projekten, etwa das der Mittelmeerunion. Paris wiederum versucht, seine Beziehungen nach Mittel-Osteuropa zu verstärken, wo speziell die Bundesrepublik starke wirtschaftliche und politische Interessen verfolgt." (10.06.2008)

POLITIK

De Standaard - Belgien

Belgien vor der Auflösung?

Ein Jahr nach den Parlamentswahlen in Belgien nimmt das Vertrauen der Bürger in ihr Land ab. Nach einer neuen Umfrage denkt erstmals jeder zweite Flame, dass Belgien in der heutigen Form nicht weiter bestehen kann, berichtet die Tageszeitung De Standaard. "Dieses Belgien funktioniert nicht mehr. Die totale politische Pattsituation wird nur einigermaßen verdeckt - erst durch die Übergangsregierung Verhofstadt III. und nun durch die Proforma-Regierung Leterme I. ... Aber die Realität ist unausweichlich: Die Föderation steckt in einer tiefen Krise. So tief, dass das Fortbestehen nicht garantiert werden kann, so unwirklich ein post-belgisches Szenarium auch für viele sein mag. ... Wir steuern nun schnell auf die Wahl zwischen einem 'Kaum-Belgien' und einem 'Post-Belgien' zu. ... Die derzeitige politische Blockade wird spätestens in einem Jahr zu frühzeitigen Neuwahlen und einer Verschärfung der Gegensätze führen. Nicht wählen ist auch wählen." (10.06.2008)

Mladá fronta Dnes - Tschechien

Bushs Abschied von Europa

Mit einem Besuch in Slowenien, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, startet US-Präsident George W. Bush seine letzte Europareise. "Es wird eine lange Abschiedstour für Bush, aber Tränen werden die europäischen Führer nicht vergießen", ist die liberale Tageszeitung Mlada fronta Dnes überzeugt. "Dennoch werden sie ihm in Berlin, Rom, London und Paris ein schönes Willkommen bereiten. Die Beziehungen dieser Länder zu den USA haben sich seit dem Irak-Krieg verbessert. Dass nicht Hunderttausende gegen Bush protestieren werden, heißt nicht, dass sie ihm alles verziehen haben. Sie betrachten ihn lediglich als nicht mehr sonderlich mächtig. ... Alles wartet bereits auf die Veränderungen, die sein Nachfolger im Weißen Haus mit sich bringen wird. Egal, ob der nun McCain oder Obama heißen wird." (10.06.2008)

Le Temps - Schweiz

Irakisierung Algeriens?

Nach einer Serie von Bombenattentaten in Algerien beleuchtet die Tageszeitung Le Temps die Gründe für den Anstieg des Terrorismus in dem nordafrikanischen Land: "Ein todbringendes Klima hat Algerien erobert, das sich in einer Welle von Terroranschlägen, sozialen Spannungen und einem Informationskrieg innerhalb des Staatsapparats äußert. ... Was ist in Algerien los? Die algerische Tageszeitung El Watan beschreibt 'eine Psychose, die sich durch Gerüchte über Bombenanschläge in den Vierteln der Hauptstadt ernährt'. Terroristische Anschläge haben sich in den letzten Tagen in der Tat vervielfacht, als in Algerien mehrere Veranstaltungen eröffnet wurden, um ausländische Kapitalgeber und Touristen anzuziehen. ... Laut westlichen Geheimdiensten konnte sich das Terrornetzwerk Al-Qaida im ganzen Maghreb stark entwickeln. ... Hier ist es nicht das Chaos eines Krieges, und noch weniger ein ausländischer Aufmarsch, welche die Verbreitung des Terrorismus begünstigen. Sondern die Ohnmacht des Staates, das Ölmanna neu zu verteilen, die Wunden der Vergangenheit zu heilen und eine Zukunftsperspektive zu bieten." (10.06.2008)

The Daily Telegraph - Großbritannien

Vereinte NATO in Afghanistan nötig

In Afghanistan ist der 100. britische Soldat ums Leben gekommen. In der Tageszeitung The Daily Telegraph schreibt der ehemalige Außenminister Malcolm Rifkind aus diesem Anlass über den Krieg am Hindukusch: "Im Großen und Ganzen hat die amerikanisch geführte Intervention in Afghanistan ihren primären Zweck erfüllt. Al-Qaida ist größtenteils aus Afghanistan vertrieben, ihre Organisationen dezimiert und ihre Führer in die desolaten Grenzgebiete mit Pakistan abgedrängt worden. ... Ein Hauptziel der britischen, amerikanischen und afghanischen Politik muss sein, die Taliban zu spalten und ihre moderateren und realistischeren Elemente ermutigen, für eine politische Lösung zu arbeiten, die für die Afghanen als Ganzes akzeptabel wäre. ... Die Taliban würden sich viel eher spalten, wenn sie eine vereinte NATO sehen würden. Die Franzosen, die Deutschen und andere europäische Staaten müssen mit ihren amerikanischen und britischen Kollegen zusammenarbeiten, um sich über eine Teilung der Verantwortung zu verständigen, was den Eindruck abbauen würde, dass ihre Verpflichtung nur halbherzig ist." (10.06.2008)

REFLEXIONEN

De Volkskrant - Niederlande

Muslimische Selbstkritik

In der Debatte um den Islam und Integration veröffentlicht die überregionale Zeitung De Volkskrant den Kommentar einer hochqualifizierten niederländischen Muslimin, deren Namen die Zeitung aus Sicherheitsgründen nicht nennt: "Wir fordern von Nicht-Muslimen, dass sie unseren Glauben respektieren, dass sie unsere kulturellen Wünsche erfüllen und dass sie uns finanziell unterstützen. Aber was geben wir ihnen dann, ohne dass sie darum gebeten haben? ... Warum verhalten wir uns in den Niederlanden respektlos, beachten die sozialen Regeln und Umgangsnormen so wenig und verüben sinnlose Gewalttaten, während wir die medizinischen Einrichtungen benutzen, Aufmerksamkeit von Lehrern und Sozialarbeitern fordern, viel klagen und finden, dass andere auf uns Rücksicht nehmen müssen? Wir Muslime müssen unseren Egoismus und unsere Überheblichkeit, Scheinheiligkeit und Unwissenheit endlich ablegen. Sonst sollten wir besser zurückkehren in unsere muslimischen Länder, um Nicht-Muslimen Ruhe zu geben und wir erlöst werden von dem Muslimehass, den wir selbst am Leben erhalten." (10.06.2008)

Dilema Veche - Rumänien

Ära der Thermopane-Fenster

Für die Wochenzeitung Dilema Veche sind die Kunststofffenster der Marke "Thermopane" ein Symbol für den momentanen Zeitgeist in Rumänien: "Thermopane-Fenster sind bei uns zu einem Symbol des Übergangs zum Kapitalismus geworden, ein Zeichen des Wohlstands und der Verwestlichung. Sie sind ein Allheilmittel der Zivilisation: Hast Du bei Dir im Haus Thermopane eingebaut, bedeutet das, dass Du existierst, Du bist einer von uns, Du verstehst, wie die Dinge laufen. ... Passend zum Ceausescu-Wohnblock, zu den neuen Bürobauten der 'Klasse A' oder zu gutsherrlichen Villen, die den neuen Kapitalisten zurückgegeben wurden, definiert das Thermopane eine geschichtliche Ära Rumäniens: In ein paar Jahren werden wir nicht mehr, wie jetzt, über das Regime Iliescu oder die Regierung Constantinescu sprechen oder die Basescu-Epoche, sondern parteiübergreifend und apolitisch über die 'Ära des Thermopane'. Letztlich ist das Thermopane in einer Übergangsperiode, die von den sozialen Unterschieden, der verfeindeten Politik, einer schlechten Verwaltung des politischen und kulturellen Pluralismus geprägt ist, ein vereinendes Element: von Ungarn bis zu den Roma, ... von den Angestellten multinationaler Firmen bis zum Securitate-Rentner - unsere Identitätsunterschiede verschmelzen alle gemeinschaftlich angesichts dieser technischen Erfindung, die bei uns eine starke kulturelle Komponente, eine komplexe soziale Verwendung bekam." (10.06.2008)

WIRTSCHAFT

La Razón - Spanien

65-Stunden-Woche in Europa?

Die Wirtschaftsminister der EU verhandeln darüber, die maximale Wochenarbeitszeit in Europa von 48 auf 65 Stunden zu erhöhen. Die sozialistische Regierung Spaniens nimmt bislang eine ablehnende Haltung ein. Dies kommentiert die konservative Tageszeitung La Razón: "Bei einer Wirtschaftsrezession erscheint es sinnvoll, die Normen in Richtung einer Flexibilisierung zu überarbeiten. Es geht nicht darum, den Arbeitern weitere Stunden aufzubürden, sondern um die Ausweitung der Höchstgrenzen [bei den Arbeitszeiten], um Situationen zu verhindern, die sich zum Beispiel bei den Bereitschaftsdiensten der Ärzte ergeben. Da die nicht aktiven Stunden als Arbeitszeit berechnet werden, erhöhen sie die Kosten der Unternehmen - ob staatlich oder privat - enorm." (10.06.2008)

Ta Nea - Griechenland

Hohe Gehälter - geringe Löhne

Die Managergehälter in Europa seien im Vergleich zu den Arbeiterlöhnen außergewöhnlich hoch, kommentiert die Tageszeitung Ta Nea. "Die Extreme des Kapitalismus haben einen Schock in denjenigen europäischen politischen Systemen ausgelöst, in denen die soziale Dimension schon immer stark war. In ein paar europäischen Staaten werden gesetzgebende Maßnahmen zur Wiederherstellung der Ordnung vorgenommen. ... Es ist eine Tatsache, dass sich die globale Wirtschaft im letzten Jahrzehnt auf dem Wege der Ungleichheit bewegt hat. Der Anteil der Gewinne erhöht sich unverhältnismäßig im Vergleich zum Anteil der Arbeitsleistung. Europa hat also Recht zu reagieren, auch wenn die Ungleichheiten in ihren Ländern kleiner sind als in anderen Teilen der Welt." (10.06.2008)

Les Echos - Frankreich

Krisensicheres Lateinamerika

Die Wirtschaftszeitung Les Echos beschreibt, wie Lateinamerika von der aktuellen Finanzkrise verschont wird: "Trotz des von der Subprime-Krise verursachten Sturms hält Lateinamerika wohl durch. Hat die alte Lebensweisheit, nach der 'die Vereinigten Staaten niesen und Lateinamerika davon einen Schnupfen bekommt', ihre Existenzberechtigung verloren? ... Der chinesische und indische Bedarf an Energie und das Strohfeuer der Öl- und Gaspreise sind ein Manna gerade für Exportländer wie Venezuela, Mexiko, Bolivien oder Ecuador. Ebenso ist Peking der größte Importeur von brasilianischen und argentinischen Produkten wie Soja oder von chilenischem oder peruanischem Kupfer geworden. Ein unverhoffter Partner, der zahlreichen Ländern gestattete, ihre Währungsreserven aufzufüllen." (09.06.2008)

KULTUR

Berlingske - Dänemark

Kreative Zukunft

"Die Wirtschaft ist heute im Gegensatz zur Industriegesellschaft davon abhängig, dass alle Menschen kreativ und nicht nur (re-)produzierend arbeiten", schreibt die ehemalige Kulturministerin Elsebeth Gerner Nielsen. "Wir müssen verstehen, dass Kultur nicht zum Vergnügen existiert, sondern etwas sehr Ernstes ist. ... In der Zukunft müssen wir von Phantasie leben, von Schaffenskraft und erfinderisch sein," argumentiert sie. Darum sei es nicht mehr genug, Kindern nur Lesen und Schreiben beizubringen. Diese neuen Anforderungen "sind von Bedeutung für die Ausbildung. Es wird um Grenzen gehen, ... um Toleranz und Internationalisierung, ... um professionelle Herausforderungen. ... Das stellt hohe Anforderungen an die Ausbildungen, bei denen zurzeit großen Wert darauf gelegt wird, dass die grundlegenden Fähigkeiten der Schüler ausgezeichnet sind. ... Natürlich müssen sie lesen, rechnen und schreiben können, aber wenn die kommenden Generationen von Dänen nichts anderes können als das, werden sie auf einem Markt konkurrieren, bei dem der Stundenlohn bei 2,50 Euro liegt." (10.06.2008)

SPORT

Magyar Hírlap - Ungarn

Podolski und das Nationalgefühl

Unter dem Titel "Herkunft verpflichtet" reflektiert die konservative Tageszeitung Magyar Hirlap über die zwei Tore des polnischstämmigen deutschen Nationalspielers Lukas Podolski gegen Polen bei der Europameisterschaft und seine Reaktion: "Seine Mitspieler liefen zu ihm und umarmten ihn, doch er blieb unbewegt, keine Freude, nur der starre Gesichtsausdruck. Und als er nach dem Tor zur eigenen Spielhälfte zurücktrabte, vergrub er sein Gesicht in seine Hände. ... Podolskis in den Händen vergrabenes Gesicht und seine Stummheit ist eine Antwort - ja, eine Antwort auf sämtliche 'globalistische', 'multikulturelle', 'internationalistische' und 'übernationale' Träume, Albträume und Dummheiten. ... Podolskis Reaktion ist die Zukunft. Jeder normale Mensch kann Podolskis Stummheit vom vergangenen Sonntag verstehen, fühlen, ja durchleben. Nur die westlichen Medien wollen uns weismachen, dass dies überholt und peinlich ist. Doch tief in unserem Innern hat sich Podolskis Stummheit bereits breit gemacht. Dies ist gut und beruhigend. ... Herkunft verpflichtet. (Mein Gott, wie gut es tut, dies niedergeschrieben zu haben!)" (10.06.2008)

Weitere Inhalte