Im Jahr 1938 ließen Großbritannien und Frankreich bei einer Konferenz in München Hitlers Annexion des Sudetenlandes zu, um vermeintlich den Frieden zu retten. Vertreter der Tschechoslowakei durften nicht an dem Treffen teilnehmen und fühlten sich von ihren Verbündeten verraten. Der in den USA lebende anglo-niederländische Schriftsteller Ian Buruma fragt in einem Gastbeitrag für die liberale Tageszeitung Sme, welche Lehren der Westen aus der gescheiterten Appeasement-Politik des Münchner Abkommens gezogen hat, dessen Unterzeichnung sich jetzt zum 70. Male jährt. "Westeuropa schlug sich nach der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges auf die Seite [des britischen Premierministers Arthur Neville Chamberlain] und baute Institutionen auf, die einen Krieg unnötig machen sollten. Die USA zogen eine entgegengesetzte Lehre und versuchten im Stil [Winston] Churchills, die Freiheit überall - notfalls auch militärisch - zu verteidigen. ... Die schmutzige Arbeit mussten immer die Amerikaner machen: in Jugoslawien, in Kuweit, gegen Saddam Hussein oder bei der Führung des Krieges gegen den Terrorismus. ... Die europäische Diplomatie ... half, die Demokratie in Mittel-Osteuropa zu festigen und die Länder dort in die EU einzubinden. Doch sind die Europäer auch bereit, im Interesse anderer, etwa Georgiens oder der Ukraine, Krieg zu führen? Europa muss sich entscheiden, ob es vom Schutz der USA abhängig bleiben oder eigene Verteidigungskapazitäten aufbauen will - und das, ehe es zu spät ist." (26.09.2008)
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