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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 09.12.2008

 

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Schweinefleischskandal in Irland

Schweinefleischskandal in Irland

 

Irisches Schweinefleisch ist durch Dioxin im Tierfutter verunreinigt worden. In Irland müssen Schweine notgeschlachtet werden. Zahlreiche Länder haben irisches Schweinefleisch vom Markt genommen. Die europäische Presse debattiert, wie man weiter vorgehen soll. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Irish Examiner - Irland, La Repubblica - Italien, Turun Sanomat - Finnland, Postimees - Estland

Irish Examiner - Irland

Die irische Tageszeitung Irish Examiner fordert ein Umdenken: "Obwohl heute Morgen schwer vorstellbar, eröffnen sich jetzt Möglichkeiten. Trotz aller Kampagnen für ein grünes und sauberes Irland hat sich die irische Landwirtschaft seit vielen Jahren damit beschäftigt, Öl in Nahrung zu verwandeln. ... Es muss einen Weg geben, eine Nahrungsmittelproduktion zu schaffen, die in ökonomischer, umweltpolitischer, ethischer und sozialer Hinsicht über jeden Tadel erhaben ist. [Es muss] Methoden [geben], die Produzenten erlauben, ein gutes Einkommen zu erzielen, und die Nahrung produzieren, die Leute sich leisten können und essen wollen. Leider können wir das im Moment nicht behaupten, und solange wir nicht Schurkenproduzenten und -verarbeiter aus dem Verkehr ziehen, wird uns das niemals möglich sein. Wenn wir es aber tun, haben unsere Landwirtschafts- und Nahrungsverarbeitungssektoren eine Zukunft. Wenn nicht, dann sind die Aussichten zu schlimm, um überhaupt darüber nachzudenken." (09.12.2008)

La Repubblica - Italien

Der Vater der Slow Food-Bewegung, Carlo Petrini, schreibt in der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica, dass nur die drastische Senkung des Fleischkonsums die Qualität der Produkte retten kann. "Die Situation ist außer Kontrolle geraten. Gütesiegel helfen da nicht mehr. ... Um die Kontrolle über die Fleischqualität zurückzugewinnen, müssen wir den Konsum senken. Wenn wir weniger essen, verlangsamt sich der Produktionsprozess, die Zyklen sind weniger eng, die Einschleusung künstlicher Nahrungsmittel nimmt ab. … Das einzige Mittel, das uns schützen kann, ist die Qualitätsförderung. Gütesiegel schützen uns nicht vor den Vergehen, zu denen die Produzentenwelt fähig ist. Es gibt eine zweite, nicht alternative, sondern komplementäre Option: In der EU muss die Landwirtschafts- zur Ernährungspolitik werden. Sie muss die Besonderheiten des Sektors erkennen und seine Schwächen schützen." (09.12.2008)

Turun Sanomat - Finnland

"Die Möglichkeit, dass EU-Waren frei und schnell über die Grenzen hinweg gehandelt werden können, garantiert die wirksame Arbeitsweise des gemeinsamen Marktes. Aber dieser Warenfluss hat auch Nachteile, wie der irische Schweinefleischskandal zeigt", schreibt die Tageszeitung Turun Sanomat. Sie lobt, dass die finnische Agentur für Lebensmittelrechte, Evira, irische Schweinefleischerzeugnisse vom Markt genommen hat und zum Kauf heimischer Produkte aufruft. "Die Rückverfolgung des gesundheitsgefährdenden Fleisches in den offenen Lebensmittel-Märkten ist äußerst schwierig und gleicht fast der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Dioxin ist nicht sichtbar. ... Das Vorgehen von Evira ist zweifellos gerechtfertigt, auch wenn das Gesundheitsrisiko scheinbar unbedeutend ist. Dioxin ist eine Chemikalie, die das Krebsrisiko erhöht." (09.12.2008)

Postimees - Estland

Die Tageszeitung Postimees warnt vor allzu großer Panik: "Obwohl wir die europäische Landwirtschaftspolitik meistens eher mit Subventionen für Agrarbetriebe assoziieren, richtet sich der Blick inzwischen auch auf die viel wesentlichere Frage der Lebensmittelsicherheit. So hat ein Großteil der an die Produzenten gerichteten Euronormen zu gewährleisten, dass auf dem Esstisch der Bürger tatsächlich saubere und ungefährliche Nahrungsmittel landen. Die am Wochenende ausgelöste Dioxinpanik ist eher ein Beispiel dafür, wofür die Hunderte wenn nicht gar Tausende komplizierter Vorschriften gedacht sind. Würden Produzenten und Verarbeiter nicht eingeschränkt, wäre unser tägliches Essen deutlich verunreinigter und darum auch gesundheitsschädlicher. Berichte über Skandale sollten daher nicht übertrieben ernst genommen werden, zumal die Grenzwertüberschreitungen bei irischem Schweinefleisch nach Ansicht von Experten keine reale Gefahr darstellen." (09.12.2008)

POLITIK

Dnevnik - Bulgarien

EULEX ist nicht willkommen

Die EU-Rechtsstaatsmission EULEX nimmt nach langer Verzögerung ihre Arbeit in Kosovo auf. Ihr Kampf gegen die organisierte Kriminalität werde auf Widerstand treffen, schreibt die Tageszeitung Dnevnik: "Millionen sind hier [in Kosovo] in die Taschen gesteckt wurden und Milliarden in den Bau von Straßen, die noch immer nicht asphaltiert sind. Wohnungen, die nur in der Phantasie existieren, wurden gemietet. ... Besonders symptomatisch ist der Bericht des Gesundheitsfonds, in dem steht, dass im Krankenhaus von Gračanica 11.000 Serben auf Staatskosten operiert worden. Das würde bedeuten, dass jeder volljährige Bürger serbischer Herkunft über den Operationstisch gegangen ist, was wenig wahrscheinlich ist. Abgesehen von den feinen Unterschieden zwischen den verschiedenen Kriminalpraxen in Kosovo und davon, ob das Geld aus dem Drogenschmuggel stammt oder von den Bürokraten gedruckt wird, scheint es so zu sein, dass beide ethnische Gruppen [Albaner und Serben] jeweils eine starke Lobby haben, die den EULEX-Kampf gegen die organisierte Kriminalität ablehnen. Die Etablierung von Recht und Ordnung ist eben ein Dorn im Auge." (09.12.2008)

Kathimerini - Griechenland

Chaos in Griechenland

In Griechenland sind die Proteste, die durch den Tod eines 15-jährigen ausgelöst worden waren, eskaliert, schreibt die Tageszeitung I Kathimerini: "Die Protagonisten sind zweifellos die Kapuzenträger. Sie haben alle Qualifikationen für eine großartige Karriere in unserer Fernseh-Demokratie. Sie haben kein Gesicht, bleiben unerkannt, ... sind risikofreudig, ohne politische Plattform, ohne ideologische Einschränkungen. Dadurch werden sie besonders für Jugendliche, die sich in armseliger Gegenwart und unsicherer Zukunft fühlen, zu einem sehr attraktiven Vorbild. ... Die Regierung hat die Kontrolle verloren. Karamanlis hat abgewartet, ob sich die Lage beruhigt. Doch die Situation eskalierte. ... Das Zentrum von Athen ist zerstört. ... Der Staat ist zusammengebrochen." (09.12.2008)

Lidové noviny - Tschechien

Tschechien vor Gründung einer neuen "Klaus-Partei"

Nachdem Tschechiens Präsident Václav Klaus den ODS-Ehrenvorsitz der von ihm einst gegründeten liberal-konservativen Demokratischen Bürgerpartei (ODS) niedergelegt hat, zeichnet sich die Gründung einer neuen Partei ab, vorbereitet von Freunden des Staatsoberhauptes. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny gibt der neuen Anti-EU-Partei kaum Chancen: "Die neue Partei soll den Einfluss der ODS schwächen. ... Aber dem Parteigründer Petr Mach, der eine dem Präsidenten Klaus nahe stehende Denkfabrik führt, droht ein ähnliches Fiasko wie dem [Prager Oberbürgermeister] Pavel Bém als Herausforderer von ODS-Chef Mirek Topolánek. Deshalb hat Klaus ein Problem damit, offen zu sagen, dass er selbst der Gründervater der neuen Partei ist. Doch gerade da liegt der Hund begraben. Projekte von Politikern, die nicht die Courage haben, sich offen zur Vaterschaft zu bekennen, sind in Tschechien chancenlos. Auch Václav Havel hat das schon erfahren müssen. [Er gründete einst die liberale Freiheitsunion, die heute in der Versenkung verschwunden ist]." (09.12.2008)

REFLEXIONEN

Dagens Nyheter - Schweden

Dagens Nyheter über den mentalen Abstand der Schweden zur EU

Vor dem Hintergrund der bevorstehenden Wahlen zum Europa-Parlament reflektiert die Stockholmer Tageszeitung Dagens Nyheter über das Verhältnis der schwedischen Bürger zur EU: "Während die große Zahl der Mitgliedsländer den Erfolg des EU-Projekts belegt, bedeutet dies auch eine entscheidende Veränderung im Charakter der EU. Wie diese genau aussieht, ist dagegen unklar - nicht zuletzt für die Mitgliedsländer und ihre Bürger. Der Nationalstaat ist immer noch die politische Arena, in der sich die Bürger zu Hause fühlen. Der mentale Abstand zu Brüssel ist größer als der geographische. … Diese natürliche Skepsis wird besonders deutlich, wenn es um das Regelwerk der EU geht. Dass es geändert werden muss, um einer ständig wachsenden Union angepasst zu werden, die eine immer engere Zusammenarbeit auf immer mehr Gebieten will, verstehen noch die meisten. Aber nur wenn es nicht zu ihren eigenen Lasten ist, so die Reaktion. Deshalb steckt der Lissabon-Vertrag jetzt fest - vorübergehend muss man hoffen. So anders geartet ist die Reaktion jedoch bei Krisen. In der schweren Wirtschaftskrise wird jetzt die EU angerufen, die Handlungskraft der Euroländer gepriesen, und die Regierungschefs sehen die EU als eine Stütze für die eigene Krisenpolitik. Viele Bürger sagen jetzt, dass die EU 'das Richtige' tut. Aber die gleichen Bürger lassen sich in der nächsten Minute über die mangelnde nationale Bewegungsfreiheit aus." (09.12.2008)

NRC Handelsblad - Niederlande

Esther Wittemann über das Phänomen der nationalen Nostalgie

In den Niederlanden boomt das Interesse an der eigenen Geschichte, Kultur und Tradition. Die Regierung baut ein neues Nationales Historisches Museum, der neue TV-Hit ist die Quizshow "Ich liebe Holland". Esther Wittemann befasst sich in der überregionalen Tageszeitung NRC Handelsblad mit dem Phänomen der nationalen Nostalgie. "Wir können also feststellen, dass sich Menschen unsicher fühlen, weil sich die Welt um sie herum so schnell verändert. Durch die Kreditkrise, durch den internationalen Terrorismus und manchmal durch Migranten, die anders sind als sie selbst. Daher suchen sie Geborgenheit in einer Gruppe. Sie wollen irgendwo dazu gehören. Auf irgendetwas zurückfallen können. Es ist für sie wichtig festzustellen, wer zu ihrer Gruppe gehört und wofür ihre Gruppe steht. Sie haben ein Bedürfnis zu betonen, was die Menschen in ihrer Gruppe gemeinsam haben. Erzählungen über die gemeinsame Geschichte helfen dabei genauso wie alte Symbole. Sie verweisen schließlich auf dieses Land, die Niederlande, und das vermittelt ein Gefühl der Verbundenheit. Wenn Menschen sich gegen Veränderungen zur Wehr setzen, die sie beängstigen, ziehen sie sich zurück in ihre Gruppe. Aber sie sollten sich davor hüten, beim Definieren und Beweihräuchern der eigenen Gruppe ins Extreme zu verfallen." (09.12.2008)

WIRTSCHAFT

Evenimentul Zilei - Rumänien

Verpasste EU-Gelder

In Rumänien sind EU-Gelder nicht rechtzeitig abgerufen worden. Die Tageszeitung Evenimentul Zilei kritisiert die rumänische Regierung für ihre Versäumnisse. "Wie werden wir vor der Europäischen Kommission den Verlust von ungefähr 20 bis 30 Millionen Euro aus dem PHARE-Fonds von 2006 rechtfertigen, die bis zum 1. Dezember dieses Jahres hätten abgerufen werden müssen, deren Frist jedoch wegen Nachlässigkeit und Engstirnigkeit verpasst wurde? Die Geldsumme ist verglichen zum Nationalbudget nicht groß, doch die Absurdität des Problems ist typisch für die rumänische Verwaltung: Während ganz Europa versucht, Geld ins Land zu holen, werfen wir das Geld zum Fenster hinaus, weil einige hohe Würdenträger bei den Finanzen nicht wissen, wie man fristgerecht Ausschreibungen vornimmt, so dass sie in die Abgabefristen der EU oder in die gesetzlichen Wettbewerbsverfahren passen. ... Die verantwortlichen Politiker werden ihr Mandat heute oder morgen übergeben. Deshalb wird sich keiner [für die verpassten Termine] verantwortlich fühlen." (09.12.2008)

KULTUR

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Nobelpreis ohne Preisgeld?

Die Nachlassverwalter des Stifters des Nobelpreises, Alfred Nobel, haben sich verspekuliert und in der Finanzkrise Geld verloren. Deshalb könnte das Preisgeld stark sinken, meint die Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung. "Wenn die Bosse der amerikanischen Autoindustrie für einen Dollar arbeiten wollen, müssen sich vielleicht auch Nobelpreisträger künftig bescheiden. ... Es wäre übrigens nicht das erste Mal, dass der güldene Nobelpreisgürtel enger geschnallt werden muss. Zwei Weltkriege und die Depression der dreißiger Jahre hatten dafür gesorgt, dass die Preissumme in manchen Jahren um bis zu zwei Drittel sank. Der Tiefpunkt war 1920 erreicht, als sich [der Schriftsteller] Knut Hamsun mit lumpigen 134.100 Kronen begnügen musste - das waren, gemessen an der Kaufkraft, gerade noch 28 Prozent der ursprünglichen Summe aus dem Jahr 1901. Wie man Horace Engdahl kennt, den gefinkelten Generalsekretär der Akademie und erklärten Gegner der amerikanischen Kultur, dürfte der Plan für den Notfall bereits gefasst sein. Sind die Kassen leer, kann der Literaturnobelpreis des Jahres 2009 endlich in die Vereinigten Staaten gehen. Voraussichtliches Preisgeld: ein Dollar." (09.12.2008)

Dnevnik - Slowenien

Neue Steuerpolitik hilft Kulturbetrieb

Die derzeitige Wirtschaftskrise wird nach Meinung des slowenischen Schriftstellers und Herausgebers Mitja Čander auch Auswirkungen auf die Kultur in Slowenien haben. "Die Frage ist, welcher Anteil des Staatshaushalts für die Kultur übrig bleiben wird, denn auch alle anderen Ministerien werden um ihren Teil vom Kuchen kämpfen. ... Außerdem muss die Regierung eine Steuerpolitik machen, die der Kultur zusätzliche Finanzmittel auf dem Markt erschließt. Der Staat müsste Wirtschaftsakteuren, die in Kultur investieren, endlich ernsthafte Steuererleichterungen ermöglichen. Auch die Bürger müssten durch Steuervergünstigungen ... zum Konsum von Kulturgütern angeregt werden. ... Letztendlich müssten intensiver als bisher Produzenten im Kulturbereich beim Bewerben um europäische Gelder unterstützt werden. ... Wir müssen endlich damit aufhören, uns nur auf ... die Kulturministerin zu konzentrieren. In erste Linie sind die Regierung und der slowenische Regierungschef für alles Gute und Schlechte in der Kulturpolitik verantwortlich." (09.12.2008)

MEDIEN

Les Echos - Frankreich

Krise der Presse wegen Internet

Die Wirtschaftszeitung Les Echos analysiert die Schwierigkeiten der Verlage und Printmedien angesichts des Aufschwung des Internets: "Beim Pressegipfel in Lyon Ende Oktober war die Verzweiflung der französischen Verlage unterschwellig spürbar. ... Sie haben verstanden, dass das Internet, auch wenn es unverzichtbar geworden ist, ihre wirtschaftlichen Probleme nicht lösen kann. ... Auf globaler Ebene kommt man zur gleichen Erkenntnis. De facto schaffen es die Printzeitungen nicht mehr, gegenüber dem Überangebot kostenloser Inhalte im Internet den Leser von einem regelmäßigen Kauf der Zeitung und einem - oft als zu hoch betrachteten - Preis zu überzeugen. ... Information ist zu etwas Alltäglichem geworden und lässt sich nicht mehr verkaufen. Dagegen ist der Leser bereit, für die seiner Meinung nach wertvolle Information zu zahlen. ... Andere Lösungen: Mäzenatentum oder Staatsgelder? Aber mit welcher redaktionellen Unabhängigkeit?" (09.12.2008)

El País - Spanien

TV-Werbung ist wichtig für Demokratie

Die Europäische Kommission will Spanien vor dem Europäischen Gerichtshof dazu zwingen, die Bestimmungen der Richtlinie "Fernsehen ohne Grenzen" zur Ausstrahlung von TV-Werbung einzuhalten. Maurizio Carlotti, Vorstandsvorsitzender des spanischen Privatsenders Antena 3, kritisiert in der Tageszeitung El País die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding: "Die Stärke der Demokratie geht mit der Stärke der Massenmedien einher, die auf ihrer Unabhängigkeit und Autonomie beruht, welche ihrerseits von ihrer wirtschaftlichen Stärke abhängen. Daher ist es nicht falsch zu sagen, dass die Demokratie zum Teil von der wirtschaftlichen Stärke der Medienkonzerne abhängt. Die Fernsehwerbung zu attackieren, ohne Maßnahmen für eine Reformierung der öffentlichen Fernsehsender in Form und Inhalt zu ergreifen, ist eine Art, die Demokratie zu schwächen." (09.12.2008)

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