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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 13.03.2009

 

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Nach dem Amoklauf

Nach dem Amoklauf

 

Nach dem Amoklauf an einer Realschule im süddeutschen Winnenden, bei dem ein 17-Jähriger 15 Menschen erschoss und sich anschließend selbst tötete, diskutiert die europäische Presse Gewalt unter Jugendlichen, Psychologen an Schulen und schärfere Waffengesetze. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Gazet van Antwerpen - Belgien, Süddeutsche Zeitung - Deutschland, El País - Spanien, NRC Handelsblad - Niederlande, Sydsvenskan - Schweden

Gazet van Antwerpen - Belgien

Der Amoklauf von Winnenden sei kein Einzelfall, bemerkt die flämische Tageszeitung Gazet van Antwerpen: "Nicht nur die Aktien der Banken sind in einer tiefen Krise, auch ein Menschenleben scheint viel weniger wert zu sein als vor rund einem Vierteljahrhundert. Vor allem Jugendliche tun sich selbst und anderen im Jahr 2009 Dinge an, die damals undenkbar waren. Das Phänomen, das vorgestern Deutschland und den Rest der Welt entsetzte, schockte uns erstmals vor zehn Jahren, als zwei Teenager an der Columbine High School in Littleton, Colorado [in den USA], ein Blutbad mit 13 Toten anrichteten. Das Motiv? Wir wissen es nicht, denn die Täter begingen Selbstmord. ... Es fällt eine Parallele zwischen solchen Fällen exzessiver Gewalt auf: Niemand hat die Anzeichen gesehen. Die Täter sind oft sehr unauffällige Jungen, deren Umgebung sie nicht für so etwas fähig hält. Was können wir daraus lernen? Vielleicht, dass wir alle besser hinschauen müssen, mehr mit den Jugendlichen in unserer Umgebung reden und ihnen vor allem besser zuhören müssen." (13.03.2009)

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Die Süddeutsche Zeitung fragt sich, wie Jugendliche zu Gewalttätern werden: "Gewiss, es gibt, äußerlich betrachtet, einen Zusammenhang zwischen Horrorfilmen, brutalen Computerspielen und Gewalttätern. Wie aber, wenn nicht erst die Spiele den Gewalttäter hervorbrächten? Wenn er es wäre, der sie sich sucht, der an ihnen Gefallen und Anregung findet, weil er ohnehin schon meint, dass Gewalt sein Mittel sein könne? ...'This is the day of the expanding man', sang die Popgruppe Steely Dan vor dreißig Jahren, in einem Lied, das aus einem inneren Monolog besteht, den ein Amokläufer vor der finalen Begegnung mit der Polizei singt: 'They got a name for the winners in the world / I, I want a name when I lose.' Was ist Gewalt? Den Willen eines anderen zu brechen. Und in diesem Willen verhält sich auch ein Amokläufer rational, furchtbar rational." (13.03.2009)

El País - Spanien

Nach dem Amoklauf in Winnenden schreibt die spanische Tageszeitung El País: "Der Gebrauch von Waffen muss natürlich verboten oder sehr streng eingeschränkt werden. Es ist schwer verständlich, warum der Terror des Tötens ohne Ziel oder Sinn, der sich in den USA durch den freien Verkauf von Waffen erklärt, auch europäische Länder angesteckt hat. Aber es ist offensichtlich, dass eine der Erklärungen im Dämon der Waffen liegt. Alles, was die Gesellschaft unternimmt, um deren Gebrauch zu verhindern, erspart sie sich an Verbrechen." (13.03.2009)

NRC Handelsblad - Niederlande

Die Tageszeitung NRC Handelsblad fragt sich, wie man einen Amoklauf wie den im süddeutschen Winnenden verhindern könnte: "Ist dieses Phänomen ein Nebenprodukt der bindungslosen Gesellschaft, in der solche geschädigten jungen Menschen unbemerkt bleiben? Welche Rolle spielen die zahllosen Inspirationsquellen in den neuen Medien? Kann man solche Entgleisungen verhindern? ... Intervention und Therapie können eine Lösung sein. Dabei kann man am besten auf Strategien zur Verhinderung von Selbstmorden unter Jugendlichen zurückgreifen. Und natürlich auf das Zurückdrängen des Waffenbesitzes. Die schlichte Wahrheit ist, dass solche Todesfantasien nicht realisiert werden können, wenn Waffen Mangelware sind. Waffen üben auf Jugendliche eine große Anziehungskraft aus. Nach Schwarzfahren und Vandalismus ist Waffenbesitz das häufigste Delikt in dieser Gruppe. Der Täter von Winnenden nahm die legale Waffe seines Vater aus dem Schlafzimmer mit. Zahlen aus dem Jahre 2005 zeigen, dass in den Niederlanden rund 40.000 illegale Waffen im Umlauf sind. Dieses Übel muss beseitigt werden." (13.03.2009)

Sydsvenskan - Schweden

Die Tageszeitung Sydsvenska Dagbladet kommentiert die Analysen des Amoklaufs von Winnenden: "Die Analysen erfüllen eine Funktion: Das Verständnis für die Macht der Psyche über deprimierte und verstörte Individuen zu erhöhen. Aber das gibt keine klare Antwort auf die Frage: Wie konnte das geschehen? Und keine Antwort darauf, wie Schüler in Zukunft vor solchen Taten geschützt werden können. ... Die Gesellschaft hat eine große Verantwortung für deren Sicherheit. Das bedeutet, dass den Schulen hohe Priorität beigemessen werden muss, auch in diesen ökonomisch schweren Zeiten. Wenn keine Mittel in die Schulen gesteckt werden, werden die Konsequenzen viel teurer. Natürlich werden vor dem Hintergrund der Geschehnisse auch Forderungen nach höheren Sicherheitsmaßnahmen lauter. Überwachungskameras, Personenkontrollen und Metalldetektoren sind aber trotz allem eine unangenehme Entwicklung. Wichtiger ist die Präsenz von mehr Erwachsenen an der Schule: Lehrer, Berater, Schulpsychologen. Augen zu sehen und Ohren zu hören." (13.03.2009)

POLITIK

Latvijas Avīze - Lettland

Neuer Regierungschef in Lettland vor schwerer Aufgabe

Der frühere Finanzminister Valdis Dombrovskis ist der neue Ministerpräsident Lettlands. Die Tageszeitung Latvijas Avize schreibt über die schweren Aufgaben, die den neuen Regierungschef erwarten. "Zu den Gefühlen, die ihm beim Amtsantritt entgegengebracht werden, gehört vor allem Mitleid. Erstens wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage und den schmerzlichen Entscheidungen, die er gleich von Anfang an treffen muss. Und zweitens wegen der komplizierten Zusammensetzung der neuen Koalition. Allein mit Mitleid wird Dombrovskis das Land aber nicht führen können, und es reicht auch nicht, nur auf günstige Zufälle zu hoffen, dass vor den nächsten Parlamentswahlen 2010 alles besser und leichter wird." (13.03.2009)

Corriere della Sera - Italien

Russische Opposition von Medwedjew enttäuscht

Nach den Anti-Regierungs-Demonstrationen in Moskau kommentiert die Tageszeitung Corriere della Sera die Enttäuschung der Opposition in Russland: "In den ersten Monaten nach den Wahlen wurde [Präsident Dmitrij] Medwedjew als möglicher Retter des demokratischen Russland gesehen. ... Jetzt ist die Opposition enttäuscht, weil sie glaubt Medwedjew ist nur ein Instrument in den Händen von [Premierminister Wladimir] Putin. … Als wolle er seinen Kritikern Recht geben, hat Medwedjew ausgerechnet die Kosaken, die stolzen Krieger des Zaren, gegen die sozialen Unruhen zur Hilfe gerufen. Gleichzeitig haben die wirtschaftlichen Schwierigkeiten die russischen Oligarchen von den ersten Plätzen der internationalen Rangliste der Reichen verdrängt. Stimmen werden laut, dass einige bereit seien, einen politischen Umsturz vorzubereiten. Sie sind extrem unzufrieden mit der Art, wie das Duo Medwedjew-Putin mit der Krise umgeht. Nur die Angst, sie könnten das gleiche Ende finden wie der ehemalige Patron des Ölkonzerns Yukos, Michail Chodorkowski, ... hält sie davor zurück, aus der Deckung herauszukommen." (13.03.2009)

Dnevnik - Bulgarien

EU-Experten bald in Bulgarien?

Die bulgarische Regierung hat die EU um eine "dauerhafte Präsenz von mehr EU-Experten" in den wichtigsten bulgarischen Institutionen gebeten. Die Tageszeitung Dnevnik kommentiert diesen Vorstoß ironisch: "Unsere Regierung erklärt sich somit als unfähig, ihren Pflichten nachzugehen und versucht die Verantwortung der EU aufzubürden. Immerhin sollte man zugeben, dass die Idee nicht schlecht ist, obwohl sie an [den langjährigen Chef der kommunistischen Volkspartei Bulgariens] Todor Shivkov erinnert und an seine Pläne, aus Bulgarien die 16. Sowjetrepublik zu machen. Da die Idee so etwas wie den freiwilligen Verzicht auf Souveränität voraussetzt, sollte die Regierung umgehend zurücktreten. Die EU-Kommission sollte uns [stattdessen] einen Generalgouverneur nach Bulgarien schicken. Selbstverständlich sollte die Staatsanwaltschaft und das Gericht von EU-Experten geleitet werden. ... Leser in Foren schlagen indes vor, dass Bulgarien eine Kolonie von Belgien wird." (13.03.2009)

REFLEXIONEN

Právo - Tschechien

Jiří Hanák über die drei Jubiläen der Tschechen

Die Tschechen haben in diesem Jahr dreimal Grund zum Feiern, erinnert Jiří Hanák in der linken Tageszeitung Právo: Vor 20 Jahren überwanden sie den Kommunismus, vor zehn Jahren wurden sie Mitglied der Nato und vor fünf Jahren traten sie der EU bei. "Das erste Ereignis ließ uns auf die europäische Bühne zurückkehren, das zweite garantierte uns unsere Sicherheit, und Dank des dritten erleben wir einen wirtschaftlichen Aufschwung ungeachtet der derzeitigen Krise. Bei all den Feiern sollten wir uns aber dessen bewusst sein, dass wir in diesen schönen Augenblicken eine ziemlich passive Rolle gespielt haben. Die 'Samtene Revolution' fiel uns in den Schoß, weil das sowjetische Imperium wirtschaftlich kollabierte. In die Nato wurden wir sicher nicht wegen unserer militärischen Qualitäten aufgenommen, und die Aufnahme von acht armen postkommunistischen Ländern durch die EU hatte in gewisser Weise charitativen Charakter. ... In der Nato bewähren wir uns als Verbündete unter anderem mit unseren Auslandseinsätzen. Schlechter ist es um unsere Haltung zur EU bestellt. Premier [Mirek] Topolánek sonnt sich zwar heute als Chef der Union und sammelt damit sogar zu Hause Punkte. Seine Bürgerpartei arbeitet aber gleichzeitig fleißig daran, dass wir ein zweitrangiges Mitglied der Gemeinschaft werden." (13.03.2009)

168 óra - Ungarn

Endre Aczél über den 'reset' der Beziehungen zwischen den USA und Russland

In der liberalen Wochenzeitung 168 Óra reflektiert der Publizist Endre Aczél über das neue Zauberwort der US-amerikanisch-russischen Beziehungen: "Das Zauberwort klingt auf Englisch so: 'reset', was wörtlich das 'Zurückstellen' (zum Beispiel einer Uhr) bedeutet. Seit es Computer gibt, kann das Wort auch als 'neustarten' übersetzt werden. Politisch wurde das Wort bis heute weder auf die eine noch die andere Weise verwendet und gedeutet. Doch seit [der neue US-Vizepräsident] Joe Biden auf der Münchener Sicherheitskonferenz im Februar gesagt hat, dass es in den amerikanisch-russischen Beziehungen an der Zeit sei, den 'Reset-Knopf' zu drücken, wurde 'reset' international zum geflügelten Wort. Mit seiner metaphorischen Formulierung hat Biden selbst zugegeben, dass sich das amerikanisch-russische Verhältnis am Gefrierpunkt befindet. Zugleich räumte der US-Vizepräsident indirekt ein, dass zur Überwindung der Eiszeit zwischen Russland und den USA eine Revision der politischen Linie der Bush-Regierung nötig sei. ... Die Aussage Bidens war ein Durchbruch. Wenig später entschieden sich die Nato-Außenminister, die Zusammenarbeit mit Russland wieder auf den früheren, normalen Modus zurückstellen zu wollen ('reset'). Politisches Tauwetter zeichnet sich ab." (13.03.2009)

WIRTSCHAFT

The Times - Großbritannien

Madoffs Dreistigkeit

Die Tageszeitung The Times kommentiert den Fall des New Yorker Börsenmaklers Bernard Madoff, der seine Investoren laut Schätzungen um rund 65 Milliarden Dollar gebracht haben soll: "Das Ausmaß des Betrugs war so dreist, ... dass selbst eine Welt, die glaubte, nicht mehr schockiert werden zu können, ihren Augen nicht trauen wollte. Zu einer Zeit, in der Arbeiter ihre Jobs verlieren, Investoren ihre Ersparnisse verlieren und Banken Respekt verlieren, während sie unter dem Gewicht ihrer eigenen törichten Kreditvergabe zusammenbrechen, ist Madoffs Betrug ein Symbol von Gier, Schwindel und finanzieller Perversion geworden. Wenn die Geschichte der Rezession geschrieben wird, braucht Madoff ein eigenes Kapitel. Es wäre schön zu denken, dass ein britischer Madoff ein ähnliches Schicksal erleiden würde. Aber angesichts der Art und Weise wie britische Regulierer zuweilen die vage Grenze zwischen Sorglosigkeit und Kriminalität überwachen, wäre das wohl ein Fehler." (13.03.2009)

Dziennik Gazeta Prawna - Polen

Schwacher Franken ist gut für polnische Kreditnehmer

Die Tageszeitung Dziennik begrüßt, dass die polnische Währung Złoty an Stärke gegenüber dem Schweizer Franken gewonnen hat. Viele polnische Kreditnehmer, die ihre Hypothekendarlehen in der Schweizer Währung aufgenommen haben, würden dadurch begünstigt. "Es ist noch ein weiter Weg bis der Złoty [wieder] seine volle Stärke erreicht hat. Seit langer Zeit haben wir unterschiedliche Arten von Kursschwankungen beobachtet - hauptsächlich die Abwertung des Złoty gegenüber anderen Währungen. ... Die Wahrheit ist, dass die Schweizer Nationalbank gestern ein klares Signal gesetzt hat, indem sie sich zu einer radikalen Senkung der Leitzinsen entschlossen hat. Das ist eine gute Nachricht für die Kreditnehmer, die ihre weiteren Raten in Schweizer Franken bezahlen. Die Bank hat dann auch erklärt, dass durch den Verkauf des Franken ein Vorgang begonnen hat, der die Schweizer Währung schwächen soll. Dadurch wollte sie den Schweizer Export stärken und den Verkauf von Schweizer Produkten im Ausland günstiger machen. Deshalb kann man schon sagen, dass wir es mit einer stetigen und lang anhaltenden Schwächung der Schweizer Währung zu tun haben." (13.03.2009)

Helsingin Sanomat - Finnland

Harter Wettbewerb um Sommerjobs in Finnland

Die Tageszeitung Helsingin Sanomat wirbt für die Schaffung von mehr Sommerjobs für junge Menschen: "Die Jugendarbeitslosigkeit hat sich in den letzten Monaten drastisch gesteigert und ist heute ein Drittel höher als vor einem Jahr. ... Für junge Menschen ist ein Sommerjob wichtig, um Erfahrungen in der Arbeitswelt zu sammeln. Für Arbeitgeber ist der Sommerjob eine gute Möglichkeit, junge Menschen an das Unternehmen, den Beruf heranzuführen. In der Zukunft werden die Arbeitgeber, die guten Kontakt zu jungen Akademikern haben, im Wettbewerb um die besten Arbeitskräfte profitieren. Auch für die wachsende Zahl der Jugendlichen, deren Eltern entlassen wurden, ist Sommerarbeit von großer Bedeutung. Es gilt nun sorgfältig zu prüfen, wie sich Arbeitsproduktivität und Sommerarbeitsplätze in Einklang bringen lassen. Die letzte Rezession hat gezeigt, dass die Rechnung für hohe Jugendarbeitslosigkeit teuer ist." (13.03.2009)

SPORT

Les Echos - Frankreich

Französischer Fußball in der Krise

Nach dem Ausscheiden des französischen Fußball-Serienmeisters Olympique Lyon aus der europäischen Champions League geht die Tageszeitung Les Echos auf die derzeitige wirtschaftliche Krise des französischen Fußballs ein. "Soll ein Fußballclub Geld verdienen? ... Wenn man die Budgets betrachtet, die dieses Jahr von französischen Clubs veröffentlicht wurden, mag eine solche Frage eine gewisse Relevanz haben. 2008 haben die vierzig Clubs der ersten und zweiten Liga halb soviel Nettogewinn eingefahren wie im vergangenen Jahr. ... Der Grund dafür? Die Inflation ihrer Personalkosten, die insbesondere von den Verwaltungsgebühren der Spieler verursacht wird. ... Dem französischen Fußball mangelt es [auch] an notwendigen Stars, um sich in Europa durchzusetzen, weil er den Spielern, die er festhalten oder anlocken möchte, nicht genug bezahlt. ... Mangels eines charismatischen Meisters schafft er es weder seine Stadien hinlänglich zu füllen, noch seiner Meisterschaft den Glanz zu geben, der ihm auf Dauer Hunderte Millionen Euro aus Fernsehrechten sichern würde." (13.03.2009)

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