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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 22.05.2009

 

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Missbrauchsskandal in Irland

Missbrauchsskandal in Irland

 

Eine unabhängige Untersuchungskommission in Irland hat am Mittwoch einen Bericht zu kirchlichen Missbrauchsfällen vorgelegt. Demnach wurden tausende Kinder in katholischen Heimen und in Erziehungsanstalten für Waisen über Jahre misshandelt, geschlagen und sexuell missbraucht. Die Täter waren unter anderem Priester, Mönche und Nonnen. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Irish Examiner - Irland, Diário de Notícias - Portugal, La Repubblica - Italien

Irish Examiner - Irland

Die Tageszeitung Irish Examiner gibt dem irischen Staat und der Bevölkerung eine Mitschuld an den kirchlichen Missbrauchsfällen: "Wir befinden uns noch immer in der inakzeptablen Situation, dass der irische Staat seine Hände in Unschuld waschen und behaupten kann, er sei nicht für das Wohl von Schulkindern verantwortlich. Das ist eine unmoralische Ausflucht und muss sofort geändert werden. ... Das Bildungsministerium kämpft in Ihrem Namen [dem der Bürger] vor Gericht gegen die Missbrauchsopfer, um zu klären, dass der Staat keine rechtliche Verantwortung für ihr Leiden hat. Ebenfalls in Ihrem Namen hat der Staat den Opfern sogar gedroht, dass er sie zwingen werde, ihre eigenen Kosten und die Kosten des Staates zu tragen, wenn sie weiter kämpfen. ... Alle wissen, dass dies ungerecht ist, aber wir bleiben stumm. Mit unserer Weigerung, unsere Wohlfühlzone zu verlassen, um unsere Regierung und uns selbst herauszufordern, haben wir eine der zentralen Lehren der Demokratie verraten - die Regierung des Volkes, durch das Volk und für das Volk." (22.05.2009)

Diário de Notícias - Portugal

Nach der Vorlage des Berichts zu kirchlichen Missbrauchsfällen in Irland wirft die Tageszeitung Diário de Notícias der irischen Regierung vor, die Anzeichen ignoriert zu haben und fordert eine Stellungnahme von der katholischen Kirche: "Eine Kommission, die über neun Jahre kirchlich geführte Kinderheime und Waisenhäuser untersucht hat, berichtete nun, ... dass zweitausend Kinder in diesen Institutionen ... missbraucht und misshandelt wurden. Statt beschützt zu werden, waren diese Kinder Opfer von Verbrechern, die auf sie hätten aufpassen sollen. Auch der irische Staat ist nicht frei von Schuld. Über Jahrzehnte zog das Bildungsministerium es vor, die Alarmsignale zu ignorieren: In diesen Institutionen ... gab es hungernde Kinder und andere mit gebrochenen Knochen. Die sexuelle Misshandlung war 'lediglich' eine weitere Gewalt, der sie ausgesetzt waren. Die Fakten sind gravierend und schockierend, vor allem weil es sich nicht um Einzelfälle handelt, und erfordern eine Verurteilung seitens der katholischen Kirche." (22.05.2009)

La Repubblica - Italien

In der Tageszeitung La Repubblica beschreibt der irische Schriftsteller Joseph O'Connor die Missbrauchsenthüllungen in Irland als Symbol des schmerzhaften Erwachens einer Gesellschaft: "Korrupte Politiker, gierige Banker und Immobilienspekulanten haben unser Land fast zugrunde gerichtet. Und als ob das noch nicht gereicht hätte, kommt nun auch noch die offizielle Nachricht über die Misshandlung von Kindern in der Obhut von Geistlichen, die bestätigt, was wir alle im Grunde unsere Herzens längst gewusst haben: seit Jahrzehnten ist dieses Land …, die Heimat von James Joyce, von [W.B.] Yeats und [Samuel] Beckett, auch die Heimat von Kindesmisshandlungen. … Der fast übertriebene Respekt und die Ehrerbietung gegenüber dem irischen Klerus hat sich als perfekte Brutstätte entpuppt, in der Kinderschänder und Verbrecher ungestört gedeihen konnten. … In der Mehrheit der Fälle hat man den Kindern, die Opfer von Missbrauch und Gewalt waren, nicht geglaubt. … Und als reichste und mächtigste Organisation Irlands hat die katholische Kirche … alles nur mögliche getan, um ihre Opfer zum Schweigen zu bringen." (22.05.2009)

POLITIK

Gazeta Wyborcza - Polen

EU-Russland-Gipfel wird kaum Verbesserungen bringen

Russland und die EU haben ihre offiziellen Verhandlungen auf einem Gipfeltreffen im sibirischen Chabarowsk begonnen. Wacław Radziwinowicz bezweifelt in der liberalen Tageszeitung Gazeta Wyborcza, dass der Halbjahres-Gipfel große Veränderungen im bilateralen Verhältnis bringen wird: "Die [russischen] Hausherren haben die Stadt Chabarowsk, die neun Flugstunden von der Hauptstadt Moskau entfernt liegt, für das Treffen ausgewählt, um die Europäer die 'Größe Russlands spüren zu lassen'. ... Zu den traditionellen Problemen, die Moskau und Brüssel behandeln, ... sind neue hinzugekommen, wie die Auswirkungen des Gaskonflikts zwischen Russland und der Ukraine im Januar oder die jüngsten großen Straßenproteste in Chişinău - der Hauptstadt der Republik Moldau. Moskau hat dem EU-Mitgliedsstaat Rumänien vorgeworfen diese [Proteste] provoziert zu haben. Auch sind Abchasien und Südossetien Steine des Anstoßes geblieben, wo die Russen gerade ihre Kriegsstützpunkte aufbauen und dabei nicht beachten, dass die Union diese Regionen als georgische Provinzen ansieht." (22.05.2009)

De Telegraaf - Niederlande

Rechtspopulist Wilders muss vor Gericht

Der Hohe Rat, das höchste Gericht der Niederlande, hat den Einspruch des Rechtspopulisten Geert Wilders gegen eine Anklage wegen Volksverhetzung abgewiesen. Der Abgeordnete Wilders muss sich nun wegen seiner islamkritischen Äußerungen vor einem Gericht verantworten. Die Entscheidung des Hohen Rates sei korrekt, nun verdiene der Politiker einen ehrlichen Prozess, meint die Boulevardzeitung De Telegraaf: "Man muss hoffen, dass die Richter nun genügend gesunden Menschenverstand haben, um die Klage - Anstachelung zu Hass und Diskriminierung sowie Beleidigung einer Gruppe von gläubigen Muslimen - vom Tisch zu fegen. Die Meinungsfreiheit gilt nämlich auch für kontroverse Aussagen. In einer gesunden Demokratie, die die Niederlande sein sollten, darf man in der politischen Debatte starke Worte benutzen. Das wurde auch vom europäischen Menschenrechtsgerichtshof anerkannt. Jeder Bürger muss die Freiheit haben, eine heftige, provozierende Debatte zu führen - ohne Einmischung des Strafrichters." (22.05.2009)

Népszabadság - Ungarn

Russlands Regierung will Kritik an Roter Armee verhindern

Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság schreibt über die Aufstellung einer staatlichen Kommission in Russland, deren Aufgabe es ist, gegen jedwede Verfälschung der sowjetischen (Kriegs-) Geschichte vorzugehen: "Die politische Führung Russlands möchte eine Regelung einführen, die auf dem gesamten Gebiet der Sowjetunion - also auch in den unabhängigen Nachfolgestaaten der UdSSR - Geltung hätte. Diejenigen, die die Taten der sowjetischen Armee ins falsche Licht rücken oder gar negativ darstellen, haben dem Vernehmen nach eine Gefängnis- und Geldstrafe zu erwarten. ... Sollten Länder gegen die neue Regelung verstoßen, könnte ihnen unter Umständen die Ausweisung ihrer Botschafter drohen. ... Der Schritt Moskaus mutet nur auf den ersten Blick bizarr an. Die politische Führung Russlands versucht bereits seit Jahren, der Praxis der Gorbatschow-Jelzin-Jahre ein Ende zu setzen, die einen Bruch mit der Geschichtsinterpretation im Sinne von Stalin-Breschnew darstellte." (22.05.2009)

Le Monde - Frankreich

Antisemit als neuer Unesco-Generaldirektor?

Wegen seiner anti-israelischen Haltung kritisieren der Philosoph Bernard-Henri Lévy, der Filmregisseur Claude Lanzmann und der Nobelpreisträger Elie Wiesel in der Tageszeitung Le Monde die mögliche Ernennung des ägyptischen Kulturministers Faruk Hosni zum Unesco-Generaldirektor: "Wer hat im Jahr 1997 erklärt und danach in allen Tonarten wiederholt, dass er 'ein hartnäckiger Feind' jeglicher Versuche sei, die Verhältnisse zwischen seinem Land und Israel zu normalisieren? Wer antwortete 2008 einem alarmierten Abgeordneten des ägyptischen Parlaments, der besorgt war, dass israelische Bücher in die Bibliothek von Alexandria überführt werden könnten: 'Lass uns diese Bücher abfackeln'? ... Noch schlimmer: Die von uns angeführten Sätze sind nur einige - und nicht die ekelerregendsten - unter unzähligen ähnlichen Erklärungen, die die Karriere von Faruk Hosni seit etwa fünfzehn Jahren begleiten. ... Es ist offensichtlich: Faruk Hosni verdient die Position [des Unesco-Chefs] nicht. Er ist das Gegenteil eines Mannes des Frieden, des Dialogs und der Kultur. Er ist ein gefährlicher Mann, ein Brandstifter der Herzen und Gemüter." (21.05.2009)

Právo - Tschechien

Europawahlen: Rassistischer Wahlspot hätte nicht gesendet werden dürfen

Nach massiven Protesten haben Rundfunk und Fernsehen in Tschechien die Ausstrahlung eines Werbespots der außerparlamentarischen rechtsradikalen Nationalpartei für die Europawahlen gestoppt, in dem von einer "Endlösung der Zigeunerfrage" die Rede ist. Beide öffentlich-rechtlichen Einrichtungen reichten zugleich Klage gegen die Nationalpartei ein. Die linke Tageszeitung Právo kritisiert, dass der Werbespot überhaupt ausgestrahlt wurde: "Das Wahlgesetz räumt den kandidierenden Parteien zwar Sendezeit in Rundfunk und Fernsehen ein. Es sagt auch, dass die Verantwortung für den Inhalt der Werbespots bei den Parteien liegt. ... Das heißt aber begreiflicherweise nicht, dass Fernsehen und Rundfunk keinerlei Verantwortung haben und etwas ausstrahlen können, was das Gesetz für die beiden Institutionen verbietet. ... Die Medien sollten deshalb in ihrem eigenen Interesse vorab sichern, dass sie nichts Strafbares ausstrahlen und Live-Sendungen notfalls abbrechen." (22.05.2009)

Latvijas Avīze - Lettland

Europawahlen: Ein Festtag für Populisten?

Aufgrund des geringen Interesses an der Europawahl befürchtet die Tageszeitung Latvijas Avīze Erfolge rechter und linker Populisten: "Laut Eurobarometer interessiert sich die Mehrheit der EU-Bürger nicht für die Wahlen zum Europaparlament. Und der Großteil derer, die zur Wahl gehen werden, glauben, dass ihre Stimme nichts ändert. Das ist wahrscheinlich nicht weit von der Wahrheit entfernt. Dennoch sind Veränderungen nicht ausgeschlossen, allerdings zum Schlechteren. Das betrifft vor allem die so genannten kleinen Länder, wenn diese nicht in der Lage sind, achtbare Kandidaten aufzustellen, oder wenn sie in politischer Apathie versinken. Die Belgier müssen bei Nichtbeteiligung an den Wahlen eine Strafe zahlen, 25 bis 125 Euro (im Wiederholungsfall). Der Preis für die Gleichgültigkeit der lettischen Wähler wird um ein Vielfaches höher sein." (22.05.2009)

REFLEXIONEN

Világgazdaság - Ungarn

Dani Rodrik über mögliche Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise

Der Harvard-Ökonom Dani Rodrik schreibt in der Wirtschaftszeitung Világgazdaság über die möglichen Veränderungen der Weltwirtschaft in Folge der Finanzkrise: "Die Weltwirtschaft dürfte in einigen Jahren kaum mehr so aussehen wie heute. ... Wachstum gibt es in der sich entwickelnden Welt tendenziell in drei Varianten. Die erste ist ein durch Auslandskredite angetriebenes Wachstum. Die zweite ist Wachstum als Nebenprodukt eines Rohstoffbooms. Und die dritte ist Wachstum, das von einer wirtschaftlichen Umstrukturierung und Diversifizierung durch neue Produkte angetrieben wird. ... Grund zur Sorge bereitet die potenzielle Bedrängnis der Länder im letzten Wachstumsmodell. Diese Länder werden erhebliche Änderungen ihrer Politik vornehmen müssen, um sich den heutigen neuen Gegebenheiten anzupassen. Die ersten beiden Wachstumsmodelle nehmen unweigerlich ein böses Ende. Ausländische Kredite können es Verbrauchern und Regierungen für eine Weile ermöglichen, über ihre Verhältnisse zu leben, doch ist es eine unkluge Strategie, sich auf ausländisches Kapital zu verlassen. ... Ein von hohen Rohstoffpreisen angetriebenes Wachstum ist ebenfalls krisenanfällig, und zwar aus ähnlichen Gründen. ... Es kann also nicht überraschen, dass die Länder, die im Laufe der letzten sechs Jahrzehnte ein stetiges, langfristiges Wachstum erzielten, jene sind, die eine andere Strategie verfolgten: die Förderung der Diversifizierung von Industrieerzeugnissen und anderen moderne Waren." (22.05.2009)

Politiken - Dänemark

Stig Ørskov über die Vorteile der Finanzkrise

Stig Ørskov betrachtet die Finanzkrise einmal aus einem ironischen Blickwinkel und versucht, ihre guten Seiten zu sehen: "Trotz der dramatischen Konsequenzen der Krise gibt es doch eine Reihe positiver Nebenwirkungen zum schlimmsten wirtschaftlichen Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg. Meine persönliche - und ganz subjektive Hitliste - sieht folgendermaßen aus: Die Flucht aus den öffentlichen Arbeitsplätzen hat ein Ende. Man wird nicht länger als Kandidat für die Psychiatrie betrachtet, wenn man Lehrer, Pädagoge, Polizist oder Krankenschwester werden will. ... Die Menschen schätzen plötzlich ihren Job, und selbst die Erwartungen an die Tarifsteigerungen werden nahezu realistisch. ... Es ist wieder legitim arbeitslos zu sein. ... Die Hauspreise gehen in den Keller. ... Die Menschen kapieren, dass sie Geld nicht im Schlaf verdienen können. Mit dem Kollaps des Aktienmarktes und dem Platzen der Immobilienblase ist die Illusion gestorben, dass man für sein Geld nicht arbeiten muss. ... Wirtschaftsbosse werden nicht länger als universelle Gurus betrachtet. Es ist den Menschen endlich aufgegangen, dass der große Gewinn von Unternehmen nicht notwendigerweise auf die genialen Manager zurückzuführen ist. ... Der Staat erlebt ein Comeback. Die Welt hat plötzlich entdeckt, dass der Staat - und die Politiker - faktisch eine Funktion haben." (20.05.2009)

WIRTSCHAFT

Cinco Días - Spanien

Breitband-Internet soll für jeden zugänglich sein

Die spanische Wirtschaftszeitung Cinco Días plädiert dafür, die Ausweitung des Breitband-Internets der Zukunft nicht allein dem Markt zu überlassen: "Nur die Hälfte Spaniens wird in der Zukunft Zugang zum Internet mit 100 Megabites, dem superschnellen Netz, haben, wie aus einem Bericht der [Spanischen Kommission für den Telekommunikationsmarkt] CMT hervorgeht. Die Institution kommt zu dem Schluss, dass es für die Anbieter nur rentabel sein wird, die großen Gemeinden an dieses Netz anzuschließen, was den Rest außen vor lassen könnte. Die lokalen, regionalen und nationalen Behörden sind verpflichtet, wirtschaftliche Lösungen zu finden, um diese gesellschaftlich und wirtschaftlich ungerechte Situation zu verhindern. Bestimmte Regionen von dieser Technologie auszunehmen, bedeutet, sie von einer Entwicklung auszuschließen, deren Technik die Gründung kleiner Unternehmen ermöglicht oder die Schaffung von Telearbeitsplätzen sowie anderer Arbeitsformen einer Zukunftswirtschaft." (22.05.2009)

Sega - Bulgarien

EU-Agrarpolitik hat die Falschen finanziert

Die EU sei den Landwirten gegenüber immer großzügig gewesen, schreibt die Tageszeitung Sega. Allein 2007 habe sie der Landwirtschaft in Bulgarien über 245 Millionen Euro zugeteilt: "Es stellt sich jedoch heraus, dass Geld finanziert nicht nur die Großlandwirte, sondern auch Personen, über die schon ermittelt wird, wie etwa überfleißige Ehefrauen von Abgeordneten, aber auch Bauern mit Krawatten, die für eine gewisse Zeit an der Macht verweilten und sich dann zurückgezogen haben. ... Es ist so, weil man zugelassen hat, dass die Landwirte bei der Registrierung der Äcker gemogelt haben, aber auch, weil in vielen Fällen aufgrund bürokratischer Fehler falsche Daten eingetragen wurden. Wegen all dieser Blamagen kann nun die Kommission bis Ende Juni zwischen 10 und 100 Prozent der Hilfen zurückverlangen und dazu noch eine Strafe verhängen, die auf Kosten des Budgets geht." (22.05.2009)

KULTUR

Cotidianul - Rumänien

Rumänisches Kino ist große Errungenschaft

Die Tageszeitungen Financial Times und New York Times feiern den Film "Polizist. Adjektiv" des rumänischen Regisseurs Corneliu Porumboiu, der derzeit beim Filmfestival in Cannes läuft, als Meisterwerk. Die Tageszeitung Cotidianul nutzt dies für ein Lob auf den rumänischen Film: "Es wird ganz klar, dass das wichtigste Ereignis in diesen 20 Jahren seit der Trennung vom Kommunismus die Geburt dieser sensationellen Generation von Filmemachern ist, die beweisen, dass Rumänien der Welt mehr zu zeigen hat als die Kinder, die unmittelbar nach der Revolution in Waisenhäuser gehen mussten, als Vergewaltiger oder peinliche Polizisten, die immer wieder enttäuschen. ... Wie man sehen kann, hatte die rumänische Filmbranche auch früher gute Filme und große Regisseure und Schauspieler, doch war dies kein Massenphänomen. ... Und es ist erstaunlich, dass es jetzt passiert, wenn wir bedenken, dass unsere Filmautoren mit bescheidenen Budgets arbeiten. ... Doch der Film besiegt das Leben." (22.05.2009)

Dnevnik - Bulgarien

Bulgariens fehlende Auseinandersetzung mit 1989

Der Kolumnist der Tageszeitung Dnevnik Georgi Gospodinov kommentiert, warum Bulgarien in dem Videoclip der EU-Kommission zu 1989 fehlt und was das bewirken könnte: "Stimmt, wir hatten nicht das Jahr '56, das Jahr '68 und das Jahr '81 (obwohl es uns sehr unangenehm ist, wenn man uns darauf aufmerksam macht). Aber nehmt uns nicht auch noch das Jahr 1989 weg! Es kann nicht wahr sein, das es den 10. November nicht gegeben hat: Jeder von uns bewahrt eine Geschichte über diesen Tag auf. ... Die Traurigkeit, dass wir wieder fehlen, kann zweierlei produzieren: die übliche zornige Reaktion 'Europa hasst uns' oder - und das will ich hoffen - den Anfang einer Auseinandersetzung mit 1989. Und da können wir unsere Minuten des Widerstands zusammenbringen. Drei Minuten Freiheit in Dokumentarbildern der letzten 20 Jahre." (22.05.2009)

GESELLSCHAFT

Dnevnik - Slowenien

Es geht auch ohne Auto

In der Tageszeitung Dnevnik vergleicht Goran Vojnović das Verhältnis von Slowenen und Dänen zu ihrem Auto. Die Slowenen sollten sich ein Beispiel an den Dänen nehmen und auch mal auf andere Verkehrsmittel umsteigen: "In Kopenhagen ist es nicht ungewöhnlich, einen erfolgreichen Unternehmer in Anzug und Krawatte auf einem Fahrrad durch die Stadt fahren zu sehen. Wir jedoch bauen weiterhin Autobahnen, Einfallstraßen, Tunnel und Parkhäuser. Während unser Staat schon zwanzig Jahre lang wohlwollend die Straßenbaulobby unterstützt, finanzieren wir Bürger Sloweniens schon seit Jahren großzügig die ausländische Autoindustrie und sorgen dafür, dass die Ölkonzerne noch schneller reich werden. Jeden Morgen fahren wir so in unseren polierten und sorgfältig hergerichteten Autos auf unseren Straßen und bewegen uns im Schneckentempo auf unser Ziel zu. ... Unsere Liebe für unsere Autos ist in Wirklichkeit viel größer als unser Bedürfnis nach einer echten Demokratie, einem besseren Lebensstandard, Arbeitsplätzen, sozialem Wohlstand und einem besseren Schul- und Gesundheitswesen. Und natürlich frischer Luft." (22.05.2009)

SPORT

Die Welt - Deutschland

Identitätsstiftender Fußball

Der ukrainische Klub Schachtjor Donezk hat den Fußball-Uefa-Cup in Istanbul gegen die deutsche Mannschaft Werder Bremen gewonnen. Der Fußball sei globalisiert und stifte doch Identität, schreibt dazu die konservative Tageszeitung Die Welt: "Alle Tore schossen Spieler aus Brasilien. Bei Donezk spielten gleich fünf Brasilianer, zudem ein Pole, ein Kroate und ein Rumäne. Bei Werder spielten auch ein Peruaner, ein Österreicher, ein Schwede, ein Grieche und ein Finne. ... Warum fiebern wir hier und immer noch mit einer Fußballmannschaft, in der schon lange kein Bremer mehr gespielt hat, die zusammengesetzt ist aus Legionären? Warum hat der so gründlich globalisierte Fußball nichts von seiner Anziehungskraft verloren, warum behalten die Vereine diese enorme identitätsstiftende Wirkung? Vielleicht weil Fußball doch viel mit Heimat zu tun hat? Weil auch wir Legionäre sind?" (22.05.2009)

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