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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 13.07.2009

 

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Obama ermahnt Afrika

Obama ermahnt Afrika

 

Bei seinem ersten Afrikabesuch als US-amerikanischer Präsident hat Barack Obama die afrikanischen Staaten zu mehr Eigenverantwortung und zum Kampf gegen Korruption aufgefordert. In seiner Rede vor dem ghanaischen Parlament in der Hauptstadt Accra ermahnte der erste schwarze US-Präsident die Länder des Kontinents, sich für eine verantwortungsvolle Regierungsführung zu entscheiden. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Libération - Frankreich, La Vanguardia - Spanien, The Times - Großbritannien, La Repubblica - Italien

Libération - Frankreich

Die Tageszeitung Libération meint, dass US-Präsident Barack Obama geschickt mit seiner Herkunft umgehe: "In Chicago kann Obama sagen, er kommt aus dem Mittleren Westen. In Accra kann er als Afrikaner reden. In Kairo zeigte er eine echte Beziehung zur muslimischen Welt, in der er als Kind aufgewachsen ist. Bei jemand anderem wären diese mehrfachen Identitäten zum Synonym von Konflikten und Ressentiments geworden. Barack Obama geht aber mit allen seinen Facetten locker um. Er lehnt keine ab. Er übernimmt diese harmonische und komplexe Mischung. Bestimmt deswegen betrachten ihn junge Afrikaner als 'einen von ihnen'. Die Beliebtheit von Obama auf dem Kontinent seines Vaters ist bewegend und tief. Sie ist auch positiv. Es ist kein Zufall, wenn Obama Ghana als erstes Ziel gewählt hat, um zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Als erstes Land Afrikas, das sich von der Kolonisierung befreit hat, ist Ghana ein afrikanischer und demokratischer Staat." (11.07.2009)

La Vanguardia - Spanien

Anlässlich des Besuchs von US-Präsident Barack Obama in Ghana fordert die liberale Tageszeitung La Vanguardia, die Afrikapolitik des Westens zu überdenken: "Die Mehrheit der Milliarde armer Menschen lebt in Afrika, dessen Menschen die geringste Lebenserwartung der Welt haben. Bislang versuchte man, der afrikanischen Armut mit Entwicklungshilfe beizukommen. Man wird aber überlegen müssen, wie man sie besser steuert und einsetzt, unter anderem weil eine Tatsache das Modell der westlichen Hilfe in Frage stellt: Chinas wachsender Einfluss als Akteur in Afrika. Eine von Obamas Prioritäten in Afrika müsste es [deshalb] sein, mit den afrikanischen Staaten zu arbeiten und Politiker zu unterstützen, die es möglich machen, demokratische und verantwortungsbewusste Regierungen zu schaffen. Afrika, der vergessene Kontinent, ist noch immer eine Narbe im Gewissen der Welt." (13.07.2009)

The Times - Großbritannien

Die konservative Tageszeitung The Times lobt Barack Obamas Auftritt in Schwarzafrika. "Obama hat mit viel Unsinn aufgeräumt, als er behauptete, dass Afrikaner nicht mehr oder weniger als andere zu Gutem, zu Üblem, zu Bestechlichkeit, zu Heldentum und zur geduldigen Staatsbildung fähig sind. Ja, sie haben aufgrund von Kriegen und Unrecht einen härteren Kampf als viele andere. Ja, sie haben einige schreckliche Führer (aber sie haben die Apartheid besiegt und gaben der Welt Nelson Mandela und Desmond Tutu). Ja, sie sind aus Stämmen, die einen alten Groll hegen, entstanden - aber so ist es auch in Nordirland und in vielen Teilen Europas. Barack Obama, Sohn eines kenianischen Vaters, hat seine Rhetorik verändert. Er weist sowohl bevormundende Geheimniskrämer als auch unergiebige Kolonialschuld zurück. Ok, bis jetzt sind es nur Worte. Aber es fühlt sich an wie ein Neuanfang. ... Und nach den jüngsten Skandalen in Großbritannien ist es gut, jemand zu hören, für den politische Institutionen die Antwort und nicht das Problem darstellen." (13.07.2009)

La Repubblica - Italien

"Zum ersten Mal, seitdem ein Weißer seinen Fuß auf diesen Kontinent gesetzt hat, ist die Person selbst die Nachricht", schreibt die linksliberale Tageszeitung La Repubblica über den Besuch des US-Präsidenten Barack Obama in Ghana. "Die Botschaft hat ein reales Gesicht, das die verständliche Skepsis der Afrikaner ... überwinden kann. ... Obama ist selbst ein 'kleines Afrika', ein Mensch, der unter den ungünstigsten Bedingungen, die Nordamerika bieten kann, geboren ist, gefangen im Ghetto seiner Hautfarbe. ... Immer den Versuchungen der Straße und den Mahnungen einer Gemeinschaft von Farbigen ausgesetzt, die dem Schwarzen, der 'sich wie ein Weißer verhalten will', noch missbilligt und misstraut. Am Ende ist der Krieger der König geworden, Präsident des mächtigsten Stammes der Erde. Er kann jedem, ob es ein Einwohner von Ghana oder ein Waise von der South Side von Chicago ist sagen: 'yes you can'. Wenn ich gekonnt habe, dann kannst auch du." (12.07.2009)

POLITIK

Právo - Tschechien

Kleine EU-Staaten sollen gemeinsame Armee haben

Verschiedenen Meldungen zu Folge möchte die tschechische Armee ihre letzten dreißig Panzer einmotten. Die linke Tageszeitung Právo fragt sich deshalb, ob es für kleine europäische Länder wie Tschechien sinnvoll ist, eine eigene Armee zu unterhalten: "Braucht Tschechien überhaupt eine Armee? Bedroht uns jemand oder müssen wir in Zukunft eine Bedrohung erwarten? ... Komplette Armeen zu unterhalten, sollte man großen europäischen Ländern wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder Italien überlassen, deren Wirtschaftsstärke die dafür erforderlichen Mittel aufbringen kann. Die mittleren und kleineren Staaten sollten eine komplette gemeinsame Armee unterhalten, zusammengesetzt aus Spezialeinheiten der einzelnen Länder. Keime einer solchen Idee existieren zwar in der Praxis schon, aber es ist noch ein langer Weg, bis derlei als Ganzes funktionieren wird. Die Nato sollte weniger diskutieren und mehr praktisch handeln. Es braucht aber auch ein größeres Maß an Integration in der EU, weil es sich zweifellos um den Keim einer gemeinsamen europäischen Armee handelt." (13.07.2009)

Népszabadság - Ungarn

G8-Gruppe hat sich überlebt

Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság sieht die G8-Gruppe nach ihrem Gipfel in der italienischen Stadt L'Aquila in einer tiefen Krise. "Man kann das Treffen der G8-Staaten nach Belieben benennen, nur eben nicht als G8-Gipfel. So wie der Ort des Treffens, die italienische Stadt L'Aquila, von einem Erdbeben zerstört wurde, so wurde die seit 30 Jahren bestehende Institution (G8) von der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise arg in Mitleidenschaft gezogen. Und so wie in L'Aquila noch die Spuren des Erdbebens zu sehen sind, so klaffen Gräben und Risse zwischen den G8-Staaten und ihren Partnerländern. ... Die G8-Gruppe hat sich überlebt, dies war schon vor der Krise absehbar. Wenn jene internationalen Institutionen, die nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen wurden, bereits zu jener Zeit reformiert worden wären, als sich die Verschiebung der weltwirtschaftlichen Kräfteverhältnisse bemerkbar gemacht hat, hätte die Welt der heutigen Krise viel effektiver begegnen können." (13.07.2009)

Lapin Kansa - Finnland

EU-Lebensmittelpolitik muss nationale Besonderheiten achten

Die Tageszeitung Lapin kansa fordert von der EU bei der Festlegung ihrer Lebensmittelrichtlinien mehr auf nationale Besonderheiten zu achten. Grund ist eine EU-Initiative, die Hygieneregeln für die finnische Fischbrot-Spezialität Kalakukko zu ändern: "Nachdem die Gurke ihre Faszination verloren hat, ist man jetzt dabei Kalakukko, die Delikatesse der Menschen aus dem Gebiet Savo und auch aller anderen Finnen, [den Menschen] wegnehmen zu wollen. Der Grund sind die verschärften EU-Hygienevorschriften, die den Verkauf des traditionellen finnischen Lebensmittels nach dem Herstellungstag verbieten würde. … Kalakukko wird nach einem Tag nicht ungenießbar, sondern bleibt, gut aufbewahrt, sogar eine Woche lang verkauf- und essbar. Die Aufgabe des obersten EU-Lebensmittelhüters ist nicht einfach. In Europa werden immer noch viele solcher Lebensmittel verkauft, die Finnen nicht in ihren Mund stecken würden. Dass man kalakukko zur Delikatesse für einen einzigen Tag erklären will, ist dennoch ein so absurder Plan, dass auch andere als die Kalakukko-Hersteller aus Savo dagegen aufstehen." (13.07.2009)

REFLEXIONEN

Delo - Slowenien

Branko Soban über fehlende Bestrafung der Verantwortlichen des Srebrenica-Massakers

Beim Massaker von Srebrenica wurden vor vierzehn Jahren rund 8.000 bosnische Muslime von bosnischen Serben getötet. Branko Soban prangert in der Tageszeitung Delo die fehlende Bestrafung der Verantwortlichen des Massakers an: "Alle wussten, wo sich Radovan Karadžić und Ratko Mladić verstecken, doch hat sie keiner gesucht. Weder die Nato, die CIA und die Blauhelme, noch der serbische oder andere Geheimdienste. Als [die Chefanklägerin des Internationalen Strafgerichtshofs für Ex-Jugoslawien] Carla del Ponte darüber mit CIA-Direktor George Tenet sprach, hat dieser sie ... mit folgenden Worten weggeschickt: 'Sehen sie liebe Frau, mir ist egal was sie denken.' ... Es ist offensichtlich, dass all diese Menschen kein Interesse an der Wahrheit und auch nicht an einer Bestrafung des Genozids hatten. Dostojewski hat einmal geschrieben, ein Verbrecher muss das Recht auf Strafe haben. Nur diese kann ihn nämlich von der furchtbaren Last, die er auf sich geladen hat, befreien. Europa hat sich von dieser blutigen Last zum Teil durch die [vom Europaparlament im Januar 2009 angenommenen] Resolution zu Srebrenica befreit. Serbien wird sich erst dann davon befreien, wenn Radovan Karadžić und Ratko Mladić für ihre Kriegsverbrechen bestraft werden." (13.07.2009)

Les Echos - Frankreich

Kenneth Rogoff fordert Reformen für Europa

In der Wirtschaftszeitung Les Echos schreibt der US-amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Kenneth Rogoff, Professor an der Harvard University und von 2001 bis 2003 Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), dass Europa eher Reformen als keynesianische Belebungsprogramme brauche, um aus der Finanz- und Wirtschaftskrise herauszukommen: "Manche Beobachter kritisieren die europäischen Ökonomen scharf, die keine so aggressive Währungs- und Haushaltspolitik wie ihre amerikanischen Amtskollegen praktiziert haben. Warum leidet Europa stärker unter der Rezession als die Vereinigten Staaten? Auch wenn alles darauf hindeutet, dass die Vereinigten Staaten für diesen globalen Wirtschaftszusammenbruch verantwortlich sind. Solche Kritiker schätzen, dass Europa in einem viel schlechteren Zustand als die Vereinigten Staaten aus der Krise herauskommen wird. Doch ist es noch zu früh, um ein solches Urteil zu äußern. ... Es ist nicht zentral zu wissen, ob Europa genug aggressive keynesianische Belebungsprogramme einsetzt, sondern ob es in der Lage sein wird, eine tiefe Reform seiner Wirtschaft durchzuführen, sobald die Krise nachlässt. Wenn Europa einen flexibleren Arbeitsmarkt aufrechterhält, wenn seine Finanzmärkte in einer paneuropäischen Art reguliert werden, ... könnte die Wachstumskurve am Ende der Krise wieder steigen." (13.07.2009)

WIRTSCHAFT

Süddeutsche Zeitung - Deutschland

Politik muss bei Operation Wüstensonne mithelfen

Am Montag dieser Woche startet das Solarenergieprojekt Desertec. Es soll einmal das größte Solarstromvorhaben der Welt sein und ein Siebtel des europäischen Strombedarfs decken. Das kommentiert die linksliberale Tageszeitung Süddeutsche Zeitung: "Doch, aber die Vorteile überwiegen die Nachteile. Da wäre erstens der Transport des Stroms, der über das Mittelmeer geleitet werden muss. Mit Gleichstromübertragung ist das jedoch kein großes Problem mehr, und die Mehrkosten fallen kaum ins Gewicht. Zweitens fürchten manche die Abhängigkeit von Staaten, wo man mit islamistischem Terror rechnen muss. Doch Terroristen müssten viele Anlagen gleichzeitig angreifen, um Europa wirklich zu treffen. ... Desertec wäre ein Vorzeigeprojekt für die dümpelnde Mittelmeerunion der EU. Mit Imperialismus - der dritte Einwand - hat das nichts zu tun; man kann sich Geschäftsmodelle überlegen, bei denen Afrikaner von Desertec profitieren.
 Das größte Hindernis: Solarthermische Kraftwerke sind teuer... Die Politik muss mithelfen, damit die Operation Wüstensonne ein Erfolg wird." (13.07.2009)

Jyllands-Posten - Dänemark

Elektrischer Autoantrieb ist noch nicht marktreif

Angesichts der Diskussion über die Einführung elektrisch betriebener Autos dämpft die liberale Tageszeitung Jyllands-Posten die Euphorie von Politikern und fordert Realismus: "Neue Technologien haben die Menschen immer begeistert. Und die Begeisterung ist noch größer, wenn die Technologie den Anschein hat, der Menschheit zum Besten zu dienen. Elektrisch angetriebene Wagen entsprechen dem Zeitgeist, da es auf der politischen Tagesordnung steht, sich von fossilen Brennstoffen und dem Ausstoß schädlicher Treibhausgase frei zu machen. Das ist edel und im Prinzip vernünftig. ... Die Batterietechnologie ist [aber] einfach noch nicht auf einem Niveau, um E-Autos liefern zu können, die die mit Benzin fahrenden Autos ersetzen können." (13.07.2009)

Dagens Nyheter - Schweden

Schweden soll Freihandelsabkommen durchsetzen

Die liberale Tageszeitung Dagens Nyheter fordert von der neuen schwedischen EU-Ratspräsidentschaft mehr Engagement für einen Erfolg der Doha-Welthandelsrunde: "Die Zollmauern der Welt sollten sukzessive niedriger werden, ebenso wie die Agrarsubventionen. Auch der Handel mit Dienstleistungen sollte vereinfacht werden, war der Gedanke. Die Verhandlungen sollten 2005 abgeschlossen werden, sind aber leider jedes Mal gescheitert. ... Die Lehre aus der Krise ist unter anderem, dass alle Formen von Protektionismus die Lage der ohnehin schwachen Konjunktur verschlimmern. Schweden hat in seiner Rolle als EU-Führer eine einzigartige Möglichkeit, die Welt in eine freihandelsfreundliche Richtung zu lenken. Das ist eine Chance, die wir ergreifen sollten." (13.07.2009)

KULTUR

Cotidianul - Rumänien

Ionesco zwischen Frankreich und Rumänien

In diesem Jahr jährt sich zum 100. Mal der Geburtstag von Eugen Ionescu, dem im Westen auch als Eugène Ionesco bekannten französisch-rumänischen Autor des absurden Theaters. Seine Tochter Marie-France Ionesco besteht darauf, dass Ionesco ein Franzose sei und kein Rumäne. Die Tageszeitung Cotidianul schreibt dazu: "Es ist wahr, dass Eugen Ionescu seinen Vater verabscheut hat, weil er gewalttätig und ein Trampel war. Dennoch hat sich dieser dafür eingesetzt, dass sein Sohn das Gymnasium und eine rumänische Uni-Fakultät besuchen konnte, so dass der junge Ionescu Französisch-Lehrer wurde. Es scheint mir absurd, seine Tochter [Marie-France Ionesco] daran erinnern zu müssen, dass Eugen Ionescu auch auf Rumänisch veröffentlichte. Es scheint mir ähnlich absurd, Frau Ionesco an das Detail zu erinnern, dass Eugen Ionescu, als er 1938 nach Frankreich zurückkehrte, ein rumänischer Stipendiat war, und einige Jahre später als rumänischer Staatsbürger Kulturattaché der Antonescu-Regierung [rumänischer Militärdiktator] in [der französischen Stadt] Vichy wurde." (13.07.2009)

MEDIEN

Rzeczpospolita - Polen

Kritik an Meinungsumfragen

Die konservative Tageszeitung Rzeczpospolita kritisiert die linksliberale Konkurrenzzeitung Gazeta Wyborcza, die zu unterschiedlichen Themen Meinungsumfragen veröffentlicht hat: "Einer Untersuchung zufolge fordert die Mehrzahl der Polen die Einführung einer Frauenquote für das Parlament: Dieses Ergebnis war nicht besonders verwunderlich, wenn man es mit den Meinungsumfragen unter den Polen über das Parlament vergleicht. Hier hat sich seit Jahren nichts geändert: Im selben Maß, wie die Regierung, der Präsident und der Premier schlecht bewertet werden, wird auch der Sejm [polnisches Parlament] schlecht angesehen. Der durchschnittliche Pole bewertet dessen Arbeit schlecht und bringt ihm kein Vertrauen entgegen … Die Unterstützung für die Idee, die Hälfte der Sitze des Sejm obligatorisch für Frauen zu reservieren, […] zeigt eher, dass man die Eignung von Frauen für das öffentliche Leben in Frage stellt, als dass man feministische Programme in den Vordergrund stellt." (13.07.2009)

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