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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 09.10.2009

 

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Literatur-Nobelpreis für Herta Müller

Literatur-Nobelpreis für Herta Müller

 

Die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller hat den Nobelpreis für Literatur bekommen. Damit würdigte das schwedische Nobelpreiskomitee in Stockholm am Donnerstag das Werk einer Frau, die im rumänischen Banat aufwuchs, 1987, zu Zeiten des kommunistischen Regimes, in die Bundesrepublik Deutschland auswanderte und auch dort noch vom rumänischen Geheimdienst Securitate verfolgt wurde. Müller habe mit ihrer Sprache "Landschaften der Heimatlosigkeit" gezeichnet, so die Jury. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
România Liberă - Rumänien, Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland, La Repubblica - Italien, Dziennik Gazeta Prawna - Polen

România Liberă - Rumänien

In ihren Büchern verarbeitet die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller unter anderem ihr Leben in der rumänischen Diktatur, schreibt die Tageszeitung România Liberă: "Die Kombination dieser Elemente, denen sie die Erfahrungen der Deportationen ihrer Eltern, inmitten des Zweiten Weltkriegs in die Dobrudscha [Landschaft in Südost-Rumänien und Nordost-Bulgarien] und die UdSSR hinzufügte, ... gibt den Texten von Herta Müller die Dimension einer Tragödie, die die persönliche Erfahrung übersteigt, und lässt sie zur Sprecherin einer größeren Botschaft werden, eines kollektiven Schicksals eines Archetyps des Leidens. ... Es gibt hier eine symbolische Relevanz nicht nur für die Banater Schwaben, nicht nur für die deutschen Kulturen an der Donau und in den Karpaten, sondern auch für jene, die vom kommunistischen System mit Füßen getreten wurden. Wir als Rumänen haben Jahrzehnte verloren, während wir teils verzweifelt auf ein anderes Leben hofften und durchhielten ... . Herta Müller hat sich den Orten und Leuten, von denen sie stammt, nicht verweigert. ... Ihre verschiedenen öffentlichen Äußerungen ... sind der Beweis, dass das Land, aus dem sie stammt, sie immer noch schmerzt, und dass die Wunde nie heilen wird." (09.10.2009)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

"Ein großer Tag für die deutsche Literatur", jubelt Tilman Spreckelsen in der konservativen Tageszeitung Frankfurter Allgemeine Zeitung nach der Vergabe des Literaturnobelpreises an die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller: "Bis zu ihrem bislang letzten Roman Atemschaukel beschreibt sie immer wieder, was staatliche Repression denen zufügt, die ihr unterworfen sind. Darin gleicht sie dem vor sieben Jahren mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichneten Imre Kertész. Und indem nun auch Herta Müller dieser Preis zuerkannt worden ist, geht von der Stockholmer Akademie ein Signal aus, das einige törichte Entscheidungen der vergangenen Jahre vergessen machen könnte. Es ist ein Bekenntnis zu Artistik und Ethik als zwei Seiten einer Medaille und nicht zuletzt auch zu einer zerstörten Diasporakultur und ihrer wortmächtigsten Bewahrerin. Auch deshalb ist die Stockholmer Entscheidung ein großer Tag für die deutsche Literatur." (09.10.2009)

La Repubblica - Italien

"Wenn wir schweigen, werden wir unangenehm, wenn wir reden, werden wir lächerlich," zitiert die linksliberale Tageszeitung La Repubblica aus dem Roman Herztier der frischgekürten deutsch-rumänischen Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller. Es sei "ein Buch mit fiebernder Sprache, das die Angst in einem grausamen Regime wie dem von [dem rumänischen Diktator Nicolae] Ceauşescu spüren ließe, wo alle menschlichen Beziehungen, auch die intimsten, von Verdacht und Denunzierung durchdrungen waren, und wo selbst ein Baum, die Steine am Fluss oder der Himmel die schrecklichen und grotesken Zeichen der staatlichen Kontrolle widerspiegelten. Herta Müller ist eine Chronistin des täglichen Lebens in der Diktatur. Sie ist nicht bereit, zu vergessen, auch nicht jetzt, wo viele im Westen lieber resignieren und angesichts der Tatsache, dass die Mauer gefallen und Ceauşescu nicht mehr da ist, die Vergangenheit lieber vergessen würden." (09.10.2009)

Dziennik Gazeta Prawna - Polen

In der Tageszeitung Dziennik Gazeta Prawna meint Jacek Wakar, der Literaturnobelpreis für die deutsch-rumänische Schriftstellerin Herta Müller sei wenig aufsehenerregend: "Die diesjährige Erklärung der Akademie wurde ohne Emotionen aufgenommen - so, als ob sie nur eine von vielen Nachrichten gewesen wäre, die es jeden Tag gibt. Der Preis für Herta Müller ist halt kein Skandal, und solche hat es ja in den vergangenen zehn Jahren gegeben. Man muss nur an die Auszeichnung von [Autor und Theaterregisseur] Dario Fo erinnern, der sogar in seiner Heimat Italien als politischer Agitator angesehen wird - nur eben im Bereich der Dramaturgie. Sie [die Verleihung des Nobelpreises an Müller] ist jedoch kein Ereignis, das irgendwas in der Hierarchie der Weltliteratur ändern würde. Deswegen ist die prestigeträchtige Auszeichnung der Schriftstellerin zwar zweifellos in Ordnung, doch in keinster Weise etwas Besonderes." (09.10.2009)

POLITIK

Mladá fronta Dnes - Tschechien

Tschechien könnte von Klaus' Obstruktion profitieren

Der tschechische Präsident Václav Klaus hat dem schwedischen Ministerpräsidenten und EU-Ratschef Fredrik Reinfeldt versprochen, den Lissabon-Vertrag zu unterzeichnen, wenn eine nicht näher bezeichnete Fußnote zum Thema Menschenrechte ergänzt wird. Die liberale Tageszeitung Mladá Fronta Dnes erinnert daran, dass auch andere Länder noch etwas in den Vertrag hinein verhandelt hätten: "Es ist unsinnig, Klaus dafür jetzt zu steinigen, auch wenn er damit nicht erst [jetzt] hätte kommen sollen, da die Ratifizierung eilt. Aber ist sein Vorgehen für Tschechien wirklich bloß kontraproduktiv? ... Wären die übrigen tschechischen Politiker zu etwas gut, könnten sie Klaus helfen, die Union 'zu nötigen', einen sehr prestigeträchtigen EU-Kommissarposten zu bekommen, womöglich gar den eines Vizepräsidenten. [Kommissions-] Präsident José Manuel Barroso würde gerne ein schnelles Ende der Ratifizierung mit einem Posten vergelten. Nur, das müsste jemand [in Prag] auch wollen." (09.10.2009)

La Vanguardia - Spanien

Cameron auf mutigem Sparkurs

Die liberale Tageszeitung La Vanguardia kommentiert die Rede des britischen Oppositionsführers und Vorsitzenden der Konservativen Partei (Torys) David Cameron zum Abschluss des Parteitages in Manchester: "Mit der Vorstellung ihres Modells zur Überwindung der Krise haben die Torys auf ihrem Parteitag in Manchester Mut und Realismus bewiesen: Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben, Einfrierung der Gehälter im öffentlichen Dienst, Beschränkung des Einkommenssteuersatzes auf höchstens 50 Prozent, Erhöhung des Rentenalters um ein Jahr, Verzögerung der Erbschaftssteuerreform und weniger Zuschüsse für den Mittelstand. Ein Anti-Krisen-Programm, das den Verlust von Wählerstimmen riskiert, aber gleichzeitig Konsistenz beweist und so den Wählern die Wankelmütigkeit der Regierung von Gordon Brown vor Augen hält." (09.10.2009)

Kaleva - Finnland

Aufhebung von Berlusconis Immunität ist Erfolg für ganz Europa

Die Tageszeitung Kaleva begrüßt die Aufhebung der Immunität des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, auch im Licht des laufenden Wahlfinanzierungsskandals in Finnland: "Der jüngste politische Aufruhr in Finnland hilft die tiefen Verwerfungen in der italienischen Politik klarer zu verstehen. Mit der Aufhebung der Immunität, die Berlusconi als Ministerpräsident Italiens genießt, hat das Verfassungsgericht am Mittwoch dem Recht Bahn gebrochen. … Berlusconi genießt [allerdings] immer noch eine starke Popularität und die Opposition im Land wirkt zahnlos. Bei Neuwahlen könnte der Zuspruch für ihn stark sein. Aber große Popularität und Demokratie sind zwei verschiedene Dinge. Die Aufhebung der Immunität Berlusconis bietet die Möglichkeit, mit der infektiösen Fäulnis in der italienischen Politik aufzuräumen, die auch schlecht für ganz Europa ist." (09.10.2009)

Diário de Notícias - Portugal

Sextouristen sollten nicht Minister werden

Nach seiner Verteidigung von Filmregisseur Roman Polanski ist Frankreichs Kulturminister Frédéric Mitterrand nun auch wegen eines freizügigen Buches über seinen Sextourismus nach Thailand massiv unter Druck geraten. Politische Gegner fordern seinen Rücktritt. Ferreira Fernandes schreibt in der Tageszeitung Diário de Notícias: "Die Autobiographie La Mauvaise Vie, die Frédéric Mitterrand im Jahr 2005 schrieb, ist nun in seinen Händen explodiert. In dem Buch schreibt er, dass er in einem Prostituiertenviertel in Bangkok war und dort käuflichen Sex mit Jungen hatte. ... In Frankreich wurde ein Skandal daraus, und [nun] fordern viele den Rücktritt Mitterrands. Was ist in diesem Fall unwichtig? Dass Frédéric ein Mitterrand ist, weil die Verwandtschaft zu einem politischen Mythos nicht relevant ist. Auch ist es nicht relevant, dass er Mitglied einer Rechtsregierung ist und dass er Sex mit Männern hatte ... , weil die einzige Quelle dafür Mitterrand selbst ist und dieser leugnet, dass es sich um Minderjährige handelte. Man sollte deshalb nur über die Fakten sprechen: Mitterrand war als Sextourist in Thailand. Nur darum geht es. Meine Meinung ist: Ich würde ungern einen Minister haben, der in armen Ländern Sex kauft." (09.10.2009)

REFLEXIONEN

Heti Válasz - Ungarn

Márk Szabó über den politischen Konservatismus in Europa

In der konservativen Wochenzeitung Heti Válasz reflektiert der Politologe Márk Szabó über den politischen Konservatismus der Gegenwart: "Wie sind die Wahlerfolge der konservativen Mitterechtsparteien zu erklären? Die Antwort ist vielleicht im vielfältigen Charakter des europäischen Konservatismus zu suchen: Ebenso wie es keine konservative 'Ideologie' gibt, hat der Konservatismus auch keine einheitliche wirtschaftspolitische Antwort parat. Gerade darin liegt der Erfolg der konservativen Parteien in Europa. Sie beharren nicht auf ein ideologisches Einheitsrezept, sondern versuchen, auf die jeweiligen örtlichen Umstände individuelle Antworten zu geben, ohne dabei dem Opportunismus nachzugeben. Es gibt nach wie vor keine Ähnlichkeit zwischen dem britischen, italienischen, französischen und deutschen Konservatismus. ... Im Gegensatz zur Sozialdemokratie konnte der Konservatismus innovativ, intellektuell flexibel, initiativ und kreativ bleiben. Die Politik der Sozialdemokraten erschöpft sich mehr oder minder darin, den Neoliberalismus zu geißeln. Antworten auf die Probleme der Marktwirtschaft ist sie bislang schuldig geblieben." (09.10.2009)

Der Freitag - Deutschland

Bertram Keller fordert ein Recht auf Anonymität

In der linken Wochenzeitung Der Freitag fordert der Rechtsphilosoph Bertram Keller ein Recht auf Anonymität: "Eine Person kann ihre Identität nur selber bestimmen, wenn sie die Informationen kontrolliert, die öffentlich zirkulieren. Bisher verhindert allein die pure Masse der Daten und die praktischen Inkompatibilitäten der technischen Systeme eine umfassende Rekonstruktion der auffindbaren Informationen unter einem Namen. Aber auf technische Unzulänglichkeiten darf sich die Freiheit nicht verlassen. Nur das Recht, namenlos zu bleiben, garantiert eine wirkliche Kontrolle seiner persönlichen Informationen. Autonomie heißt, selbst über seine Anonymität entscheiden zu können. Ein solches Recht auf autonome Anonymität kann zwei Formen annehmen. Ein Recht auf 'aktive Anonymität' würde einer Person erlauben, ihren Namen zu verdecken, um die Verknüpfung von Informationen mit ihrer Identität zu verhindern und etwa Pseudonyme zu verwenden. ... Ein Recht auf 'passive Anonymität' würde es weitgehend verbieten, Identitäten oder persönliche Informationen zu erfragen. Wieso soll ein Samenspender nicht namenlos bleiben dürfen? Passive Anonymität geht fließend über in das Recht, gewisse Informationen nicht benennen zu müssen. Eine Rechtsperson muss ihre soziale Identität dadurch mitbestimmen können, dass sie Informationen unbenannt lässt." (08.10.2009)

WIRTSCHAFT

The Times - Großbritannien

Royal Mail muss privatisiert werden

Aus Protest gegen Stellenkürzungen und schlechte Arbeitsbedingungen haben die britischen Postangestellten für einen Streik vor Weihnachten gestimmt. Dazu schreibt die konservative Tageszeitung The Times: "Niemand zweifelt daran, dass ein Streik kleinen Unternehmen enorm schaden wird, denen, die auf Rechnungen und Schecks angewiesen sind, Internet-Händlern und all jenen, die hoffen, dass das Weihnachtsgeschäft einen Stimulus schafft und dem Aufschwung hilft. Dies wäre eine Katastrophe für die Regierung, deren Anspruch, Großbritannien aus der Rezession zu führen, weiter beschädigt würde. Aber die Regierung trägt auch [selbst] viel Schuld. Sie hat die Frage, was aus der Royal Mail werden soll, wiederholt vermieden. Im Juli hat [Wirtschaftsminister] Lord [Peter] Mandelson in einer verzagten Kapitulation vor dem Druck von Gewerkschaften und Labour-Hinterbänklern seine Pläne für eine Teilprivatisierung aufgeschoben. Es wird der [Postgewerkschaft] CWU und der Regierung nicht entgangen sein, dass die Streikabstimmung mit dem Parteitag der Konservativen zusammenfällt. Damit sendet die angeschlagene Industrie eine klare Botschaft: Privatisiert uns. Es gibt jetzt keine Alternative mehr." (09.10.2009)

Finance - Slowenien

Slowenisches Interventionsgesetz ist unsinnig

Nach der Insolvenz des slowenischen Textilherstellers Mura und den damit verbundenen Massenentlassungen hat die Regierung ein Interventionsgesetz zur Stabilisierung der wirtschaftlichen und sozialen Situation in der betroffenen nordöstlichen Region Pomurje verabschiedet. Die slowenische Wirtschaftszeitung Finance kritisiert das Gesetz: "Die Regierung will sich mit diesem Interventionsgesetz vor den entlassenen Arbeitern des in Konkurs gegangenen Textilriesen Mura und den zehntausenden Wählern der Region lediglich die Hände rein waschen. ... Und was bringt das Interventionsgesetz den Einwohnern und der Wirtschaft von Pomurje? Sie werden sich wundern - fast nichts, wenn wir einmal das Amt des neuen Gouverneurs von Pomurje und eine neue staatliche Institution ausklammern. ... Die einzige Neuheit ist die Möglichkeit eines verringerten Einkommenssteuersatzes für juristische Personen. Aber für wen? Für Unternehmen mit Sitz in Pomurje oder für neue Unternehmen? Was, wenn Unternehmen absichtlich in Konkurs gehen, um sich in Pomurje neu zu registrieren? ... Die Gefahr des moralischen Hasardspiels ist groß." (09.10.2009)

Lapin Kansa - Finnland

Bierbrauer verlässt Lappland

Das älteste im nordfinnischen Lappland tätige Unternehmen, die Brauerei Lapin Kulta ('Gold Lapplands'), schließt im September 2010 seine Türen und verlagert die Produktion ins südfinnische Lahti. Die Tageszeitung Lapin Kansa schreibt dazu: "Die Entscheidung steht im Widerspruch zu den Versprechungen, mit denen sich der Besitzer [die Firma Hartwall des Heineken-Konzerns] im Frühjahr beweihräuchert hat. Ziel war es ausdrücklich, das traditionsreiche Lapin Kulta als regionale Biermarke in der nordischen und baltischen Region zu etablieren. Neue Exportmöglichkeiten sollten sich zeitgleich eröffnen. Sie werden nun wohl nur ein Traum bleiben. Die Biermarke Lapin Kulta kann man einfach nicht von Lahti aus erfolgreich machen. Hartwall zerstört also endgültig die tragende Vorstellung, die am häufigsten mit der Marke verbunden wird: das Bier, bei dem man die Frische von Gebirgsbächen schmeckt." (09.10.2009)

KULTUR

The Irish Times - Irland

Uni-Rankings wichtig fürs Geschäft

Auf der am Donnerstag veröffentlichten Times Higher Education-Weltrangliste der Universitäten haben irische Hochschulen gut abgeschnitten. Das sollte der Regierung zu denken geben, schreibt die liberale Tageszeitung The Irish Times: "Die starke Vorstellung des irischen Universitätssektors ... ist ein beeindruckender Erfolg, der weithin begrüßt werden sollte. ... Die kritische Bedeutung dieser Ranglisten steht außer Zweifel. Die empfundene Qualität des tertiären Bildungssektors ist ein Schlüsselfaktor, wenn es darum geht, ausländische Investitionen anzuziehen. Die Ranglisten können Irland außerdem helfen, mehr ausländische Studierende anzuziehen - eine lukrative Geschäftschance, die die Regierung erst langsam zu nutzen beginnt. Hoffentlich werden die neuesten Rankings dazu beitragen, dass die Entscheidungsträger innehalten und ihre derzeitige [bildungspolitische] Kahlschlagsstrategie durch eine breitere Perspektive ersetzen." (09.10.2009)

Latvijas Avīze - Lettland

Französischer Film stößt in Russland auf Unverständnis

Die Tageszeitung Latvijas Avīze verweist darauf, dass der im September angelaufene französische Kinofilm L'affaire Farewell des Regisseurs Christian Carion über den KGB-Überläufer Wladimir Wetrow (1932-1985) auch politische Hindernisse habe überwinden müssen: "Forscher vertreten die Ansicht, dass Wetrow durchaus zum Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion beigetragen hat. Sein Motiv war dabei nicht das Geld, sondern die langsam heranreifende Erkenntnis, dass das faulende System die Sowjetunion und nicht der Kapitalismus war. Dieses Bewusstsein erlangte Wetrow auch in den Sechzigerjahren in Paris, wo er mit dem süßen Leben und der Freiheit in Kontakt kam. … Carion wollte russische Kollegen beteiligen, stieß aber rasch auf Probleme: Die Behörden warnten, das Volk werde eine Beteiligung an einem solchen Film nicht verstehen, in dem ein Halunke und Verräter verteidigt werde. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass der Film natürlich auch nicht auf dem Moskauer Festival gezeigt wurde und in Russland nur in Form von Raub-DVDs im Umlauf ist." (09.10.2009)

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