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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 26.11.2009

 

TOP-THEMA

Keine Gewalt gegen Frauen

Keine Gewalt gegen Frauen

 

Gewalt gegen Frauen betrifft nicht mehr nur Randgruppen wie Arme oder Ungebildete, sondern die gesamte Gesellschaft. Zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am Mittwoch reflektieren Medien die tief liegenden Ursachen der Aggressionen. » mehr

Mit Artikeln aus folgenden Publikationen:
Público - Spanien, Večer - Slowenien, Le Monde - Frankreich

Público - Spanien

Die Wurzeln der Gewalt gegen Frauen reichen tief hinab in die Kultur, schreibt die Friedensforscherin Carmen Magallón in der linken Tageszeitung Público. Sie erklärt die Ursachen mit der Theorie des Soziologen Johan Galtung: "Das Modell von Galtung lässt die kausalen Bewegungen leichter verstehen, die sich zwischen den drei Gewaltformen abspielen. Diese Bewegungen verlaufen in alle Richtungen, aber vor allem von der kulturellen über die strukturelle zur direkten Gewalt. Die symbolische Abwertung der Frau (kulturelle Gewalt) führte im Laufe der Geschichte zu einem Status der Unterordnung und der Ausgrenzung (strukturelle Gewalt) und dieser Ausschluss und der Mangel an Macht unterstützt den Prozess, zu einem Objekt körperlicher Misshandlung zu werden (direkte Gewalt). Die Langsamkeit des Fortschritts [im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen] erklärt sich aus der tief liegenden symbolisch-kulturellen Hauptwurzel dieser Gewalt." (26.11.2009)

Večer - Slowenien

Anlässlich des internationalen Tages zur Beseitigung der Gewalt gegen Frauen treibt die Tageszeitung Večer die slowenischen Richter an, sich an die Gesetze zu halten: "Es ist ermutigend, dass immer weniger Frauen Angst davor haben, Gewalt zu melden, und sich nicht dafür schämen. ... Doch umso unverständlicher ist, dass gerade diejenigen wegschauen, die gegen Gewalt eingreifen müssten. Auf der Anklagebank befinden sich deshalb Sozialarbeiter und Richter, die bei der Verhinderung von Gewalt innerhalb von Familien zu oft schlechtere Arbeit leisten als die Polizei. Es reicht nicht aus, dass Slowenien vor anderthalb Jahren als eines der ersten Länder in Europa ein Gesetz zur Vermeidung von Gewalt in Familien bekommen hat, womit wir gerne angeben. Es ist höchste Zeit das Gesetz auch anzuwenden. Es wäre gut, wenn auch andere Minister dem Beispiel unserer Innenministerin Katarina Kresal folgen und hier und da ihren Mitarbeitern sagen würden, dass es bei uns keine Toleranz gegenüber Gewalt gibt, wie man den Opfern hilft und wie gegen die Gewalttäter vorzugehen ist." (26.11.2009)

Le Monde - Frankreich

Im Kampf gegen die Gewalt gegen Frauen hat Frankreich eine neue Kampagne gestartet, was die Tageszeitung Le Monde begrüßt: "Die Regierung hat entschieden, dem 1972 ... begonnenen Kampf für die Sicherheit der Frauen einen neuen Anstoß zu geben. [Der Ministerpräsident] François Fillon hat den Kampf zur 'nationalen Angelegenheit' für 2010 erklärt, was wiederum den Vereinen ermöglichen soll, ihre Botschaften kostenlos und flächendeckend zu verbreiten. Eine lobenswerte Entscheidung, die von weiteren Regierungsmaßnahmen begleitet wird ... . In Spanien wurde bereits 2004 ein 'Verfassungsergänzungsgesetz gegen Geschlechter-Gewalt' nach einer Initiative der sozialistischen Regierung von José Luis Zapatero verabschiedet, das alle Aspekte dieser Gewalttaten in Betracht zieht ... . Jenseits des Strafarsenals ist es aber wichtig, die Prävention weiterzuentwickeln, ebenso wie die Erziehung und die Solidarität: um endlich der Würdelosigkeit zu entkommen." (25.11.2009)

POLITIK

De Volkskrant - Niederlande

Türkei muss Wilders empfangen

Der außenpolitische Ausschuss des niederländischen Parlaments droht damit, seine Reise in die Türkei abzusagen, weil die türkische Regierung den Rechtspopulisten und Vorsitzenden der Partei für die Freiheit (PVV) Geert Wilders nicht einreisen lassen will. Angesichts des umstrittenen EU-Beitritts der Türkei wäre es unklug, Wilders nicht zu empfangen, meint die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Der PVV-Führer provoziert gerne und hat sich wiederholt geringschätzig über die nach seiner Ansicht 'rückständige' muslimische Kultur geäußert. Das trägt wenig zu einem fruchtbaren Dialog bei und löst selbstverständlich Ärger aus, aber es ist kein Grund, ihm die Einreise zu verweigern. Das gilt auch für seine Kritik am demokratischen System der Türkei. ... Wenn sie Wilders abweisen, bestätigen die türkischen Behörden nur das Vorurteil, das sie einem kritischen Dialog nicht offen gegenüber stehen." (26.11.2009)

Die Presse - Österreich

Brüssel zu schwach gegen USA

Im Streit um ein Abkommen zwischen der EU und den USA zur Weitergabe von Bankdaten (Swift) im Zuge der Terrorbekämpfung suchen die schwedische Ratspräsidentschaft und die EU-Kommission nun einen raschen Abschluss. Für die Tageszeitung Die Presse ein weiteres Bespiel dafür, dass man die EU in Washington nicht ernst nimmt: "Es geht aber andererseits vor allem darum, dass Europa erneut kein Rückgrat gezeigt hat. Wie bei der Abnahme von Fingerabdrücken bei der US-Einreise, über die man sich verbal furchtbar erregte - und das war's dann. Oder bei der jetzt geplanten Einführung einer Zehn-Dollar-Einreisegebühr: Zwar droht man in Brüssel als Gegenmaßnahme mit der Einführung einer Visumpflicht für US-Amerikaner, aber man kann schon jetzt Wetten abschließen, dass es nie dazu kommen wird. Bei den Swift-Daten hätte Europa jedes Recht gehabt, sich einen Zugriff politisch teuer abkaufen zu lassen: Denn die USA haben diese Daten bereits seit den Anschlägen vom 11. September unter dem Deckmäntelchen der Nationalen Sicherheit illegal ohne Wissen der Europäer durchsucht. ... In Washington reagiert man nur auf eine Politik der Stärke." (26.11.2009)

Hospodářské noviny - Tschechien

Merkel gerät zwischen die Fronten

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel gerät nach Auffassung der Wirtschaftszeitung Hospodářské Noviny wegen des Streits um die Vertriebenen-Politikerin Erika Steinbach zwischen die Fronten. Steinbach besteht auf einem Sitz im Beirat der geplanten Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung, was nicht nur in Polen, sondern auch beim deutschen Außenminister Guido Westerwelle auf Widerstand stößt: "In der Großen Koalition mit den Sozialdemokraten entledigte sich Merkel des Problems elegant, indem sie ihren damaligen [sozialdemokratischen] Außenminister Frank-Walter Steinmeier sein Veto einlegen ließ. Jetzt versuchte sie das Problem zu umkurven. Sie bot Steinbach den Posten eines Staatssekretärs mit einem Monatssalär von 9.000 Euro und einem Dienstwagen an. Doch die Vertriebenen-Präsidentin lehnte ab. ... Unterstützt die Bundesregierung Steinbach, dann riskiert sie eine Verschlechterung der Beziehungen zu Polen. Lehnt sie sie ab, dann bringt sie nicht nur den Bund der Vertriebenen, sondern auch die CSU gegen sich auf." (26.11.2009)

WIRTSCHAFT

Berner Zeitung - Schweiz

Dollar und Franken gleichauf

Dollar und Schweizer Franken sind nun auf Augenhöhe - nicht unbedingt ein gutes Zeichen für die Weltwirtschaft, schreibt die Berner Zeitung: "Die durch einen schwachen Dollar ausgelösten Währungsturbulenzen werden nicht rasch abklingen. Die Ursachen des schwachen Dollars liegen nämlich in der höchsten Verschuldung der USA in Friedenszeiten. Um einen Absturz in die Depression zu vermeiden, sind die Staatsschulden auf jährlich über zwölf Prozent des Bruttoinlandprodukts geklettert. Das Fed hat gleichzeitig die Märkte mit billigem Geld überflutet. Allen Experten ist klar, dass dieser Zustand nicht ewig andauern kann. Den meisten Experten ist aber auch klar, dass es jetzt noch zu früh wäre, die Zinsen zu erhöhen und den Staatshaushalt zu sanieren. Das würde wahrscheinlich zu einem erneuten Kollaps der Wirtschaft führen. Fazit: Die Welt wird noch eine Weile mit dem schwachen Dollar leben müssen " (25.11.2009)

Világgazdaság - Ungarn

Währungsfonds muss umdenken

Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn hat Vorschläge abblitzen lassen, den internationalen Fluss rein spekulativer Geldströme zu besteuern. Anlass war Brasiliens Entscheidung, auf kurzfristige Kapitalzuflüsse eine Steuer in Höhe von zwei Prozent zu erheben, um eine Spekulationsblase zu vermeiden. Harvard-Professor Dani Rodrik kritisiert den Vorstoß in der Wirtschaftszeitung Világgazdaság: "Leider lässt das den neuen IWF so wie den alten klingen. ... Die Reaktion des IWF auf Brasiliens Finanzsteuer spiegelt wider, wie tief der Finanz-Fetischismus verwurzelt ist. Das Problem sind nicht nur Marktfundamentalisten. Der Mangel an Vorstellungskraft erstreckt sich über das gesamte politische Spektrum. Es gibt einen berühmten Ausspruch von John Maynard Keynes zu Kapitalverkehrskontrollen: 'Was einst als Häresie galt, wird jetzt als Lehrmeinung bestätigt.' Das war zu Beginn der Bretton-Woods-Ära im Jahr 1945. Welch Ironie, dass wir unser Denken mehr als 60 Jahre später dem gleichen Wandel unterziehen müssen." (25.11.2009)

REFLEXIONEN

Karjalainen - Finnland

Über den Kriegsbeginn in Finnland und wechselnde Bündnisse

Vor 70 Jahren überfiel die Sowjetunion Finnland. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wechselte das kleine Land zwei mal die Bündnispartner. Die ostfinnische Tageszeitung Karjalainen reflektiert über die äußeren Zwänge für kleine Staaten: "Unabhängigkeit ist immer ein Machtverhältnis: Unabhängig werden heißt unabhängig werden von jemandem. Finnland wurde zuerst unabhängig von Schweden, dann von Russland. In den 30er Jahren war Finnland ein junger Staat, im waffenfähigen Alter, der tiefe Vorurteile gegen das Wirtschaftssystem seines großen Nachbarn empfunden hat. Finnland fühlte sich bedroht und suchte Hilfe aus allen Himmelsrichtungen. Ein kleines Land kann jedoch keine unabhängigen Entscheidungen treffen. Finnlands Weg zeugt davon. Im Frühjahr 1940 war Finnland eine Zeit lang Verbündeter von Großbritannien und Frankreich gegen die Sowjetunion und Deutschland. Ein Jahr später kämpfte Finnland auf der Seite von Deutschland gegen die Sowjetunion und die westlichen Alliierten. Im Sommer 1944 stand Finnland auf der Seite der Sowjetunion im Krieg gegen Deutschland. Wenn die Möglichkeiten eines kleinen Landes begrenzt sind, müssen sich deren Führer dem Lauf der Geschichte anpassen." (26.11.2009)

Kathimerini - Griechenland

Nikos Martis über die Bedeutung Mazedoniens für Griechenland

Die Republik Mazedonien und Griechenland tragen seit Jahren einen Namensstreit aus. Der ehemalige griechische Minister Nikos Martis schreibt in der Tageszeitung Kathimerini über die Bedeutung Mazedoniens für Griechenland: "Nikola Gruevski [Ministerpräsident der Republik Mazedonien] besteht auf den historischen Betrug: [Die Diktatoren Josip] Tito und [Josef] Stalin haben vor Beginn des Kalten Kriegs die Definition 'mazedonisches Volk' mit dem Ziel ins Leben gerufen, Griechenland die Region Mazedonien wegzunehmen. ... Weil gerade Schweden den EU-Vorsitz inne hat, möchte ich auf einen Bericht des schwedischen Instituts für Auswärtige Angelegenheiten verweisen ... : 'Wir müssen uns alle bewusst werden, auch die Minister, dass die Geschichte Mazedoniens nicht nur die Geschichte Griechenlands ist, sondern auch der Europäer, weil die Mazedonier die griechische Kultur in die ganze Welt verbreitet haben.' Für Griechenland ist Mazedonien eine griechische Region." (25.11.2009)

KULTUR

NRC Handelsblad - Niederlande

Fremdgehen nur in Romanen akzeptabel

Der autobiografische Roman des Autors Kluun über einen Mann, der seine krebskranke, sterbende Frau betrügt, hat einen unerwarteten Erfolg. Das Buch wurde bereits eine Million mal verkauft, vor allem an Frauen. Warum, fragt sich das NRC Handelsblad: "Was zeigt dies nun? Sind viele Frauen Masochisten, angezogen von Formen männlichen Verhaltens, die ihren Selbstrespekt verletzen? Unwahrscheinlich. Sind viele Frauen heimlich Befürworterinnen der freien Liebe und streben nicht länger nach eine monogamen Beziehung? Noch unwahrscheinlicher. Die Lösung des Rätsels liegt auf der Hand: Es gähnt eine unglaubliche Kluft zwischen den Auffassungen von Frauen (und Männern) im alltäglichen Leben und dem, was sie von einem Roman oder anderen Kunstwerk erwarten. ... Das Merkwürdige ist nur, dass dieser Unterschied von vielen nicht mehr erkannt wird, sobald eine Verbindung mit Sex oder allgemeinen Sitten hergestellt wird." (26.11.2009)

GESELLSCHAFT

Diário de Notícias - Portugal

Justiz-Mängel sind Schande

Portugals Medien bringen täglich Nachrichten über Korruptionsfälle, in die Politiker und andere führende Persönlichkeiten verwickelt sind. Das sei keine Neuigkeit, meint die Politikerin Maria José Nogueira Pinto, und die Schuld dafür trage die Justiz: "Ich wundere mich darüber, aber nicht wegen des Themas, das sehr wichtig ist, sondern weil es wie etwas Neues behandelt wird ... . Die Korruption ist mit dem schlechten Funktionieren der Justiz verbunden, welche ehrlich gesagt die größte Korruption darstellt. Verbrechen gab es immer und wird es immer geben. Aber die Gewissheit der Straflosigkeit, die Wahrnehmung der Nutzlosigkeit des Gesetzes, der Unglaube in die Gerichte - das dürfte in einem Rechtsstaat nicht vorkommen. Die Korruption im Kern der Regierung und des Systems ist nun schon seit einigen Jahren eine Tatsache." (26.11.2009)

MEDIEN

The Times - Großbritannien

Wikipedia ist anti-intellektuelles Projekt

Die englischsprachige Version der Online-Enzyklopädie Wikipedia hat laut einer Studie Zehntausende Autoren verloren. Die Tageszeitung The Times nimmt dies zum Anlass, das Portal grundsätzlich in Frage zustellen: "Der anhaltende Rückgang bei der Zahl der Wikipedia-Redakteure könnte das Ende der Dominanz einer bemerkenswerten Online-Ressource signalisieren. ... Wikipedia ist im Kern ein anti-intellektuelles Projekt. Wissen ist im Grunde demokratisch, da niemand das Recht auf das letzte Wort hat. Wikipedia ist auf eine andere, zerstörerische Art und Weise demokratisch, da jeder unabhängig von seiner Kompetenz mitmachen kann. Der Beitrag eines jeden Redakteurs ist von gleichem Wert. Das ist ein Affront gegenüber dem Konzept einer uneigennützigen intellektuellen Recherche. Wikipedia würdigt nicht die größere Annäherung an die Wahrheit, sondern einen höheren Grad an Konsens. Dieser Ethos unterminiert Wikipedia prinzipiell als Auskunftsquelle. ... Wikipedia steht für eitlen Dilettantismus." (25.11.2009)

LOKALE FARBEN

Evenimentul Zilei - Rumänien

Ein Parkplatz ist Gold wert

In der rumänischen Hauptstadt Bukarest gibt es weit mehr Autos als Parkplätze. Dies führt zu einem erbitterten Kampf der Autofahrer um die Parklücke und einem boomenden Geschäft für Immobilienmakler, schreibt die Tageszeitung Evenimentul Zilei: "Für ihr Stück Straße ... tun sie fast alles - sie stellen Fallen, reißen Scheibenwischer oder Plaketten ab, warten die ganze Nacht auf den Kriminellen, der es wagt ihr [Parkplatz-]Territorium zu betreten. ... So ist es nicht verwunderlich, dass die Immobilienmakler im Geschäft mit den Autobesitzern eine Goldgrube entdeckt haben. ... Niemand entkommt einer Gebühr von 5.000 Euro [für einen Parkplatz im Jahr] und je nach Stadtteil oder gewünschtem Komfort müssen bis zu 15.000 Euro bezahlt werden. ... Der Preis, den manche Verzweifelte zahlen, um ihre Ruhe zu haben, ist manchmal höher als der Wert ihres Fahrzeuges. ... Sicher, die Lösung könnte sein, das Auto 'zu Hause zu lassen', doch warum hat man sich dann eines gekauft?" (26.11.2009)

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