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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 10.03.2010

 

TOP-THEMA

Streit um europäischen Währungsfonds

 

Der deutsche Vorschlag für einen europäischen Währungsfonds hat Streit zwischen Politik und Währungshütern ausgelöst. Während die EU-Kommission den Aufbau einer solchen Institution erwägt, lehnen führende Zentralbanker des Euroraums die Idee ab. Der Fonds könnte notleidenden Euroländern helfen, meint die Presse, aber eine Stärkung bestehender Institutionen ebenfalls.

De Volkskrant - Niederlande

Europa braucht eigenen Fonds

Die Idee für einen europäischen Währungsfond muss ernst genommen werden, schreibt die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Die griechische Krise hat gezeigt, dass es Europa an Instrumenten fehlt, wenn eines der Euroländer in Schwierigkeiten gerät und Hilfe notwendig ist. Bei europäischen Politikern herrscht zurecht die starke Einsicht, dass man nicht tatenlos zusehen kann, wenn einem Euroland der Bankrott droht. Das Risiko ist zu groß, dass danach auch andere, schwache Euroländer in Schwierigkeiten geraten und der Euro selbst in Frage gestellt wird. ... Kann der [Internationale Währungsfonds] IWF in so einem Fall nicht einspringen? Dafür könnte man Argumente finden: Der IWF hat sich auf diesem Gebiet bereits bewiesen, und in Europa gibt es wenig Bedürfnis nach einer neuen, teuren Instanz. Dennoch muss Europa langfristig in der Lage sein, seine eigenen Probleme zu lösen." (10.03.2010)

Expansión - Spanien

Deutscher Vorschlag ungewöhnlich

Die griechische Schuldenkrise könnte zu einer Chance für Europa werden, meint die Wirtschaftszeitung Expansión: "Krisen zwingen zu Veränderungen. Und die griechische Krise, die den Euroraum heimsucht, könnte zu einer unverhofften Gelegenheit werden, um die Grundlagen der Ordnungspolitik für die europäische Einheitswährung zu verbessern. Der neue Vorschlag heißt Europäischer Währungsfonds. ... Das Überraschende daran ist, dass ausgerechnet Deutschland den Europäischen Währungsfonds vorgeschlagen hat, obwohl es sonst immer dagegen war, ein Gegengewicht zur Europäischen Zentralbank zu schaffen. Der einzige Grund, der diesen Vorschlag erklärt: Deutschland wollte damit anderen Alternativen zuvorkommen, um diese damit auszuschließen - stärker politische und ambitioniertere Alternativen, wie Frankreich sie bevorzugen würde." (10.03.2010)

The Guardian - Großbritannien

Starke Institutionen helfen besser

Statt eines europäischen Währungsfonds (EWF) braucht die Eurozone starke Institutionen, meint die linksliberale Tageszeitung The Guardian: "Falls jemals ein EWF geschaffen wird (ein großes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass der Lissabon-Vertrag nachverhandelt werden muss), wird er wahrscheinlich nicht sehr nützlich sein. Er wird den Regierungen, die ihre Verschuldungsgrenze überschreiten, vermutlich mit erhobenem Zeigefinger drohen, und man kann sich schwer vorstellen, dass die deutschen Wähler solch eine Institution und deren Kriegskasse finanzieren. ... Er wird nicht dazu beitragen, die Eurozone zu kitten, die langsam auseinanderfällt. Wenn ein aus 16 Ländern bestehender Wirtschaftsklub erwachsen werden will, braucht er starke Institutionen und Regulierungsbehörden - und das Bewusstsein seiner Mitglieder, dass alle in einem Boot sitzen." (10.03.2010)

POLITIK

Corriere della Sera - Italien

Papandreou erwirbt Respekt bei Obama

Die griechische Regierung erwartet beim nächsten Treffen der G-20-Staaten Gespräche über Maßnahmen gegen Spekulationsgeschäfte. Das erklärte Ministerpräsident Giorgos Papandreou am Dienstag in Washington nach einem Gespräch mit US-Präsident Barack Obama. Die liberal-konservative Tageszeitung Corriere della Sera hebt hervor, dass der Premier bei der Erörterung der Finanzkrise seines Landes nicht als Bittsteller aufgetreten ist: "Die USA haben geglaubt, sie würden die verzweifelte Führungskraft eines Balkanstaates vor sich haben. Einen, der bittend und bettelnd den Hut hinhält, unfähig, bei sich zu Hause für Ordnung zu sorgen. Stattdessen haben sie es mit einem stolzen und vernünftigen Staatschef zu tun gehabt, der nicht um Geld, sondern um politische Hilfe bittet, damit die Spekulationsattacken von der Wall Street gegen Griechenland eingedämmt werden. ... Ob die Versprechen gehalten werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist, dass Premier Papandreou mit dem Respekt der US-Amerikaner nach Europa zurückkehrt." (10.03.2010)

Hospodářské noviny - Tschechien

Russland pokert zu hoch bei Atomfrage

Die USA und Russland haben sich zum Auftakt neuer Gespräche über atomare Abrüstung darauf geeinigt, schnellstmöglich ein Nachfolgeabkommen für den Start-Vertrag erzielen zu wollen. Trotzdem besteht Moskau nach wie vor darauf, Raketenabwehrsysteme in das Abkommen einzubeziehen, was nach Meinung der Wirtschaftszeitung Hospodářské noviny unverständlich ist: "Obama soll somit überdenken, was er schon einmal überdacht hat - dass eine Radarstation und Raketen in Rumänien ebenso unannehmbar sind wie in Tschechien und Polen, wo sie ursprünglich geplant waren. ... Ein Vertrag, in den die Raketenabwehr eingebunden ist, hätte im US-amerikanischen Senat aber keine Chance, ratifiziert zu werden. Russland sollte sich bewusst werden, dass es mit seinem dahinsiechenden militärischen Arsenal am kürzeren Hebel sitzt. Russland hat mehr Gründe als die USA für eine Einigung in der Atomfrage." (10.03.2010)

Irish Examiner - Irland

Islamische Intoleranz unannehmbar

In Irland sind am Dienstag sieben Muslime verhaftet worden, weil sie vermutlich den schwedischen Karikaturisten Lars Vilks umbringen wollten. Die Tageszeitung Irish Examiner sieht darin den Zusammenstoß der Kulturen: "Die gestrige Verhaftung von sieben Personen in Verbindung mit der Untersuchung eines Mordkomplotts gegen einen schwedischen Karikaturisten erinnert deutlich daran, wie verbreitet der internationale Terrorismus ist. Sie erinnert auch an die Art von Intoleranz, die im Westen inakzetabel geworden ist. Lars Vilks Cartoons, die den Propheten Mohammed mit dem Körper eines Hundes zeigen, war für viele Muslime beleidigend. Aber das bedeutet nicht, dass er ermordet oder in irgendeiner Weise misshandelt werden dürfte. Niemand der Verhafteten wurde bisher angeklagt oder gar verurteilt, daher bleiben sie - in unserem System - unschuldig. Die Verhaftungen beleuchten jedoch den großen Zusammenstoß der Kulturen, um den wir uns früher oder später kümmern müssen." (10.03.2010)

REFLEXIONEN

Le Temps - Schweiz

Thomas Hammarberg über den Wert der Freiheit, Burkas zu tragen

Der Menschenrechtskommissar des Europarats Thomas Hammarberg hat sich am Montag gegen ein Burka-Verbot ausgesprochen, das zum Beispiel Frankreich diskutiert. In der Tageszeitung Le Temps erklärt er, dass ein Verbot des Ganzkörperschleiers gegen europäische Werte verstößt: "Den Anhängern des allgemeinen Verbots der Burka und des Nikab ist es nicht gelungen zu beweisen, dass diese Kleider auf die eine oder andere Art Demokratie und Sicherheit, öffentliche Ordnung oder Moral beeinträchtigen. Ihre Thesen sind vor allem aufgrund der geringen Anzahl von Frauen, die solche Bekleidungen tragen, wenig überzeugend. Es ist auch unmöglich zu beweisen, dass diese Frauen generell häufiger als andere Frauen Opfer von Unterdrückung werden. ... Zu Recht reagieren wir heftig auf Regime, die den Frauen das Tragen des Ganzkörperschleiers aufzwingen. Es ist eine von Grund auf repressive und unannehmbare Maßnahme. Aber sie lässt sich nicht dadurch bekämpfen, dass man solche Bekleidung in anderen Ländern verbietet. ... Die missglückte Auseinandersetzung um das Verbot hat eine Spaltung der Gesellschaft verursacht. Grundsätzlich sollte es der Staat vermeiden, Gesetze über den Kleidungsstil der Menschen zu erlassen." (10.03.2010)

Nagyítás - Ungarn

Loránd Bertók über Kreative und Kretins

Der Homo sapiens gliedert sich in zwei Menschentypen, schreibt der Mediziner Loránd Bertók in der konservativen Wochenzeitung Nagyítás: den spielenden Menschen Homo ludens und den Homo formans, der nur der Form nach Mensch ist: "Der Homo Ludens strebt nicht nach seinem Vorteil (mehr Nahrung, Nutzen, Macht), sondern geht Beschäftigungen nach, die er mag, die ihm gefallen ... und die seinen Zeitgenossen in vielen Fällen nutzlos und unverständlich erscheinen. ... Freilich: Ein Teil seiner Gedanken und Erkenntnisse kann der Menschheit viel Nutzen bringen. Sie können aber auch großen Schaden verursachen, wenn sie für schlechte Ziele gebraucht werden (zum Beispiel Schießpulver, atomare und biologische Waffen und so weiter). Aus dem Kreis der spielenden Menschen gehen die Wissenschaftler, Erfinder und Kunstschaffenden hervor. Im Grunde ist der Fortschritt der gesamten Menschheit ihnen zu verdanken. ... Dem Homo formans, der bloß der Form nach Mensch ist, begegnen wir Tag für Tag. Wir alle haben schon Fleischberge mit einschüchterndem Auftreten und aggressivem Naturell gesehen. Diesen Typus hat es schon immer gegeben. Seine Häufigkeit hängt vom geistig-moralischen Niveau der jeweiligen Zeit ab. Je höher das geistig-moralische Niveau einer Gesellschaft ist, umso seltener ist der Homo formans anzutreffen, und umso kleiner ist sein Einfluss." (10.03.2010)

WIRTSCHAFT

Neue Zürcher Zeitung - Schweiz

Boeing boxt sich durch

Der europäische Luftfahrtkonzern EADS und sein US-amerikanischer Partner Northrop Grumman sind am Montag aus dem milliardenschweren Bieterverfahren für ein neues Tankflugzeug der US-Luftwaffe ausgestiegen. Die Neue Zürcher Zeitung sieht einen ausgewachsenen Skandal: "Offensichtlich sind die Parameter für die Ausschreibung seither zugunsten Boeings geändert worden, weshalb Northrop Grumman vor dem Ablauf der Eingabefristen nun das Handtuch geworfen hat. [Es] ist sicher, dass jetzt nicht das beste Produkt zum Zug kommen wird, und wenn man die bisher bekannten Spezifikationen der von Boeing angebotenen 767-Tanker ansieht, kommt man nicht um das Gefühl herum, dass die endgültige Version auch wesentlich teurer werden wird. Alles in allem also eine unschöne Geschichte, die noch lange die transatlantischen Beziehungen trüben könnte. Rüstungszusammenarbeit, so scheint es, ist für Amerika nur lohnend, wenn sie in eine Richtung verläuft." (10.03.2010)

Les Echos - Frankreich

Die lehrreiche Internetblase der 1990er

Vor zehn Jahren platzte die Internetblase der New Economy. Seitdem fällt es Anlegern immer schwerer, den Aktienmärkten zu vertrauen. In ihrem Leitartikel analysiert die Wirtschaftszeitung Les Echos die Folgen und Ursachen der Internetblase: "Die Börse, die sich in den letzten fünf Jahren kräftig verspekuliert hat, lag Ende der 1990er Jahre nicht vollkommen daneben. Zweifellos haben die Dollars der Internetblase zu viele Start-Ups finanziert, die keine Zukunft hatten. Aber mehr als über den Inhalt ist die Börse über das Tempo gestolpert. Das Potenzial des Internets war und bleibt real, man hätte allerdings ein bisschen länger abwarten müssen, damit die vielversprechenden jungen Sprösslinge ihre Ziele auch erreichen. Vielleicht hat die Börse zu früh zu viel Geld zurückgezogen. Sie wird die Milliarden jedoch nicht völlig umsonst verbrannt haben. ... Vor allem aber hat die Internetblase, als sie zerplatzte, nicht den Rest der Wirtschaft mit sich gezogen." (10.03.2010)

KULTUR

Frankfurter Allgemeine Zeitung - Deutschland

Reporter-Biographie wirft Licht auf Polens Vergangenheit

Die neue Biographie über den polnischen Journalisten Ryszard Kapuściński von Artur Domosławski kratzt an der Reporterlegende und wirft in Polen erneut die Frage auf, wie man mit der kommunistischen Vergangenheit umgehen soll. Eher als in Deutschland, schreibt die konservative Frankfurter Allgemeine Zeitung: "Die Kapuściński-Biographie bewegt die Gemüter nun nicht nur, weil hier ein in Polen gefeierter und international bekannter Autor entheroisiert wird, sondern auch deswegen, weil sie summa summarum gegen eine strenge Verurteilung des sogenannten kommunistischen Regimes gerichtet ist. ... Die Diskussion um die Biographie schreibt sich in die seit Jahren währende Debatte über die Einschätzung des Ancien Régime ein, vor allem über die Frage, wie man die Geschichte Volkspolens schreiben sollte und könnte. ... Es fehlt ein Dazwischen, etwa eine Würdigung der Tausenden von Oppositionellen, die sich in der Solidarność-Bewegung engagiert und die letztlich den Regimewechsel herbeigeführt haben. ... So mancher schaut daher mit Neid auf Deutschland, wo die Demonstrationen von 1989 und die Oppositionellen der DDR, die sich gegen das, was sich in Polen getan hat, bescheiden ausnehmen, immer wieder gewürdigt werden." (10.03.2010)

GESELLSCHAFT

De Standaard - Belgien

Papst muss Zölibat abschaffen

Nach den Skandalen um sexuellen Missbrauch durch katholische Priester wird die deutsche Bischofskonferenz mit Papst Benedikt XVI. zusammentreffen. Das Grundproblem des Missbrauchs ist der Zölibat, der grundlegend infrage gestellt werden muss, meint der Schweizer Theologieprofessor Hans Küng in der Tageszeitung De Standaard: "Hat die Kirche nicht auch ein Recht auf ein mea culpa des Papstes? Und muss so ein Ausdruck von Reue nicht mit Besserung verbunden sein, indem man zulässt, dass die Zölibatsregel, die während des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht besprochen werden durfte, endlich offen und in aller Freiheit dem Urteil der gesamten Kirche unterworfen wird? Dieselbe Offenheit, mit der die Kirche zurzeit endlich versucht mit dem Missbrauch umzugehen, ist nun auch angebracht, um die Auseinandersetzung mit einer seiner wichtigsten strukturellen Ursachen anzugehen: die Zölibatsregel. Die Bischöfe sollten das mutig und nachdrücklich Papst Benedikt XVI. vorschlagen." (10.03.2010)

Wprost - Polen

Polens Feministinnen feiern Muschi-Monat

Nach ihren Aktivitäten zum Internationalen Frauentag wollen polnische feministische Organisationen im April Aktionstage organisieren, um positive Aspekte der weiblichen Sexualität zu thematisieren. Diesen Tabubruch analysiert das polnische Nachrichtenmagazin Wprost: "Das feministische Milieu in Polen hat gerade wieder eine Grenze überschritten. Sie haben ein Tabu ... zur Grundlage ihrer eigenen Ideologie und Ansichten gemacht. ... So soll der April der offizielle Monat der - excusez-moi le mot - Muschi sein. Nach dem Manifest vom Montag nutzen die feministischen Organisationen weiter die Gunst der Stunde. Und bitten im April zu den ersten offiziellen Tagen der Muschi! Es gehe darum, die Bedeutung dieses Wortes zu verbessern, sagen sie: ... 'Unser Ziel ist es, das Wort 'Muschi' besser klingen zu lassen und gemeinsam andere Bezeichnungen und Möglichkeiten zu finden, über die weibliche Körperlichkeit zu sprechen, die zum einen keinen wissenschaftlich-medizinischen oder vulgären Beiklang haben und zum anderen auch fröhliche und positive Aspekte der Sexualität der Frauen benennen.'" (10.03.2010)

România Liberă - Rumänien

Rumänische Dörfer verwandeln sich in Altenheime

Im 20. Jahrhundert sind die Rumänen traditionell vom Land in die Stadt gezogen. Seit rund einem Jahrzehnt ist ein gegenläufiger Trend zu beobachten, schreibt die Tageszeitung România Liberă, aber ausschließlich bei Rentnern: "Die Beweggründe sind leicht zu erraten - von der Rente kann man auf dem Land noch leben, wo die Kosten niedriger sind und man möglicherweise noch auf dem eigenen Grundstück Gemüse anbaut für den Eigenbedarf. Der Trend ist damit vorgegeben: die Bevölkerung in den Dörfern wird immer älter, nicht weil die Jugend in die Stadt abwandert, sondern weil die Alten aufs Land kommen. .... Die rumänischen Dörfer verwandeln sich in Altenheime. Unter diesen Bedingungen verschwinden langsam die Möglichkeiten einer Modernisierung der Dörfer. Das Problem ist nicht mehr, wie wir die jungen Leute auf dem Land halten, sondern wie wir den 56 Prozent rumänischen Alten, die auf dem Land leben, ein anständiges Leben sichern." (10.03.2010)

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