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Home / Presseschau / Archiv / Presseschau | 16.04.2010

 

TOP-THEMA

Polen streiten um Kaczyńskis Ruhestätte

 

Tausende Menschen protestieren in Polen gegen den Beisetzungsort des verunglückten Präsidenten Lech Kaczyński. Er soll am Sonntag in der Krakauer Wawel-Burg neben Königen und Nationalhelden beigesetzt werden. Eine solch außergewöhnliche Ehrung hat er nicht verdient, meint die europäische Presse.

Die Presse - Österreich

Präsident zu unbeliebt und umstritten

Zahlreiche Polen sind nicht damit einverstanden, dass der verunglückte polnische Präsident Lech Kaczyński auf dem Krakauer Wawel bestattet werden soll, schreibt die Tageszeitung Die Presse: "Allzu lange hat die Zeit der würdevollen Trauer, des Verzichts auf kleinliches politisches Gezänk angesichts des Todes von Dutzenden großen Persönlichkeiten in Polen nicht gedauert. ... Das ist ein Streit, der wirklich nur die Polen etwas angeht. Aber wundern darf man sich schon, dass sich der Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz da offenbar nur mit der Familie der Verunglückten abgesprochen hat und dann vorgeprescht ist. So tragisch das Geschehen ist, so groß die Sympathie und das Mitgefühl: Weiß der Kardinal nicht, dass Lech Kaczyński zu Lebzeiten ein ziemlich umstrittener Politiker war, der kurz vor seinem Tod Sympathiewerte von gerade noch 20 Prozent erreichte? Hat er es wirklich verdient, neben Tadeusz Kościuszko [Nationalheld], Wladislaw Sikorski [Premierminister der polnischen Exilregierung bis 1943], Adam Mickiewicz [berühmter Dichter] oder Józef Pilsudski [erster Führer des unabhängigen Polen nach 1918] bestattet zu werden?" (16.04.2010)

Sme - Slowakei

Begräbnis im Wawel ist Bärendienst

Die Idee, Präsident Lech Kaczyński im Krakauer Wawel beizusetzen, ist nach Meinung der liberalen Tageszeitung Sme zumindest unglücklich: "Das Problem besteht nicht darin, dass Kaczyński ein kontroverser und nicht allzu erfolgreicher Präsident war. ... Das Problem besteht eher darin, dass der Wawel aus politischer und historischer Sicht ein Begräbnisort für Herrscher ist, nicht für demokratische Politiker. ... Diejenigen, die das Begräbnis Kaczyńskis im Wawel ansiedeln wollen, erweisen dem Präsidenten einen Bärendienst. Wenn sie denken, ihr Idol passe zu solchen Herrschern, und am Ende meinen, der Präsident habe sich selbst so gesehen, geben sie all den Kritikern Recht, die sagen, dass Kaczyński und die Demokratie nie recht zusammengehört haben." (16.04.2010)

Polityka Online - Polen

Wunsch der Anhänger ruhig respektieren

Ein Kaczyński-Kult sollte verhindert werden, meint Jacek Żakowski im Nachrichtenmagazin Polityka. Aber er fordert Respekt vor Kaczyńskis Anhängern, die ihn im Wawel beisetzen wollen: "Ich jedoch habe nicht das Gefühl, dass ich ihm als Pole sonderlich viel verdanke. Anderen Polen verdanke ich mehr. Ich sehe keinen Grund, dass man nach dem tragischen Tod um Lech Kaczyński einen Kult entfacht. Wenn man sich die letzten Umfragen vor der Katastrophe anschaut, dann sieht der Großteil der Polen dazu auch keinen Grund. Es gibt jedoch unter uns solche, die das anders sehen. Und das ist keine marginale Gruppe, die klein und unbedeutend ist. Millionen von Polen sahen und sehen weiterhin in Präsident Kaczyński den Retter in der Not, der historische Verdienste hat. ... Sie haben ihren Messias verloren. ... Und solange sie meinen, dass die passendste Beisetzung die im Wawel ist, dann soll er halt im Wawel beigesetzt werden." (16.04.2010)

POLITIK

El Correo - Spanien

Aschewolke zeigt Anfälligkeit hochtechnisierter Gesellschaften

Der Ausbruch des isländischen Vulkans unter dem Eyjafjalla-Gletscher hat am Mittwoch den Flugverkehr in weiten Teilen Europas massiv gestört. Das zeigt, wie sehr Wohlstandsgesellschaften den Naturgewalten ausgeliefert sind, meint die Tageszeitung El Correo: "Der Kollaps, den der europäische Flugraum mit Tausenden von gestrichenen Flügen gestern erlebte, ... zeigt einmal mehr, wie anfällig unsere Gesellschaft, die auf technischer Entwicklung basiert, gegenüber unvorhergesehenen Ausnahmesituationen ist. ... Die EU-Kommission gab gestern bekannt, dass die Fluglinien zwar die Rechte der Passagiere achten müssen, aber dass dies keine Entschädigungszahlungen einschließt. Das schützt die Unternehmen aber nicht davor, den Fluggästen in dieser ungewissen Situation von unbekannter Dauer jede nötige Hilfe zukommen zu lassen." (16.04.2010)

The Guardian - Großbritannien

Clegg siegt klar über Premier Brown bei TV-Duell

Erstmals sind in Großbritannien die Kandidaten für das Amt des britischen Premierministers in einem Fernsehduell gegeneinander angetreten. Der Führer der Liberal-Demokraten, Nick Clegg, siegte am Donnerstag klar über Amtsinhaber Gordon Brown und den konservativen Herausforderer David Cameron, urteilt die Tageszeitung The Guardian: "Clegg, der vom System ausnahmsweise mal fair behandelt wurde anstatt von den rüpelhaften Hinterbänklern der anderen Parteien ausgebuht zu werden, hatte am meisten zu gewinnen und hat das gebührend getan. 'Wir müssen Ihnen gegenüber klar und aufrichtig sein', klingt vielleicht wie politisches Blabla, aber Wähler mögen Ehrlichkeit. Dies war ein großer Abend für die Liberal-Demokraten. Für Clegg war es schon eine Hilfe, dass er dabei war. Aber er musste auch beweisen, dass er seiner Gleichstellung mit Brown und Cameron würdig ist. Kein großer Zweifel, dass ihm das gelungen ist." (16.04.2010)

Simerini - Zypern

Wahlen in Nordzypern beunruhigen Republik Zypern

Die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern wählt am Sonntag einen neuen Präsidenten. Laut Umfragen wird der amtierende Mehmet Ali Talat von dem türkisch-nationalistischen Hardliner und bisherigen Ministerpräsidenten Derviş Eroğlu abgelöst. Die konservative, griechisch-zyprische Tageszeitung Simerini sieht kaum Unterschiede zwischen beiden Kandidaten, denn beide folgen den Anweisungen aus Ankara: "Der einzige Unterschied besteht bei dem Grad der Abhängigkeit und des Gehorsams gegenüber der Türkei. ... Ein großer Fehler der griechisch-zyprischen Führung ist, dass sie mit unserem europäischen Standard ... den türkisch-zyprischen Führern begegnet. Sie muss es mit den türkischen Standards tun. Und diese Standards erscheinen im Norden in Form von zwei 'Türkeien': Der Staat im Staat von den Generälen, die Eroğlu unterstützen, und die offizielle Türkei der angeblich islamisch-säkulären Partei von [Premier] Erdoğan, die Talat unterstützt. Diese beiden Türkeien existieren nebeneinander in einem rücksichtslosen Türkentum, das unsere Heimat besetzt und sich mit seinen expansionistischen Bestrebungen gegen den Hellenismus in Zypern und der Ägäis richtet." (15.04.2010)

La Stampa - Italien

Der Wille italienischer Wähler zählt nicht

Der italienischen Regierungspartei Popolo della Libertà steht möglicherweise die Spaltung bevor. Der Mitbegründer der Partei, Kammerpräsident Gianfranco Fini, droht dem Parteivorsitzenden Silvio Berlusconi mit der Gründung einer eigenen Parlamentsfraktion. Doch der Streit geht an den Wählern vorbei, meint die liberale Tageszeitung La Stampa: "Es ist ein dramatischer Bruch voll Bitterkeit, bei dem mit schamlosen Argumenten Jagd auf die Schuldigen gemacht wird. Nach Finis Ankündigung eine eigene Fraktion zu bilden, warnten Berlusconis Getreue jeden potentiellen Überläufer, dass sie sich im wahrscheinlichen Fall einer Auflösung des Parlaments außerhalb desselben wiederfinden würden. ... Sollte Fini tatsächlich auf 50 Abgeordnete und 18 Senatoren kommen, würde die Regierung gelähmt und Berlusconis Wunsch nach Neuwahlen gestärkt. Das große Parteigebäude des Ministerpräsidenten hat einen Riss. Ohne auf die Wähler zu achten, die für sie gestimmt haben, damit sie regieren, arbeiten beide Parteigründer daran, den Streit auszuweiten." (16.04.2010)

Politiken - Dänemark

Monarchie in Dänemark prüfen

Die dänische Königin Margarete wird zu ihrem 70. Geburtstag am heutigen Freitag fast überall in Dänemark groß gefeiert. Die sozialdemokratisch orientierte Tageszeitung Politiken zollt der Königin Respekt, stellt aber die Monarchie in Frage: "Eine Monarchin, die ihre Rolle auf eine Weise erfüllt, mit der die überwiegende Mehrheit zufrieden ist, ist nicht gleichzeitig eine Begründung für die Existenz der Monarchie als Institution. Dass die Königin und ihre Familie die Sache gut machen, ist eine Notwendigkeit, aber kein Grund dafür, dass Dänemark weiter eine Monarchie sein muss. In einer demokratischen Gesellschaft bedarf ein solches Arrangement einer Rechtfertigung, genauso wie der Grundsatz gilt, dass weder Personen noch Institutionen für Kritik tabu sind. Ein Beispiel ist das Wirtschaften des Königshauses. Es wird höchste Zeit, dass das Sammelsurium von Zuschüssen, Steuerbefreiung, privater Vorteile und indirekter Unterstützung transparent gemacht wird. Es ist auch nahe liegend, dass eine kommende Verfassungsreform das theoretische Risiko eliminiert, dass kommende Monarchen sich in die Regierungsbildung einmischen." (16.04.2010)

REFLEXIONEN

Die Welt - Deutschland

Hans-Hermann Nikolei über Frankreichs Sorge um Deutschland

Frankreichs Eliten werfen Deutschland vor, die europäische Solidarität aufzukündigen und in Richtung Russland zu schielen. Hans-Hermann Nikolei beleuchtet in der Tageszeitung Die Welt die Sorgen der Franzosen: "Die Deutschen drängen wieder nach Osten, wenden sich vom sozialen 'rheinischen Kapitalismus' ab und setzen egoistisch Europa aufs Spiel: Der Streit um die deutschen Exportüberschüsse und um die Euro-Hilfen für Griechenland lässt in Frankreich alte Ängste wieder aufkeimen. ... Vor allem Angela Merkels Zögern, den klammen Griechen mit ein paar Milliarden Euro aus der Patsche zu helfen, traf die französische Elite wie ein Schock. Deutschland kündige die europäische Solidarität und lasse auch Frankreich im Regen stehen, befürchten jetzt viele. ... Die einfachen Franzosen sehen die Deutschland-Frage allerdings gelassener als ihre intellektuellen 'Vordenker'. Nach einer neuen Umfrage des Instituts Opinion Way sind 78 Prozent der Franzosen genauso wie 84 Prozent der Deutschen stolz, Europäer zu sein. Und jeweils 79 Prozent der Franzosen und der Deutschen meinen, dass das deutsch-französische Paar bis 2020 der Motor Europas bleibt." (15.04.2010)

Le Monde - Frankreich

Jean Bizet über das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich

Angesichts der Krise in Griechenland werfen Frankreichs Eliten Deutschland vor, unsolidarisch zu handeln. In der Tageszeitung Le Monde findet Jean Bizet, Vorsitzender des Europaausschusses im französischen Senat, dass es nicht einer einheitlichen Meinung bedarf, um wieder ein gesundes Verhältnis zwischen beiden europäischen Staaten zu erreichen: "Der Ursprungsfehler bestand darin, dass zu oft vom 'deutsch-französischen Paar' und von einem Tandem die Rede war, während beide Staaten eher Vettern sind, die sich unterschiedlich entwickelt haben. ... Die Wiedervereinigung und die EU-Erweiterung haben den europäischen Raum erneut konfiguriert und Deutschland auf allen Ebenen einen zentralen Stellenwert zugeschrieben. Aber darf man überhaupt von Ungleichgewicht sprechen? Warum sucht man das Gleichgewicht beim Aufbau Europas, warum die Ausgeglichenheit zwischen Deutschland und Frankreich? Aber warum nicht zwischen Deutschland und Polen, zwischen dem Norden und dem Süden, dem Westen und dem Osten, alten und neuen Mitgliedstaaten? Wichtig ist nicht das zugwiesene Gleichgewicht, ... sondern der Wille gemeinsam zu handeln. Die Beziehung hat sich verändert. ... Die beiden Vettern, die dieselbe Geschichte haben, sind dauerhaft aneinander gebunden." (13.04.2010)

WIRTSCHAFT

Lapin Kansa - Finnland

Streik wird neuer Trend in Finnland

Nach den Streiks des Flugpersonals, der Hafenarbeiter sowie der Bus- und Fernfahrer legen in Finnland am heutigen Freitag Beschäftigte im Einzelhandel die Arbeit nieder. Saara Mäntylä macht im Blog der Tageszeitung Lapin Kansa einen regelrechten Hang zum Streiken in Finnland aus: "Streik ist bereits zum Trend geworden. Wenn andere streiken, können wir das auch. Es ist doch egal, dass der Weg zur Arbeit für viele beschwerlicher wird oder die Sicherheit gefährdet ist, wenn der eine oder andere zu Hause bleibt. ... Das ist beim Streik nun mal so. Man muss auch dann zu Hause bleiben, wenn es am Arbeitsplatz gerade die kritischsten Momente gibt. Aber natürlich schreit man jetzt wegen der Gehälter, es ist ja Rezession. ... Wenn man schon nicht kritisieren will, dass es dumm ist, während der Rezession seinen eigenen Vorteil zu verteidigen, ... dann sollten wir zugeben, dass wir einfach nur schlecht gelaunt sind, wenn es unser Lieblingsbrot nicht gibt oder der Bus nicht fährt." (16.04.2010)

KULTUR

De Morgen - Belgien

Haiku-Herman erobert Europa

EU-Präsident Herman Van Rompuy hat am Donnerstag seinen ersten Gedichtband in der traditionellen japanischen Versform Haiku veröffentlicht und damit ein großes Medienecho hervorgerufen. Das Interesse hat nichts mit den Versen, sondern mit dem Autor zu tun, meint die Tageszeitung De Morgen: "Der Präsident der EU, der Mann, der der griechischen Krise kaum Herr wurde, der Kerl, der von Obama zwar eine Hand aber kein Gespräch bekam. Und der bekommt nun die Aufmerksamkeit so ziemlich der kompletten europäischen Presse. ... Es ist bitter, dass Europas Presse so gierig über diesen Brocken herfällt. ... Während ein anderer belgischer Ex-Premier [Guy Verhofstadt], der auf ein europäisches Spitzenamt hoffte, diese Aufmerksamkeit nicht bekam, weil er ein echtes Buch geschrieben hat, mit echten Ideen über Europa. ... Haiku-Herman dagegen ist ein Gentleman, sinnierend, liebenswürdig und dichtend. Das liebt die angelsächsische Presse, so sehen sie die Belgier gerne in Europa: Ungefährlich und arglos." (16.04.2010)

GESELLSCHAFT

Delfi - Litauen

Litauens Polen haben Recht auf ihre Namen

In Litauen müssen die Angehörigen der polnischen Minderheit per Gesetz ihre Namen an die litauischen Schreibgewohnheiten anpassen und beispielsweise den Buchstaben w durch v ersetzen. Das Nachrichtenportal Delfi kritisiert diese Praxis: "Die Polen sollten das Recht haben, in offiziellen Dokumenten ihre Namen so zu schreiben, wie sie sind. Warum müssen die Namen von Personen litauisiert werden, wenn diese das nicht wünschen? In der Smetona-Zeit [vor dem Krieg] kümmerte man sich nicht weniger um die litauische Sprache, ließ die Polen aber ihre Namen polnisch schreiben, obwohl die Beziehungen zwischen Litauen und Polen, anders als heute, angespannt und unfreundlich waren. ... Die polnische Gemeinschaft ist kein Fremdkörper und viele Polen leben seit Jahrhunderten bei uns. Man sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, dass man sie ebenso wenig litauisieren wird, wie es die Sowjets geschafft haben, die Litauer zu russifizieren." (16.04.2010)

LOKALE FARBEN

Mladá fronta Dnes - Tschechien

Roma wollen Kater Mikeš an den Kragen

Eine der beliebtesten Figuren tschechischer Kinder, der vom Schwejk-Zeichner Josef Lada erfundene sprechende Kater Mikeš, soll nach dem Willen eines Roma-Aktivisten als Bestandteil der Unterrichtsmaterialien aus den Schulen verbannt werden. Der Grund: Der Kater äußere sich abfällig über Zigeuner. Dagegen haben zehntausende Tschechen im Online-Netzwerk Facebook protestiert. Die liberale Tageszeitung Mladá fronta Dnes glossiert: "In jedem Buch findet man einen Grund für sein Verbot. Und deshalb sollte man sie auch alle verbieten. Mikeš muss verboten werden, Harry Potter auch, und auch Balzac. Von letzterem stammt der Satz: 'Zeigt einem Polen einen Abgrund und er springt sogleich hinein.' Das ist speziell mit Blick auf die jüngsten Ereignisse zu verurteilen. Man könnte einwenden, dass Balzac diese Ereignisse nicht vorhersehen konnte. Seine Worte sind dennoch absolut unentschuldbar." (16.04.2010)

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