Libération - Frankreich | Donnerstag, 28. September 2006
Bernard Cerquiglini über den Niedergang des Französischen
In Bukarest wird heute der Kongress der Internationalen Organisation der Francophonie (OIF) eröffnet. Der Linguist Bernard Cerquiglini meint, dass das Nein der Franzosen beim Referendum zur EU-Verfassung teilweise auch der Beziehung der Franzosen zu ihrer Sprache zuzuschreiben ist. "Trotz seiner offiziellen Mehrsprachigkeit scheint das politische Europa das Englische gewählt zu haben... Die Vorstellung eines englischsprachigen Europas stößt die Mehrheit der Franzosen ab. Sie sehen darin, nicht ohne Grund, den Treueschwur auf eine bestimmte europäische Politik - bestimmt vom Import bestimmter Worte und somit von rechtlichen und wirtschaftlichen Konzepten nach angelsächsischem Vorbild. Der Liberalismus beginnt mit der sprachliche Vorherrschaft des Angelsächsischen. Man kann anhand des Referendums den französischen Verdruss ermessen: Der Universalismus seiner Sprache wurde zerschlagen, die nationale Identität unterlaufen. Und das Verlangen nach Europa nimmt ab."
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