Top-Thema vom Montag, 4. Juni 2007
Globalisierungskritiker und die Gewalt
Bei Auseinandersetzungen zwischen militanten G8-Gegnern und der Polizei sind am Samstag in Rostock auf beiden Seiten insgesamt knapp 1000 Menschen verletzt worden. Die Gewalt drängte die friedliche Demonstration verschiedener Gruppen von Globalisierungskritikern in den Hintergrund. Die europäischen Zeitungen fragen, wie sich der Protest gegen den am Mittwoch beginnenden G8-Gipfel in Heiligendamm weiter entwickeln wird.
Népszabadság - Ungarn
"Es ist fraglich, wie viele der angemeldeten fünfzig Veranstaltungen der Globalisierungskritiker nach der 'Schlacht von Rostock' noch stattfinden können. Fraglich ist weiter, ob sich die Demonstranten dem mehrere Kilometer langen Zaun nähern dürfen, ob man Randalierer aus den friedlichen Demonstranten im Vorfeld herausfiltern kann und ob die Polizei die Situation unter Kontrolle haben wird," berichtet die Deutschland-Korrespondentin Edit Inotai. "Mehrere Organisatoren der Anti-G8-Demonstration gaben zu, mit einer solchen Eskalation nicht gerechnet zu haben... 'Leider haben die Randalierer keine politischen Motive, deshalb ist es unmöglich, mit ihnen zu verhandeln', sagte Manfred Stenner, einer der Organisatoren der friedlichen Demonstrationen. Die Globalisierungsgegner wissen, dass die Krawalle vor allem ihnen selbst schaden, weil in den Medien nun abschreckende Bilder dominieren statt politischer Forderungen." (04.06.2007)
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Der Standard - Österreich
Die Ausschreitungen in Rostock haben gezeigt, schreibt Birgit Baumann, dass man einen G8-Tagungsort nicht wirklich abschotten könne. "Das ist auch gut so. Das im Grundgesetz verankerte Recht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit ist ein so hohes Gut, dass man es nicht oft genug betonen kann... Eine kleine Minderheit jedoch missbraucht das Demonstrationsrecht in Deutschland als Freibrief für ihre blinde Zerstörungswut. Egal, ob es gegen den G8-Gipfel geht, ein NPD-Aufmarsch zu bekämpfen ist oder in Berlin-Kreuzberg der 1. Mai ansteht - die bestens vernetzte militante Szene ist dabei, haut kräftig drein und zerschlägt damit den friedlichen Protest. Für die kommenden Tage verheißt das den gemäßigten Kritikern nichts Gutes... Die Organisatoren der noch geplanten Demos müssen, wenn sie glaubwürdig bleiben wollen, ihren Beitrag leisten und sich viel stärker als bisher von gewaltbereiten Autonomen distanzieren." (04.06.2007)
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Berliner Zeitung - Deutschland
"Das Sicherheitskonzept für den G8-Gipfel in Deutschland, das die hiesigen Behörden zwei lange Jahre ausgearbeitet haben, ist gescheitert", meint Hendrik Munsberg. "Nach übereinstimmenden Angaben von Augenzeugen und Behörden waren es rund zweitausend linke Autonome, die wie aus dem Nichts heraus eine blutige Auseinandersetzung anzettelten; viele von ihnen waren aus dem Ausland angereist: aus Bulgarien, Russland, Japan, Schweden, Frankreich - die globalisierte Randale kopiert die Organisationsmuster ihres Hassobjektes... Bis jetzt kann niemand genau erklären, wie es den Gewaltbereiten überhaupt gelingen konnte, trotz angeblich scharfer Kontrollen, zum Ort der Demonstration zu gelangen und dabei unbemerkt Landesgrenzen zu überschreiten. Anscheinend haben die Autonomen ihre Techniken verfeinert, sich der Beobachtung und dem Zugriff der Behörden zu entziehen." (04.06.2007)
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Le Figaro - Frankreich
"Hat die Antiglobalisierungsbewegung überhaupt noch eine Daseinsberechtigung?", fragt Yves Thréard nach den Krawallen vom vergangenen Wochenende. "Lang scheint es her, dass manche Beobachter von einer neuen politischen Kraft träumten, einer neuen ideologischen Strömung des 21. Jahrhunderts, die sich in der ganzen Welt ausbreiten würde wie einst der Kommunismus... Vergeblich sucht man einen gemeinsamen Nenner zwischen den Umweltaktivisten von Larzac, den Bauern des Altiplano, den Che-Guevara-Fans, den Gegnern der Welthandelsorganisation WTO, den Rednern in palästinensischer Sache und dem schwarzen Block, der in Rostock Randale gemacht hat. Die gigantische Demonstration in Genua im Jahr 2001 ist bloß noch Erinnerung: Sie hat keine Internationale der Rebellion in Gang gesetzt, so sehr dies auch befürchtet oder gewünscht wurde. Vorbei die Zeit, in der es zum guten Ton gehörte, in Porto Alegre aufzulaufen, wo alle hinpilgerten, die von einer anderen Welt träumten." (04.06.2007)
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