Top-Thema vom Freitag, 15. August 2008
Europa vor der Rezession?
Die Wirtschaft der Eurozone schrumpft: Laut dem Statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaften Eurostat verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den 15 zugehörigen Ländern im zweiten Quartal 2008 um 0,2 Prozent - das erste Mal seit Einführung des Euros. Droht Europa nun eine Rezession?
El País - Spanien
Die Tageszeitung El País verlangt in ihrem Leitartikel ein einheitliches Vorgehen Europas, um der Wirtschaftskrise zu begegnen: "Ein Jahr nach dem Erscheinen der ersten Symptome der Finanzkrise bestätigen alle Indikatoren, dass sich das Fieber bereits auf sämtliche Volkswirtschaften ... ausgeweitet hat. Die europäischen [Volkswirtschaften] haben sich rapide verlangsamt, vor allem die gewichtigen, wie die in Deutschland, Frankreich, Italien und natürlich Spanien, die für dieses Quartal im Vergleich zum vorigen Wachstumszahlen aufweisen, die entweder negativ sind oder nahe an Null liegen. ... Europa muss den gemeinsamen Problemen, beispielsweise der Finanzstabilität, in koordinierter Weise begegnen. Hier spielt die Europäische Zentralbank eine wichtige Rolle. Bislang zeigte sich diese eher um die Inflationsbekämpfung bemüht, als um die Wirtschaft und deren Kapazität, Arbeitsplätze zu schaffen." (15.08.2008)
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De Volkskrant - Niederlande
Die überregionale Tageszeitung De Volkskrant sieht in den schlechten Wirtschaftsdaten der Eurozone keine Anzeichen für eine Rezession: "Mürbe geworden durch die vielen schlechten Wirtschaftsnachrichten des vergangenen Jahres, ist es offensichtlich, dass die Verbraucher pessimistisch sind. Dennoch gibt es keinen Anlass zu Panik: Es gibt auch Argumente für eine positivere Perspektive. ... So ist der Ölpreis innerhalb eines Monats um fast ein Viertel gesunken und auch viele Rohstoffe sind deutlich billiger geworden. Die Gefahr einer noch weiter steigenden Inflation nimmt dadurch ab. Auch der Euro sank unter 1,50 Dollar, was dem europäischen Export gut tun wird. Die deutsche Wirtschaft schließlich ging zwar um 0,5 Prozent zurück, ... aber das war deutlich weniger als erwartet. Kurzum: Nach einer Rezession, von der man bei einem Rückgang in zwei aufeinander folgenden Quartalen spricht, sieht es nicht aus. Bis dahin empfiehlt es sich, einander keine Rezession einzureden." (15.08.2008)
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La Repubblica - Italien
Die Tageszeitung La Repubblica unterstreicht die Rolle der Verbraucher in der europäischen Wirtschaftskrise: "Technisch sind wir noch nicht so weit, aber psychologisch hat Europa den Weg der Rezession eingeschlagen. Eurostat signalisiert ein Minus von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Eurozone, das schlechteste Ergebnis seit der gemeinsamen Währung. ... Die Europäische Kommission ... versucht, die alarmierenden Töne zu besänftigen und Fallschirme aufzuspannen. … Was Brüssel aber wirklich beunruhigt, ist das Vertrauen der Unternehmen und der Verbraucher, das auf ein historisches Minimum gesunken ist und jede Hoffnung auf eine Gegenbewegung zunichte macht. Der Beweis kommt paradoxerweise von einem positiven Index: Trotz aller Preissteigerungen der Rohstoffe ist die Inflation stabil bei vier Prozent. Das bedeutet, dass die Bürger auf die Preissteigerung mit Konsumabstinenz geantwortet und so die negative Tendenz herbeigeführt haben." (15.08.2008)
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Süddeutsche Zeitung - Deutschland
Für die Süddeutsche Zeitung sind die Quartalszahlen für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) keine gute Basis für eine effektive Wirtschaftspolitik. "Ob das BIP um ein Prozent zu- oder abnimmt, kann dem Angestellten im Büro herzlich egal sein. ... Ist die Ziffer hoch, lief es ordentlich für die Firmen. Für die Bürger ist jedoch wichtig, was bei ihnen ankommt. ... Außerdem ist es die langfristige Entwicklung, die zählt ... Statt über Programme zur kurzfristigen Ankurbelung der Konjunktur zu debattieren, sollten [die Politiker] ihre Energie darauf lenken, wie der Staat auf lange Sicht günstige Rahmenbedingungen für Wachstum setzt - aber für Wachstum, das beim Gros der Bevölkerung auch ankommt. ... Es bringt mehr, Geld in Bildung zu stecken. Hochqualifizierte Arbeitnehmer müssen weniger Angst vor der billigeren Konkurrenz im Ausland haben. Das würde zwar nicht die nächsten Quartalsdaten für das Bruttoinlandsprodukt verbessern, wohl aber die langfristigen Chancen der Arbeitnehmer." (15.08.2008)
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Alle verfügbaren Texte von » Björn Finke
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