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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 26. Juni 2012

Netzgemeinde duldet keine Stammtischparolen

Mit einem folgenreichen Tweet hat Alexander Müller, Mitglied der Zürcher Sektion der Schweizer Volkspartei (SVP), den Prozess gegen einen Muslim kommentiert, der die Anwendung von Gewalt gegen Frauen gutheißt: "Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht . . . diesmal für Moscheen". Mittlerweile hat die SVP den Ausschluss Müllers beantragt, sein Arbeitgeber hat ihn entlassen. Ein Glück, dass die Internetgemeinde solche Ausfälle umgehend sanktioniert, meint die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung: "Blieb man früher im 'Säli' [Raum in einer Gastwirtschaft] und an Stammtischen unter sich, läuft man heute Gefahr, zur öffentlichen Unperson zu werden, wenn man sich im Internet äussert. Die sozialen Medien erhöhen die soziale Kontrolle. Gewiss, man kann sich auch gut verstecken im Internet, falsche Fährten legen und Drittpersonen anonym grossen Schaden zufügen. Lässt sich ein Verdacht aber zweifelsfrei erhärten und der Urheber einer rufschädigenden oder rassistischen Nachricht eruieren, gibt es keine Ausreden mehr. Die Folgen sind oft gravierend, denn die Twitter-Gemeinde kennt keine Gnade. So modern und aufgeschlossen sie sich gibt, so archaisch geht sie mit jenen um, die sich danebenbenehmen. Manche Nutzer freilich kommen auf diese Weise aber auch zur Besinnung, notabene ohne jede staatliche Intervention. Und das ist gut so."

» zur gesamten Presseschau vom Mittwoch, 27. Juni 2012

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