Le Temps - Schweiz | Freitag, 6. Juli 2012
Zentralbanken haben zuviel Macht
Die EZB sowie die Notenbanken von China und Großbritannien haben am Donnerstag weitere Stützungsmaßnahmen eingeleitet, doch die Märkte reagierten eher negativ. Das zeigt, dass von den Zentralbanken zu viel erwartet wird, meint die liberale Tageszeitung Le Temps: "Die Enttäuschung ist enorm, weil die Erwartungen zu hoch waren, und zwar nicht nur seitens der Finanzmärkte, die immer nach günstigen Krediten lechzen, die die Börse eine Zeit lang stützen. Der Druck, die Hilferufe und die Ermahnungen kamen sowohl aus der Öffentlichkeit als auch aus der Politik. ... Das ist eine Ausnahmesituation, und ein weiterer Beweis dafür, dass die EZB sich verändert hat. Auch wenn ihr Präsident Mario Draghi es abstreitet: Sein Hauptmandat, die Gewährleistung der Preisstabilität, ist weit überschritten worden. ... Wird man den Zentralbanken die Funktionen, die man ihnen momentan einräumt, später wieder entziehen, wenn Europa und der Rest der Welt diese Krise ein für allemal überstanden haben? Unwahrscheinlich. Bis dahin gilt jedenfalls: Diese Zentralbanken sind ihrem Namen noch nie so gerecht geworden."
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