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Süddeutsche Zeitung - Deutschland | Montag, 9. Oktober 2006

Wolf Lepenies über die fehlende Seele Europas

Der deutsche Soziologe und Publizist Wolf Lepenies warnt davor, sich mit dem Islam nur im Rahmen von "Gegnerforschung" zu befassen. Vielmehr müsse man die Verflechtungen Europas mit dem Islam erforschen, sagte Lepenies in seiner Dankesrede für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, die die Zeitung druckt. "Gegen die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union sprechen schwerwiegende Gründe: die Missachtung der Menschenrechte, der fehlende Minderheitenschutz, das drohende demographische Ungleichgewicht, die Gefahr einer Funktionsunfähigkeit der europäischen Institutionen. Gegen die Aufnahme der Türkei spricht nicht, dass damit das christliche Europa seine Seele verlöre. Europa - darin lag seine Stärke - hatte nie eine reine Seele. Ebenso wenig aber kann der Islam 'Reinheit' für sich beanspruchen. Der Islam war nicht nur eine religiöse, sondern auch eine ästhetische und profane, vor allem aber war er keine monolithische, sondern eine gebrochene Kultur. Und er war lange Zeit und an vielen Orten mit dem christlichen Westen und der jüdischen Welt eng verbunden. Dies auszusprechen, ist auch ein Skandal, ein Stolperstein für Islamisten."

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