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Népszabadság - Ungarn | Montag, 30. Juli 2012

Ákos Szilágyi über die Theatralisierung der Politik

Die Politik der Gegenwart bietet den Bürgern ein einziges Theater, kritisiert der Dichter und Essayist Ákos Szilágyi in der linksliberalen Tageszeitung Népszabadság: "Die gesamte Menschheit wird heute zum Theaterpublikum gemacht, so auch die politische Gemeinschaft und die modernen Nationen. So entsteht eine sogenannte Theatrokratie, die seinerzeit von Platon zutiefst verachtet wurde: die Herrschaft des Theaterpublikums. Die heutigen Massendemokratien bewegen sich zweifelsohne in diese Richtung. Die Politik betrachtet die Bürger nur noch als Zuschauer, um deren Gunst sie buhlt. Für die Politik ist der Beifall des Publikums am Wichtigsten, das Publikum wiederum spendet den ordinärsten Produktionen den größten Applaus. In der heutigen 'Gesellschaft des Spektakels' (Guy Debord) verwandelt die Politik jeden Ort und jede Situation - und sei es eine noch so langweilige Pressekonferenz oder ein noch so ödes Studiogespräch - in Theater: Selbst lammfromme Politiker neigen heute dazu, ihre Auftritte bei Pressekonferenzen und in Fernsehstudios mit dramatischen Gebärden, improvisierten Einlagen und dem regen Einsatz von Pantomime zu unvergesslichen Ereignissen zu machen."

» zur gesamten Presseschau vom Montag, 30. Juli 2012

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