Respekt - Tschechien | Dienstag, 21. August 2012
Presse erniedrigt sich aus Finanznot selbst
In Tschechien und der Slowakei erschienen in der vergangenen Woche führende Tageszeitungen mit einer weißen Titelseite, auf der lediglich der Satz stand: "Heute gibt es keine Neuigkeiten, nur den neuen Katalog von Ikea." Nichts gegen Werbung, meint Martin M. Šimečka in seinem Blog bei der liberalen Wochenzeitung Respekt, doch die des schwedischen Einrichtungskonzerns Ikea ist ein Zeichen der Selbsterniedrigung der Presse: "Es ist nicht das erste Mal, dass Zeitungen Inserenten ihre komplette Titelseite anbieten. Aber es ist das erste Mal, dass ein Inserent das dazu nutzt, um den Sinn einer Zeitung in Frage zu stellen. Der Slogan 'Heute keine Neuigkeiten' ist erniedrigend. Kaum vorstellbar, dass sich dazu ein Herausgeber oder Chefredakteur frei entscheidet. Dieser Entscheidung liegt finanzieller Druck zugrunde. Den Zeitungen geht es heute immer schlechter, einige machen Verluste. Und so stimmen sie zu, wenn eine Firma die ganze Titelseite kauft. Doch dann stellt sich die Frage, ob man die Zeitung überhaupt noch mit der Sicherheit lesen kann, dass sie frei und unabhängig ist."
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