NRC Handelsblad - Niederlande | Dienstag, 21. August 2012
Gefängnisstrafen in Belgien zu kurz
In Belgien herrscht große Empörung über die geplante vorzeitige Freilassung von Michelle Martin, der Komplizin und Ex-Frau des Mädchenmörders Marc Dutroux. Martin will nach 16 Jahren Haft in ein Kloster gehen. Die Affäre ist ein Beweis für das Versagen des belgischen Rechtssystems, meint die liberale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Die Krise des belgischen Strafrechts äußert sich nicht nur in der Überfüllung der Gefängnisse, sondern vor allem in den kurzen Gefängnisstrafen. Strafen unter sechs Monaten werden nicht verbüßt. Strafen unter drei Jahren werden automatisch um ein Jahr verkürzt und oft durch elektronisch überwachten Hausarrest ersetzt. Faktisch kehrt der belgische Staat den Opfern den Rücken zu. Und daher auch den Richtern, die von der Schwäche der Behörden frustriert sind. Viele Urteile sind nicht mehr als ein Stück Papier. Dass die strenge Strafe von 30 Jahren Gefängnis für Martin bereits nach so wenigen Jahren zu einem Aufenthalt in einem Kloster führen kann, passt in dieses traurige Bild."
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