The Guardian - Großbritannien | Mittwoch, 22. August 2012
Menschen nicht zum Leben zwingen
Der britische Sterbehilfeaktivist Tony Nicklinson ist am Mittwoch an einer Lungenentzündung gestorben. Seit einem Schlaganfall litt Nicklinson am seltenen Locked-In-Syndrom und konnte nur noch mit Augenbewegungen kommunizieren. Erst vor rund einer Woche hatte der Oberste Gerichtshof seinen Antrag auf Sterbehilfe abgewiesen. Hannah Betts fordert in der linksliberalen Tageszeitung The Guardian, Menschen würdevoll sterben zu lassen: "Tony Nicklinson ist erst in der vergangenen Woche mit dem Versuch gescheitert, Sterbehilfe ohne rechtliche Konsequenzen für Ärzte per Gerichtsurteil durchzusetzen. Es ist eine bittere Ironie des Schicksals, dass die Tatsache, ihm einen Tod in seiner bevorzugten Umgebung zu verwehren, zu seinem Ableben beigetragen hat. Aus seiner Familie hieß es, dass sein Herz 'gebrochen' sei und er den Kampf aufgegeben habe. Ich schlage zwar nicht vor, Menschen zu töten, aber man sollte sie würdevoll und unter von ihnen gewählten Bedingungen sterben lassen. Die Gesellschaft ist über die Verwahrlosung älterer Menschen zu Recht besorgt. Doch der Einsatz der Medizin, um ältere Menschen gegen alle Vernunft und ohne Rücksicht auf ihre Lebensqualität am Leben zu halten, ist pervers und wohl genauso qualvoll."
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