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Reflex - Tschechien | Freitag, 24. August 2012

Bohumil Doležal über Mythen rund um den Prager Frühling

Der 44. Jahrestag des Einmarschs der Truppen des Warschauer Pakts 1968 in die reformfreudige Tschechoslowakei ist in der Öffentlichkeit und den Medien kaum beachtet worden, moniert der Politologe Bohumil Doležal in der Wochenzeitung Reflex. Dabei gebe es genügend Mythen, die aufgeklärt gehörten: "So begann die 'Okkupation' nicht am 21. August. In Wahrheit verfiel die Tschechoslowakei schon spätestens nach Kriegsende schrittweise in den Status einer russischen Kolonie. Historisch einmalig ist dabei die Tatsache, dass wir im Unterschied zu Polen oder Ungarn selbst zu dieser Entwicklung beitrugen. ... Es waren Tschechen, die 1945 bis 1948 die Grundlagen eines unmenschlichen, totalitären Staats legte. Es waren Tschechen, die den Februar-Putsch [die kommunistische Machtergreifung 1948] verübten. Es waren Tschechen, die für den Polizeiterror der 1950er Jahre verantwortlich waren. ... Sicher, nicht alle Tschechen und sicher auch mit maßgeblicher russischer Hilfe. ... Was bleibt von all dem? Im August [1968, während des Widerstands gegen die Besetzung] hatte ich in gewisser Weise die schönste Woche meines Lebens. Viele Menschen bewiesen Solidarität, Klugheit und Mut. Es war da ein Potenzial an gutem Willen, das aber nicht durchzuhalten war. Dennoch verdient das Geschehen einmal im Jahr ein ordentliches Requiem."

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