Právo - Tschechien | Montag, 27. August 2012
Für Jan Rychlík reicht eine reine Wirtschaftsunion nicht
Tschechiens Präsident Václav Klaus hat vergangene Woche in einem Fernsehinterview der EU eine Desintegration nach dem Vorbild der Teilung der Tschechoslowakei 1992/93 empfohlen. Der Historiker Jan Rychlík widerspricht dem in der linken Tageszeitung Právo energisch: "Klaus reduziert die EU auf wirtschaftliche Integration und meint, ein einheitlicher Wirtschaftsraum könne durch Abkommen der beteiligten Staaten gesichert werden. Doch das ist ein Irrtum. Verträge gelten nur so lange, wie sie von den Unterzeichnern respektiert werden. Eine Wirtschaftsunion ohne übernationale politische Integration würde schon in der ersten größeren Wirtschaftskrise zusammenbrechen. Jeder Staat würde im Namen 'nationaler Interessen' augenblicklich Schutzmechanismen einführen. Das haben wir übrigens auch im Fall der tschechisch-slowakischen Zollunion erlebt. ... Ohne politische Integration ist ein einheitlicher Wirtschaftsraum nicht haltbar. Ein Zerfall der EU würde zur Erneuerung von Zollbarrieren führen und früher oder später auch zu neuen Hürden für die freie Bewegung von Kapital und Arbeitskräften."
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