Diário de Notícias - Portugal | Mittwoch, 29. August 2012
Portugals fiktive Kinder
Viele Portugiesen haben laut Berichten vom Dienstag mit den Kinderzuschüssen in ihren Steuererklärungen getrickst. Der Journalist Ferreira Fernandes kommentiert in der liberal-konservativen Tageszeitung Diário de Notícias bissig: "Gestern hat man von einer Katastrophe erfahren, schlimmer als das große Erdbeben von Lissabon: In zwei Jahren sind 134.000 Kinder verschwunden! 2009 noch allesamt angemeldet, verschwanden 2010 104.000 und 2011 30.000 ... Eine riesige und mysteriöse Tragödie. Haben wir, wie Herodes, eine ganze Generation abgeschlachtet? Dann wäre ja das Bermuda-Dreieck ein Witz im Vergleich zu dem Schwarzen Loch des Finanzministeriums, wo man die Unglücklichen zum letzten Mal gesehen hat. Habe ich gerade Finanzministerium gesagt? Ja, die 134.000 standen 2009 noch in den Steuererklärungen der Eltern und danach, als der Eintrag der Identifikationsnummer der Kinder zwingend wurde, nicht mehr. Diese Kinder waren nur Geisterkinder, die man sich ausdachte, um Zuschüsse von 190 bis 380 Euro zu erhalten. ... Also nur eine Betrügerei auf dem Papier, puh, welch eine Erleichterung! Doch ich bin mir nicht sicher, ob wir dadurch in diesen Zeiten, in denen ausgerechnet auch noch vor allem Deutsche über uns urteilen, nicht in einem noch schlechteren Licht dastehen."
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