Die Presse - Österreich | Freitag, 31. August 2012
Chinesischer Großkönig rüffelt Merkel
Der chinesische Premier Wen Jiabao hat Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in China zu einer schnellen Lösung der Euro-Schuldenkrise aufgefordert. Während Europas Abhängigkeit wächst, zeigt China neues Selbstbewusstsein, meint die liberal-konservative Tageszeitung Die Presse: "Wie sagte ... Wen Jiabao bei der Pressekonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel? Er sei ob der Eurokrise, des möglichen Euro-Austritts Griechenlands und einer möglichen Pleite Italiens und Spaniens extrem besorgt. Er mahnte Berlin, den schwachen EU-Ländern zu helfen - und bemerkte, dass Sparen allein, wie Merkel glaubt, das Problem nicht lösen könne. Sicher, Deutschland und China sind wirtschaftlich massiv voneinander abhängig, beide brauchen einander als Märkte. Aber Europa braucht Peking immer dringender als Geldgeber, als Käufer von Euro-Anleihen. Und: So wie Wen tönte, klang es nicht mehr nach dem Fahrrad-China von einst, sondern nach einer neuen Supermacht, auch im militärischen Sinn. Und irgendwie erinnerte es an einen Großkönig, der seinen Vasallen rüffelt."
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