Der Tagesspiegel - Deutschland | Freitag, 21. September 2012
Für Hatice Akyün sind die NSU-Morde der 11. September Deutschlands
Angesichts der immer neuen Pannen bei der Aufklärung der NSU-Verbrechen spricht die türkischstämmige Autorin Hatice Akyün im liberal-konservativen Tagesspiegel vom 11. September Deutschlands: "Stellen Sie sich vor, in Spanien, unserem Lieblingsurlaubsland, hätten drei Spanier zehn Jahre lang Deutsche getötet. ... Was würde passieren? Es gebe eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, der Botschafter würde einbestellt, die deutschen Medien würden über die Scheindemokratie und Scharlatanerie der spanischen Demokratie berichten. Aber in Deutschland, wo wir tagtäglich vor Augen geführt bekommen, dass Gewaltverbrechen gegen Menschen mit Migrationshintergrund trotz oder gerade wegen der Behörden unbehelligt möglich waren, erntet man nur ein Achselzucken. Das erfüllt mich mit einem heiligen Zorn. Unsere Kanzlerin versprach den Angehörigen bei der Gedenkveranstaltung lückenlose Aufklärung. Was diese aber bekommen, ist ein Offenbarungseid des Staates, und das sichere Gefühl, dass Dinge, die man im Rechtsstaat Deutschland für unmöglich hielt, an der Tagesordnung waren, und wirklich nichts, rein nichts mehr unmöglich ist. NSU ist unser 11. September, nur will das noch niemand wahrhaben."
» zum ganzen Artikel (externer Link, deutsch)
Mehr aus der Presseschau zu den Themen » Krisen / Kriege, » Migration, » Gesellschaft, » Deutschland
Alle verfügbaren Texte von » Hatice Akyün
» zur gesamten Presseschau vom Freitag, 21. September 2012