Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Montag, 1. Oktober 2012
Wallraff kein gutes Vorbild für Journalisten
Der bekannteste deutsche Investigativ-Journalist Günter Wallraff, der sich für seine Reportagen mit falscher Identität unter anderem in die Redaktion der Bild-Zeitung und verschiedene Unternehmen einschlich, wird am heutigen Montag 70 Jahre alt. Ein journalistisches Genie ist der Autor für die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung gewiss nicht: "Wallraffs Nimbus konnte die Zeiten überdauern, weil seine Methoden singulär sind. Zum Vorbild für Journalisten taugen sie nicht. Gegen die journalistische Maxime, sich mit keiner Sache gemein zu machen, nicht einmal mit einer guten, hat Wallraff bewusst und mit Wonne verstossen. Zudem besitzt er keinen Ehrgeiz, als Stilist zu glänzen. Seine Bücher sollen dem Leser die inkriminierten Unrechtsverhältnisse sinnlich vermitteln, wie auch er, Wallraff, als Autor die sinnliche Erfahrung braucht, um sich aufregen und engagieren zu können. Die Schweden, seine grössten Fans, prägten das Verb 'wallraffen' und setzten seiner Methode, undercover den Dingen auf den Grund zu gehen, in ihrem Wortschatz ein Denkmal."
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