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Neue Zürcher Zeitung - Schweiz | Dienstag, 9. Oktober 2012

Weibliche Genitalverstümmelung bleibt Tabu

Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll die religiös motivierte Beschneidung von Jungen in Deutschland künftig unter bestimmten Voraussetzungen explizit erlaubt sein. Die liberal-konservative Neue Zürcher Zeitung bemängelt, dass in der Beschneidungsdebatte das Thema weibliche Genitalverstümmelung bislang unter den Tisch gefallen ist: "Schon bald wird Deutschland um ein Paradoxon reicher sein. Von zwei rituell praktizierten Verletzungen des kindlichen Körpers wird die eine gesetzlich erlaubt und die andere verboten sein. ... Trotz alledem ist es bisher in Deutschland noch nie zu Gerichtsprozessen wegen Genitalverstümmelung gekommen. ... In einem sehr aufgeklärten europäischen Land leben Tausende von verstümmelten Frauen und Tausende, die sich dem Ritual mit grösster Wahrscheinlichkeit demnächst unterziehen werden. Obwohl die Praxis verboten ist, geschieht faktisch nichts. Es scheint, als habe man sich mit einem himmelschreienden Missstand einfach arrangiert, weil es so einfacher für die meisten Beteiligten ist - ausser natürlich für die Tausenden von jungen Frauen, die schon demnächst eine Reise antreten werden, von der sie als ganz anderer Mensch zurückkehren werden."

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