Corriere della Sera - Italien | Mittwoch, 10. Oktober 2012
Alberto Melloni über die Strahlkraft des Zweiten Vatikanischen Konzils
Papst Benedikt XVI. eröffnet am heutigen Donnerstag mit einem feierlichen Gottesdienst auf dem Petersplatz das weltweite Jahr des Glaubens. Es beginnt am 50. Jahrestag des Beginns des Zweiten Vatikanischen Konzils, das den Auftrag hatte, die katholische Kirche zu modernisieren. Dieses war und ist ein revolutionäres Ereignis, befindet Kirchenhistoriker Alberto Melloni in der liberal-konservativen Tageszeitung Corriere della Sera: "Es bleibt einem nicht verborgen, dass das Zweite Vatikanische Konzil 50 Jahre nach seiner Geburtsstunde (dem 11. Oktober 1962) noch immer in der Lage ist, Begeisterung hervorzurufen. Bisweilen ist diese Begeisterung verworren. Denn über das Zweite Konzil ist so ziemlich jedes Urteil gefällt worden, es gilt als Katastrophe und Verrat ebenso wie als Gnade und Geschenk. Dabei ist eben genau die Entwicklung des Konzils über die Zeit hinweg und das 'permixta', das Zusammenspiel vieler einzelner Einflüsse, das alle vereinende Element. Vor diesem Schwall oberflächlicher Kategorien setzen sich am Ende wieder die Worte von Papst Roncalli ab [der das Konzil 1962 als Übergangspapst einberufen hat]: Ein Schritt nach vorn, ein neues Pfingstwunder. ... Jede Bagatellisierung oder an den Haaren herbei gezogene Konfrontation bestätigt nur das Primat des Roncallischen Leitsatzes für das Konzil: Eine Kirche, die fähig ist, die Sprache der Menschen zu sprechen."
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