Tages-Anzeiger - Schweiz | Mittwoch, 17. Oktober 2012
Bernhard Odehnal über die Renaissance der osteuropäischen Kommunisten
In zwei tschechischen Regionen ist die kommunistische Partei bei den Regionalwahlen am Samstag stärkste Kraft geworden und hat damit erstmals seit der Wende die Chance, wieder an die Macht zu kommen. Auch in anderen Ländern Osteuropas sind die Kommunisten wieder da, schreibt Journalist Bernhard Odehnal im Tages-Anzeiger: "Kommunistische Parteien sind nicht dort am gefährlichsten, wo sie in den alten mausgrauen Anzügen auftreten. Sondern in Verkleidung. Hinter dem Etikett 'Sozialdemokraten' verstecken sich in Rumänien Seilschaften ehemaliger Offiziere der Securitate und Anhänger von Diktator Ceausescu. ... Der 'sozialdemokratische' Regierungschef Victor Ponta war zwar in der dunklen Zeit unter Ceausescu noch ein Kind, versucht aber heute ganz im alten Stil, die Medien gleichzuschalten und die Opposition auszuschalten. Raffiniert verkleidet tritt auch der Kommunismus in Ungarn auf. Die Regierung von Viktor Orban würde natürlich jeden Verdacht kommunistischer Tendenzen empört von sich weisen. ... Aber seine Politik ist weder liberal noch konservativ: Sie zielt darauf ab, Ungarn zurück in den Kalten Krieg zu führen. ... Dieses Phänomen haben die Philosophen der Neuen Frankfurter Schule folgendermassen auf den Punkt gebracht: 'Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.'"
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