NRC Handelsblad - Niederlande | Dienstag, 23. Oktober 2012
Europas Einheit stärkt den Separatismus
Die separatistischen Bewegungen in Spanien, Belgien und Großbritannien haben unterschiedliche Ursachen, werden aber insgesamt durch die europäische Integration gefördert, analysiert die liberale Tageszeitung NRC Handelsblad: "Die Regionen wollen sich aus der Vormundschaft des Zentralstaats befreien, vor allem wenn sie glauben, dass ihr Wohlstand davon profitiert. ... Zum Beispiel in Belgien. Dort war Wallonien vor 150 Jahren der industrielle Motor, ist aber in den heutigen Zeiten der Dienstleistungswirtschaft hinter Flandern zurückgefallen. Solche Spannungen gibt es übrigens nicht nur im Ausland. Noch vor 40 Jahren machte sich Den Haag ernste Sorgen über das Aufkommen von Fré Meis und anderer Kommunisten in Groningen. Militante Agitation war im Norden ein älteres Phänomen. Aber durch die Entdeckung des Erdgases bekam der regionale Radikalismus einen realistischeren Charakter. ... Der Unterschied ist, dass der Regionalismus, der zu Separatismus führen kann, nun unter dem supranationalen Schirm von Europa gedeihen kann. Die Risiken des Aufbrechens des Einheitsstaats sind nun kleiner als damals. Das ist das Paradoxe des heutigen Separatismus: Er wendet sich oft gegen den Zentralstaat. Aber er kann dies nur dank der supranationalen Machtbildung in Europa."
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