Gazeta Wyborcza - Polen | Donnerstag, 1. November 2012
Magdalena Środa über die Randexistenz als Atheistin in Polen
Die Polen feiern am heutigen Donnerstag mit Allerheiligen einen ihrer wichtigsten Feiertage. Dem dominanten Katholizismus müssen sich Atheisten und andere weltanschauliche und religiöse Minderheiten immer mehr unterordnen, ärgert sich die polnische Feministin und Atheistin Magdalena Środa in einem Gastbeitrag für die liberale Tageszeitung Gazeta Wyborcza: "'Wie ist das so, wenn man Atheist ist?', fragen mich viele junge Journalisten. Denn sie wollen schreiben, wie dumm es ist, ein Mensch zu sein, der nicht glaubt, zu einer Zeit, an der alle anderen an den Tod denken. Allerdings können sie diese Frage immer seltener stellen, weil wir wahren Atheisten in Polen immer weniger werden. Erstens sind hier selbst die Atheisten fast schon Katholiken, weil sie um des lieben Friedens willen auch ihre Kinder taufen lassen und in den Religionsunterricht schicken. Sie heiraten kirchlich, hängen zu Hause vorsichtshalber Kreuze auf und tolerieren in ihren Siedlungen den Bau von hässlichen Kirchengebäuden, obwohl dort besser Gemeinschaftszentren oder Kulturhäuser stehen sollten. Zweitens bekommt die Bezeichnung 'Atheist' immer mehr einen negativen Beiklang. ... Drittens gibt es immer weniger Atheisten, weil die öffentliche Meinung, die Presse und die Eliten vom 'Wort Gottes' dominiert werden."
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